KONZILSGEISTLICHES
von Joachim May
"Seit dem 2. Vaticanum geht es in der Kirche mehr oder weniger dienstbeflissen zu. Nachdem die älteren Herrschaftsstrukturen abgebaut sind, ist man endlich nett zueinander, freundlich, zuvorkommend. Es scheint, daß in der Kirche, wie ein Bischof unserer Tage formulierte, die Liebe ausgebrochen ist. Der Bischof, der das sagte, fürchtete sich sehr, daß diese Liebe im Gegensatz zur Liebe Jesu ein humanisierter Allgemeinzustand sei, ein Mantel, der alle Gegensätze verdeckt, der also niemals helfen kann, daß in dieser verworrenen Zeit Klarheit und genaue Unterscheidung zwischen den Gegensätzen entstehen." (DSB 41/1976) Genau das ist der Fall. Der Begriff der christlichen Nächstenliebe, die sich auf die Sündhaftigkeit der Mitmenschen bezieht, von denen man, Sünder, der man ist, Liebe zu erwarten hat, wird völlig unzulässigerweise und absurderweise auch auf abwegiges, falsches, abstruses Denken bezogen. Solcher unterliegt nicht der Liebe, sondern dem Urteil, das von klar fixierten Normen auszugehen hat. Wahr muß wahr, falsch muß falsch bleiben und so genannt werden. Wer sagt "Jesus war wie Gott" ist ein Häretiker und hat Anspruch, so tituliert zu werden, und sei er Bischof oder Papst. Hier gibt es nichts zuzudecken mit dem "Mantel der Liebe", hier gibt es keinen Pluralismus, keine Meinungsfreiheit, keine 'Mitmenschlichkeit'. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche ist kein Persilschein oder kein Jagdschein und Freifahrtschein. Es gibt in Sachen Wahrheit kein Skonto und keine Rabatte. Wer heute sagt, daß er katholisch sei, weil er Mitglied der postkonziliaren NEUKIRCHE ist, hat damit keineswegs einen Erweis seines katholischen Glaubens erbracht, sondern lediglich rechtlich die Mitgliedschaft in einem Verein bekundet - mehr nicht. Wer aus dem Lichte Gottes lebt, der vergleicht nicht, um alles zu tolerieren, sondern der unterscheidet. "In der Sprache kirchlicher Verlautbarungen (tritt) weithin ein scheindemokratischer Zug zutage. Man tut so, als ob man demokratisches Verhalten (bis in die volle Fragwürdigkeit der sogenannten Mehrheitsdemokratie) ganz auf seine Fahne geschrieben hätte und sich völlig danach richtete. Dadurch sichert man sich die Gunst des naiven Zeitempfindens, um anschließend nur das (mit dem Wohlwollen aller) zu erreichen, was man längst vorher ausgearbeitet hat. Demokratie wird hier zum kirchlichen Trick, der besonders dann zieht, wenn man aus dem Glauben heraus keine hohen Ansprüche mehr stellt." (a.a.O.) - Ein Beispiel für die Richtigkeit dieser Feststellungen liefert die Ausarbeitung des sog. Einheitsgesangbuches "Gotteslob". Die Masse des gläubigen Volkes, die ja dieses neue Machwerk benutzen soll, ist nicht mit einem Sterbenswörtchen vorher befragt worden, welche Lieder man aufnehmen soll, ob man dieses oder jenes Lied verändern solle oder dürfe (!) usw. Die Ideologen anders kann man sie nicht nennen -, die das EGB verbrochen haben, hatten von vorneherein ihre ideologische Linie (= Abschwächung des klaren katholischen Glaubens, ökumenische Vernebelung im Dogmatischen, Einsingung innerweltlicher, z.T. sozialistischer Beglückungsgefühle usw.). Man stellt wahrhaftig an den Glauben keine hohen Ansprüche mehr, und das bißchen "Demokratie", das bei der Erarbeitung des EGB vorhanden war, ist ein Trick, der der Täuschung des unwissenden Volkes dient. In Wahrheit wurde ganz massiv manipuliert. So ist es überall. Es gibt "heute einen merkwürdigen masochistischen Zug in der Kirche bis zu hohen Amtsträgern, sich demütigen zu lassen. Man sucht die Versammlungen auf, die Contra geben, oft bis zur Ehrlosigkeit, man trägt alles, bleibt freundlich und lieb bis zuletzt. Zu Hause angekommen, wird der Mantel abgelegt. Das Geld, das alles regiert, ist ja in der eigenen Hand. Es wird also nichts geschehen." (a.a.O.) - Das sind klare Worte, und der Aspekt, den sie aufzeigen, ist nur zu wahr. Solange die Kassen der NEUKIRCHE klingeln, wird sich an deren zersetzter und verkümmerter Lehre und Praxis nichts ändern. Die Leute dürfen glauben, was sie wollen - wenn sie nur offene Brieftaschen haben. Das ist auch klar: Eine Kirche, die sich zu einem innerweltlichen Sozialverein mausert, deren erste und heiligste Aufgabe es nicht mehr ist, die Menschen auf das jenseitige Heil vorzubereiten, braucht volle Kassen, damit die Fassade stimmt und man nach außen sagen kann: Seht, was wir für Gläubige haben, und wieviele es sind! Das Portemonnaie ist zum Maßstab der Gläubigkeit geworden. "Ein so merkwürdiges Verhalten in der Kirche, das den männlichen und fraulichen Tugenden der Klarheit, der inneren Entschiedenheit, des unerschrockenen Stehens zur eigenen Meinung und Überzeugung abgeschworen zu haben scheint, ist eine eigentümliche Variante zum Streben nach innerweltlicher Sicherung. Um jeden Preis den eigenen Status wahren, das jeweils herrschende Gesetzt der öffentlichen Meinung respektieren, niemals auffallen, allen Extremen ausweichen, auch wenn das Evangelium sie zu gebieten scheint, allem klug und freundlich begegnen, so lauten die Maximen heutiger Sicherung in der Kirche." (a.a.O.) - Die klerikalen Nickermänner und Stehaufmännchen haben offenbar noch nie etwas davon gehört, daß es seit der Offenbarung eine absolute Ungeschichtlichkeit der Wahrheit gibt, zu der keine Abweichungen, seien sie winzig oder groß, geduldet werden können, keine je nach Zeitgeist und gusto variablen Interpretamente. Die öffentliche Meinung, die schon bei Lebzeiten Jesu vom "Hosiannah" zum "Crucifge" innerhalb kurzer Zeit umschwenkte, ist niemals ein Maßstab der Wahrheit. Diese ist nicht von Prozenten abhängig, die eilfertige Diener der Soziologie, der neuen Heilslehre, ausfindig machen. Sie ist keine Mode, die je nach Jahreszeit und Gesellschaftsschicht wechselt. Der Schutz des ungeborenen Lebens beispielsweise bleibt seit Christi Menschwerdung ein unabdingbarer Grundsatz bis ans Ende der Zeiten. Privatmeinungen von häretischen und ungläubigen Theologen sind uninteressant und müssen sofort, wenn sie bekannt werden, mit aller Schärfe geahndet werden. Dasselbe gilt für die Heiligkeit der Ehe, für die im Laufe der Kirchengeschichte definierten Dogmen. Jedwede Anpassung an "veränderte gesellschaftliche Verhältnisse" ist des Teufels. Bischöfe, die hier nicht ganz ungeschminkt und furchtlos gegen Verwässerungen, Verzerrungen und Fälschungen eingreifen, machen sich schwer schuldig. Der HL. GEIST tritt niemals im Gewande des Zeitgeistes auf. Er verwandelt die Vokabel "pastoral" nicht zu einer billigen und bequemen Entschuldigung für alles und jedes, selbst für den Irrsinn. Erst wenn wieder begriffen wird, daß die Normen und Maßstäbe für menschliches Leben und Verhalten nicht vom schwachen, sündhaften Menschen abgeleitet werden dürfen, von dessen Wünschen und Wollen, sondern aus den Geboten Gottes und deren Ausformung in der Kirche - bis zum 2. Vaticanum - erst dann besteht Hoffnung und Aussicht, daß die kranke Menschheit auf den Weg der Genesung gebracht werden kann. Aber bis dahin ist es, wenn nicht alle Zeichen trügen, noch ein weiter Weg.
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EINE WELT-EINHEITSRELIGION:
Der "Club of Rome", den man der Rockefeller-Gruppe mit ihrer Idee von der Weltregierung und einer weltumspannenden Gesellschaft zuzurechnen hat, arbeitet seit einigen Jahren an einer Welt-Einheitsreligion. Das erste Arbeitspapier wurde im November 1974 von Ervin Laszlo erstellt. Für diese Weltgesellschaft will man Elemente aus allen Religionen zur geistigen Grundlage erheben. Die Studienkommission des "Club of Rome" weiß indes noch nicht, wie sie die Menschen dazu bringen kann das Notwendige zu tun. Prof.Dr. Wilder-Smith berichtet dazu in einem Vortrag ergänzend, daß einer seiner Freunde in einem Forschungs-Institut in Wien tätig sei, das für den "Club of Rome" mit Computern jene Elemente aus den verschiedensten Religionen herausarbeitet, welche die Menschen am meisten fesseln. (Internationale Exklusiv-Informationen, Vaduz, Nr. 34/1976).
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