DER HL. KILIAN - Fest am 8. Juli -
(aus: Hümmeler, "Helden und Heilige", Siegburg 1957)
Seit man ihn in fränkische Erde bettete, ist sein Andenken mit dieser Erde verwachsen. Der Winzer an den sonneglühenden Mainhängen vertraut ihm seine Rebstöcke an, der Bauer von der Rhön setzt seine Erntehoffnung auf ihn, die Flößer auf dem Main und die Handwerker in den Gassen am Fluß geben ihren Söhnen seinen Namen, und wo stromauf stromab ein frohes Wanderlied erklingt, da kündet eine Strophe auch seinen Ruhm. Er ist noch heute der heimliche Bischof des Maingaus, der Schutzherr des Frankenlandes, unter dessen Krummstab frommer Glaube und heitere Lebenslust friedlich nebeneinander wohnen.
Diese Erde hat sein Blut getrunken; darum ist sie gesegnet für alle Zeiten. Als er sie zum erstenmal sah, wandte er sich um zu den elf Männern, die ihm von Irland her gefolgt waren, und wies ihnen mit ausgestrecktem Arm die Wälder und Auen und den spiegelklaren Strom: "Ihr Brüder, seht, wie schön ist das Land und wie angenehm die Menschen!" Klostererziehung und Wissenschaft, Mönchsregel und Bischofsamt hatten nicht das natürliche Gefühl in ihm erstickt. Jetzt, als er zu einem Land und Volk gekommen war, das er liebte, bevor er es kannte, sehnte er sich nicht länger nach der grünen Insel zurück, wo er als Knabe die Rosse getummelt, wo er die priesterlichen Weihen empfangen, als Wanderbischof die Gemeinden im Glauben gestärkt und eines Tages den Ruf des Evangeliums vernommen hatte: "Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Wie er selbst dem Ruf des Herrn gefolgt war, so waren seine Getreuen ihm nun hierher gefolgt. Herzog Gozbert hatte sie freundlich willkommen geheißen und ihnen im Dorf zu Füßen der Würzburg eine Wohnung angewiesen. Ungesäumt machte sich Kilian ans Werk,aber so viel er auch fragte,. keiner der Jungen und keiner der Alten kannte den Namen des Menschensohnes; wohl aber erzählten sie ihm von den Heiligtümern Wodans und der Frau Berchta tief in den Wäldern. Da wußte er, was seine Aufgabe war und wozu der Geist Gottes ihn an die Ufer des Mains geführt hatte. Bevor er es aber unternahm, Herzog und Volk für den Gekreuzigten zu gewinnen, pilgerte er mit den elf Mönchen nach Rom und erbat vom Vater der Christenheit die apostolische Sendung. Als er ins Frankenland heimkehrte, waren nur noch Kolonat und Totnan, der Priester und der Diakon, bei ihm.
Ein Sommer verging und Winter; willig dienten die Franken dem neuen Gott. Da trat Kilian vor den Herzog und mahnte ihn nach römischem und kirchlichem Recht, sich von Geilana zu scheiden, weil sie die Frau seines verstorbenen Bruders gewesen war. Gozbert gab das Versprechen, wenngleich widerstrebend, und zog mit Pipin gegen Radbod von Friesland. Geilana aber nutzte die Zeit, um die Männer zu verderben, die ihre Ehe mit Gozbert angetastet hatten. Im Dunkel der Nacht sandte sie den Mörder ins Haus der fremden Mönche. Er überfiel sie im Gebete und tötete sie mit dem Schwert. Wo sie gestorben waren, grub er ihnen in Eile das Grab. So fand Bischof Burkhard sie, als er die Geheine der Märtyrer im Jahre 752 feierlich erhob - nur wenige Jahrzehnte nach dem blutigen 8. Juli 689, an dem Kilian, Kolonat und Totnan der Rache eines Weibes zum Opfer gefallen waren. Aber von Gozberts und Geilanas Geschlecht lebte niemand mehr. Gottes Hand hatte es ausgelöscht in Kindern und Kindeskindern. Gottes Hand fügte es auch, daß Kilians Arbeit und Opfertod nicht umsonst waren. Wie Johannes der Vorläufer Christi, so ist auch Kilian der Wegbereiter eines Größeren gewesen, des gewaltigen Angelsachsen Bonifatius.
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