UNSERE GEGENWÄRTIGE AUFGABE
von Jean-M. Castellar (übers. von Reinhard Lauth aus "Lumière", Jan 78)
Wir sind aufs Äußerste über den "Verrat der Kleriker" erregt. Diese Wendung hat der 'Papst' diskret dem Buch Julien Bendas entnommen; sie trifft auf unseren progressistischen Klerus und vor allem auf unsere Bischöfe zu, die für die Kirche verantwortlich sind. Die zweite Hälfte des XX. Jahrhunderts wird in der Geschichte unter dem Titel "die Kirchliche Revolution" erscheinen.
Doch Gott sei es gedankt, den Anführern der Reform steht eine neue Armee der Vendée (Anspielung auf die königstreue Widerstandsarmee zur Zeit der französ. Revolution.) gegenüber, die diesesmal über das ganze Land verbreitet ist. Wir lassen mit uns nicht machen, was man will. Wir lassen die Verräter nicht handeln, als ob sie die Herren der Lage wären. Wir sind in der Kirche Christi, die sie zerstören (das Wort stammt von Paul VI.), immer noch zu Hause, während sie sich von ihr durch ihre Werke und ihren verkehrten Geist ausgeschlossen haben.
Aber es genügt nicht, zu kämpfen. Wir müssen das Beispiel eines christlichen Lebens geben, dessen Tugenden und dessen klare doktrinale Ausrichtung Leuchtkraft haben. Das himmlische Licht erstrahlt ja erst, wenn die Nacht gekommen ist.
Zur Zeit der protestantischen sog. Erneuerung (Reformation), die unsere Bischöfe jetzt wiederholen wollen, war in Deutschland nur noch ein Zehntel katholisch. Das katholische England ging in ein dreihundertjähriges Ghetto, von dessen Elend uns heute noch Nordirland ein Beispiel gibt. Vielerorts war das Licht Christi verdunkelt oder selbst vom Irrtum durchsetzt. Und doch war man fern von jenem IV. Jahrhundert, in dem Juian der Apostat letztendlich doch nur gewirkt hat, um die drei großen kappadozischen Lehrer auf den Plan zu rufen, den hl. Basilius den Großen, den hl-. Gregor, den Theologen von Nazians, und den anderen hl. Gregor, den von Nyssa, dessen Mystik uns mit hellstem Licht erfüllt. Doch der Humanismus der Renaissance hatte schon seinen antireligiösen Virus selbst auf die verschiedensten religiösen Lebensformen übertragen.
Unsere Gegenrevolution muß eine vollständige sein. Wir müssen wieder zu einer grenzenlosen, Liebe Gottes und der durch das Kreuz geretteten Seelen zurückfinden. Es gibt ganz offensichtlich für die heutige Welt kein anderes Heil als das Kreuz. Darum gibt es die ungezählten Märtyrer, welche die jetzige katholische sog. Hierarchie allerdings gar nicht mehr erwähnt. Sie ist völlig durch den sozialen Dialog in Anspruch genommen.Diese Verräter, die sich durch nichts als durch ihre Feigheit auszeichnen!
Unsere Liebe zu Gott muß sich aus der reinen Quelle der heiligen kirchlichen Lehre stärken; alles andere ist gefährlich verdorben. Wir müssen nach Heiligkeit streben, unseren Geist und unser Herz, unsere Bestrebungen und Taten Gott weihen; das ist einfach unerläßlich und at wunderbare Folgen.
Wir beantworten den Mythos der modernen Welt nicht mit einem Mythos der alten Welt. Wir gehören unserer Zeit an. Die Erkenntnis der Realität der Dinge - der menschlichen wie der göttlichen Dinge - läßt unseren Geist klarer sehen und ermöglicht uns eine angemessene Lebensentfaltung.
In der Ordnung der irdischen Dinge: Wir brauchen eine klare Zielsetzung mit einem ganz bestimmten Inhalt. So ist z.B. das Wort Demokratie ein leeres Wort. Alle Welt weiß, daß, wenn man ihm die nähere Bestimmung Volks- beigibt, es besagt, daß das Volk gar nichts mehr zu sagen hat, ja nicht einmal mehr Einfluß auf die Entscheidungen derer nehmen kann, die es lenken und angeblich in seinem Namen sprechen. Unser allgemeines Wahlrecht im Westen gewährt uns kaum eine bessere Position; hundert Dummköpfe ergeben keine Intelligenz, und zehn Millionen Dummköpfe ebensowenig. Die "Demokratisierung" der Kirche, die die Wortführer der neuen Theologie verlangen, beweist nur deren Oberflächlichkeit, ihren von Neid bestimmten Utopismus und die Verderbtheit ihres Herzens. Wenn unser Handeln durch sein Objekt und Ziel bestimmt wird, so muß uns die Liebe zur Wahrheit dahin ausrichten, daß wir den Tag des Herrn erwarten, und es muß unser Anliegen sein, die ewige Herrschaft Christi herbeizufahren.
In der Ordnung des Überirdischen muß die Liebe das Prinzip sein. Nicht die Mitmenschlichkeit, nicht die Solidarität, nicht die soziale Gesinnung oder die geschlechtliche Liebe - diese große Entdeckung unserer Zeit! - sondern eine leidenschaftliche Liebe zu Gott und seinen Dingen! Eben das, weswegen unsere 'genialen' Bischöfe, denen sie fehlt, sich nur als Geschaftelhuber, Pedanten, nichtige Schatten und Mist (das Wort gebracht der hl. Paulus!) erweisen.
Allerdings setzt diese Liebe zu Gott voraus, daß man den Glauben hat, das Licht des Glaubens, einen Blick, der auf das Endziel der Dinge gerichtet ist, und eine brennende Verehrung der offenbarten Geheimnisse.
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