BLUTZEUGEN FÜR DEN GLAUBEN
Am 16. Juli 1972 starb In Kerisch Iwan Wassiliewitsch Moissejew, 20 Jahre alt Soldat In der Roten Armee, Militäreinheit 61968/T. Wegen seiner religiösen Überzeugung und seines Glaubens an Gott hatte er schreckliche Foltern erlitten. Er wurde geschlagen, verwundet, mit glühendem Eisen verbrannt und schließlich im Schwarzen Meer ertränkt. Der Totenschein berichtet: «Erstickung durch Ertrinken». Im Autopsiebericht jedoch steht: «Der Tod trat als Folge von Gewalttätigkeiten ein.»
Iwan Moissejew wurde 1952 geboren in Wolontirowka, Bezirk Suworow, in der Sozialistischen Volksrepublik Moldawien. Seine Eltern gaben ihren acht Kindern eine christliche Erziehung. 1970 wurde Iwan durch die Taufe in die Kirchengemeinde von Slobodzeiskaya aufgenommen, die der Nicht Registrierten - Baptistengemeinschaft angeschlossen ist. Sein größter Wunsch war, Zeuge Christi zu sein. Mit Freude verkündigte er das Evangelium.
Im November 1970 wurde er einberufen. Von Anfang seiner Militärzeit an wurde sein Glaube schwer auf die Probe gestellt. Durch die Kraft seines Gebetslebens blieb er treu. Gott gab ihm die Kraft, bei Soldaten und Offizieren sein Zeuge zu sein. Die meisten waren ihm feindlich gesinnt. Er wurde verfolgt und furchtbar gefoltert. Auch im Leiden blieb er seinem Glauben treu. Manchmal verbrachte er die ganze Nacht im Gebet. Bisweilen hatte er Erscheinungen von Gottes Engeln, die ihn stärkten und trösteten. Viele Mitsoldaten waren Zeugen der Wunder, die er wirkte.
Während seines letzten Urlaubs vom 2. bis 12. Mai 1972 hatte Iwan die folgende Erklärung auf Tonband aufnehmen lassen: «Dezember 1970, Stari Krym. Tag und Nacht keine Ruhe. Bis zu fünfzehnmal pro Tag wurde ich zu mehreren Abteilungen gerufen, wo man versuchte, mich umzustimmen.»
Kertsch. Fünf Tage ohne Essen. Nachher fragten sie mich: «Hast du endlich deine Überzeugung geändert?» Kertsch. Nachts mußte ich bei einer Temperatur von 25-30 Grad unter Null fünf Stunden lang in Sommeruniform draußen bleiben. Danach eine ganze Nacht. Später Nächte hintereinander. Das hat zwei Wochen gedauert.
Im Januar 1971 nach der Gehirnwäsche im Regiment von Kertsch wurde ich in einem Zellenwagen nach Swerdlowsk gebracht und dort in eine Isolierzelle eingesperrt. Daraufhin wurde ich nacheinander in fünf anderen Zellen untergebracht. In jeder erwareten mich andere Foltern.
In der ersten Zelle konnte ich nur flach liegen. In der nächsten nur aufrecht stehen oder mich höchstens auf ein Bänkchen setzen. In der dritten mußte ich ständig unter einer kalten Dusche gerade stehen. Die vierte Zelle war wie ein Kühlschrank, dessen Wände eine Temperatur von mehreren Grad unter Null hatten. Die fünfte Zelle war eine richtige Folterkammer. Dort trug ich einen Gummianzug, der mit Luft aufgeblasen wurde. Je mehr man den Druck erhöhte, desto mehr wurde mein Körper zusammengepreßt. Dann fragte man: «Änderst du deine Überzeugung ? Wenn nicht, kannst du hier noch sieben Jahre sitzen!» Ich antwortete: «Wenn es Gottes Wille ist, werde ich es hier auch sieben Jahre aushalten.» Die Folter dauerte zwölf Tage. Danach wurde ich nach Kertsch zurückgebracht.»
In seinem Brief vom 11. Juli 1972 schrieb Iwan: «Mein Urlaub ist gestrichen. Am 10. Juli habe ich Christus gepredigt: Ein Soldat hat sich bekehrt.»
Am 14. Juli schrieb er: «Ihr werdet nicht mehr viele Briefe von Eurem Sohn erhalten. Man verbietet mir Jesus Christus zu predigen. Man läßt mich keinen Augenblick in Ruhe. Ich werde immer wieder gefoltert. Ich habe erklärt, daß ich nicht aufhören werde zu predigen. Ich kämpfe unter dem Kommando Jesu. Die Foltern sind schrecklich. Ich hätte Euch soviel mitzuteilen, aber in meinen Briefen kann ich es nicht tun. Jedermann hier ist Zeuge der Wunder, und viele sehen ein, daß Gott wahrlich existiert. Ich werde weiterhin säen und predigen wie der Heilige Geist und die Engel es mir aufgetragen haben. Der Kommandant und die Soldaten erkennen an, daß Gott existiert, denn sie sehen die Wunder und sind Zeugen der Kraft Gottes.»
In dem letzten Brief vor seinem Märtyrertod schrieb er : «Wir stehen am Vorabend eines entscheidenden Kampfes für den Glauben. Ich gehe in diese Schlacht auf Befehl des Herrn. Es möge sich in all meinen Freunden dieser Vers aus der Apokalypse 2,10 erfüllen: «Sei getreu bis in den Tod, und ich werde Dir das Leben als Siegeskranz geben.» Empfangt diesen Gruß, vielleicht den letzten auf Erden, von Eurem kleinen Bruder Wanja. »
Iwan wußte, daß sein Tod beschlossene Sache war. Schon am 15. Juni hatte er seinen Eltern geschrieben: «Seid nicht traurig, wenn dieser Brief mein letzter sein sollte.» Vor dem Ende seines letzten Urlaubs hatte er sich fotografieren lassen und gesagt: «Dieses Bild soll Euch ein Andenken sein. Ich selbst werde es nicht mehr sehen.»
Am 16. Juli ging die letzte ihm gewährte Frist, seine religiöse Überzeugung zu verleugnen, zu Ende. Öfters hatten Zivilbeamten im Einvernehmen mit der Militärbehörde die Bedenkzeit verlängert. Jetzt war ihre Geduld zu Ende.
Das Ende war furchtbar. Um die Spuren des Verbrechens zu verwischen, wurde Iwan, als er noch am Leben war, in Gegenwart des Oberleutnants I.E. Malcine an einer seichten Stelle des Schwarzen Meeres ertränkt.
Vor der Beerdigung verlangten die Eltern eine Autopsie und ließen einen Fotografen kommen. Als der Sarg geöffnet wurde, verließ die Militärabordnung hastig das Dorf. Simeon, Komsomol-Mitglied und ältester Bruder Iwans, versuchte vergebens zu verhindern, daß man den Toten entkleidete und fotografierte.
Angehörige und Freunde konnten nur mit Mühe Iwans Gesicht wiedererkennen. Sie sahen in der Herzgegend sechs tiefe Verletzungen, am Kopf links und rechts Hautabschürfungen, Beine und Rücken waren gewaltig geschlagen worden, auf der Brust sah man schwere Verbrennungen und um den Mund blaue Stellen. Dies alles ist in einer Akte vom 20. Juli 1972 von 23 Zeugen, Einwohnern von Wolontirowka, bestätigt worden. Außerdem gibt es den Bericht des Oberleutnants Malcine an die Eltern: «Moissejew starb qualvoll, er kämpfte gegen den Tod, aber er ist als Christ gestorben.»
Durch sein kurzes Leben und seinen Märtyrertod hat Iwan Moissejew in einem atheistischen Land Christus verherrlicht. In seinen letzten Briefen ermahnte er seine Freunde: «Wenn ihr in der Welt etwas oder Jemanden mehr liebt als Jesus, könnt ihr ihm nicht folgen!» Den Blick auf Christus gerichtet, blieb er treu bis in den Tod. Seine Eltern schrieben: «Unser Sohn hat die Zahl derer vermehrt, die um des Evangeliums willen getötet worden sind. Wir sind sehr betrübt, aber dennoch freuen wir uns über seinen Märtyrertod. Sein ganzes Leben lang hat er Jesus über alles geliebt. In seinem Tod hat er diese Liebe unter Beweis gestellt. Er möge für die Jugend ein Beispiel sein, damit sie Christus liebe, wie unser Wanja ihn geliebt hat.»
Im Jahre 1976 haben wir die verfolgten Christen In den verschiedenen Republiken der Sowjetunion mit Liebesgaben Im Wert von 554.108 Dollar trösten können. Diese Hilfe muß fortgesetzt werden. Notwendiger aber ist ein inständiges Gebet, daß Gott die Zeit der Prüfung abkürzen und sein Volk aus dieser Not befreien möge.
aus: "Echo der Liebe" Nr.3, April 1977
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