DAS UNBEFLECKTE HERZ MARIENS
von H.H. Pfr. Joseph Leutenegger (Predigt vom 22.8.1976 in München)
Das heutige Fest des Unbefleckten Herzens Mariens versetzt uns im Geiste nach Fatima. Der Wesenskern der Botschaft von Fatima ist eine überraschende und staunenswerte Offenbarung des reinsten Herzens Mariens. Eine Botschaft der Verehrung des Unbefleckten Herzens der Mutter Gottes. Nicht als ob diese Verehrung nicht schon früher bestanden hätte, nein, aber sie sollte nach dem Wunsche der Mutter Gottes intensiver werden, und sie sagte auch, wie diese Verehrung gestaltet werden sollte.
Schon bei der ersten Erscheinung am 13.5.1917 verlangte die Mutter Gottes von den Kindern, daß Sühne geleistet werde für all die Lästerungen und Beleidigungen, die ihrem Unbefleckten Herzen zugefügt werden. Lästerungen und Beleidigungen der Mutter Gottes? Ja gibt es denn das? Leider! Denken wir an jene - heute sind es sogar Priester -, welche die Verehrung der Mutter Gottes ablehnen und sie sogar verächtlich nur die Maria nennen, eine ganz gewöhnliche Frau, der bis jetzt zuviel Ehre angetan worden sei.
Man sagt ihr nach, sie sei gar nicht die Mutter Gottes, Christus habe nur einen Scheinleib gehabt. Oder sie habe nur den Menschen Christus geboren, nicht den Gottmenschen, wie schon Nestorius behauptete. Man nimmt ihr die Ehre, daß sie ohne Sünde empfangen worden sei. In unflätigsten Ausdrücken verspottet man ihre unbefleckte Empfängnis. Manche wollen es nicht haben, daß sie die dreimal wunderbare Mutter Gottes ist und auch nach der Geburt Jesu unversehrte Jungfrau geblieben ist, Jungfrau und Mutter zugleich. Man behauptet, Maria habe nach der Geburt Jesu noch andere Kinder gehabt, hinweisend auf Mt.12,46: "Siehe Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wollen Dich sprechen", offenbar nicht wissend (bzw. nicht wahr haben wollend), daß nach orientalischem Sprachgebrauch jeder Verwandte im heiligen Land mit "Bruder" angesprochen wird. Warum aber hat dann Jesus bei seinem Sterben seine Mutter einem Fremden anvertraut, wenn noch andere Kinder dagewesen wären?
Denken wir an so viele Katholiken, welche den heiligsten Namen der Mutter Gottes ständig im Reden unandächtig gebrauchen oder im Fluchen lästern!
Wenn man das alles bedenkt, dann versteht man die Forderung der Mutter Gottes nach Sühne für die Lästerungen, die ihrem heiligsten Herzen zugefügt werden.
Bei der Erscheinung im Juli sagte die Mutter Gottes zu Lucia: "Du mußt länger auf der Erde bleiben als die anderen zwei. Jesus will sich Deiner bedienen, um zu erreichen, daß man mich kennen und lieben lernt. Er will die Andacht zu meinem heiligsten Herzen verbreiten. Ich verspreche das Heil all denen, die das tun und diese Andacht pflegen. Gott wird diese Seelen lieben wie Blumen, die durch mich vor seinen Thron gestellt werden". Nach der furchtbaren Höllenvision sagte unsere Liebe Frau zu den Kindern: "Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will der Herr die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen verbreiten. Wenn man das tut, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein." Und dann fuhr sie fort: "Wenn man nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird ein noch größerer Krieg kommen. Wenn ihr eine Nacht von einem geheimnisvollen Licht erhellt seht, dann wißt, daß das das Zeichen ist, das Gott gibt, daß er im Begriffe ist, die Welt zu strafen für ihre Verbrechen. Um das zu verhindern, werde ich mit der Bitte kommen, Rußland meinem heiligsten Herzen zu weihen und die Sühnekommunion am ersten Samstag einzuführen. Wenn man das tut, wird sich Rußland bekehren, und es wird Friede sein. Wenn nicht, dann wird ein noch größerer Krieg kommen, Rußland wird seine Irrtümer auf der ganzen Erde verbreiten, es wird überall Kriege und Revolutionen entfachen, die Guten werden gemartert werden, der Hl. Vater wird viel leiden und mehrere Nationen werden vernichtet werden, aber am Schluß wird mein Unbeflecktes Herz siegen."
So hat denn Unsere Liebe Frau von Fatima die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen und besonders die Sühnekommunion am ersten Samstag des Monats als jene Mittel kundgetan, durch die Gott nicht nur viele Seelen retten, sondern der Welt den Frieden schenken und erhalten will. Man hat den Ruf der Gottesmutter nicht beachtet, und so kam der von ihr angekündigte Zweite Weltkrieg und Rußland ist zur ständigen Bedrohung der Welt und der Kirche geworden.
Erst 1942 hat Pius XII. die große Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens vorgenommen. Die Wirkung war überraschend. Sie geschah am 31. 0ktober. Hitlers Armeen waren von Sieg zu Sieg geeilt, und nun wurden sie überall geschlagen in Afrika und Rußland bis zum völligen Zusammenbruch. Und damit war auch die furchtbare Ideologie von Blut und Rasse erledigt. Diese Zusammenhänge wurden von der großen Welt völlig übersehen, und sie ging weiter den Weg der Gottesferne. So stehen wir vielleicht am Vorabend der schrecklichsten Dinge: der alles umwälzenden Katastrophe wie Pius XII. es schon am 10.2.1953 sagte, der Vernichtung ganzer Nationen. Was ist da zu tun? Wir hören auf die Botschaft der Mutter Gottes. Wir weihen uns dem Unbefleckten Herzens Mariens, und wenn es schon geschehen ist, erneuern wir die Weihe. Aber was heißt das? Weihe ist im Grunde genommen immer ein Bündnis, ein Hinschenken an Gott oder die Gottesmutter, um dadurch ihre Hilfe zu erlangen. Weihe an Maria heißt, ganz populär gesprochen: Du bist meine Mutter, meine Königin, meine Herrin, ich Dein Kind, Deine Dienerin, Dein Diener. Alles, was ich als Kind als Dein Diener Dir schulde, gebe ich Dir. Du aber als Mutter, als Königin, schütze mich! Die Weihe ist ein Bekenntnis zu den ewigen Rechten Gottes, keine neue Verpflichtung, sondern ein unbedingtes "Ja" zu unseren Christenpflichten, zu hundertprozentigem Christentum, und die Bereitschaft, Gott und Maria die geraubte Ehre zu geben, um dadurch sich selbst und andere zu retten.
Und was hat das für einen Sinn? Der tiefste Sinn ist der: Herzensumwandlung! Das Herz ist die Wesensmitte des Menschen, Zentrum und Mittelpunkt des inneren Lebens des Menschen, wo alle seine geistigen und seelischen Kräfte und Funktionen Sitz und Ursprung haben. Das Herz repräsentiert geradezu das Ich, die Person des Menschen. Es ist der Sitz der Seele, der Sitz der Liebe und des Hasses, der Freude und des Schmerzes, des Stolzes und der Demut, kurz aller Passionen. Der Mensch ist das, was das Herz ist, gut oder schlecht. Heute sind die Herzen vieler Menschen verdorben. Die Liebe ist in ihnen erstorben, sie sind von Haß erfüllt, vom Stolze aufgebläht, von schwelender Sinnlichkeit durchglüht. Die Herzen der Menschen sind krank, sie müssen gewandelt werden, denn sonst gibt es nie eine bessere Menschheit. Inmitten einer gesunkenen Zeit der Herzenshärte und des Stolzes und des Hasses hält Gott im Herzen Mariens der Welt ein Spiegelbild eines reinen und großen Herzens vor Augen, das in der Glut der Liebe und im unantastbaren Adel seiner Makellosigkeit, aber auch in seiner ganzen Macht uns entgegenstrahlt. Durch dieses Herz, in dem nur eine Passion herrscht, nämlich die Liebe zu Gott und den Menschen und zur Reinheit, sollen die Herzen der Menschen gewandelt werden, sie sollen entzündet werden in Liebe zu Gott und zu den Menschen und zur Reinheit. Durch das reinste und heiligste Herz Mariens soll eine neue Zeit entstehen, die Zeit der im heiligen Geist gewandelten Herzen.
Maria ist die Antwort Gottes auf di`e tiefe Verworfenheit und Verdorbenheit und Gottesferne unserer Zeit. Durch sie weist der Herr der Menschheit unserer Tage, die in der Unlauterkeit in so furchtbaren Wehen liegt, den großen Weg zur Rückkehr, wie sie wieder gesunden kann und sich der grauenhaften Bosheit satanischer Mächte entwinden kann. Maria, die Gotterfüllte, Gottnahe, ist der Weg und ihr mütterliches Herz in seiner absoluten Reinheit ist die Kraft, die unserer Welt zur Umkehr gereichen soll.
Was aber erwartet Maria von uns? Welches ist der Inhalt der Weihe? Sie läßt uns nicht im Unklaren. Sie hat es gesagt:
1. Im Beten des täglichen Rosenkranzes. 2. In der Sühnekommunion am ersten Samstag des Monats und vor allem 3. In der Lebensbesserung, Lebensänderung. Das ist schließlich das Ausschlaggebende:
die christliche Lebensgestaltung, sich die Gesinnung Mariens und damit des Herzens Jesu konform zu machen. Es geht nicht um äußere Andachtsübungen, sondern um die christliche Lebensführung. Man muß die Weihe leben, tun, was Maria sagt. Was sagt sie denn:
1. Man muß täglich den Rosenkranz beten. In allen Erscheinungen verlangt sie das, und sie versprach dafür die Bekehrung Rußlands und den Weltfrieden. Wer betet, geht zu Gott, geht zu ihr und erlangt ihre Hilfe. Wer betet, geht von der Sünde weg und das verlangte sie ja ganz besonders.
2. Die Sünde meiden. "Beleidiget meinen Sohn nicht, er ist schon genug beleidigt!" Wie außerordentlich aktuell ist diese Forderung der Gottesmutter in unseren Tagen, wo die Sünde so abgewertet ist und nichts mehr Sünde ist! Aber Sünde bleibt Sünde, und sie ist immer dort, wo ein Gebot Gottes mit Wissen und Willen übertreten wird. Wer Sünde tut, der durchkrenzt die Pläne Gottes, die er hat zum zeitlichen und ewigen Wohl der Menschheit. Er bringt Unordnung in die göttliche Hausordnung. Die Sünde ist der Krebsschaden unserer Zeit. Und dieser wirkt sich unheilvoll aus. Wer in der schweren Sünde lebt, ist ein unheilvoller Bote, der Unheil, Unfriede, Unsegen, Verwirrung, Auflehnung und Verderben in die Welt hinaussendet. Er ist gegen Christus, marschiert praktisch in der Vorhut des Gottlosentums, der kämpfenden Gottlosigkeit. Nur wer im Stande der Gnade lebt, vermag Christus in seine Umgebung zu tragen. Es ist die Wurzel alles Unheils, daß so viele Christen unserer Tage ein so geringes Interesse haben, in der Gnade Gottes zu leben. Maria weiß, was Sünde ist. Niemand außer Gott sehnt sich so sehr danach, die Menschen glücklich zu machen. Sie weiß, daß die Sünde die Völker elend macht, die Ursache aller Katastrophen ist, der zeitlichen und der ewigen. Niemand hat außer ihrem Sohne soviel wegen der Sünde gelitten. Daher die Bitte: "Beleidigt meinen Sohn nicht mehr, er ist genug beleidigt!"
Maria verlangt: die Weihe leben! "Man muß die Weihe leben!" verlangt sie in Mariefried ausdrücklich. Was heißt das? Das heißt auch, Absage an den unchristlichen Zeitgeist. Gestaltung des Lebens nach dem Evangelium ihres Sohnes. Der unchristliche Zeitgeist hat die Menschheit immer wieder auf falsche Geleise in gefährliche Situationen hineinmanövriert. Die Menschheit ist vom materialistischen, neuheidnischen Geist auf ein falsches Geleise gebracht worden. Sie läuft den Katastrophenweg. Von diesem falschen Zeitgeist, wie er aus den Massenmedien herausweht, sind so viele Christen infiziert. Sie sind von der christlichen Lebenshaltung abgekommen, sie sind nicht mehr, was sie sein sollten: nämlich Licht auf dem Scheffel, Stadt auf dem Berge, Salz der Erde. Das Leben ist nicht mehr geformt nach den Lehren Jesu, sondern nach dem Geiste der Welt, in Arbeit und Beruf, in Bekanntschaft und Brautschaft, Ehe und Familie, Kleidung und Mode, ehelicher Treue, Kindersegen! Wieviel gäbe es da zu sagen! Die Weihe leben! Und da geht die Frage an jeden von uns: Wer formt mein Leben, Gottes Geist oder der Weltgeist, der Zeitgeist? Jeder gebe sich die Antwort selber.
Wenn ich die Weihe lebe, was resultiert daraus für mich? Wenn ich die Wünsche der Mutter Gottes erfülle, darf ich hoffen, daß Sie auch als Vertragspartnerin das Ihrige tut? Kann ich in Not und Gefahr auf Ihre Hilfe, auf Ihren Schutz rechnen? Die Antwort soll nachfolgendes Beispiel geben. Beispiele reden deutlicher als bloße Worte.
In Priesterexerzitien erzählte uns der damalige Exerzitienmeister Prof. D. wie er das große Bombardement auf die Stadt Köln miterlebte. Er sagte wörtlich: "Ich war damals gerade bei einer Familie auf Besuch, als die Sirenen heulten und Bombenalarm gaben. Wir hatten nicht mehr die Zeit, uns in den allgemeinen Luftschutzkeller zu flüchten, sondern wir begaben uns sofort in den Keller des Hauses. Dann brach sofort der furchtbare Bombenhagel los. Die Erde wankte wie beim größten Erdbeben, und wir erwarteten jeden Augenblick unser Lebensende. Wir beteten den Rosenkranz - und Not lehrt beten - und vollzogen die Weihe ans Unbefleckte Herz Mariens. Nach bangen Stunden war endlich Endalarm und die bange Frage war: Wie kommen wir aus den Trümmern unseres Hauses heraus? Denn wir waren überzeugt, daß unser Haus total zusammengebombt war. Wir stiegen die Kellertreppe hinauf, kamen in den Hausgang. Alles noch intakt. Wir gingen ins Freie und trauten unseren Augen nicht. Unser Haus stand inmitten rauchender und brennender Trümmer des Stadtviertels ganz intakt. Nur eine Hausecke hatte etwas abbekommen. Sonst war alles intakt. Maria hatte ihre Kinder tatsächlich beschützt, sie hatte die Weihe angenommen.
Ist das nicht vertrauenserweckend, ermutigend, besonders jetzt, wo die Katastrophen sich in so erschreckendem Maße häufen? Die Erde bebt und wankt in so vielen Ländern. Hurrikane und Taifune zerstören ungezählte menschliche Wohnstätten. Überschwemmungen machen Zehntausende obdachlos, und im Osten steht der Russe auf der Lauer. Der amerikanische Verteidigungsminister sagte jüngst, es könne sich um Stunden handeln vor dem russischen Blitzkrieg. Wollen wir nicht am heutigen Festtag Unserer Lieben Frau vom Unbefleckten Herzen die Weihe machen oder sie erneuern? So werden wir in allen gefährlichen Lebenslagen erfahren, daß es wahr ist: "Du meine Mutter, und ich Dein Kind!" Unbeflecktes Mutterherz Mariens schütze uns! Amen.
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