DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL
von H.H. Walter W.E. Dettmann
"Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" So lautete die Antwort Jesu auf die Frage seiner Mutter: "Kind, warun hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht".
Bei dieser Szene sind zwei Dinge zu betrachten
1. wie selbstverständlich Maria und Josef den zwölfjährigen Jesus als ihr Kind ansahen, das ihnen allein und niemand anderem gehörte
2. wie Jesus ebenfalls selbstverständlich die Worte seiner Mutter dahingehend verbesserte, daß er Gott den Herrn in einer für die Juden ungewöhnlichen Weise seinen Vater nannte.
Die Worte Jesu an seine Kutter waren wirklich eine unendlich hohe Offenbarung. Sie waren ein erhabenes göttliches Geheimnis. Der Zwölfjährige zeigte seinen Eltern, daß die Worte des Psalmes sich zu erfüllen begannen: "Er wird mich anrufen 'Mein Vater bist du und mein Gott und der Bewirker meines Heiles'" (88,27).
Jesus zeigte seiner Mutter, daß die Worte aus dem Buche der Weisheit sich erfüllten: "Er rühmt sich, Gott zum Vater zu haben" (2, 16).
Die geheimnisvolle Offenbarung war so groß, daß der Evangelist schreibt: "Sie aber verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte".
Wahrscheinlich hat der Heiland in der Zeit zuvor als Kind mit seinen Eltern zusammen niemals die erste Hälfte des Vaterunsers gebetet.
Denn vom zwölfjährigen Jesus heißt es, daß er mit Maria und Josef nach Nazareth zurückging und ihnen "untertan" war. Wenn dies aber nach der ersten Pilgerfahrt zum Tempel der Fall war, dann war diese Untertänigkeit erst recht schon vor dem Gang zum Tempel eine Tugend des Knaben.
"Er war ihnen untertan": Dies heißt vor allem, daß er mit Maria und Josef in jener Art und Weise betete, wie sie in frommen jüdischen Familien Brauch und Sitte war. Dabei wurde in fast allen Gebeten und Psalmen Gott hauptsächlich als Schöpfer und Herr bezeichnet und nicht unmittelbar als Vater angesprochen, wie es Jesus in späteren Jahren seine Apostel gelehrt hat.
Jesus war Moria und Josef mehr untertan, als diese anfangs ahnen konnten. Sobald Jesus als Kind zum Gebrauch dor Sprache kam, ehrte er seinen himmlischen Vater mit denselben Worten, wie er sie von Maria und Josef hörte. Er sprach z.B. auch nur: "Lobe, meine Seele, den Herrn" (Ps. 102,1). Wenn Jesus mit seinen Eltern gemeinsam betete, sogte er als Kind noch nicht: "Vater unser, der du bist im Himmel". Er betete als Kind mit seinen Eltern zusammen ganz nach dem Vorbild und mit den Worten von Maria und Josef. Dies ist der tiefste Sinn des Wortes: "Er war ihnen untertan". Als er aber im Tempel, dem vom Gesetz vorgeschriebenen Ort der Anbetung Gottes, war hielt er die Zeit für gekommen, seinen Eltern zu zeigen, in welchem Verhältnis zum Herrn sein ganzes Wesen wirklich stand.
Dies war die große Offenbarung, die in den Worten lag: "Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?".
Die Worte, die der Zwölfjährige im Tempel zu Maria und Josef sprach, gehören zu jenem großen "Geheimnis Gottes", von dem die Apokalypse des Apostels Johannes sagt: "Das Geheimnis Gottes muiß erfüllt werden" (10,7)
Am Ende des zweiten Jahrtausends der christlichen Zeitrechnung steht diese Erfüllung des Geheimnisses Gottes nahe bevor, weil alles, was heute in der katholischen Kirche und in der Menschheit als solcher geschieht, eine kaum noch zu überbietende Ähnlichkeit mit jenen Dingen hat, die bezüglich des wirklichen Endes aller Zeiten vorausgesagt sind.
Das Geheimnis Gottes muß auch hinsichtlich jenes denkwürdigen Gespräches erfüllt werden, das zwischen dem zwölfjährigen Jesusknaben im Tempel und den Gesetzeslehrern stattfand. Das Geheimnis Gottes wird in gar nicht zu ferner Zeit dadurch erfüllt werden, daß der eingeborene Sohn Gottes in der jugendlichen Schönheit des zwölfjährigen Jesus als Richter über Lebende und Tote erscheinen wird, auch als Richter über jene Schriftgelehrten und Hohenpriester und Gesetzeslehrer, mit denen er zum ersten Mal im Tempel zu Jerusalem gesprochen hatte.
Für uns heutige Katholiken besteht die beste Vorbereitung auf die Erfüllung des Geheimnisses Gottes darin, andächtig das von Jesus gelehrte "Vater unser" und andächtig das von der katholischen Kirche gelehrte "Ave Maria" zu beton. Diese Gebete werden unser stärkster Trost und unser bester Schutz sein, wenn uns infolge des Verrates unserer Bischöfe und Pauls VI. das hochheilige Meßopfer immer mehr entzogen werden wird. Es ist eine grofe Täuschungs auf die Flut von anonymen und unkontrollierbaren Schwindel-Botschaften zu hören, die etwas anderes sagen. |