DER GRÖSSTE FEIGLING DES JAHRHUNDERTS?
An die Adresse Pater Guggemoss' und der Palmaranhänger
von Wilhelm Ettelt
Was Katholiken heute beklagen: Zerstörung der heiligen Messe, grassierende, von oben her geförderte Irrlehren, Zerstörung der Sakramente, Zusammenbruch der katholischen Morallehre, ist zu bekannt, als daß es hier ausführlich wiederholt werden müßte. Haben wir Katholiken nicht das Papsttum mit der ausdrücklichen Verheißung des unfehlbaren Beistandes des Heiligen Geistes? Aber es kann doch nicht derselbe Heilige Geist sein, unter dessen Beistand der heilige Pius V. die Liturgie "bis zum Ende der Zeiten" festgelegt hat, der heute Paul VI. veranlaßt, sie radicitus abzuändern - zu zerstören, wäre besser gesagt. Es kann nicht derselbe Heilige Geist sein, der uns durch den Mund des Apostels mahnt, uns "der Welt nicht gleichförmig" zu machen, und der uns heute "Weltfrömmigkeit" als den eigentlichen Sinn eines Christenlebens hinstellt. Es kann nicht derselbe Heilige Geist sein, durch den die Kirche jahrtausendelang Irrlehrer verurteilt hat, und der die Kirche heute zum brüderlichen Dialog mit eben diesen Irrlehrern anleitet, da die Kirche heute "Verurteilungen nicht mehr liebt". (Welch infame Beleidigung sämtlicher früheren Päpste, als ob diese jemals die Verurteilungen geliebt hätten!) Es kann nicht derselbe Heilige Geist sein, durch den Leo XIII. die nach ihm benannten Gebete nach der hl. Messe zum.Schutze gegen die Hölle vorgeschrieben, und durch den sie Paul VI. als überflüssig wieder abgeschafft hat. Es kann nicht derselbe Heilige Geist sein, durch den Pius XII. die Kommunisten und ihre Kollaboranten verurteilt hat, und durch den Paul VI. eben solche exkommunizierten Kollaboranten zu Bischöfen ernennt, wobei er sich gar nicht erst die Mühe macht, die Exkommunikationen ausdrücklich zurückzunehmen. War also die katholische Kirche bis 1958 (dem Todesjahre Pius XII.) vom Heiligen Geiste ganz verlassen, der erst seither wieder wirkt, oder ist sie heute vom Heiligen Geist verlassen? Es gibt (formal) noch die dritte Möglichkeit, daß der Heilige Geist weder vorher noch nachher in der Kirche gewirkt hat. In dieser dritten Annahme harmonieren die Modemisten, für die die Kirche nur eine menschliche Einrichtung ist, mit sämtlichen Sektierern, für die sie eine dämonische Einrichtung ist. Bezeichnend für die Haltung der modernen, d.h. der heute als kompetent ausgerufenen, Theologen ist das gequälte Geschwätze über Trinität in der katholischen Akademie (Vgl. Zur Debatte, 6/2, 1976) Die Dreifaltigkeit wird hier nicht etwa geleugnet; soweit ist man noch nicht, daß man dies offen tun könnte. Aber es wird sosehr "drum-herum" geredet und hominisiert, daß man im Einzelfall kaum unterscheiden kann: Glaubt der Verfasser nicht mehr daran, oder vermeidet er nur ein klares und eindeutiges Bekenntnis, weil er den Spott der anderen fürchtet? Aber die Progressisten, die an keinen Heiligen Geist und an keine Dreifaltigkeit mehr glauben spekulieren auf die Dummheit und geistige Bequemlichkeit ihrer zahlreichen Mitläufer, denen sie weismachen wollen, daß mit dem Konzil das Wirken des Heiligen Geistes erst begonnen habe. Die "Seherin" von Amsterdam, die u.a. auch von Pater Guggemoss immer wieder als echte Visionärin verteidigt wird, verkündet, daß in der katholischen Kirche "der alte Geist" verschwinden muß. Die "Frau", die sich gelegentlich mit dem kommunistischen Gruß, der geballten Faust, verabschiedet, z.B. am 29.3. 46, verkündet denn auch ganz konsequent, daß der Heilige Geist erst jetzt kommt (31.5' 55), worunter man sich allerdings nichts Rechtes vorstellen kann, da nach der "Frau" Vater, Sohn und Heiliger Geist ohnedies ein und dasselbe sind - entgegen jeder katholischen Dogmatik und in Übereinstimmung mit dem progressistischen Geschwätz "Vater und Sohn ist derselbe Heilige Geist" (31.5. 55). Das ist reiner Progressismus. Aber um die Naiven zu täuschen, genügt ein einziger nichtssagender Satz: "Der Kern wird bleiben" (13.3. 52) und dienlich öfters. Sonst muß "bis ins Kleinste" alles geändert werden (11.2. 51).
Für den Gläubigen gibt es nur eine Möglichkeit: Wir vertrauen darauf, daß der Heilige Geist bis heute in seiner Kirche wirkt, weil er sie mit seinem Beistand noch niemals verlassen hat. Was würde man zu folgender Werbung eines Kaufmannes sagen: "Liebe Leute, bisher habe ich euch mit schlechten Lebensmitteln belogen, betrogen und vergiftet. Ab sofort werdet ihr bei mir gut bedient. Kommt bitte in mein Geschäft." Natürlich würde es kein Kaufmann so machen, und wenn einer so wahnsinnig wäre, würde kein Mensch darauf hereinfallen. Die Progressisten machen es so, und nicht wenig Menschen sind glücklich über die "postkonziliare Wahrhaftigkeit". Aber es geht ja dabei auch nicht um so wichtige Dinge wie Gemüsekonserven und Dosenöl, sondern nur im die ewige Seligkeit. Es gibt aber auch nicht wenige, die den Schwindel durchschauen und sich zu der ganz richtigen Erkenntnis durchdringen O Wenn der Heilige Geist in der Kirche gewirkt hat und wirkt, dann jedenfalls nicht in den Neuerungen, durch die alles Bisherige der Form und der Substanz nach umgestoßen wird, dann jedenfalls auch nicht in den Neuerem, die diesen Bruch mit der Tradition mit einer Härte, Brutalität und Intoleranz verordnen, die nach ihrer eigenen Sprachregelung "vorkonziliar" ist.
Es gibt viele Gläubige, habe ich eben festgestellt, die auf eine solche Volksverdummung nicht hereinfallen. Aber wie ist es dann mit dem Papst? Wenn diese Änderungen alle falsch sind - und sie sind falsch -, wie konnte dann der Papst seine zustimmung geben? Die Palmaranhänger sind mit ihrer Antwort nicht verlegen; sie wissen es ja vom Himmel selbst: Paul VI. ist insgeheim ganz gegen die Neuerungen; er zelebriert insgeheim die tridentinische Liturgie; er betet die Leoninischen Gebete; er leidet und duldet und ist überhaupt der größte Heilige auf dem Stuhle Petri. Irgendwo hat es sogar einmal geheißen, daß er noch über dem heiligen Petrus steht. Aber er steht unter Druck, bekommt zwölf Spritzen täglich. (Welches Roß würde das auch nur für wenige Wochen aushalten?) Er wird wie ein Kind beaufsichtigt und gegängelt. Er hat das Dekret zur Wiederherstellung der alten Liturgie längst in seiner Schublade und wartet nur auf die günstige Gelegenheit, es zu veröffentlichen.
Ich möchte denen, die solches behaupten, eine Frage stellen, werde mir aber erlauben, sie sogleich selbst zu beantworten: Was ist Schlimmeres denkbar als ein ungläubiger Mensch, der die höchste Macht in der Kirche beansprucht und sie gebraucht, um die Kirche von innen her zu zerstören? Gibt es überhaupt etwas noch Schlimmeres? - Und die Antwort Es gibt allerdings etwas noch Schlimmeres; und das wäre ein Mensch, der eben das tut, was Paul VI. tut, obwohl er gläubig ist, der das alles gegen sein Gewissen tut, der es aus Feigheit tut, weil er diejenigen fürchtet, denen es in seiner Umgebung gelungen ist, sich alle Schlüsselpositionen anzueignen, was sie nun allerdings auch wieder nicht gegen seinen Willen gekonnt hätten. Mag immerhin Kardinal Villot das Scheusal sein, als das er, glaubwürdig, geschildert wird was hindert Paul VI. z.B. bei einer Audienz oder von der Loggia der Peterskirche aus, öffentlich zu erklären, daß alles, was geschehen ist, gegen seinen Willen geschehen ist? Was hindert ihn, eben das zu tun, wenn irgend ein katholischer Staatsmann bei ihm Audienz hat? Was hindert ihn, bei irgend einem treu katholischen römischen Stadtpfarrer, deren es wohl auch noch einige geben mag, Asyl zu suchen? Nichts könnte ihn daran hindern - aber er tut nichts dergleichen. Unser Urteil über Paul VI. ist freilich vernichtend. Aber was ihm die Palmaranhänger unterstellen und womit sie meinen, ihn zu rechtfertigen, wäre, wenn es zuträfe, noch furchtbarer.
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