DIE RECHTSCHREIBUNG DER DEUTSCHEN SPRACHE IM WÖRTERBUCH VON DUDEN UND DER RÖMISCH-KATHOLISCHE GLAUBE
von H.H. Walter W.E. Dettmann
Auf dem Umschlag des Duden-Wörterbuch war bei der 15. Auflage zu lesen, daß die Rechtschreibung der deutschen Sprache seit Jahrzehnten von der Dudenredaktion betreut werde, "die die amtliche Rechtschreibung gewährleistet". Tatsächlich kann man sich in der Dudenredaktion über die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache in Österreich und Südtirol, in Elsaß-Lothringen, in Luxemburg, in den USA, in Kanada und Australien und Südafrika unterrichten; es scheint jedoch noch nichts über die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache im römisch-katholischen Glauben zu geben. Gewisse katholische Begriffe scheinen gemäß Duden gar nicht zur deutschen Sprache zu gehören. Die neuen Ausgaben der Duden-Rechtschreibung (15.-17. Aufl.) legen ferner Wert darauf, daß die heutige Umgangssprache des täglichen Lebens zunehmend berücksichtigt wird. Aber sie berücksichtigen wenig die unaufgebbaren Begriffe des römisch-katholischen Glaubens. -
Bei Duden finden sich die verschiedensten Schimpf- und Fluchwörter sowie solche Ausdrücke, deren Gebrauch den Regeln des Anstands zuwiderlauft; man sucht bei Duden aber vergeblich nach der Rechtschreibung solcher Dinge, die für katholische Gläubige selbstverständlich sind, wie z.B. das Wort "Rosenkranzgesetz" oder "Rosenkranzgesetzchen". Die 17. Aufl. Dudens behauptet, sie sei bezüglich Rechtschreibung und Worterklärung "maßgebend in allen Zweifelsfallen", sie sagt aber nicht, ob das Wort "Rosenkranzgesetz" etwas mit einem Kirchengesetz zu tun hat, oder ob es sich dabei um eine Zusammensetzung und Zusammenstellung von Rosen handelt.
Im Duden kommt zwar das Wort "Kreuzweg" vor, nicht aber "Kreuzwegstation". Das Wort "Kniebeugung", das von den anerkanntesten Fachleuten der katholischen Liturgiewissenschaft verwendet wird, ist im Duden nicht zu finden. Statt dessen gilt es hier nur den mehr oder minder gefärbten Begriff "Kniebeuge". Den Begriff "Geheime Offenbarung", der zum katholischen Allgemeingut gehört, hat die Dudenredaktion nicht in ihr Wörterbuch aufgenommen, obwohl noch in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg "Die sechzehn Holzschnitte Albrecht Dürers zur Geheimen Offenbarung" von einem namhaften Verlag im Druck herausgegeben worden sind.
Bei dem Begriff "Vision" gilt Duden nur die Erklärung: "Erscheinung"; "Trugbild". Die eigentliche Bedeutung von "Vision" als "Schau" oder "Schauung" wurde unterschlagen. Das Wort "Schauung" sucht man bei Duden vergeblich. Von dem Hauptwort "Visionär" behauptet Duden, es sei "veraltet"; als Worterklärung führt er an: "Geisterseher" und "Schwärmer". Dabei setzt er voraus, daß es keine Geister gibt. Sonst konnte er das Wort Visionär nicht als veraltet bezeichnen. Der Ausdruck "Schwärmer" hat mit der Grundbedeutung von "Visionär", nämlich "Seher", nichts zu tun. Die für gläubige Katholiken vertrauten Wörter "Marienerscheinung", "Muttergotteserscheinung" fehlen im Duden. Das Wort "Stammeltern" als Bezeichnung für das erste von Gott geschaffene Menschenpaar Adam und Eva besitzt im Duden ebenfalls keine Aufenthaltsgenehmigung.
Im Evangelium sagte Jesus zu den Juden: "Es steht geschrieben: 'Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden'. Ihr aber habt eine Rauberhohle daraus gemacht" (Matth. 21,13; Luk. 19,46). Der in sehr vielen deutschen Evangelienübersetzungen enthaltene Ausdruck "Bethaus" ist sogar in der Wortkonkordanz zur Lutherbibel, die im Jahre 1969 von der Württembergischen Bibelanstalt herausgegeben wurde, enthalten. Trotz dem fehlt dieser Ausdruck im Duden, der nur auf ordinäre, nicht aber auf religiöse Umgangssprache Wert zu legen scheint. Die Bezeichnung "das höchste Gut" für das heiligste Altarsakrament ist im Duden ebensowenig enthalten wie zahlreiche andere Begriffe, die den kath. Gläubigen aus dem Unterricht Ober das hl. Meßopfer vertraut waren. z.B. "Schultertuch", "Casula", "Vormesse", Stufengebet", "Staffelgebet", "Katechumenenmesse~, "Opfermesse", "Wandlungsworte", "Brotbrechen" usw. Unter solchen Umstanden ist es klar, daß auch Begriffe wie "Herz-Jesu-Verehrung", "Herz-Jesu-Freitag" und ähnliche im Duden fehlen.
Der Anspruch Dudens, für die gesamte deutsche Rechtschreibung zuständig zu sein und das gleichzeitige Fehlen derart vieler, z.T. wichtigster katholischer Begriffe im Wörterbuch sind nur dadurch zu erklaren, daß die heutigen Bischofe mit der Dudenredaktion in dem Wunsch Übereinstimmen, den römisch-katholischen Glauben aus der Erinnerung der kommenden Generation verschwinden zu lassen. Wenn die Bischöfe wollten, wäre es für sie ein leichtes, die Aufnahme der fehlenden Wörter in das Rechtschreibungsbuch zu veranlassen. -
Unsere sogenannten Bischöfe sagen immer wieder die Unwahrheit, wenn sie großspurig in Presse, Rundfunk und Fernsehen behaupten, der römisch-katholische Glaube sei heute noch derselbe wie vor dem Konzil und gar nichts sei davon "abgebröckelt"; dies ist ein bevorzugtes Wort vom Chef des Ordinariats Rottenburg. Auf jeden Fall ist das Wörterbuch der deutschen Rechtsprechung von Duden bei weitem nicht für alle katholischen Begriffe maßgehend und zuständig.
Bei allem Tadel gegenüber der Dudenredaktion muß man ihr aber in einem ganz bestimmten Punkte Anerkennung zollen. Denn das sonderbare neue Wort "Hochgebet", womit die deutschen Bischöfe uns schon seit zehn Jahren den Schwindel der neuen Liturgie schmackhaft machen wollen, ist von der Dudenredaktion bis heute noch nicht für wert befunden worden, in den deutschen Sprachschatz aufgenommen zu werden. Duden kennt seit 70 Jahren nur das Wort "Hochamt". nicht aber das von Prof. J.A. Jungmann zusammengebastelte und zusammengeleimte Wort "Hochgebet".
Es gibt Wörter, die von Dichtern oder guten Schriftstellern neu geformt werden und zu allen Zeiten Eingang in den Sprachschatz der Völker finden. Bei dem gekünstelten Ausdruck "Hochgebet" als Ersatz für "Meßopfer" ist dies nicht der Fall. Diese Sache ist und bleibt ein Erzeugnis von liturgischen Robotern. Den Beweis dafür Liefert das Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung von Duden.
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