VOM GEBET
von H.H. Father Oswald Baker (übers. von Anna Müller)
Das Gebot, allezeit zu beten, ist keine Phrase. Es gibt keine wunderbarere und nützlichere Tat als das Gebet. Jeden Moment, bei Tag und bei Nacht können wir in innigster Vereinigung mit Gott oder irgend einem Glied der triumphierenden Kirche im Himmel sein - ohne große Formalität, außer dem Wunsch, dies zu wollen. Gebet ist eine innige Vereinigung von uns und Gott. Der Herr lehrt uns, stets zu beten. Wie ist das möglich?
Die meisten von uns arbeiten, ihre Zeit ist angefüllt mit alltäglichen Pflichten. Und dann sollen wir immer beten? Wenn es Gott befiehlt, muß es wohl möglich sein.
Führen wir nicht oft innerlich, während des Tages, eine Art Unterhaltung mit uns selbst - über all das, was wir hören, beobachten oder was das Gedächtnis an Eindrücken in unsere Aufmerksamkeit bringt? Was immer es sei, fad und alltäglich - der Herr wünscht, daß wir es zu Ihm bringen. Er ist interessiert an allem, was uns betrifft. Er wünscht, daß wir ganz zu Ihm gehören, Er wünscht unsere Sorgen zu teilen, und mit ein wenig Übung kommen wir dahin, alles zu Ihm zu bringen. Die Übung wird uns auch helfen, sündhafte Gedanken zu meiden, sie wird uns lehren, eine einfache Unterhaltung mit Ihm zu führen, die erzeugt die Freiheit eines ständigen Bereitseins, um mit Ihm in eine seelische Beziehung zu treten - ohne daß wir unsere Alltagspflichten vernachlässigen, sondern zu deren Heiligung.
Es ist gut und außerordentlich nützlich, liebgewordene Stoßgebete zu haben - z,B.: Jesus demütig von Herzen; hl. Maria, bitte für uns; Jesus gib mir Kraft. Benutze sie, um Zerstreuungen zu bannen - als -Zwischenzeiten, als Form für andere zu bitten. Bete um die Gnade der Reue für die Sünder, bete für jene, die der Hl. Messe und der Sakramente jetzt oft lange beraubt sind, bete für die Wiederherstellung des Hl. Meßopfers, bete für Seelen, die an Selbstmord denken - es gibt jetzt deren so viele. Stoßgebete sind sehr wirkungsvoll für die Verlassenheit der Seele, welche uns demnächst übe' kommen kann. Die Gebetsübung, die Gegenwart des Herrn wird uns Freude und Frieden bringen, welcher niemals endet. Manchmal können wir uns fühlen, als hätte uns der Herr verlassen - nicht wegen unserer Fehler. Freude und Friede wechseln ab mit Verlassenheit und Mutlosigkeit; das ist die Zeit der Prüfung: prüfen wir, ob wir den Herrn wegen Seiner Gaben oder Seiner selbst willen treu sein wollen.
Es ist uns erlaubt, an Seinem Leiden teilzunehmen. Wir können oft eine lange Zeit der Vernachlässigung, der Leere erfahren. Versuchungen im Glauben und der Hoffnung mögen gefolgt sein von Versuchungen auf sinnlichem Gebiet oder Versuchungen zum Hochmut. Wenn du in der Tiefe deiner Seele fortfährst, entschlossen ihm zu vertrauen - mag auch das Herz von Kummer schon fast erdrückt sein -, dann wirst du; den Frieden zurückerlangen. Manche lebten Jahre in diesem Zustand - und starben auch darin, z. B. die hl. Theresia v. Lissieux war eine von diesen Versuchten, die aber starkmütig Gott vertraute . Mit den meisten von uns wird Jesus aber Mitleid haben und das frühere Licht der Freude zurückbringen. Wenn wir großmütig zum Herrn sind, wird Er uns erheben und stützen während all der Prüfungen, bis wir ganz mit Ihm vereint sind und Ihm ganz gehören. Wenn wir in dieser Beharrlichkeit durchhalten, dann wird uns Gott auch einen glücklichen Tod schenken. Der Herr wird ihn uns als Antwort auf unser auadauerndes Gebet erfahren lassen.
Wir sind normalerweise so eingestellt, daß wir das gesprochene Gebet nur als Bittgebet zu Gott auffassen - die meisten denken so, vielleicht nicht alle. Die richtige, Gebetshaltung wäre die, wenn wir zunächst einmal um die Vergebung der Sünden beten würden, um mehr Liebe zu Gott, um mehr Liebe zum Gebet selbst, um Auadauer im Kampf für das ewige Leben. Sind wir zurückhaltend mit dem Beten für bestimmte Güter und fragen erst Gott, ob Er sie uns zukommen lassen will, damit sie wirklich zum Segen gereichen.
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