DEIN WILLE GESCHEHE!
von Alois Schnitzer, sen.
Täglich betet ein guter Katholik des öftern: Dein Wille geschehe. Leider ist dies nur zu oft ein Lippenbekenntnis, es fehlt das echte Streben nach Erfüllung. Einem gläubigen Katholiken, wird es jedoch ein Herzensbedürfnis sein, beim Aussprechen dieser Worte des öftern auch die Bitte einzuflechten: Lieber Himmelvater, ich will diesen Deinen Willen suchen, will Deinen Willen erkennen, denn nur so kann ich danach streben; diesen Deinen Willen auch zu erfüllen. Wie man den Willen Gottes suchen und wie man ihn erfüllen kann, dies zu zeigen, soll die Aufgabe der nachfolgenden Ausarbeitung sein.
Lange bevor Christus den Menschen zu beten lehrte. "Zu uns komme Dein Reich, Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden" hat Gott seinen Willen durch Moses in den zehn Geboten verkünden lassen. Als Christus, der Gottessohn dann selbst auf Erden wandelte, da hat er diese zehn Gebote seines Vaters nicht aufgehoben, sondern nur noch prägnanter, also konzentrierter in einem Gebot zusammengefaßt "Du sollst Deinen Gott und Deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Paulus ist es, der uns lehrte, daß die zehn Gebote Gottes eigentlich nur die Ausführungsbestimmungen zum Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe sind. Mit dem Gebot, das Christus verkündete, wird an den Armen wie an den Reichen, den Unstudierten wie den Studierten, die Masse Volk, wie den Volksführer die gleiche Forderung gestellt. Es wird aber auch gesagt, wie in der Praxis des Lebens das Gebot der Liebe mit Leben erfüllt werden kann und soll.
Die führenden "Köpfe" der kath. Kirche wie aber auch aller christlichen Konfessionen, haben jedoch diese Ausführungsbestimmungen zum Gebot der Gottes- und Nächstenliebe entwertet, vergessen, um nicht zu sagen verworfen. Anstelle der göttlichen Anweisungen für dieses Gebot hat man weltliche Anweisungen erarbeitet. Diese menschlichen Richtlinien werden heute verkündet und gelehrt. Damit hat man sehr wandelbares, dem irdischen Zeitgeist unterworfenes, soziales und materielles Gedankengut als Anleitung zur Erfüllung des Gebotes festgelegt. Damit versucht man den Blick des Volkes vom eigenen Versagen abzulenken. Man redet der ungläubigen und heidnischen Volksmasse nach dem Munde, wenn man (ungerechtfertigterweise) Kritik übt an verantwortungsbewußten Betriebsführern und an den Besitzenden. Niemand interessiert es, was ein Großteil dieser Leute, im Dienste an der Gemeinschaft Gutes leisten, welche notwendigen Aufgaben durch diesen Personenkreis erfüllt werden. Man interessiert sich eben mehr für den Splitter im Auge des Nächsten, als für den Balken im eigenen Auge. Dieser Personenkreis war es doch der Deutschland aus Schutt und Asche wieder herausgeführt hat, der auch dem Arbeiter und Angestellten Existenz und Wohlstand brachte. Dies alles wird heute durch Hetze zu Unzufriedenheit, Haß und Neid verkehrt
Judas war der erste Kritiker in dieser Richtung. Er hat Widerspruch bekundet, als man Jesus mit kostbarem Öl gesalbt hat. Dieses Öl hätte man verkaufen und den Erlös unter den Armen verteilen können. Jesus selbst gab dem Judas noch die Antwort: "Arme werdet ihr immer unter euch haben, aber mich nicht." Jesus steht also über den Armen und mit Jesus die von Ihm vorgelebten und verkündeten Aufgaben des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe. Der Geist eines Judas widerspricht somit dem Geiste Jesu. Auch der Geist der Schriftgelehrten und Pharisäer, die nach rein irdischen Gesichtspunkten arbeiteten, verwalteten und Recht sprachen, entsprach dem Geiste eines Judas. Daß die zehn Gebote Gottes die Ausführungsbestimmungen zum Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sind, hält Paulus in seinem Brief an die Röm. 13, 8-10 fest. Er schreibt: "Wer Gott und seinen Nächsten liebt, hat das Gesetz erfüllt. Wenn es heißt: "Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, kein falsches Zeugnis: geben, nicht begehren, und was es sonst noch an Geboten gibt, so lassen sie sich in diesem einen Wort zusammenfassen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut eben nichts Böses und so ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. Nur der lieblose Mensch tut Böses. Daß wirtschaftliche und moralische Hilfe für die Armen, so wie uns dies heute gelehrt wird, nicht die Erfüllung des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe sind, können wir aus dem Schreiben von Paulus an die Kor. 13, 1-13 lesen, wenn er schreibt: "Brüder wenn ich die Sprache der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Und wenn ich eine Gabe der Weissagungen hätte und alle Geheimnisse wüßte und alle Wissenschaft, und wenn ich eine Glaubenskraft hätte, daß ich damit Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe zur Speisung der Armen austeilte und meinen Leib zum Verbrennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts. Die Liebe ist geduldig, ist gütig, die Liebe beneidet nicht, handelt nicht prahlerisch, bläht sich nicht auf, ist nicht ehrgeizig, nicht selbstsüchtig, sie läßt sich nicht erbittern, sie denkt nichts Arges, sie freut sich nicht am Unrecht, sondern hat Freude an der Wahrheit, sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles. Die Liebe höret nie auf, Weissagungen vergehen, Sprachen (Sprachengaben) nehmen ein Ende, Wissenschaft hört auf, denn Stückwerk ist unser Wissen und ein Stückwerk unsere Weissagungen. Kommt aber das Vollkommene, so hört das Stückwerk auf.
Diese Begründungen des Apostels, diese Ausführungsbestimmungen zum Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, werden von unseren heutigen Theologen und kirchlichen Führern beiseite geschoben und nicht mehr gelehrt. Diese Leute bauen sich selbst einen Glauben zusammen, mit dem sie meinen, Berge versetzen zu können, aber es fehlt die echte christliche Liebe. Mit der Erledigung weltlicher Dinge, mit der Hingabe an nur materielle Güter lehren sie, das Gebot der Liebe sei damit erfüllt. Und diese Leute nennen sich Lehrer und Diener der Botschaft Christi. Nach Gottes Willen ist unser Nächster nicht bloß der Mensch in Not und Armut, sondern auch der gesunde und besitzende Mensch. Wir müssen die Feststellung machen, daß der Wille Gottes dahin zielt, daß jeder Mensch unser Nächster ist. Wenn also auch der Reiche mein Nächster ist, wie soll demgegenüber die christliche Liebe wirksam werden, wenn man uns heute lehrt, nur mit Hilfe, mit Spenden usw. für die Armen können wir das Gebot der Liebe erfüllen. Paulus schreibt jedoch, nur wer die zehn Gebote ganz erfüllt, erfüllt auch das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Daß Paulus mit seiner Auslegung Recht hat, beweist auch Johannes (14, 23-25), wo Christus zu seinen Jüngern sagt. "Wenn jemand Mich liebt, wird er mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben (Wer also das Gebot Christi hält, liebt auch Christus. Dieser Satz wird in die Grundfeste gottliebender Menschen verankert.) Wer mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Das Wort, das ihr von mir hört, ist nicht mein Wort, sondern das Wort meines Vaters, der Mich gesandt hat." Kann man die wahre Liebe zu Gott klarer festlegen, als es mit diesen Worten geschehen ist. Nur wer Gottes Ratschlag, also die Aufgaben seiner Gebote erfüllt, liebt Gott. Zum Beweis der Liebe zu Gott werden also keine Brand- und Schlachtopfer gefordert, sondern nur die Erfüllung seiner Gebote.
Die Zehn Gebote Gottes
Es kann nicht Aufgabe einer kurzen Ausarbeitung sein, alle Aufgaben, die dem Menschen aus den zehn Geboten erwachsen, hier voll zu erläutern. Doch soll an Hand der Gebote gezeigt werden, wie weit sich die sogenannte Hierarchie der kath. Kirche von ihrer eigentlichen Pflicht, nämlich der Verkündigung des Willens Gottes und der gültigen Spendung der Sakramente entfernt hat. Damit soll gleichzeitig der Nachweis geführt werden, warum die Einheit der Kirche zerstört und die der kath. Glaubenslehre verfälscht werden mußte, wie man es heute überall vorfindet.
1. "Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!" Wir sollen also nur dem einen wahren Gott dienen. Dabei dienen heute christliche Menschen, ja sogar kirchliche "Führer" bevorzugt fremden Göttern. Man dient dem Gott der Wissenschaft, der Rationalisierung, der Selbstverherrlichung des eigenen Geistes. Man dient dem Gott der Wirtschaft, der Politik, des Sozialismus und Materialismus. Um all diesen Göttern dienen zu können, hat man eben die Aufgaben, die dem wahren Gott dienen, vergessen, beiseite geschoben, zumindest als Nebensache betrachtet. Bevorzugt werden Aufgaben der diesseitigen Götter gelehrt und verteidigt.
Schon das erste Gebot Gottes wird also heute nicht mehr erfüllt. Zumindest in seinen Aufgaben nicht mehr erkennt. Schuld daran dürfte sein, daß man der mündlichen und schriftlichen Werbung der diesseitigen Götter verfallen ist. Trotz des Studiums der Theologie hat man sich die Entscheidungskraft nicht angeeignet zu erkennen, wo man den Dienst für den wahren Gott aufgibt und in die Gefolgschaft der diesseitigen Götter eintritt. Damit man letzteren dienen kann, erteilt man sich selbst Konzessionen. Man vermischt die menschliche Soziallehre mit den Aufgaben der Gottes- und Nächstenliebe. Damit verweltlicht man aber auch den Willen Gottes. Mit der Sorge um das wirtschaftliche Wohlergehen der Menschen, verdrängt man heute die echte Verkündigung des Willen Gottes, verdrängt man die religiöse Aufgabe, den Willen Gottes den diesseitigen Göttern entgegen zustellen. Wenn das heute schon bei Theologen zutrifft, die doch den willen Gottes kennen sollten, um ihn zu lehren, dann kann man verstehen, wenn es bei den übrigen Menschen häufig nicht viel besser ausschaut. Wer sich in den Dienst der diesseitigen Götter stellt, dient zugleich zersetzender Kritik am Nächsten, fördert damit Unzufriedenheit unter den Menschen, fördert gegenseitige Bekämpfung und Vernichtung, und dies nur um weltliche Vorteile zu erhaschen. Solches Tun widerspricht dem Willen Gottes.
Nur wer dem wahren und einzigen Gott zu Diensten sein will, der nimmt die gottgewollte Rücksicht auf seinen Nächsten, verzichtet lieber auf einen Vorteil. Er zeigt damit, daß er guten Willens ist, dem Frieden auf dieser Welt zu dienen.
Fremden Göttern huldigt man heute in unserer kath. Kirche. Dies ist uns seit Jahrhunderten angekündigt, daß Rom den Glauben verliert und Sitz des Antichrist wird. Menschen die nur von Gott reden, aber Gott und dem Nächsten die christliche Liebe verweigern, leisten Helfersdienste für die Selbstvernichtung der Menschheit.
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