ZUM ROSENKRANZMONAT
von H.H. Pfarrer Josef Leutenegger
Liebe Leser und Leserinnen der "Einsicht"!
Der Monat Oktober ist von jeher der Königin des hl. Rosenkranzes geweilt. Er ist der Propagandamonat für das Rosenkranzgebet. Und wann wäre dieses Gebet nötiger als heute?
Eine zügige Propaganda aber muß mit Schlagzeilen arbeiten. Diese Schlagzeilen für die Rosenkranspropaganda liefert uns die höchste kirchliche Autorität: Aussagen der Päpste.
Die erste Schlagzeile legt uns Gregor XIII. in den Mund. Er nennt den Rosenkranz Placatio irae divinae, die Versöhnung des göttlichen Zornes. Wieso das? Im Rosenkranz halten wir dem beleidigten Gott das heiligste Herz seines Sohnes und das unbefleckte Herz Mariens entgegen. Wir rufen: "Den Du o Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen hast, den Du o Jungfrau geboren, den Du o Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast!" Soll die große Erniedrigung des Herrn bei der Menschwerdung und sein Opferleben, das bei der Geburt begann und im Tempel aufgeopfert wurde, umsonst gewesen sein? Brachten diese Akte nicht vollwertige Sühne? Und erst im schmerzhaften Rosenkranz! Muß unser Beten nicht den Zorn Gottes besänftigen? Denn wir lenken ja die hehre Majestät Gottes auf den Blut schwitzenden, gegeißelten, dornengekrönten und gekreuzigten Heiland. Sein heiliges Blut, seine Verdienste opfern wir durch die reinsten Hände Mariens dem ewigen Gott auf. Werden sie nicht lauter rufen als das Blut Abels, des Gerechten? Ebenso stellen wir dem Vater den Auferstandenen und göttlichen Sieger vor Augen, den Bezwinger von Tod und Hölle. Darf des göttlichen Siegers Reich leer bleiben? Das wird aber geschehen, wenn nicht die göttliche Gerechtigkeit Gnade vor Recht ergehen läßt und Verzeihung gewährt. Und nachdem wir Gott an die Geheimnisse des Rosenkranzes erinnert haben, erhalten erst volle Kraft die Bitten: "Vergib uns unsere Schuld!" und "Mutter Gottes bitte für uns arme Sünder!" Sie pochen gewaltig ans Herz Gottes besonders wenn wir sie im Massensprechchor zum Himmel rufen. Daher kann Gott nicht zuschlagen, er muß einhalten. Daher die Tatsache, daß immer dann, wenn das katholische Volk bei großen Heimsuchungen mit dem Rosenkranz zum Himmel schrie, die Heimsuchungen wichen oder nicht eintraten. Placatio irae divinae, Besänftigung des göttlichen Zornes, hat Gregor XIII. den Rosenkranz genannt.
Sein Nachfolger Gregor XIV. nannte ihn Destructio peccati, die Zerstörung der Sünde. Ist nicht die Sünde die Ursache alles Leides und alles menschlichen Elendes auf dieser Erde? Aber nicht I zum Leiden erschuf Gott den Menschen, sondern zum Glück, zum ewigen Heil. Erst die Sünde brachte das Leid. Sie ist die Ursache alles menschlichen Elendes. Aber nicht die Erbschuld allein! Schaffen wir nur einmal die persönlichen Sünden aus der Welt, aus dem Leben der einzelnen wie der Völker, die Habsucht, die Ehrsucht, die Unzucht, die Unmäßigkeit usw. und viele Übel verschwinden. Die Hl. Schrift sagt ja: "Die Sünde macht die Völker elend." (Spr.14,34) Und der Dichter fügt hinzu: "Der Übel größtes aber ist die Schuld".
Gregor XIV. nennt den Rosenkranz "Destructio peccati, die Zerstörung der Sünde". Er hat recht. Rosenkranz und Sünde vertragen sich nicht miteinander. Sie können nicht neben einander bestehen. Zu heftig klagen die Worte das Sünderherz an: "Der für uns ist gegeißelt worden, der für uns ist mit Dornen gekrönt worden, der für uns das schwere Kreuz getragen hat, der für uns ist gekreuzigt worden". Immer wieder ruft beim Beten des Rosenkranzes das Gewissen dem Sünder zu: "Das ist dein Werk! Wie kannst du in diesem Zustand einmal mit dem Auferstandenen Auferstehung feiern? Wirst du einmal bei der gorreichen Königin glücklich sein, wenn du in diesem Zustande verharrst?" Und das beim Beten des Rosenkranzes enthüllte Beispiel des Heilandes und seiner Mutter stimmt ganz und gar nicht zu dem Zustand der Seele, die in der Sünde verharrt. Das muß doch bei der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse auf eine sündige Seele Eindruck machen, so daß das Gebet: "Vergib uns unsere Schuld!" reuig aus dem Herzen kommt und Verzeihung findet, verbunden mit dem festen Vorsatz, von nun an ein Gott treues Leben zu führen. Destructio peccati! Das ist sicher. Ein Christ, der oft oder täglich den Rosenkranz betet, wird kaum in der Sünde verharren. Bei dem hat sie kein Hausrecht. In einer Familie, in einer Pfarrei, wo der Rosenkranz heimisch ist, haben die großen Volkslaster keinen Zutritt. Zerstörer der Sünde nennt Gregor XIV. den Rosenkranz.
Pius V., der Heilige nennt ihn Purgatio tenebrarum haeresis, Reinigung von der Finsternis der Häresien, der Irrlehren. Unzählige Irrlehren haben schon die Runde um die Welt gemacht. Denken wir an die Irrlehren des Frühmittelalters, den Arianismus, Nestorianismus, Macedonianismus, Pelagianismus. Und seitdem Luther die Brandfackel der kirchlichen Revolution in die Welt geworfen hat, hat der Protestantismus ungezählte Sekten hervorgebracht. Und heute ist unsere Kirche von zahllosen Irrlehren förmlich durchsetat und verwüstet, wie das Bartholomäus Holzhauser (gest. am 16.5.1658) vorausgesagt hat. Die katholische Kirche werde verwüstet und von zahllosen Häresien durchsetzt sein. Alle Lehren der Kirche werden heute von den modernen Theologen in Zweifel gezogen, ja direkt angegriffen. Und es ist geradezu auffällig, wie diese Theologen fast durch die Bank weg eine Abneigung gegen die Gottes. Mutter haben. Sie wissen wohl, daß die Mutter des Herren die Feindin aller Irrlehren ist. Betet doch die Kirche seit alter Zeit von Maria : "Die Du alle Irrlehren überwunden hast."
Die große Waffe zur Überwindung der Irrlehren ist der hl. Rosenkranz. Gab ihn doch die Mutter Gottes nach der Legende oder Überlieferung dem hl. Dominikus zur Überwindung der schrecklichen Irrlehren der Waldenser und Albingenser, die im 14. Jahrhundert Südfrankreich verwüsteten. Nie hatten wir mehr Grund zum allgemeinen Rosenkranzgebet als gerade jetzt, wo es um unser gesamtes Glaubensgut geht. Und wenn ich an den Satz glaube, den uns vor gut 20 Jahren ein Freund sagte, daß nach seiner Meinung der katholische Glaube durch die Laien in eine bessere Zeit gerettet werde, dann ist es deswegen, weil gerade an den neueren Marienerscheinungsorten der Rosenkranz so eifrig und so massenhaft gebetet wird. Der Rosenkranz ist in Wahrheit die Purgatio tenebrarum haeresis, die Reinigung von ten Finsternissen der heutigen Häresien, und das ganz besonders in Hinsicht auf die allerschlimmste Häresie, die Häresie des Materialismus. Unzählige Christen sind ihr verfallen, dieser übertriebenen Sorge um das zeitliche Wohl, um das Irdische. Sie glauben ans Geld, an die Technik, an den Fortschritt und nebenbei glauben sie noch an Gott, aber dieser ist in den hintersten Winkel ihres Herzens verbannt. Sie leben der Arbeit, dem Geldgewinn, dem Genuß, dem Vergnügen wie der reiche Mann im Evangelium (Lk.12,16) oder gar der reiche Prasser (Lk.16,19). Das Überirdische, das wahre Ziel haben sie aus den Augen verloren.
Der Rosenkranz aber ist ein lauter Mahner an die Ewigkeit, ein Sursum corda. Er weist hin auf das letzte, das wahre Ziel des Menschen. "Der Dich o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat, der Dich o Jungfrau im Himmel gekrönt hat!" und im schmerzhaften Rosenkranz wird uns gezeigt, was es sich der Heiland für Mühe kosten ließ, uns den verlorenen Himmel wieder zu öffnen.
Im freudenreichen Rosenkranz sehen wir die wunderbare Fürsorge Gottes um die Heilige Familie. Diese Fürsorge läßt Gott allen jenen angedeihen, die ihre Hoffnung auf ihn setzen; der Rosenkranz reinigt una von der Häresie des Materialismus.
Und Papst Clemens VIII. nennt den Rosenkranz Salus fidelium, Heil des gläubigen Volkes, sowohl des zeitlichen als auch des ewigen Heiles.
Des ewigen Heiles: Er ist ein Prediger des Glaubens und der Tugend. Ja, das ist er. Solange er gebetet wird, da ist der Glaube, da sprießen die christlichen Tugenden. Und solange er gebetet wurde, stand es nie schlecht mit dem Glaubens- und Tugendleben des Volkes. Grundlage aber des ewigen Heiles, so sagt das Konzil von Trient, ist der Glaube. Der Rosenkranz war von Jeher ein Glaubenagebet. Er beinhaltet den ganzen wahren katholischen Glauben, sowohl in seinen Gebeten als auch in den Rosenkranzgeheimnissen. Wer den Rosenkranz fleißig betet, bleibt ein gläubiger Christ. Und wer aus dem Glauben lebt, wird oder bleibt ein guter, ein tugendhafter Christ. Im Rosenkranzgebet hat er dazu die herrlichsten Beispiele. Und er kommt so zum ewigen Heil.
Salus populi ist der Rosenkranz besonders in den Zeiten der Not. Von selbst greifen wir da zum Rosenkranz, wenn die Nöte des Lebens an uns herantreten, und wir tun das nie vergebens. Der Rosenkranz war immer ein Notgebet. Er verdankt ja seinen Ursprung einer tiefen Notzeit, jener Zeit, als die Albingenser und Waldenser in Südfrankreich Kirche und Staat verwüsteten. Erst suchten Staat und Kirche mit Waffengewalt dieser Seuche Herr zu werden: umsonst! Erst Dominikus gelang es, diese Irrlehren zu überwinden. Und das Mittel dazu war der Rosenkranz! Ich denke an die Jahrhunderte dauernde ständige Bedrohung des christlichen Abendlandes durch die Mohamedaner. Die restlose Beseitigung dieser Gefahr geschah nicht so sehr durch die Heere, die militärische Macht des Abendlandes, dem das waren die Heere der Rosenkranzbeter, die immer wieder eingesetzt wurden. Ich denke an die Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert. Wenn die Innerschweiz damals katholisch blieb, war das vor allem das Verdienst des Rosenkranzes. Man erkannte die Innerschwyzer am öffentlichen Tragen und Beten des Rosenkranzes. Auch in der Neuzeit bewährte sich der Rosenkranz als salus fidelium. Ich denke an Brasilien, das unter Präsident Goulard in höchster Gefahr war, dem Kommunismus zu verfallen. Die Rettung waren eine halbe Millionen brasilianischer Frauen, die im Augenblick höchster Gefahr rosenkranzbetend in Sao Paolo auf die Straßen gingen. Ich denke an Österreich und seine Befreiung von der russischen Besatzungsmacht. Es war das das Verdienst der halben Millionen Rosenkranzbeter, die zu diesem Zweck mobilisiert wurden.
Immer ist der Rosenkranz das Heil der Gläubigen. Er würfe es auch heute sein, wenn die Katholiken das erfaßten. Kein Mensch kann leugnen, daß das Abendland einer schweren Schicksalstunde entgegen geht. Ich denke an die ständige Bedrohung des Westens durch Rußland. Maria hat in Fatima diese Gefahr genau signalisiert. "Rußland wird eine ständige Bedrohung für die Welt sein, aber wenn man tut, was ich sage, wird es sich bekehren." Die Forderung der Gottesmutter war vor allem der tägliche Rosenkranz. Ich denke an die bedrohliche Lage der Kirche. Das Zerstörungswerk ist nahezu vollendet. "Humenement l'eglise est perdue" ("menschlich gesprochen ist die Kirche verloren"), soll Kardinal Lienart sterbend ausgerufen haben. Rosenkranzarmeen sind notwendig, alle diese Gefahren zu bannen. Im Rosenkranz haben wir Maria, die Siegerin in allen , Schlachten auf unserer Seite. Sie ist die Mutter der Kirche. Drückend lastet die Zukunft auf uns.
"Kinder, helft die Zeitübel bekämpfen, nicht mit den Waffen, sondern mit dem Rosenkrans!" rief seinerzeit Papst Pius IX in seiner bedrängten Lage aus. Je mehr wir katholische Christen uns zum Rosenkranzgebet vereinigen, desto mehr werten wir erfahren, daß der Rosenkranz tatsächlich die Placatio irae divinae, Versöhner des göttlichen Zornes, eine. destructio peccati, Zerstörer der Sünde, eine purgatio tenebrarum haeresis, Ausrottung der Irrlehren und das wahre Heil der Gläubigen ist.
Möge das eifrige Rosenkranzgebet Euch, liebe Leser und Leserinnen der "Einsicht" viel Segen bringen, vor allem Mariens Schutz und Hilfe! Es grüßt und segnet Euch
Euer Pfarrer Leutenegger
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