DIE HL. JUNGFRAU IM KANON DER HL. MESSE
von H.H. Walter W.E. Dettmann
Der Sieg des Kaisers Konstantin an der Milvischen Brücke bei Rom im Jahre 312 und das darauf folgende Toleranzedikt von Mailand bedeuteten noch nicht den endgültigen Sieg der katholischen Kirche über die Verfolgungen durch die heidnische Weltmacht. Erst als 82 Jahre später, nämlich im Jahre 394, Kaiser Theodosius in der entscheidenden Schlacht von Aquileja den letzten heidnischen Gegenkaiser Eugenius besiegt hatte, hatte auch endgültig die Stunde für jene heidnischen Vestalinnen geschlagen, die im Zentrum von Rom über tausend Jahre lang das sog. heilige Feuer des römischen Staates gehütet hatten.
Die sieben Jungfrauen der Göttin Vesta auf dem Forum Romanum mußten Platz machen für die wirklich heiligen Jungfrauen im Kanon des Missale Romanum *), von denen bereits der hl. Augustinus im Jahre 4ol spricht ("De sancta virginitate", C.45) und deren Namen erst in unseren Tagen von Paul VI. wieder entfernt wurden, weil er das Heidentum aufs neue ehren wollte. Ambrosius und Augustinus hatten noch die heidnischen Vestalinnen gesehen; Paul VI. hingegen will die heiligen Jungfrauen der alten Martyrerkirche nicht mehr sehen, obwohl der hl. Augustinus von innen schreibt: "Die kirchliche Autorität bietet ein hervorragendes Zeugnis (nämlich für die Wertschätzung der Jungfräulichkeit); den Gläubigen ist es bekannt, an welcher Stelle die Märtyrer und an welcher Stelle die verstorbenen Heiligen Jungfrauen bei den Geheimnissen des Altares genannt werden" (Perhibet praeclarissimum testimonium ecclesiastica autoritas, in qua fidelibus notum est, quo loco martyres et quo defunctae sanctimoniales ad altaris sacramenta recitentur").
Anmerkung: *) Es ist selbstverständlich, daß man zur Zeit des hl. Augustinus noch nicht vom "Missale Romanum" sprach; die heiligen Bücher der Kirche wurden "Sacramentare" genannt. Anderseits ist es aus diesem Grunde aber auch völlig falsch, das Produkt der heutigen sogenannten Liturgiereform amtlich als "Missale Romanum" zu bezeichnen. Denn wenn man bei der sog. Liturgiereform bis zur sog. Hippolytmesse am Anfang des dritten Jahrhunderts zurückgehen möchte, dann müßte man auch die Bezeichnung "Missale Romanum" aufgeben. Das hat Paul VI. aber nicht getan, weil er von den alten "Sacramentaren" erst recht nichts wissen will. Doch dies nur nebenbei. Obiger Text ist ein kleiner Ausschnitt aus dem kommenden Aufsatz über Papst Gregor I. den Großen. -
Allen Lesern wünsche ich den Segen des auferstandenen Heilands und seiner hl. Mutter,
23. März 19 78, Walter W.E. Dettmann |