ERZBISCHOF LEFEBVRE PROVOZIERT DAS SCHISMA - SAGT MAN
von H.H. Pfr. Joseph Leutenegger
Das ist seit langem der Angstschrei kirchlicher Kreise. Durch seine unnachgiebige Haltung den römischen Behörden und ins besondere Paul VI. gegenüber bringe er eine Spaltung in die Kirche, ein Schisma. Und Schisma heißt ja Spaltung.
Solche Spaltungen gab es schon früher in der Kirche. Wir erinnern an das noch heute andauernde morgenländische Schisma, wo sich der oströmische Teil der Kirche unter dem Patriarchen Michael Caerularius im Jahre 1054 von Rom trennte. - Wir denken an das große abendländische Schisma, wo sich drei Päpste um die Herrschaft stritten und das beim Konzil von Konstanz 1418 endete.
1871 trennte sich ein Teil der Katholiken der Schweiz von der römisch-katholischen Kirche und bildete die Altkatholische Kirche.
Heute drohe ein neues Schisma, heißt es. Erzbischof Lefèbvre provoziere es. Doch da drängt sich die Frage auf: Ist denn dieses Schisma nicht schon längst vorhanden? Und das schon ehe Erzbischof Lefèbvre mit seinem Seminar in Ecône auf den Plan trat? Begann es nicht schon beim II. vatikanischen Konzil mit dem dabei einsetzenden hemmungslosen Zug zu Neuerungen auf allen Gebieten des kirchlichen Lebens, besonders auf dem Gebiete der Liturgie? Alles wurde sozusagen über den Haufen geworfen. So die tridentinische hl. Messe, die vom hl. Papst Pius V. im Jahre 1570 kanonisiert wurde und zwar auf ewige Zeiten. An ihre Stelle trat eine so große Vielfalt von "Messen" als Geistliche waren. Jeder bastelte sich seine eigene "Messe". Geändert wurden alle hl. Sakramente und zwar so,`daß an deren Gültigkeit berechtigte Zweifel entstanden sind.
Geändert wurden alle Segens- und Weiheriten. Abgeschafft wurden die niederen Weihen und das Subdiakonat. Abgeschafft wurde die Weihe des Exorzisten, wodurch der Geweihte die Gewalt erhielt, Besessene aus der Gewalt der Dämonen zu befreien.
Geändert wurde das Innere der Gotteshäuser, so daß sie kaum mehr zu unterscheiden sind von protestantischen Gotteshäusern.
Geändert wurden sodann die Glaubenslehren. "Der Glaube der römisch-katholischen Kirche befindet sich seit dem II. vatikanischen Konzil in Auflösung", schreibt Prof. Drexel in No 33. des "Neuen Volkes". "Geleugnet werden die fundamentalen Lehren unseres Glaubens, so die Lehre von der Gottheit Christi, die Wahrheit von der heiligsten Dreifaltigkeit, die Wahrheit von der Jungfrauengeburt Jesu, die Wahrheit von der Wesensverwandlung von Brot und Wein im sakramentalen Opfer der hl. Messe, die Wahrheit von der leiblichen Auferstehung Jesu aus eigener göttlicher Macht und endlich auch die Wahrheit vom Gericht von Himmel und Hölle". Und das alles unter stillschweigender ja oft ausdrücklicher Billigung und Gutheißung der nachkonziliaren Amtskirche.
Muß heute nicht jeder, der diese Entwicklung in unserer Kirche seit dem II. vatikanischen Konzil aufmerksam verfolgt, sagen: Wir haben heute eine total veränderte Kirche, völlig verschieden von der zweitausend Jahre alten vorkonziliaren Kirche? Die nachkonziliare Kirche hat sich von der wahren katholischen Kirche, wie sie vor dem II. vatikanischen Konzil bestand, völlig getrennt, ist also schismatisch. (Wer all die oben angefahrten Glaubenswahrheiten leugnet, ist nicht nur schismatisch, auch nicht bloß häretisch, sondern apostatisch. Anm.d.Red. ) Sie trägt zu Unrecht noch den Namen römisch-katholische Kirche. Sie ist die konziliare "Neukirche".
Der gelehrte Suarez, führender Theologe der spanischen Scholastik - gest. 1617 - schrieb einmal: "Ein Papst, der alle Riten ändert ist ein Schismatiker". Der Satz Suarez könnte mit gleichem Recht auch heißen: "Eine Kirche, die alle Riten (und Lehren) ändert, ist eine schismatische Kirche".
In einem Interview mit einer französischen Rundfunkgesellschaft erklärte Erzbischof Lefèbvre: "Nicht ich mache das Schisma, es sind die anderen, die es herbeiführen. Ich verkörpere die zweitausendjährige Kirche, die jetzige ist erst zwölf Jahre alt". Hat er unrecht? Unserer Auffassung nach aber muß das Schisma nicht erst herbeigeführt werden es ist schon da. Es begann schon während des II. vatikanischen Konzils.
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