VOM SELIGEN TODE DES HEILIGEN JOSEPHS - DIE LIEBE IST STARK WIE DER TOD. (HOHE LIED 8,6)
von Eckehardt Kaufmann
Betrachten wir das selige Sterben des heiligen Josephs. Als Joseph mehr als sechs und zwanzig Jahre (1) mit Jesu und Maria gelebt, viel Freund und Leid mit ihnen erfahren, und sechzig Jahre (2) auf dieser Welt gelebt hatte, da wollte Gott seiner Mühe und Arbeit ein Ende machen, weil Christus seiner Hilfe nicht mehr bedurfte, aber auch, um das große Elend nicht sehen zu müssen, welches bald über Christus und Maria kommen sollte. Es ist nicht zu zweifeln, daß, wie dieser große Heilige ein wunderbares Leben geführt hatte, er auch einen wunderbaren und glorwürdigen Tod genommen habe.
Vor seinem seligen Sterben soll er in einer Verzückung (3) ganz klar die göttliche Wesenheit, und in derselben alles, was er durch den Glauben erkannt und bekannt hatte, gesehen haben. Er etkannte, wie ihn die heiligste Dreifaltigkeit zu einem Vorläufer Christi in die Vorhölle erwählte, daß er den heiligen Vätern, Patiarchen, Propheten, und allen gerechten Seelen die nahe Erlösung und Ankunft des Erlösers verkündigen sollte, der sie nach seinem Erlösungstode aus dem Schöße Abrahams zu der ewigen Ruhe und Seligkeit überbringen werde.
Betrachten wir ferner die besonderen Gnaden und Freiheiten des heiligen Josephs. Denn die all erheiligste Dreifaltigkeit hat, auf Anhalten Jesu und Maria, ihm besondere Gnaden und Freiheiten versprochen, und für alle erteilt, welche den heiligen Joseph treulich verehrten und würdig anrufen würden (4):
1. Die Gnade, die standesmäßige Keuschheit zu halten, und durch göttliche Hilfe alle Gefahren und fleischlichenBegierden zu überwinden. 2. Kräftige Mittel, sich zu bessern und Gottes Freundschaft wieder zu erlangen. 3. Eine besondere Andacht zu der seligsten Jungfrau Maria. 4. Die Gnade,unter seinem Schütze selig zu sterben. 5. Die Gnade, daß die bösen Geister auch nur bei Anhörung des heiligen Namens Josephs zittern müssen. 6. Die Gnade, daß man durch seine Fürbitte die Gesundheit des Leibes, und Hilfe in allen Nöten und Anliegen erlange. 7. Die Gnade und Freiheit, durch seine Fürbitte Kinder und Erben für den Stamm zu erhalten.
Diese und noch mehrere andere Gnaden erhalten durch seine Fürbitte jene, die ihn mit getreuer, standesmäßiger Nachfolge seiner Tugenden verehren.
Jetzt aber höre, was die Mutter Gottes von seinem seligen Ableben einer gottseligen Jungfrau geoffenbart (5) hat. Sie sagte, ihr heiliger Bräutigam sei knieend gestorben, als er in seinem letzten Todeskampfe sich aus Eifer des Geistes auf seine schwachen Knie gesetzt, seine Hände erhoben und so seinen Geist in die Hände des himmlischen Vaters zwischen Jesu und Maria empfohlen hatte.
O welch seliger Tod, und glorwürdiger Sieg! Hier durfte sich weder ein höllisches Gespenst, noch Anfechtung des Todes blicken lassen. Aber wohl viele Tausend Engel waren gegenwärtig, welche mit ihren himmlischen Stimmen (6) so anmutig sangen, daß der heilige Joseph vor Freude und Liebe noch kränker geworden ist. Denn seine letzte Schwachheit war keine andere, als jene der verliebten Braut, die von sich sprach (7): "Saget meinem Geliebten, daß ich vor Liebe krank bin". Das Feuer der göttlichen Liebe, welches von Jugend auf in seinem Herzen gebrannt hatte und täglich mehr gewachsen war, hatte nun so sehr überhand genommen, daß alle Kräfte des Leibes und das Mark in den Beinen, gleichsam verzehrte. Darum lag das liebende Herz vor Liebe krank und starb endlich aus Heftigkeit und Gewalt (8) der Liebe in Gegenwart Jesu und Maria. 0 glückseliger Tod! Auch! daß meine Seele (9) stürbe den Tod der Gerechten, und daß meine Letzten Dinge ihnen gleich würden!
Betrachten wir darüber hinaus, wie mächtig und kräftig die Fürbitte des heiligen Josephs sei. Hören wir davon das Zeugnis (10) der heiligen Theresia, welche schreibt: "Ich erinnere mich nicht, daß ich bis auf die gegenwärtige Stunde jemals Etwas von ihm begehrte, daß ich nicht erhalten habe." "Und dies haben ebensowohl auch Andere erfahren, welchen ich den Rat gegeben habe, sich ihm zu empfehlen. Ich wollte gerne Alle darin bereden, eine besondere Andacht zu diesem Heiligen zu haben; weil ich so oft erfahren habe, wie viel Gutes er von Gott denen erlangt, welche eine große Andacht zu ihm haben". - "Wer mir nicht glauben will, der versuche es selbst, und er wird in der Tat finden, wie nützlich es sei, sich diesem glorwürdigen Heiligen zu empfehlen, und eine Andacht zu ihm zu haben".
Folge deswegen der heiligen Theresia, erwähle diesen großen Heiligen zu deinem Patron, und rufe ihn täglich an; besonders aber an seinem Feste sprich folgenden Lobgruß zum heilgen Joseph:
Gelobt sei Jesus und Joseph in Ewigkeit. Amen. Sei gegrüßt du Zierde der Heiligen, heiliger Joseph! Ich erinnere dich an alle Gnaden, die du von Gott empfangen hast, daß Er dich zum Bräutigam Maria, zum Pflegevater Jesu Christi, und zu einem großen Mithelfer in den Werken der menschlichen Erlösung auserwählt hat. Ich erinnere dich an die süße Freundlichkeit, die dir jemals Jesus erzeigt hat, vornehmlich als du Ihn auf deinen Armen getragen und oft herzlich umarmt hast. Ach! gedenke seiner Dienste und an Seinen Gehorsam, den Er dir erwiesen hat; an Seine freundliche und herzdurchdringenden Worte und Lehren, die Er dir gegeben hat; endlich an Seinen treuen Beistand bei deinem seligen Ableben. Durch alle diese Gnaden, bitte ich dich, du wolltest mich Jesu und Maria treulich empfehlen, mir die göttliche Liebe erlangen, und mir mit Jesu und Maria in meinen Nöten, und besonders an meinem letzten Ende gnädig beistehen.
Amen.
Anmerkungen : 1) Barthol. Faber "Vita Christ." n. 124. "Christoph a Castro in hist. Virg. tradit.S. Josephum obiise cirka annum Christi 28". 2) Barthol. Faber in "Vita Christi" num 235. 3) Ibid. num 231. 4) Ibid. num 233. 5) "Vita Johannae Bonhomí" I.5.C.6. 6) Faber in "Vita Christi" num 234. 7) Cant.5,8. 8) S.Sales.tr. de divin.amore, et Barthol. Faber "Vitae Christi" num 234. 9) Num. 23,lo. 10) S. Theresia in "vita sua" v.6. |