Fastenzeit 2007
von Fr Courtney Edward Krier (übersetzt von Elisabeth Meurer)
"Einer der Soldaten öffnete seine Seite mit einer Lanze, und sofort kam Blut und Wasser heraus." (Joh. 19; 34)
Während des Frühjahrs werden wir sehr häufig durch Lebenserfahrung, Schriftlesungen oder in der Kirche mit Wasser konfrontiert. Im Leben fällt Regen vom Himmel; es fließt über unsere Hände, wenn wir waschen, und es wird fortwährend in unserem Körper verbraucht und aufgenommen, wenn wir trinken. Es ist vielleicht stärker in einem Unwetter oder, wenn wir baden oder, wenn wir beschließen, bei Wasser und Brot zu fasten, aber es fehlt nie. Wenn uns die Natur das Wasser nimmt, werden sowohl das Land als auch unsere Lippen ausgedorrt – das Land wird unfruchtbar, und der Leib trocknet aus. Natur und Mensch sind vom Wasser abhängig. Wie die Erde zu mehr als 70 % mit Wasser bedeckt ist, so besteht auch der Leib aus ebensoviel Wasser. Die physische Notwendigkeit und Anwesenheit von Wasser spiegelt die geistliche Notwendigkeit und Anwesenheit „lebendigen Wassers“ wider. Bei dieser kurzen Meditation möchte ich, dass Sie den Platz in sich aufnehmen, den das Wasser in Ihrem leiblichen und geistlichen Leben einnimmt. In dieser Abhand-lung möchte ich auch, dass Sie verstehen, warum Wasser zum Leben und zur Erlösung so nötig ist. Schließlich möchte ich Sie an die Frage heranführen, warum „All-“Erlösung (in ihrer modernen Anpassung – im Gegensatz zur „katholischen“ Erlösung) ein non-sequitur ist. Hoffentlich führt uns durch die Frühjahrszeit hindurch ein bewusstes Eingeständnis dessen, wie sehr Wasser ein Teil unseres Lebens ist, zu der Tatsache, wie sehr es ein Teil unserer Erlösung ist, und zur Dankbarkeit, die wir durch die Verwendung des Wassers ausdrücken.
Ich fange mit der Heiligen Schrift an. Hier müssen wir nur anfangen, die Genesis zu lesen, und sofort finden wir eine Überlegung über das Wasser: „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ (Gen. 1; 2). Dann ist da der Fluss, der „aus Eden floss, um den Garten zu bewässern, und sich dort in vier Flüsse teilte“ (2; 10). Gott wäscht die Erde durch die vierzigtägigen Regengüsse zur Zeit Noes (Gen. 6-9) vom sündigen Menschen rein. Am Jordantal beendet Abraham seine Reise (12-13), und Jakob sieht die Himmelsleiter (28). Wie der Knecht Abrahams Rebekka am Brunnen trifft (24), so trifft auch Jakob dort Rachel (29).
Sie werden vielleicht fragen: Warum erwähnt er das alles? Haben Sie Geduld, und ich zeige Ihnen, was es bedeutet. Nun, werfen wir einen Blick auf den Exodus und den „Retter“ der Israeliten. Das „Passah“ ist vollendet, aber die Hebräer werden nicht sofort von der Sklaverei befreit. Sie erhalten diese Freiheit, nachdem Moses die Hebräer durchs Wasser aus Ägypten führt (Exodus 14; 1 ff). Aber die Hebräer müssen noch vierzig Jahre (eine Generation) lang in der Wüste weilen. In der Wüste „tranken“ die Hebräer „aus dem geistigen Felsen, der ihnen folgte, und der Felsen war Christus“ (1 Kor. 10; 4; Exodus 17).
Als Wiederholung des Zuges durchs Wasser bringt Josue die Hebräer durch die Wasser des Jordans (Josue 3; 1 ff) ins „Gelobte Land“. Das Thema wird fortgesetzt, als Jonas zur Erlösung ins Wasser geworfen wird und „drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches“ ist, bevor er an den Strand geworfen wird (Jonas 1; 15, 17). Elias betet, und es regnet nicht; er betet wiederum, und Regen fällt, und die Israeliten werden vor dem Verhungern gerettet (3 Kön. 18; Jak. 5; 17). Naaman wäscht sich im Jordan und wird vom Aussatz gereinigt (4 Kön. 5; 1 ff).
Im Neuen Testament beginnt das öffentliche Leben Christi mit einer Taufe durch Johannes den Täufer (Mt. 3; 13 ff; Mk. 1; 9 ff; Lk. 3; 21 ff; Joh. 1; 29 ff) und dann folgt die Verwandlung von Wasser in Wein (Joh. 2; 1 ff), das „Leben für die Menschen“ (Ekkl. 31; 32). Dies wird im nächsten Kapitel des Johannesevangeliums ausgedrückt: „Wenn ein Mensch nicht wiedergeboren wird aus Wasser und dem Geist [Leben], so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen“ (Joh. 3; 5).
Es ist nicht nötig aufzulisten, wie oft das Wasser in der Bibel erwähnt wird, obwohl ich sicher bin, dass jemand bereits nachgezählt hat. Es genügt zu sagen, dass die Bibel von nichts öfter spricht wegen seines Symbolgehaltes und seiner Notwendigkeit. Sei es am Jakobsbrunnen, um die Schafe zu tränken (vgl. Gen. 33; 19; Joh. 4; 12) oder um die zu tränken, welche nach „lebendigem Wasser“ dürsten (Joh. 4; 10), Wasser wird geholt sowohl für unser irdisches als auch für unser übernatürliches Leben. Jakob ließ sich bei Sichem nieder und erhielt leibliches Wasser aus dem Brunnen. Unser Herr sitzt am Brunnen und gibt der Frau von Sichar geistiges Leben, indem er „lebendiges Wasser“ verspricht. Im nächsten Kapitel des hl. Johannes ist Jesus Christus am Teich von Bethsaida, wo derjenige geheilt wird, der hineingeht, wenn die Wasser „lebendig“ sind (Joh. 5; 2 ff). Wasser ist das Mittel, das Gott verwendet, um den Leib von Krankheit zu reinigen, was die Reini-gung der Seele durch das Abwaschen der Folgen der Sünde symbolisiert. In Kapitel 6 geht unser Herr ans Galiläische Meer. Warum? Wiederum tut er dies, um auszudrücken, dass hier durch das Wasser all diejenigen, die kommen, die Gesundheit des Leibes (durch die körperlichen Heilungen, die Er durchführt) und Nahrung für die Seele (durch die Vermehrung der Brotlaibe, für die Er sorgt) finden werden.
Wie unser Herr die Füße Seiner Apostel wäscht (Joh. 13; 2 ff) und Petrus daran erinnert, dass alle, die mit Ihm sein wollen, gewaschen werden müssen (13; 8), so wäscht auch Pilatus seine Hände rein von der Schuld an Christi kostbarstem Blute (Mt. 27; 24), um auszudrücken, dass diese Reinigung die einzige Weise ist, auf die wir von Schuld befreit werden. Und schließlich: Am Kreuz „kamen Blut und Wasser heraus“ (Joh 19; 34): Sein Leben zu unserer Reinigung. „Dies ist der, welcher im Wasser und im Blute kam, Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blute“ (1 Joh. 5; 6): dem Blute, das vergossen wird, um den Ewigen Vater zu besänftigen, und das Wasser, das die Seele reinigt, um dem Ewigen Vater zu gefallen.
Die heilige Mutter Kirche stellt Weihwasser an den Eingang der Kirche, damit wir uns beim Betreten des Tempels Gottes reinigen (als Symbol unserer Reinigung durch die Taufe). Wenn die sakramentale Gegenwart Christi vom Gründonnerstag bis zur österlichen Feier der Auferstehung Christi und Seines Erscheinens unter uns hinweggenommen wird, wird auch das Wasser hinweggenommen, um auszudrücken, dass es nur durch Christus „lebendiges Wasser“ gibt. Die kurze Zeit seines Fehlens zwingt uns fast dazu, nach der Kreuzigung und Auferstehung Christi zu verlangen, so dass die heilenden Wasser der Reinigung durch die Taufe wieder verfügbar sind. Wenn das Wasser wieder da ist (Osterwasser), können wir uns wieder reinigen und uns an unserer Reinigung erfreuen. Ein kleiner Teil des Osterwassers wird dafür bestimmt, die „Erlösten“ zu besprengen, während der Rest zur Verwendung als Taufwasser geweiht wird, um alle die zu reinigen, welche durch die reinigenden Wasser der Erlösung gehen. Die Erwachsenentaufe wird an der Ostervigil gespendet, um diese Wirklichkeit konkret offenzulegen.
Wenn man weiß, dass die göttliche Vorsehung das Wasser dazu bestimmte, notwendig für das irdische Leben zu sein, ist es natürlich, dass es geweiht (Anm. d. Übers.: und damit dazu bestimmt) wird, um notwendig für das geistliche Leben zu sein. (Anm. d. Übers.: Im Originaltext spielt der Autor mit den verschiedenen Bedeutungen des Wortes „to ordain“: Es kann sowohl „weihen“ heißen als auch „zu etwas bestimmen“, z. B. wenn Gott dies tut). Rechtfertigung erlangt man durch die Taufe. Isaias lädt uns zur Taufe ein mit den Worten: „Kommt zu den Wassern alle, die ihr dürstet“ (Is. 55; 1); Ezechiel sah die Überfülle dieses Wassers voraus, die von der Kirche ausgeht (Ezech. 47; 1 ff); und Zacharias prophezeit: „Und es wird dem Hause Davids und den Bewohnern Jerusalems eine Quelle offenstehen zur Waschung des Sünders“ (Zach. XIII, 1)1. Das Konzil von Florenz lehrt uns in seinem Dekret für die Armenier: „Die heilige Taufe hat den ersten Rang unter all den Sakramenten inne, weil sie die Tür zum geistlichen Leben ist. Durch sie werden wir zu Gliedern Christi und Seines Leibes, der Kirche. Und da durch den ersten Menschen der Tod über alle Men-schen gekommen ist, wenn wir nicht wiedergeboren werden durch Wasser und den Heiligen Geist, können wir nicht ins Himmelreich eingehen, wie die Wahrheit selbst uns sagt (Joh. III, 5).“ Der Kodex des Kanonischen Rechts von 1917 befiehlt dem Priester und den Eltern, Kinder sofort zu taufen im Hinblick auf diese Notwendigkeit, die Erlösung durch Adoption als „Söhne Gottes“ mittels „Regeneration durch Wasser im Wort“ zu erlangen (Röm. Katechismus, II, 2, 5)3. Die Schrift und die Kirchenlehre sehen keine anderen Mittel vor: „Bekehret euch alle und lasset euch taufen im Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg. II, 38).
Im Gegensatz zum katholischen Glauben an das „Bad der Regeneration und Erneuerung durch den Heiligen Geist“ (Tit. III; 5) steht die Karikatur der „Allerlösung“ oder die Lehre, dass jeder in den Himmel kommt. Als Origenes predigte, jeder werde am Ende der Welt schließlich in den Himmel kommen, verurteilte die Kirche schnell die Ansicht und erkennt Origenes nicht als zu den Heiligen gehörig an. Heute, in einer Zeit, in der wir das nicht Tolerierbare tolerieren, stößt die Annahme von Vorstellungen, die unvernünftig sind, auf keinerlei Widerstand. Die Einführung des „für alle“ in die Wandlungsworte über den Kelch, der Ökumenismus und „Wir sind alle Kinder Gottes“ – dies alles macht einen glauben, Gott habe uns „bedingungslos“ angenommen. Dies kommt zum Ausdruck in der Gemeinsamen Erklärung der modernistischen Kirche und der Lutheraner über die Rechtfertigungslehre, Artikel 16: „Alle Menschen sind von Gott zur Erlösung in Christus berufen“, auch wenn „Menschen unfähig sind, bei ihrer Erlösung mitzuwirken“ (4).
Aber warum hat die römisch-katholische Kirche dies verworfen? Weil die einzige persönliche Beziehung in jeder persönlichen Verbindung zwischen zwei Personen besteht, die beide eine Verbindung wünschen und dann verwirklichen. Diese Hingabe ist keine unbekannte Beziehung, sondern eine spezifische Entscheidung und Hingabe einer Person an die andere innerhalb der von der Beziehung gesetzten Grenzen; die gewählte Art, die Beziehung auszudrücken wird zumindest von einer Person gewählt und von der anderen akzeptiert. Hier hat Gott die Art gewählt, und jede Person muss die Art der Verwirklichung der Beziehung akzeptieren. Eine Ablehnung der Art drückt eine Ablehnung der Beziehung aus. Die Aussage, die Taufe sei nicht notwendig, käme der Aussage gleich, die Beziehung sei nicht notwendig. Eine Beziehung durch bloßes Existieren oder durch Zwang würde die Freiheit der Beziehungswahl leugnen. Ein Kommentar zu diesem Thema muss für eine andere Gelegenheit aufgespart werden, aber die „Allerlösung“, wie sie derzeit gepredigt wird, kann keinerlei Gültigkeit besitzen, wenn wir Gott als dreieinig akzeptieren.
Das Frühjahr ist eine Erneuerung dieser Beziehung zu Gott. Es ist das Jubiläum von Christi Hingabe an Seine Kirche, Seine Braut: Er gibt Sein Leben am Kreuz für sie dahin, damit sie das Leben „in größerer Fülle“ haben möge. Die Kirche, die Braut – als Ganzes und in ihren einzelnen Teilen in einer persönlichen Beziehung – vereinigt sich im Gegenzug mit der Hingabe Christi durch eine echte Anteilnahme am Leiden mit Christus durch ihre Fasten und Bußwerke. Diese Anteilnahme soll die Bedeutung von Gottes Liebe in die Wirklichkeit umsetzen. Dies ist in der modernistischen Kirche verloren gegangen, welche die protestantische Theorie der Rechtfertigung allein durch den Glauben akzeptiert hat, dass „Menschen unfähig seien, bei ihrer Erlösung mitzuwirken, da sie als Sünder sich aktiv gegen Gott und seine Heilstat stellen würden.“ (5) Für die Mitglieder der Konzilskirche gibt es weder Fasten noch Bußwerke, nur Feiern.
Aber durch diese Fasten und Bußwerke ist die Kirche dann bereit, die himmlische Hochzeit in jenem neuen Leben zu feiern, einem Leben mit Christus, einem Leben, das für die Kirche schon an Pfingsten angefangen hat, als sie den Heiligen Geist empfangen hat, aber wie vorstehend gesagt, am Osterfest erneuert worden ist. Jeder einzelne Christ wird auch darauf vorbereitet, diese Vereinigung mit Christus zu feiern, ein Leben, das für den Christen schon durch die Taufe angefangen hat, aber durch die Ostervigil förmlich erneuert worden ist. Während der Vigil (und jeden Sonntag) wird Wasser gesprengt als erneutes Zeichen des Bundes, den der Einzelne mit Gott Vater durch die Taufe geschlossen hat, als der Einzelne sich entschlossen hat, ein „Kind Gottes“ zu sein, im Tempel vereint mit Christus, dem „Erstgeborenen“, dargestellt, weil „jede Erstgeburt“ dem Vater als Erbe des Reiches „gehören soll“. Im weiteren Verlauf des Frühlings, wenn Sie die Lehrstücke und Gebete lesen und hören – „ihr werdet gewaschen, ihr werdet geheiligt“ (1 Kor. 6; 2) – denken Sie an jene durch die Taufe begründete Vereinigung, die durch Christi Leiden und Sterben herbeigeführt wurde. Nehmen Sie sich vor, der Hingabe eines „Sohnes“ an den Vater, einer Braut an den Bräutigam, des Gnadenlebens, treu zu sein, das die in den Ostergeheimnissen gefeierte Beziehung ausdrückt. Aller gläubigen Katholiken wird in dieser Frühlingszeit und am Fest der Auferstehung in der heiligen Messe gedacht, besonders derer, die bei diesem erhabenen Opfer nicht anwesend sein können – wegen Krankheit, Alters oder des Mangels an Priestern, die in ihrer Nähe die heilige Messe lesen.
In Seinem Dienst
Fr. Courtney Edward Krier
Anmerkungen:
1. Vgl. Grundlagen der katholischen Dogmatik, Ludwig Ott 2. CIC 770 3. Katechismus des Konzils von Trient, II, 2,5 4. Offizielle gemeinsame Erklärung des Lutherischen Weltbundes und der katholischen Kirche und die gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre, 31. Oktober 1999 5. Ebd. Abs. 21
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Hinweis der Redaktion:
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