DIE GEBOTE GOTTES
von H.H. Pfr. Alois Aßmayr
Gott hat die Menschen erschaffen, daß sie einmal das Glück und die Herrlichkeit Gottes im Himmel mit Ihm teilen sollten. Dafür sollte die Menschheit sich in ihrem Tun und Lassen nach dem Willen Gottes richten, d.h. bewußt und freiwillig Gott dienen. Dabei bleibt immer noch die Tatsache bestehen, daß der Herr in keiner Weise auf den Dienst der Menschen angewiesen ist. Der Mensch aber sollte die Möglichkeit haben, sich etwas ungeheuer Wertvolles durch seine Tätigkeit zu verdienen, nämlich den Himmel, Hierfür gab der Herr Seine Forderung gegenüber dem Menschen bekannt.
Für Adam und Eva, also für die ersten Menschen, war die Forderung, einen bestimmten Baum und seine Früchte in Ruhe zu lassen. Da den Menschen ja unzählige andere Bäume mit ihren Früchten zur Verfügung standen, war das wirklich keine harte und schwierige Leistung, zumal die geistige Einstellung der ersten Menschen mit der unserigen nicht zu vergleichen ist, da ihre Erkenntnis und ihr Wille noch nicht verdunkelt und geschwächt war.
Heute will man einfach nicht mehr verstehen, warum die Nichteinhaltung dieses Gebotes so fürchterliche Folgen für die ganze Menschheit haben sollte; also ein Apfeldiebstahl. Nun, mit dem "Apfeldiebstahl" war freilich allerhand verbunden: Ungehorsam, Unglauben und Stolz (Geltungsbedürfnis bei Eva - sein wollen wie Gott und Vorziehung der Eva gegenüber Gott bei Adam). Auch daß es ein Baum mit seinen Früchten war, woran die ersten Menschen ihren Dienst gegenüber Gott zeigen sollten, ist durchaus nicht so abwegig. Irgend etwas mußten die Menschen ja leisten. Sie hatten ja weder Neigung zum Zorn oder Ungeduld, noch sonst irgend eine Neigung zum Bösen, zur Sünde. Sie selber hatten ja nichts und brauchten auch nichts, weder Haus, noch Kleid, weder Arbeitswerkzeuge,noch Hausrat. Sie lebten einfach von dem, was von selber wuchs. Aber gerade da sollten Adam Und Eva ihren guten Willen zeigen. Wie die Sache geendet hat, ist ja bekannt. Diese Aufgabe war doch ganz vernünftig! und gewiß nicht schwer. Wer das nicht einsehen will, möge mir eine vernünftigere nennen.
Nach dem Sündenfall waren und sind die Menschen nicht mehr wie Adam und Eva vor dem Versagen: sie sind zu allerhand Bösem geneigt, was das friedliche Zusammenleben stört, wenn nicht sogar unmöglich macht (wenn die Menschen diese Neigung zum Bösen nicht beherrschen). Deshalb mußte ihnen der Herr Vorschriften geben, an die sie sich halten müssen, wenn sie ein menschenwürdiges Dasein haben wollen. Wir nennen diese Vorschriften Gebote. Diese sind nicht da, um die Menschen zu quälen und ihnen das Leben schwer zu machen, sondern umgekehrt: ihnen das Leben erträglich zu machen. Wir können selber feststellen - erst recht heute -, wie das Zusammenleben und das Leben des einzelnen Menschen aussieht, wenn man sich an diese Gebote hält und wie, wenn man sich nicht daran hält. Der Herr hat bestimmt kein Interesse, die Menschen zu plagen und ihnen das Leben schwer zu machen, im Gegenteil.
Das Erste, was der Herr daher vom Menschen fordern muß, ist, daß er an die Existenz und an bestimmte Eigenschaften Gottes glaubt und sich darnach in seinem Leben richtet. Es ist das eigentlich selbstverständlich und auch die Grundlage für alle anderen Gebote. Dabei ist das dritte Gebot: du sollst den Tag des Herr heiligen, durchaus nicht das unwichtigste, da von dessen Einhaltung weitgehend die Einhaltung der anderen Gebote abhängt.
Was aus dem Tag des Herrn und den Festtagen geworden ist, kann jeder selber feststellen. Diese Tage sollten Tage der körperlichen Erholung von den Anstrengungen der Arbeit an den Wochentagen sein, sie sollten Tage der Familie, des Gebetes, der Besinnung, der Gottesverehrung, der Erweiterung der religiösen Kenntnisse sein. Was aber sind diese Tage heute? Die größten Sündentage der Woche! Zu allem, wozu man werktags nicht Zeit hat, werden sie benützt, auch zum Sündigen. Es ist daher alles eher als ein Wunder, daß es mit der Einhaltung der anderen Gebote miserabel aussieht. Daher aber auch die traurigen Zustände allenthalben in der Welt auch in der katholischen Kirche. Wenn man das Dasein Gottes theoretisch oder praktisch leugnet, oder auch nur so raffiniert allmählich beiseite schiebt, dann entsteht ein solches Chaos, daß jede Ordnung aus den Fugen gerät, oder es kommt eine Gewaltherrschaft, bei der sich die Mächtigen an die Stelle Gottes setzen, wobei dann Macht, Recht und Machtlosigkeit auch Rechtlosigkeit wird. Der gewöhnliche Mensch - und das ist die große Masse ist dann der Willkür dieser Tyrannen ausgeliefert. Man kann das in den Ländern nachprüfen, in denen die Gottlosigkeit, wenn nicht sogar der Gotteshaß die Macht vollständig an sich gerissen hat. Wo man aber diese Macht noch nicht vollkommen in den Händen hat, arbeitet man mit Hintertücke darauf hin. Jedes Mittel hierzu ist ihnen recht. (Man braucht nur die Bücher von Wurmbrand, Richard: "Gefoltert für Christus", Wuppertal 1968; Solchenizin, Al|exander: "Archipel Gulag"; Regensburger, Alois: "Sie nannten mich Donner", Steyl 1964; Coillie, Dries van: "Der begeisterte Selbstmord", Freiburg 1965 und viele andere zu lesen.)
|