56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
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Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


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Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


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Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


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Warum die Einsicht Ecône unterstützt


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MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
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MITTEILUNGEN DER REDAKTION


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Buchbesprechungen


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SEKTIERERTUM ALS VORGABE


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DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


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Kapitel III, Forts. 4


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Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


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Kapitel III, Forts. 9


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Kapitel IV


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Herr und Knecht


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Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus
 
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus

von
Reinhard Lauth

    Herr Professor Michael Schmaus hat in der Zeitschrift "Der Fels" (2. Jahrg. Nr.2, Febr. 1971, S.50/51) in einem "'Für alle' oder 'für viele"' überschriebenen Artikel zur Frage der Gültigkeit der Wandlung in den neuen vulgärsprachlichen 'Messen' Stellung genommen, in denen die Wandlung des Weines in das heilige Blut Christi mit den Worten "Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird" vollzogen werden soll. Der Artikel von Prof. Schmaus ist so kennzeichnend für den heutigen Geisteszustand "führender" Theologen in der katholischen Kirche, daß er eine Analyse lohnt.

    In welcher seelischen Verfassung und Stimmung heute die zentralen Geheimnisse unserer Religion behandelt werden, davon zeugt die Bemerkung des Herrn Schmaus zu Anfang seiner Zuschrift, mit der er es dem Herausgeber der Zeitschrift anheimstellt, "mit den folgenden Zeilen [zu] verfahren, wie es Ihnen gut dünkt, gleichviel, ob Sie meine Darlegung als Leserbrief oder als einen kleinen Beitrag oder als Futter für den Papierkorb verwenden". Soviel ist also Herrn Schmaus seine Stellungnahme zur Frage der Gültigkeit der hl. Messe und damit eines möglichen Betrugs an Millionen katholischer Christen, die vielleicht nur mit gewöhnlichem Brot abgespeist werden, wert. Ein Priester unserer Kirche, der in einem Lande Osteuropas unter den Nationalsozialisten und unter den Kommunisten im Gefängnis gesessen hat und zum Tode geführt worden ist, schreibt mir dazu: "Professor Schmaus wird diese Ausführungen einmal vor dem Gerichte Gottes zu verantworten haben!" Möglicherweise glaubt aber Herr Schmaus "aufgrund zwingender exegetischer und historischer Erkenntnisse", die er zu haben vermeint (und auf die ich im folgenden zu sprechen kommen werde), schon nicht mehr an ein solches Gericht oder zum mindesten sind seine Vorstellungen inmitten des heutigen Ausbruchs von öffentlichem theologischen Wahnsinn schon so getrübt, daß er nicht mehr deutlich weiß, ob er glaubt oder nicht glaubt.

    Herr Schmaus gibt zunächst zu - und es erstaunt einen nachgerade, daß nicht auch schon diese Tatsache angezweifelt wird, denn schließlich könnte man ja die einzelnen Buchstaben eines Abdrucks unter die Lupe nehmen und zu bezweifeln beginnen, ob ein e noch ein e und nicht vielleicht schon ein c ist, aufgrund "zwingender physikalischer Erkenntnisse" etwa, - also Herr Schmaus gibt jedenfalls noch zu, "daß in der unmittelbaren lateinischen Vorlage [des neuen 'Ordo missae'] das Wort 'multi' steht" (S.51.). In der Übersetzung der deutschen 'Bischöfe' aber steht, auch das räumt er ein, "alle".

    Herr Schmaus hilft sich dann mit folgender erstaunlichen Unterscheidung: "Die Übersetzung in den Nationalsprachen mit dem Wort 'alle' ist in der Tat nicht buchstabengetreu. Sie entspricht aber dem Sinn dessen, was gemeint ist."(S.50.) Er erlaube zu dieser Behauptung die simple Frage, seit wann eine Übersetzung - sage: Übersetzung - buchstabengetreu - sage: buchstabengetreu - sein kann? Dann wäre diese "Übersetzung" doch wohl nur eine Abschrift desselben Wortes in eine andere Schrift? Seine Bemerkung ist also sinnlos - und das macht uns darauf aufmerksam, daß wir es bei manchen seiner Ausführungen mit sprachlichen Wendungen zu tun haben könnten, hinter denen nichts Vernünftiges gedacht ist.

    Fragen wir uns darnach, was Herr Schmaus wohl mit dem Ausdruck "sinngetreu" und der Wendung "genau" "dem Sinn dessen entsprechend, was gemeint ist" gedacht haben will. Offensichtlich, - so muß die Antwort lauten, - nicht das, was man gewöhnlich unter "sinngetreu" und "genau entsprechend" versteht. Wenn ein Gymnasiast die fraglichen Wandlungsworte bei Matthäus und Markus pro multis () mit "für alle" übersetzte, so würde ihm das sein Lehrer zweifellos als Fehler anrechnen und es ihm auch bei Berufung auf Sinntreue niemals durchgehen lassen. Hat doch schon ein Altphilologe einer namhaften deutschen Universität ironisch vorgeschlagen, man möge in Zukunft in jedem lateinischen Wörterbuch bei dem Worte multus eine Anmerkung hinzufügen, daß dieses Wort aufgrund einer päpstlichen Entscheidung in einem einzigen Ausnahmefalle auch "alle" bedeute. Man beachte noch insbesondere daß in keinem der überlieferten neutestamentlichen Wandlungstexte peri twn pollwn oder upo twn pollwn steht, so daß sich der Übersetzer auf die Bedeutung von oi polloi' beziehen könnte, das allerdings auch nicht den Sinn von alle hat, aber den von 'dem Gros" haben kann. (NB. ist deshalb auch die Übersetzung [17] "für die vielen" nicht ganz korrekt.) Es steht da peri pollwn und uper pollwn – und das heißt sinngetreu in deutscher Sprache nur: "für viele". Das, genau das und nur das ist der genaue Sinn dieser Stelle.

    Wenn Herr Professor Schmaus dennoch von "sinngetreuer" und "genauer" Übersetzung spricht, so meint er etwas anderes, als was der natürliche Sprachgebrauch erlaubt. Herr Schmaus hat mich bei diesen Worten etwas anderes im Sinn, als in ihnen ausgesagt wird, nämlich die Lehre der katholischen Kirche, daß der Erlöser Sein Blut für alle Menschen vergossen hat. Dies, erklärt er richtig, "ist einfachhin katholisches Dogma". (Nach den "neuesten""zwingenden theologischen Erkenntnissen" seiner Kollegen Rahner und Küng ist es wohl auch das nicht mehr - aber das können wir Herrn Professor Schmaus schenken.)

    Ist denn aber von diesem Dogma in den angezogenen Worten Jesu, die die hl. Wandlung zu bewirken vermögen, die Rede? Jeder, der die Texte besonnen liest, wird antworten: Nein! Denn dort ist die Rede davon, daß dies das Blut sei, das zur Vergebung der Sünden vieler ("pro multis ... in remissionem peccatorum") vergossen wird; wie es denn auch in der Übersetzung richtig heißen muß "... das für euch und für viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird". Die Worte "zur Vergebung der Sünden" bestimmen das Verbum "vergießen" und lassen nur ein "für viele" zu, da Jesu Genugtuung nicht bei allen Menschen die Vergebung der Sünden bewirkt. Eugen Banauch hat in seinem Artikel "Briefwechsel mit einem gutgesinnten Priester" Das Zeichen Mariens" 4.Jahrg.Nr.9,Jan.1971,S.1156) völlig einleuchtend gezeigt, "daß die Bedeutung eines Hauptsatzes durch einen nachfolgenden Relativsatz verändert werden kann. Wenn zum Beispiel [...] der neue Wandlungstext lautete: 'Das ist mein Blut, das ich n i c h t vergießen werde', so müssen Sie zugeben, daß der voranstehende Hauptsatz seinen Sinn verloren hätte. Sie werden doch gewiß nicht behaupten wollen, daß in diesem Falle noch das Sakrament verborum gewirkt würde. Nicht anders verhält es sich aber mutatis mutandis bei der neuen Wandlungsformel". Vielen - nicht allen werden durch dieses Blut ihre Sünden vergeben - das ist der Sinn dieses Satzes.

    Demgegenüber hat Herr Schmaus die Stirn, seinen Lesern, von denen vielleicht auch einige denken können, vor allem aber "den breiten Kreisen des Gottesvolkes", bei dem wir "eine solche Kenntnis und Urteilsfähigkeit [...] im allgemeinen nicht annehmen dürften' (s.51), zu erklären: "Wenn man sich entschlossen hat, [...] das bei Markus und Matthäus, nicht aber in der ältesten Überlieferung des Apostels Paulus und des Evangelisten Lukas vorkommende Wort 'viele' mit dem Auadruck 'alle' zu übersetzen, so ist damit der Sinn der Heiligen Schrift genau getroffen." !!! (S.50.)

    Die erste Überlegung, die sich einstellt, ist hier die, daß dann "in der unmittelbaren lateinischen Vorlage~" des neuen sogenannten ordo missae der Sinn nicht genau getroffen ist. Also hat die Kirche ausgerechnet in dem verpflichtenden, für alle volkssprachlichen Versionen die Norm abgebenden Text nicht sinngetreu übersetzt. Ob Herr Schmaus das wohl sagen wollte? Oder soll hier einmal rasch zur höheren Ehre der neuesten "zwingenden Ergebnisse" der Exegeten der Satz vom Widerspruche aufgehoben worin? Wenn man auf eine Stelle, die selbst eine andere Bedeutung hat, den Sinn ganz anderer Aussagen (den man immer richtig erfaßt haben mag) einfach. übertragen darf, dann sind noch ganz andere Übersetzungen sinngetreu!

    Der Leser der Ausführungen des Herrn Professor Schmaus sollte sich aber hier daran erinnern, daß Herr Schmaus als ein Theologe spricht, der Universitätsprofessor und als solcher im Besitz "zwingender exegetischer und historischer Erkenntnisse" (S.50) ist, die nachzuvollziehen es "den breiten Kreisen des Gottesvolkes" nach seiner "Kenntnis" an "Urteilsfähigkeit" fohlt. (Wohlverstanden: an Urteilsfähigkeit, und das heißt, daß sie nicht nur nicht so urteilen, sondern gar nicht so urteilen können! ) Der Lesermag daraus sogleich den Schluß ziehen (- es ist wahr, nach der klassischen Logik, aber er wage es immerhin! - ), was Herr Schmaus anstrebt, wenn er bei ihm mit seiner "pastoralen Hilfe" ein "Glaubensverständnis" herbeiführen und ihm zu einem "rechten, schriftgemäßen Verständnis" verhelfen will. Da dem Leser, den Herr Schmaus anspricht, ja die Urteilsfähigkeit in dieser Materie abgeht, kann das Wort "Verständnis' in diesem Kontext nur als verschönender Ausdruck dastehen. Es ist hier nur auf eine "Kenntnis", d. i. ein Memorieren dessen, was Herr Schmaus (und nach ihm: die Kirche) gesagt hat, und ein Auswendigwiederhersagen des Erinnerten gerechnet. Das Gottesvolk das sind doch nach den Gleichnisreden Jesu die Schafe, und unter denen kann sich ein heutiger Theologe, falls er auch nur geringe theologische Information besitzt", wie es scheint nichts anderes vorstellen, als eben ganz sinngetreu und genau - wirkliche Schafe.

    Von jenen "zwingenden exegetischen und historischen Erkenntnissen" bietet Herr Schmauch~aus einigen Kostproben, die wir uns näher ansehen müssen, um~ herauszufinden, wie er selbst es denn wenigstens mit der Erkenntnis hält.

    Herr Schmaus betont an zwei zentralen Stellen seines Artikels, daß die Überlieferung der Wandlungsworte durch Paulus (im 1.Korintherbrief) und durch Lukas "die älteste" sei. Es sei erlaubt, ihn aus dieser Anlaß eine präzise Frage zu stellen. Herr Schmauch! Wissen Sie, weiß irgend jemand, den Sic uns benennen können, das? Ich frage nicht, ob Sie oder sonst wer Kenntnis davon hat, daß andre Exegeten das kühnlieh behaupten; ich frage: ob Sie selbst es einschon? Ich will Ihnen m mit Fichtes Worten (in seinen Brief an Feßler vom 10.Juni 1800) ganz deutlich machen, wie ES mit diesem Ihrem "Wissen", Ihrer angeblichen "Erkenntnis" hier eigentlich steht: "Spuken da nicht die leider nicht ungewöhnlichen Begriffe von Wahrscheinlichkeit, von höhere und niedere Graden der Wahrscheinlichkeit, von einem Glauben, der ein rechter ganzer Glaube ist, und von einem andern Glauben, der freilich kein ganzer ist, aber darum~ doch - ein stattlicher Glaube? - als ob irgendwo die Wahrheit aus Flicken von Gründen zusammen~gesetzt, und nun mit der Elle gemessen würde. Meiner philosophisch erweislichen Überzeugung nach kann man auch in der Geschichte nur entweder wissen, oder nicht wissen; und im ersten Falle wissen, entweder daß etwas war, oder daß es nicht war; und es gibt [...] hier keinen Mittelzustand". Als Wissenschaftler ist rman verpflichtet, zu wissen, ob r:~an weiß und wo man weiß, und wenn man das nicht weiß, so muß man jedes Anrecht auf diesen Titel aufgeben. In der Wissenschaft können Sie ein derartiges "Wissen" nicht anbringen; und wenn Sie bei "breiten Kreisen des Gottesvolkes" damit anzukommen erwarten, dann gewiß nicht auf Grund von Vermittlung von Erkenntnissen, sondern nur von dem, was Sie im Verein mit Rahner, Küng und Conga, und wie sie alle heißen mögen, ihr ganzes Leben hindurch für "zwingende exegetische und historische Erkenntnisse" angesehen und ausgegeben haben, auf Grund von Folgerungen aus nie geprüften methodischen Vorurteilen.

    Ein Beispiel aus meinem Fachbereich möge ganz deutlich machen, was Sie unter "exegetischen Erkenntnissen" verstehen. In der Fichte-Interpretation, also genau dem, was der Exegese des Neuen Testamentes - nur an einen neueren Gegenstande - entspricht, war es ein in der Sekundärliteratur verbreitetes Vorurteil, die Theorie vom sogenannten Urvolk kommen ursprünglich von Schelling, weil sie sich in einen Werke dieses Schriftstellers früher findet als in den "Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters" von Fichte von Jahre 1806, wo er das erstemal von ihr zu sprechen schien. Aber siehe da! Bei der Bearbeitung des Nachlasses von Fichte stellte sich heraus, daß er die Theorie von Urvolke schon in seinen Vorlesungen über Logik und Metaphysik, den Jahren 1795-99 vorgetragen hatte. Also war die Exegese falsch! Nun beachten Sie wohl, daß nicht den erhaltenen Schriften Fichtes ein wohl hundertmal umfangreichere Textbestand vorliegt als mit den des Neuen Testamentes, und daß die Dichte der zeitgenössischen Zeugnisso sich wie etwa 100000 : 1 zu der der alten Zeit verhält. Hätte einer der Autoren der Sekundärliteratur über Fichte und Schollin~ sagen können, seine Aussage, Schelling habe die Theorie von Urvolk zuerst aufgestellt, fuße auf "zwingenden Erkenntnissen"? Sic verstehen demnach, Herr Schmaus, unter "zwingenden Erkenntnissen" schwankende Hypothesen aufgrund wissenschaftlich nicht zureichend bewährter methodischer Prinzipien. Und mit diesen "Erkenntnissen" blonden Sie das des Gebrauchs seiner Urteilskraft nach Ihnen unfähige "Gottesvolk". Gestatten Sie mir die Frage: Liegt darin nicht eine hochmütige Verachtung der Armen und Geringen?

    Unter dasselbe Verdikt wie Ihre Behauptung von der ältesten Überlieferung fällt dann auch Ihre "Erkenntnis", daß ''offensichtlich [...] den einzelnen Berichten [von den Wandlungsworten] verschiedene Traditionen zugrunde" liegen. Werter Herr Schmauch..aus! Es ist dem natürlichen Sprachgebrauch vielleicht nachzusehen, daß er sich des Wortes "offensichtlich" oder des Wortes "ganz gewiß" mit Vorliebe und mit Emphase gerade da bedient, wo die Sache gar nicht offensichtlich und rocht ungewiß ist. Aber ein Wissenschaftler, der sich beim. Urteil über die heiligsten Dinge, an denen unser ewiges Leben hängt, auf wissenschaftliche Einsicht beruft, muß wissen, was er sagt, sonst macht er sich der Verführung im religiösen Bereiche schuldig!

    Der dritte Punkt, der noch herausgehoben zu werden verdient, betrifft die Logik - die in Ihren Darlegungen ähnlich "fundamental" geschwächt erscheint wie bei Ihren übrigen~ vom Zeitgeist trunkenen theologischen Kollegen. Und da hätte ich denn gern erklärt, nach welcher logischen Regel man, wenn man die von Lukas berichteten Worte Jesu zu verstehen sucht, daß Er Sein Blut "für euch" vergieße, zu dem Schluß kommen kann, den Sic daraus ziehen, "daß das Blut Jesu nur für die im Abendmahlsaal anwesenden Apostel vergossen wird"? Und ebenso, nach welcher logischen Regel man "zu der Meinung kommen" kann, daß aus den Worten Jesu nach Matthäus und Markus, daß Sein Blut "für viele vergossen wird", folge, daß "die Apostel von diesem Vorgang auageschlossen werden" (S.50)? Nach meinem biederen Sinn müßte dann an jenen Stellen das Wörtchen "nur" stehen. (Ich schenke Ihnen, daß Sie bei diesem Ihrem Interpretationsstück doch auf einmal wieder pro multis mit "für viele" übersetzen!) Dann allerdings kann man nicht nur, sondern muß man logisch folgern zu der Erkenntnis - und nicht nur zu der Meinung - kommen, daß in Lukastext vom Ausschluß der anderen Glaubenden die Rede ist. Es scheint, daß wir es bei diesen Ihren Folgerungen abermals mit einer Probe dessen zu tun haben, was Sie eine "sinngetreue Übersetzung" nennen, nur daß Sie diesesmal. nicht sehr sorgfältig auf Ihren Ausdruck geachtet haben (- Sie dachten wohl gerade an die Möglichkeit einer Fütterung des Papierkorbs, und schließlich - das Gottesvolk kann es ja doch nicht beurteilen! -) und sich durch das sehr richtig gebrauchte Wort Meinung verraten. Ja wohl, Meinung! wie Sie denn, scheint es, Ihr ganzes Leben lang fröhlich "wissenschaftlich" gemeint haben, im fröhlichen Meinungeverein derer, die auf sogenannten katholischen sogenannten Akademien glänzen. Und um endlich noch auf das zurückzukommen, was ich Ihnen oben doch etwas zu voreilig schenken wollte: Sie verraten sogar, daß Sie selbst nicht meinen, was Sie den Gottesvolk als zu folgernder Meinung in pastoraler Hilfsbereitschaft aufreden wollen, indem Sie hier wieder die Matthäusstelle mit "für viele" übersetzen, also nach Ihren vorherigen Erklärungen nicht "genau" und nicht "sinngetreu", um daraus dann etwas logisch zu folgern. Wie sagt o doch jener erfahrene Staatsanwalt? "Es steht fast immer alles in den Akten. Man muß es nur zu finden wissen!"

    Doch ich erschrecke, daß ich Ihnen von Logik zu sprechen wage. Hat uns nicht die größte Autorität Ihrer derzeitigen Zunftbrüder, der künftige Kirchenlehrer aller refomistischen. Theologen, der Lehrer eines Karl Marx (!!!), gelehrt, "daß der Widerspruch eben so notwendig ist, als der Nichtwiderspruch"! (Hegel in seiner Differenzschrift, in den ''Gesammelten Werken", Bd.4,Hamburg 1968,S.25.) Es ist gewiß in den Augen nicht weniger neuer Refomkatholiken unerhört, daß ich Ihnen zumute, bei der klassischen (vermutlich bürgerlichen) Logik zu bleiben und nicht heillos hinter der fortschrittlichen Marschkolonne unserer marxistelnden Theologen herzuhinken. Aber sehen Sie, da ist auf der anderen Seite das unendlich schwerwiegendere Wort: "Wer einen von diesen Geringen ärgert, für den wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und daß er in die Tiefe des Meeres versenkt würde" und das zwänge mich, bei der Wahrheit zu bleiben, wenn es mich auch schon nicht triebe.

    Doch das Stichwort Hegel hat mich aufmerksam gemacht und ich entdecke in Ihrem Artikel, daß Sie wirklich nicht nur in puncto Logik bei ihm in die Schule gegangen sind. "Die Kirche weiß sich offensichtlich (NB. wieder ein 'offensichtlich') im Besitz jener hoheitlichen Gewalt, welche ihr erlaubt und sie ernächtigt, innerhalb des Feldes dessen, was Jesus gesagt hat.t, konkrete Bestimmungen~ zu treffen." So erklären Sie. Und dann' auch der letzte Zweifel, der Ihren "weiß" und Ihrem "offensichtlich" Widerstanden haben könnte, weiche, lassen Sie den für "den heutigen Menschen" wahrhaft terriblen Satz folgen: "Dies ist eine These, die heute L~B! 'heute'!] von der gesamten~ten [?] katholischen Theologie aufgrund zwingender exegetischer und historischer Erkenntnisse vortreten [NB. 'vertreten'!] wird." Da wir schon wissen, was bei Ihnen Erkenntnis heißt, so heißt Ihr S`~Satz - diesmal wirklich sinngetreu in eine deutsche Sprache übertragen, die fähig ist, das auszudrücken, was gedacht wurde: "Die Reformclique meint im.1 Besitz jenes Meinungsprestiges zu sein, welches es ihr gestattet, mit einfachen Machtsprüchen in einzelnen zu bestimmen, was Jesus gesagt haben soll." Denn daß hier von der Kirche nicht die Rede sein kann, wird sich gleich ergeben."Hoheitliche Gewalt kann nur von der Wahrheit herkommen, nicht aber von exegetischen und historischen Meinungen, die einge Reformisten  vertreten. Ihre Behauptung, werter Herr Schmaus, erinnert mich fatalerweise an langwierige Debatten, die ich vor rund einem Jahrzehnt mit engagierten Hegelianer geführt habe (er kam später ins Irrenhaus), der mir vergeblich  klarmachen suchte, daß der Sinn eines Wortes, das jemand ausspricht oder niederschreibt, nicht durch diesen Jemand bestimmt wird, sondern durch denjenigen, der ihn versteht. Er hatte für seine Person einen leichten Stand mit meinen Behauptungen, da sie ja immer erst ihren Sinn durch die Art und Weise erhielten, wie er sie verstand, - und das war, kann ich Ihnen versichern, so sinngetreu, wie Sie, Herr Schmaus, die Worte Jesu verstehen. Er wußte sich, von Hegel indoktriniert, wohl auch im Besitz jener hoheitlichen Gewalt, die es ihm erlaubte, meine Worte zu verdrehen. Ich muß gestehen, daß ich nur nie ganz begreifen konnte, warum er sich mit der Interpretation meiner Worte so schwer machte und mich immer wieder von neuem angriff, da er sie doch ganz einfach hätte deuten können, wie es ihm im Besitz jener hoheitlichen Gewalt beliebte.
    Mit diesem Ihrem Satze aber sind wir auf den Kern des Streites gekommen. Sie behaupten, Herr Schmaus, die Kirche habe nachweislich das Recht, die Wandlungsworte "konkret zu bestimmen", lies: sinngetreu (in Ihrem Sinne dieses Wortes) zu übersetzen. Da Sie bei dieser Erörterung die Wandlungsworte obstinat als "Gebet in der Volkssprache" bezeichnen, muß man allerdings daran zweifeln, ob Sie sich bei der Abfassung Ihres Artikels noch bewußt waren, daß diese Worte hier nicht als Gebet, sondern als forma sacramentum officiens [das Sakrament bewirkende Form - Anm. d.Red.] zur Debatte stehen.

    Sie sind Dogmatikprofessor, Herr Schmaus! Was ich Sie jetzt fragen werde, kann das Sie also nicht überraschen. Ich wäre Ihnen für eine klare und eindeutige Antwort dankbar.

    Meine erste Frage betrifft die Kirche, und wenn ich im folgenden von der Kirche rede, so meine ich das von Christus gegründete und autorisierte kirchliche Lehramt, und nicht die vereinigten deutschen Bischöfe oder das von Ihnen beliebte ''man", unter dem wohl die Reformerrotte zu verstehen ist. Ich frage also: "Hat die Kirche, der von Jesus aufgetragen ist, alles zu bewahren, was Er sie gelehrt hat, und es selber zu lehren, - hat das kirchliche Lehramt das Recht, einem formulierten Dogma zu widersprechen?

    Sollten Sie mit Ja antworten, so müßte man freilich die Debatte mit Ihnen als geschlossen ansehen. Sie gehörten dann zum Kreis derer von der Geschichtlichkeit der Wahrheit, für die alles und nichts wahr ist und an die jeder weitere Versuch, sie von etwas zu überzeugen, verschwendet wäre. Sollten Sie aber mit Nein antworten, so erlauben Sie bitte die weitere Frage: Ist es ein Dogma der katholischen Kirche, das sogar die römisch-katholischen Bischöfe  gemeinsam mit den orthodoxen auf dem Konzil von Florenz bestimmt haben, daß "die Form dieses Sakramentes [ces Altares] die Worte des Erlösers sind, mit denen er dieses Sakrament vollzog." (DS 1321) Kann, nachdem dies einmal als Dogma festgelegt worden ist, irgend jemand in der Kirche, und sei es der Papst, diosem Dogma widersprechen, ohne aus der Kirche ausgeschlossen zu sein? Hat der Papst nicht bei seiner Krönung mit einem feierlichen Eid beschworen, daß er sich (!) und jeden mit diesem Interdikt des strengen Anathems belegt, wenn er etwas gegen die festgesetzte kirchliche- Lehre Angehendes oder ihre [Integrität Verletzendes zu tun wagen sollte? (Liber Diurnus Romanorum Pontificum, P.L. 105, pag. 54 vel 44.)  Bedeutete nicht im übrigen ein solcher Widerspruch, daß die Kirche ihre eindeutige  Lehrsubstanz, die ewig für alle Zeiten geltenden ende Wahrheit, aufgäbe und zu einer weltanschaulichen Partei absänke, die heute dies und morgen jenes und jeden falls nichts ernstgenommenes und Ernstzunehmendes vertritt?  Können die Worte "das für alle vergossen wird" in irgendeinem sprachwissenschaftlich ; annehmbaren Sinne als diejenigen Worte bezeichnet werden, "mit denen Er dieses Sakrament vollzog" (Verba, quibus hoc confecit~ sacramentum) ? Können sie demnach die Wandlung- bewirken?  Sie wissen, daß es darauf nur eine einzige der Wahrheit entsprechendes Antwort, gibt: Nein, sie können es nicht! Denn da sie nicht diejenigen Worte sind, mit denen Jesus die Wandlung vollzog, können sie nach katholischem Dogma auch die Wandlung nicht bewirken. Es ist dabei auch im Auge zu behalten~, daß der Herr selbst ausdrücklich die Anweisung gegeben  hat, "Tuet dies [ebendies!], so oft ihr es tut ..." [d.h. so oft ihr die Wandlung  vollzieht].

    Ich frage weiter: Hat das Konzil von Trient nicht ausdrücklich und dogmatisch verpflichtend hierzu erklärt: daß diese "in ihrer Aussage deutlichen und offenkundigen Worte" des Herrn von den heiligen Evangelisten aufbewahrt worden sind und "daß es eine höchst unwürdige Schandtat ist, wenn diese Worte, da sie jenen bestimmten und ganz offenkundigen Sinn haben, von gewissen Menschen in ihrem Ehrgeiz und ihrer Verkehrtheit in freierfundene und erphantasierte Aussagon verkehrt werdort, entgegen dem Sinn, den ihnen die gesamte Kirche gegeben hat, die wie eine Säule und das Firmament der Wahrheit diese von ruchlosen Menschen auegedachte Sinngebung    a l s  s a t a n i s c h verabscheut"? (DS 1637)
    Oder können Sic irgendwelche katholische Liturgien oder Lehraussagen benennen, Herr Schmaus, in denen die Kirche in all den Jahrhunderten ihrer Existenz pro multis mit "für alle" übersetzt oder als "für alle" verstanden hätte? Können Sie das nicht, so stehen Sie und alle, die Ihre These vertreten, im Widerspruch zu der offenkundigen und klaren Aussage der Kirche und damit nach der dogmatisch-bindenden Erklärung von zwei Konzilien ausserhalb der Kirche.

    Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie auf die Ihnen hier gestellten Fragen eine klare und unzweideutige Antwort getan wollten. Die Sache ist zu wichtig, als daß sie im Unbestimmten gelassen worden dürfte. Es ist schließlich wohl nicht zu viel verlangt, wenn wir fordern, daß mit unserer ewigen Seligkeit kein frivoles Spiel getrieben wird. Glauben Sie, der Herr hätte nicht von Ewigkeit her jedes Wort erwogen, das Er uns zu derjenigen Form gegeben hat, die Sein heiliges Opfer bewirkt?

    Glauben Sie, daß der Heilige Geist die Kirche über das zentralste Heilsgut, das Sie verwaltet, nicht hinreichend belehrt hat?

    Von "pastoralor Hilfe" kann bei solchen Gründen, wic Sie sie anführen, keine Rede sein. Ihre vorgeblichen "Erkenntnisse' in dieser Sache sind nur Hypothesen, die der derzeitigen apostatischen Reformerclique schmeicheln und ihr willkommen sind. Welche Gründe Sie bewogen haben, sich den Rahner, Küng, Metz und wie sie alle heißen, anzuschließen, weiß ich nicht. Dafür weiß ich gewiß, daß diese Leute nicht wissen, wann etwas evident ist und wann nicht, und nur so tun, als ob sie es wüßten; und sie tun sich noch etwas zugute auf die "pastorale Hilfe für das rechte, schriftgemäße Verständnis", das sie dem urteilsunfähigen Gottesvolk beibringen.

    Aber glauben sie denn wirklich, daß sie damit jemals Überzeugungen begründen können? Verachten sie ihre Mitmenschen denn schon in dem Grade, daß sie voraussetzen, es werde ja doch niemals jemand daherkommen, der ihre Behauptungen auf ihre Stichhaltigkeit hin genau überprüft? Sie bieten Häuser zum Bewohnen an, die alsbald einstürzen müssen. Und wie ernst sie selbst und die von ihnen ausgebildeten jungen Theologen ihre Lehren nehmen, davon gibt die Zahl von 25000 abgefallenen Priestern seit dem 2. Vatikanischen Konzil einen schaurigen Beweis. Der erste Sturm wird ihre elenden Bruchbuden einreißen, und dann steht das gläubige katholische Volk ohne Wohnung da – durch ihre Schuld! Gott wird Rechenschaft von ihnen fordern!

 
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