WIE DER HERR, SO'S GESCHERR
von Eberhard Heller
Anläßlich einer Anfrage an 'Weihbischof' Tewes (abgedruckt in der Süddeutschen Zeitung vom 9.5.75), zu einer statistischen Erhebung bezüglich des Kirchenbesuches (in der er übrigens ein rapides Absinken der Besucherzahlen eingestehen mußte - neben einer immer größer werdenden Zahl von Kirchenaustritten - ) Stellung zu beziehen, meinte Herr Tewes u.a.: "Es gibt in München Aufbrüche und Aktivitäten christlichen Lebens in den Gemeinden, die wir uns vor zehn Jahren nicht hätten träumen lassen." Sicherlich meint Herr Tewes damit dasselbe wie Paul VI., als er im Oktober letzten Jahrer, sagte: "Der Herr hat uns die Gnade verliehen, in einer wunderbaren Epoche der Heilsgeschichte leben zu dürfen. Eine Epoche von außergewöhnlicher Vitalität der Kirche." (in: Doc. cath. vom 14.1o.74; übersetzt von A. Kocher)
Man muß Herrn Tewes recht geben, solche (zerstörenden!) Aktivitäten, wie man sie heute überall am Werke sehen kann, hätte man sich vor zehn Jahren sicherlich nicht träumen lassen. Man kann auch Paul VI. beipflichten, xvenn man sich nur auf den Standpunkt eines Verräters stellt; denn man muß zugeben, er hat ganze Arbeit geleistet und tut sie noch!
Unter dem Titel "Der Fall Judas'" kündigt der Kreuz-Verlag Stuttgart. Berlin ein Buch von Welter Jens, Professor für Allgemeine Rhetorik, an, in dem der Autor eine Gruppe von Priestern die Seligsprechung des Judas beantragen läßt. Die Abhandlung, aus dem Gesichtspunkt des kirchlichen Berichterstatters dargestellt, läuft so ab, daß am Schluß die beantragte Seligsprechung immer plausibler erscheint. (Also wird wohl in den Augen von Jens Christus der Verräter gewesen sein.) |