Dr. G. P. Glomb u. Frau Christa
62 Wiesbaden
Hauberisserstraße 32
An die Redaktion der Monatsschrift "Der Fels"
z. Hd. H.H.P. Gerhard Hermes
84 Regensburg
Stahlzwingerstr. 12
und
An den Vorstand der Bewegung für Kirche und Papst
z.Hd. Herrn Prof. Dr. W. Hoeres
6 Frankfurt a.M.
50 Schönbornstr. 47
Sehr geehrte Herren!
Mit Bedauern und tiefer Enttäuschung entnehmen wir der uns vorliegenden
Nummer 4/71 des "Fels", daß die Herausgeber es nicht zulassen, daß die
in dem Artikel von H.H.P.G.Hermes "Pro multis - für viele" in Nr.3/71
des "Fels" aufgeworfenen Fragen über die Richtigkeit der von den
deutschen Bischöfen eingeführten "Wandlungsworte" und vor allem über
die Gültigkeit oder vielmehr die Ungültigkeit der mit diesen Worten zu
bewirkenden "Wandlung" konsequent zu Ende gedacht werden.
In der Sache selbst braucht dem erwähnten Artikel eigentlich nur eines
hinzugefügt zu werden, um zu dem sicheren Schluß zu kommen, daß unter
Verwendung der von den deutschen Bischöfen eingeführten
"Konsekrationsworte" keine wirksame Wandlung des Weines in Christi Blut
vollzogen wird. Die erforderliche Ergänzung besteht in dem Hinweis auf
die Definition des Konzils von Florenz (Neuner-Roos, Der Glaube der
Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 7.Aufl., Regensburg 1965,
SO 298, Randnr. 480), derzufolge die Form des Allerheiligsten
Altarssakramentes die Worte Christi sind, "mit denen er dieses
Sakrament vollzog. Aber auch ohne diese Definition des
außerordentlichen Lehramtes steht die betreffende Glaubenswahrheit
unwandelbar fest auf Grund des Glaubens der Kirche, den sie in ihrem
offiziellen Gebet bis heute zum Ausdruck gebracht hat - zuletzt in der
lateinischen Fassung der Konsekrationsworte in den neuen "Preces
Eucharisticae", welche - unbeschadet sonstiger Mängel - jedenfalls die
authentischen Wandlungsworte Christi verwenden.
Daß die betreffenden Worte Christi sowohl wörtlich als auch sinngemäß
nur mit "für viele" und nicht mit "für alle" übersetzt werden können,
hat Herr P. Hermes in seinem Artikel überzeugend dargetan.
Vor uns liegt die erste Auegabe des "Fels" vom Januar 1970. Gemäß dem
verheißungsvollen Leitartikel wurde die Arbeit der Redaktion (und wohl
auch der Herausgeber ! ?) "im Namen Gottes des Dreieinigen" und damit -
so ist zu ergänzen - im Namen der Wahrheit begonnen . Weiter hieß es in
dem Leitartikel, daß Tausende von Katholiken die Wahrheit wissen wollen
- und nicht, was sie meinen sollen, und daß sie die Wahrheit sagen
dürfen wollen. Der Fels, so wurde versprochen, wisse sich der Wahrheit
verpflichtet und nicht dem Trend; zuerst und zuletzt der Wahrheit des
Glaubens, der Wahrheit Gottes. Schließlich, nach einem Bekenntnis zur
Ungeschichtlichkeit der Wahrheit, wurde dem Leser versichert: "Wir
werden uns nicht scheuen, die Grenze zwischen Wahrheit und Irrturn zu
markieren, wo immer es möglich ist - mögen auch andere ihre Pflicht
vergessen. Wir werden nicht zögern, zu erklären, wer (seiner Lehre
nach) drinnen ist und wer draußen."
Endlich schickte der "Fels" sich an, die oben zitierten Versprechen
einzulösen, den bisher sorgsam gewahrten Rahmen des (nur) begrenzten
Konfliktes mit falschen "Hirten" und ihren "Schriftgelehrten" zu
sprengen und ohne falsche Rücksichten wenigstens in der für den
katholischen Glauben so fundamentalen Lehre von der Eucharistie nach
der Wahrheit zu fragen. Da wurde der für dieses mutige Unterfangen
verantwortliche Redakteur gestoppt und zum (wenn auch modifizierten)
Widerruf der halb ausgesprochenen Erkenntnis gezwungen.
Die totalitäre Reformpresse hätte auf diese den Herrschenden unbequeme
und peinliche Wahrheitssuche nicht allergischer reagieren können. Durch
dieses Vorgehen der Herausgeber ist der Fels auf das Niveau der übrigen
kirchlichen Lizenzpresse herabgedrückt worden, mag er auch eine
"konservative" Variante darzustellen sich bemühen.
So verstehen also die Herauegeber den versprochenen Dienst an der Wahrheit!
Keineswegs wollen wir uns anmaßen, über das Verhalten des zum Widerruf
gezwungenen Redakteurs im Sinne eines Vorwurfs zu urteilen, dürfte doch
die in dem Aprilheft des "Fels" erkennbar gewordene Pression nur ein
Kinderspiel sein gegenüber den sonstigen angewandten
Gehirnwäsche-Maßnahmen, wie sie in solchen Fällen üblich geworden sind.
Daß tatsächlich der erklärte Widerruf nicht aus ungeteilte Herzen
kommen dürfte, zeigen nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch die
zu seiner Begründung angeführten Argumente. Es macht nämlich einen
erheblichen Unterschied, ob ein Priester als Konsekrationsworte eine
verkürzte, aber doch als authentische Wandlungsworte Christi
überlieferte Version (vgl. Lk 22, 10; 1 Kor 11, 25) verwendet oder ob
er durch den nicht authentischen und sinnverändernden Zusatz "für alle"
den Sinn der Gesamtheit der Wandlungsworte verändert und damit ihre
Authentizität beseitigt, so daß sie nicht mehr die Worte Christi sind,
"mit denen er das Sakrament vollzog". Daß schließlich die Vielzahl der
ungültig gelesenen "Messen" kein Argument für ihre Gültigkeit sein
kann, sondern nur das Ausmaß des Versagens der dafür verantwortlichen
"Hirten" sowie die Notwendigkeit, endlich die Wahrheit zu sagen,
enthüllt, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Vielmehr erscheint die
Entziehung der Eucharistie als verdiente Strafe Gottes für die
vielfältige Mißachtung dieses Sakramentes in "Lehre" und Tat; auf den
vielfach lästerlichen Mißbrauch der "Handkommunion" sei verwiesen.
Nach den vorstehenden Ausführungen wird es niemanden erstaunen, daß wir
keinen Anlaß mehr sehen, die Zeitschrift "Der Fels" weiterhin zu
beziehen. Wir kündigen daher unsere Abonnements (Nr. 0225 / 4215) zum
nächstmöglichen Termin.
Gleichzeitig erklären wir unseren Austritt aus der "Bewegung für Papst
und Kirche", deren Vorstand die sicherlich unbequeme und für viele
"Hirten" peinlich Frage nach der Wahrheit "entschieden mißbilligt" hat.
Mit vorzüglicher Hochachtung
G.P. und Chr. Glomb
|