Der Fluch des Schweigens und Verschweigens
von Norbert Dlugai
(Einge Gedanken zu dem Artikel "Übermächtiges Schweigen" von Eberhard Heller in: "Einsicht" Nr. 1/2007 vom Februar 2007)
1. Erläuternde Vorbemerkungen zum Thema
Mit Bezug auf den Introitus vom Sonntag in der Oktav von Weihnachten, wo es heißt "Tiefes Schweigen hielt alles umfangen", macht der Autor des o.e. Artikels, E. Heller, kein Hehl aus der bedrückenden Tatsache, daß es heutzutage innerhalb der Kirche ein "unheiliges, verachtenswürdiges" - oder sollte man sagen, ein gegen Gott und die wahre Kirche und Religion - frevelndes Schweigen gibt, wenn Heller in seiner Betrachtung u.a. schreibt: "Auch heute herrscht Schweigen, Schweigen aus Entsetzen, aus Gleichgültigkeit, aus Resignation und Feigheit, Schweigen gegenüber dem Auftreten des Anti-Logos. Es ist ein Schweigen, das übermächtig geworden ist und fast metaphysische Dimensionen angenommen hat."
Dem möchte ich noch einige Gedanken anfügen. Denn es erhebt sich die bange Frage, ob diejenigen, die beanspruchen, Repräsentanten der Kirche zu sein, angefangen von den ranghöchsten Hierarchen bis hin zum einfachen Landpfarrer, überhaupt noch ein Gespür dafür haben, daß und wie sehr das Schweigen und Verschweigen - und auf gleicher Linie ist das Verschleiern oder Umdeuten von Wahrheiten zu sehen - aus den Abgründen des Bösen heraufsteigt, in welche am Ende der verirrte Mensch hineingerissen zu werden droht.
2. Schweigen als bittere Frucht eines immer mehr überhandnehmenden Theo-Dezentrismus
Von den Gründen für das Schweigen, die Heller anprangert, soll der "Feigheit" ein besonderes Augenmerk zugewendet werden, weil sie mit einem von den Helfershelfern des Widersachers Gottes gestrickten Mäntelchen umkleidet wird, das man bei jeder Gelegenheit als sog. 'Political bzw. Theological Correctness' bezeichnet - im Endeffekt ein Blendwerk der Höllenmächte, das den wahren, unverfälschten Glauben aus der Öffentlichkeit verdrängen will. Sie verkörpern in letzter brutalster Konsequenz den "Anti-Logos" wie ihn Heller charakterisiert, als Verursacher des sündhaft-gottwidrigen, feigen Schweigens und Verschweigens.
Und wer kann als Christ, ohne zum Ignoranten der sieben Gaben des Heiligen Geistes zu werden, ernsthaft leugnen, daß der "Anti-Logos" hinter allem steht, was wir seit Jahrhunderten, und nicht zuletzt seit dem sog. II. Vatikanischen Konzil als Theodezentrismus, konsequenterweise hinüberfliessend in einen progredient ausufernden Anthropozentrismus wahrnehmen müssen?
Letzteres muß nicht bzw. nicht unbedingt ein Abgleiten in einen puren Atheismus bedeuten, wenn auch eine solche Gefahr mehr als naheliegnd ist. Jedoch hat, wie dem auch sei, der Anthropozentrismus Denk- und Verhaltensweisen im Gefolge, die vor allem den unumstößlichen theozentrischen Offenbarungsinhalt des biblischen Gotteswortes zu relativieren bzw. einer subjektivistisch-anthropozentrischen Exegese zu unterziehen bestrebt sind - eine höllische Intrige.
Es läuft das hinaus auf die Anwendung und Praktizierung der sog. 'historisch-kritischen Methode', welche gleich einem zersetzendem Rost die Fundamente des von Jesus Christus errichteten und von den Aposteln gehüteten katholischen Lehr-und Glaubensgebäudes zu destabilisieren trachtet und es dem jeweiligen Zeitgeschmack ausliefert. Daß bei alledem eine mehr oder weniger bewußt forcierte Focussierung des Menschen Hand in Hand geht, bedarf dann keiner besonderen Beweisführung. (In diesem Zusammenhang sei der Vollständigkeit halber für den interessierten Leser auf die Antimodernisten-Enzyklika "Pascendi Dominici Gregis" des heiligen Papstes Pius X. hingewiesen).
Dieser satanische Triumph findet, konform mit dem Zuvorigen, einen Höhepunkt in der modernen weitverbreiteten Irrlehre von der Allversöhnung, dem Allheilsoptimismus, - sofern noch eine irgendwie geartete jenseitige Gottesvorstellung vorhanden sein sollte: ein Optimismus, der jeden Menschen als gerettet und erlöst sieht, ohne Rücksicht auf Lebenswandel und Religion. Was das Letztere betrifft, so hat man sich schon längst die zur Schriftoffenbarung in krassem Widerspruch befindliche verhängnisvolle Doktrin zu eigen gemacht, wonach das heilsverheißende Wehen des Heiligen Geistes auch in den anderen Religionen und über deren Angehörigen zu verspüren sei, die katholische Kirche also nicht mehr das Charisma der Einzigartigkeit in Dingen des Heils für sich beanspruchen könne. Es gehe,so wird argumentiert, vor allem darum, daß die Menschen aller Religionen den ewigen Weltfrieden anzustreben hätten und das Wissen um eine letztendliche Allerlösung alle verbinde.
Damit gewinnt der Anthropozentrismus nicht nur einen rein individuellen, sondern ebenso einen weltumspannenden Aspekt, und Gott wird in diesem Szenarium lediglich zum 'Erfüllungsgehilfen' menschlicher und weltlicher Belange degradiert, ein Gedanke, der u.a.in den Schriften des vorgeblich konservativ-katholischen Philosophen und Econe-Förderers Walter Hoeres öfters zum Durchbruch kommt (so z.B.in der Kleinschrift "Aufstand gegen die Ewigkeit"). Ohne Zweifel wird hier ein gefährlicher, ja geradezu pathologischer Anthropozentrismus sichtbar, - einhergehnd mit der Wegwendung vom wahren Gott der biblischen Offenbarung.
Darüber zu trauern und entsetzt zu sein, wäre insofern wenig überzeugend und glaubwürdig, da es doch im Konzilsdekret "Gaudium et Spes" u.a. heißt: "Es ist fast einmütige Auffassung der Gläubigen und der Nichtgläubigen, daß alles auf Erden auf den Menschen als sein Ziel und seinen Gipfel hingeordnet ist."
Aus alledem erhellt sich, daß auf taube Ohren stößt, ja stoßen muß, was sich der Vermenschlichung, gepaart mit der Vernaturalisierung geoffenbarter göttlicher Wahrheiten, entgegenstellt: das Bekennen besagter Wahrheiten, "sei es gelegen oder ungelegen" (2 Tim. 4,1-5).
In einem Buch von P. Gerhard Hermes, betitelt "Herrlichkeit der Gnade" äußert der Autor seine tiefe Sorge darüber, daß von einem neuen Typus Mensch "das Spannungsgeladene zwischen gut und böse, und somit zwischen zeitlichem und ewigem Heil oder Unheil im Angesicht Gottes nicht mehr gesehen und in die Verlorenheit menschlichen Ignorierens abgedrängt werde". Deshalb sei der heutige Mensch nicht mehr fähig und schon gar nicht mehr bereit, nachzuvollziehen, was P. Hermes in seinem Buch weiter ausführt:
"Es müßte der einzelne Mensch beständig kämpfen um seine Entscheidung für das Gute, und nur mit großer Anstrengung kann er sich mit Gottes Gnadenhilfe seine eigene innere Freiheit erringen. Aber es zeigte sich schon auf dem Konzil, und erst recht in den Folgen eine Verharmlosung dieses Kampfes, dieser unvereinbaren Gegensätze zwischen Licht und Finsternis, zwischen Reich Gottes und 'Welt'".
So wäre es, um ein Beispiel anzuführen, undenkbar, daß heute ein 'moderner' Theologe in seine katechetische Planung und Zielsetzung etwa die 'unverträglichen' Schriftstellen Gal.1,6-1O; Phil. 2,12; und 2 Tim.4,1-5 einbezieht.
Solches Anderswollen ruft den "Anti-Logos" auf den Plan und mit ihm das Schweigen, Verschweigen, Hinterfragen, Umdeuten udgl. von den ewig gültigen göttlichen Wahrheiten, die niemals und zu keiner zur Disposition gestellt werden können und dürfen.
3. Eigene Erfahrungen und abschließende kritische Gedanken
Es bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung, daß der Verfasser dieser Abhandlung - und mit ihm wohl viele andere auch - sich mit den Krisen und dekadenten Erscheinungen innerhalb der Kirche, die hier Gegenstand unserer Auseinandersetzung sind, selbst konfrontieren mußte, und das schon in gehäuftem Maße. Eine Tatsache, der man bewußt ins Auge zu sehen gezwungen ist: es sind jedesmal beachtliche Triumphe für den "Anti-Logos"!
Sein Triumph dauert fort, wenn er gewahr wird, wie die vorgeblichen Diener der Kirche reagieren, wenn man seine berechtigte Besorgnis ganz allgemein zum Ausdruck bringt über den galoppierenden Schwund bzw. das Hinterfragen von Sünden- und Unrechtsbewußtsein, der gottgewollten unabdingbaren sittlich-moralischen Grundordnung überhaupt.
Wie nun reagiert man heute auf diese sich anscheinend uferlos ausbreitenden Krisen? Entweder den lästigen Fragesteller besänftigen oder mit der höchst bewährten Methode correctness-geschwängerten Schweigens oder gar des Rechtfertigens.
Der bekannte Schweizer Prälat Robert Mäder (1875-1945) sagte einmal, "man könne doch heute die (satanischen) Früchte des verbotenen Baumes mit Händen greifen" (vgl. Mäder: "Über den Teufel"). So verschließt sich der Erkenntnis des Menschen auch das Ärgernis, das gegeben ist, da die 'Kirche' durch den auf ihr lastenden Fluch des willkürhaften Umgangs mit Wahrheiten, die nun einmal für das Wesen der Kirche bestimmend und grundtypisch sind, ferner beispielsweise durch Produktion und/oder Duldung von Mißständen ihren gottgewollten heilsgeschichtlichen Status verloren hat, letztendlich - furchtbarer Gedanke - ihre Daseinsberechtigung überhaupt. Denn wenn einer Institution wie die Kirche, der eine ganz bestimmte Funktion und Mission aufgetragen ist, diese nicht mehr erfüllt, stellt sich - in Gottes Angesicht - die Frage nach ihrer Daseinsberechtigung.
Meilensteine beispielloser Verirrungen und Verkehrungen drängen die Frage auf, ob die sog. kath. Kirche insoweit stets bedenkenlos durch unverzeihliches Schweigen, Verschweigen von unverrückbaren Wahrheiten Verrat an ihrem göttlichen Stifter begeht und so die ihr von Gott zugewiesene Heilsstellung verliert. Wer möchte allen Ernstes in Abrede stellen, daß dies alles - Gott sei es laut geklagt - auf sehr, sehr viele Verantwortungsträger in der Konzils-Kirche zutrifft, die damit dem "Anti-Logos" zu Gefallen sind - ein teuflisches Szenarium!
Wieviele Ebenbilder Gottes dadurch samt ihren verirrten 'Hirten' in die Fänge der Nacht des "Anti-Logos" geraten - unrettbar für alle Zeit und Ewigkeit - weiß Gott in seiner unendlichen Weisheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit allein.
Heilige Maria, Mutter Gottes, der Du der höllischen Schlange den Kopf zertrittst, bitte für uns - heillos irregeführte und verunsicherte Sünder, und bitte Deinen göttlichen Sohn,er möge uns vor dem Feuer der Hölle bewahren - wie Du, Maria, himmlische Mutter, es uns in Fatima zu beten gelehrt hast.
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