DER FALL ECONE
von Reinhard Lauth
Die Nachricht, daß der reform'katholische' Bischof Pierre Mamie der Priesterbruderschaft des hl. Pius X. (Fraternité Sacerdotale de Pie X.) die von ihm seinerzeit erteilte bischöfliche Approbation entzogen hat, hat in rechtgläubigen katholischen Kreisen mit Recht große Beunruhigung hervorgerufen. Wir möchten unseren Freunden dazu das folgende sagen:
1. Es versteht sich von selbst, daß nach der tatsächlichen Rechtslage Bischof Mamie als Glied der apostatischen reform'katholischen' Konfession keinerlei bischöfliche Befugnisse mehr gegenüber dem hochw. Herrn Erzbischof Marcel Lefèbvre und der von diesem geleiteten pia unio, der Priesterbruderschaft Pius' X., hat. Der hochw. Herr Erzbischof Lefèbvre braucht also von der Äußerung des Bischofs Mamie weiter keinerlei Notiz zu nehmen.
2. Die Fraternité Sacerdotale ist nicht identisch mit dem Priesterseminar in Ecône. Nur ein Teil der dortigen Priester und Lehrer und nur ein Teil der vom hochw. Herrn Erzbischof Lefèbvre Geweihten gehört der Priesterbruderschaft an. Mit der Entziehung der Approbation, selbst wenn man sie als rechtsgültig ansehen wollte, wäre also der Betrieb des Seminars von Econe nicht direkt untersagt.
3. Als Hauptgrund für den Entzug der Approbation wurde von dem apostatischen reform'katholischen' Bischof Adam von Sitten angegeben: nicht die Beibehaltung der tridentinischen hl. Messe, sondern die fortgesetzte Ablehnung der Reform, die durch das Vaticanum II "eingeleitet wurde". (!!). 4. Tatsächlich scheint es aber doch umgekehrt zu liegen. Der hochw. Herr Erzbischof Lefèbvre hat nämlich bisher stets seine Papsttreue bekundet, wobei allerdings ganz vorwiegend die Treue zum Papsttum als Institution gemeint war. Auch bezüglich der Gültigkeit des sog. novus ordo hat es in Ecône verschiedene Auffassungen gegeben. Man liest dort auch nicht die hl. Messe genau in der vom tridentinischen Konzil und damit von der Kirche vorgeschriebenen Form. Somit kann von einer völlig konsequenten Ablehnung des Vaticanum II gar nicht zurecht die Rede sein. Man hat nur die durch die derzeitige positive Rechtslage der juristisch sich römisch-katholisch nennenden Reformkirche geschaffene 'Rechts'lage maximal ausgenutzt, um in Theorie und Praxis rechtgläubig zu bleiben -(wenn auch sicherlich mit Verstoß gegen manche in Wahrheit gültige Vorschrift der wirklichen katholischen Kirche).
5. Die UNA VOCE Gruppe Mariens hat immer bedauert, daß der hochw. Herr Erzbischof Lefèbvre nicht völlig eindeutig festgestellt hat, daß Paul VI. und die Reform'kirche' vom katholischen Glauben abgefallen sind. Indessen können wir angesichts der ungeheuer schwierigen Lage niemandem, der rechtgläubig geblieben ist, vorschreiben, welches taktischen Weges er sich bedient, die Erhaltung unseres wahren Glaubens zu bewirken. Es ist sehr leicht, zu kritisieren, wenn man nicht selbst die Verantwortung in der Praxis trägt; und die hl. Schrift gibt uns nicht wenige Beispiele davon, das die Träger des wahren Glaubens oft sehr eigenartige Wege gegangen sind, um Gott treu zu bleiben. Man denke nur an Jakob. Bei dem vom hochw. Herrn Erzbischof Lefèbvre eingeschlagenen Wege erscheint Ecône jedenfalls heute als eine Stätte, an der nicht schlicht und einfach nach dem Gebot unseres Herrn Ja Ja ist. Und in welchem Ausmaß diese zweideutige Selbstdarstellung die rechtgläubige Christenheit schädigt, kann jeder feststellen, der um sich blickt. Wie immer dem aber auch sei - wir müssen das aushalten.
6. Es ist nur dann mit einem direkten Eingriff Pauls VI. zu rechnen, wenn man in Rom die Gefahr, die von Ecône ausgeht, für so groß hält, daß man einen offenen Schritt nicht vermeiden zu können glaubt. An sich ist die Politik der Reformer, um es mit den Worten der "Baseler National-Zeitung" vom 15. Mai zu sagen, diese: "in ihrem Sortiment ein gewisses Angebot an 'alter Frömmigkeit' weiterhin bereitzuhalten", um so Märtyrer des katholischen Glaubens zu vermeiden, selbst nicht als Exkommunikator auftreten zu müssen und die "Altgäubigen!" langsam aussterben zu lassen. Dazu ist es ratsam, "traditionalistische" katholische Restbestände noch so lange, allerdings in abzunehmendem Maße, zu dulden, bis der katholische Glaube von selbst erloschen sein wird. Vor allem hofft man darauf, daß die katholischen Christen bald keine Bischöfe und Priester mehr haben werden. Und hierin besteht eben die Gefährlichkeit Ecônes, daß es diesen Plan durchkreuzt, indem es uns mit rechtgläubigen Priestern versieht (wenn schon nicht mit Bischöfen). Man wird also im Vatikan gemeinsam mit seinen Auftraggebern sorgfältig abschätzen, welche Gefahr die größere ist.
7. Es ist ganz im Sinne dieser Politik, daß man Ecône nicht einfach verbietet, sondern in eine schiefe (positive) Rechtslage bringt. So macht man es allen denen, die paultreu sind und bleiben wollen, immer schwerer, noch Ecône zu bejahen, zugleich den neuen Priestern aus Ecône immer schwerer, noch irgendwo amtlich akzeptiert zu werden. Die Suppe wird auf dem kleinen Feuer gekocht, damit sie nicht überquillt
8. Unser Wort zur Haltung Ecônes findet sich in der letzten Contreréforme catholique (Maiheft 1975) vom hochw. Herrn Abbé de Nantes so vorzüglich formuliert, daß ich ihn nur zu zitieren brauche: "Es läßt sich nicht absehen, wie man zu gleicher Zeit seine persönliche Treue zum Papst bekunden und von den Texten der Neuen 'Messe' sagen kann, daß sie zweideutig sind und die Häresie begünstigen. Das ist evident! Denn in der Tat, wenn man "Paul VI. treu" ist, muß man vertrauensvoll "Die Messe Pauls VI." akzeptieren. Aber wenn man aus Treue zu Jesus Christus und seiner unwandelbaren Kirche in Trennung - ich sage nicht: in Scheidung - mit dem Höchsten Selbstzerstörer der Kirche Gottes lebt und die Gemeinschaft mit ihm ablehnt ich sage nicht: im Schisma steht -, dann ist es folgerichtig, daß man seine zweideutigen liturgischen Erfindungen verabscheut und das Anathem über seinen häretischen Artikel 7 spricht."
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