ENTLARVUNG DES MODERNISMUS
von H.H. Wilhelm Knab
Gegen einen Feind, dessen Positionen man nicht klar kennt und dessen Methoden man nicht völlig durchschaut, ist schwer anzukommen. Ebenso ist auf dem medizinischen Gebiet notwendig, erst einmal den Sitz des Übels erkannt zu haben oder, wo es sich um Infektionskrankheiten handelt, den betreffenden Bazillus und die entsprechenden Möglichkeiten einer Gegenwirkung definiert zu haben. So auch läßt sich erst dann gezielt dem Modernismus entgegenwirken, wenn man sein innerstes Wesen kennt. Papst Pius X. umschrieb den Modernismus in seiner Enzyklika "Pascendi dominici gregis" vom 8. Sept. 1907, (enthalten im Amtsblatt 1907 der Erzdiözese München Nr. 27, im Innsbrucker Amtsblatt des gleichen Jahres auch in deutscher Übersetzung enthalten,) unter Schilderung seiner Erscheinungsformen und Auswirkungen, als Sammelbecken aller Häresien, vermochte jedoch keine genauere Definition zu geben. Dennoch läßt sich eine Definition finden; sie würde lauten: Modernismus ist das Bestreben, den vom Humanismus geprägten Leitsatz vom Menschen als dem Maß aller Dinge auch in religiösen Belangen geltend machen zu wollen, in Aushöhlung der wahren re-ligio ad Deum.
Die Mitmenschlichkeit als Höchstwert ist der Götze, der alle überkommenen Glaubenswahrheiten hinterfragen will; ob sie vor dem Forum der Menschlichkeit nicht vielleicht zu hart klingen und darum anders verstanden werden müßten; dieser Götze findet sich nicht mehr gebunden an Moralgesetze, welche Opfer, Verzichte fordern, dieser Götze baut all seine Erfolgshoffnungen auf menschliche Bemühungen unter Abwertung der Lehre von der Notwendigkeit der gratia Dei.
Oberstes Maß aller Erkenntnisse und Entschlüsse kann und darf jedoch nur sein der ewige Gott, weshalb in der Bekämpfung des Modernismus nichts dienlicher und notwendiger ist als klare Begriffe über die wahre Wertordnung sowie die Pflege echter Gottverbundenheit; wir müssen wegkommer und uns freihalten von allen verwirrenden Begriffsspielereien und Begriffsfälschungen; statt dessen gilt es, den Blick gerichtet zu halten auf das göttliche Gebirge der geoffenbarten Wahrheiten in ihrer ganzen Vollständigkeit und Ausdehnung und uns offen zu halten für den zur Einheit sich formenden Kontrast von Gottes Majestät und Gottes Liebenswürdigkeit, der geeignet ist, die Seele im Innersten aufzuwühlen und in Bewegung zu erhalten, ganz im Gegennsatz zum Modernismus, der nur die Ratio gelten läßt, ausschließlich einer Schreibtisch-Theologie hingegeben, lebendig tot vor Gott.
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