DER ERPRESSUNG WIDERSTEHEN
Von R. Th. Calmel, O.P., Itinéraires Nr. 182 übersetzt von Ambros Kocher
Die Kirche des wahren Gottes kann sich unter dem Zeichen der Lüge nicht entwickeln. Dies scheint nun doch der Fall zu sein vor allem durch den Betrug der Führer seit dem Konzil Vatikanum II. Man darf sich durch die Masken nicht täuschen lassen, man soll sie zerschlagen ohne Rücksicht auf die Hände abscheulicher Kirchenführer, welche sie auf unser Gesicht heften und sie unserem Innenleben aufzwingen möchten.
Wie oft schon seit Vatikanum II. wiederholte sich zwischen Bischöfen und gutwilligen Priestern, zwischen Prioren und gehorsamen Schwestern der grausame hinterhältige Erpressungsdialog, die Erpressung, die sich auf Treue, auf Wunsch nach Heiligkeit, auf den Willen, alles für Christus hinzugeben, beruft. Und wie selten fanden Religiosen, Schwestern oder Weltpriester in ihrer Glaubenseinfalt die Kraft, der Erpressung ruhig zu widerstehen, sich in ihrem Widerstand nicht zu vergiften noch zu zerbrechen; sondern im Gegenteil sich Gott zu nähern, dem Gotte aller Tröstungen.
Dies geschah zu Beginn des Jahres des Heiles 1970, bald nach der Herausgabe des Novus Ordo durch den Neuerer-Papst. Der Bischof ließ den jungen Pfarrer einer bescheidenen Pfarrei vor sich rufen. Ein gehemmter Empfang, der aber höflich sein wollte; banale Glückwünsche, welche zu erpressen versuchten; dann plötzlich, nicht ohne sichtbare Verlegenheit, eine brüske Attacke von Seiten des Bischofs: warum zögert ihr mit der Annahme der neuen Messe?
Pardon, Monseigneur, es gibt nicht die neue Messe, es gibt neue Messen, und zwar so viele als es Priester gibt. - Mag sein. Aber ihr zelebriert wie bisher immer. Wird das noch lange so dauern? Der Papst hat gesprochen. - Und was hat er gesagt, Monseigneur? Hat er gesagt: Anathema jedem, der nach dem katholischen, traditionellen, lateinischen, gregorianischen Ritus zelebriert? Hat uns der Papst mit einer Todsünde belastet, wenn wir weiter fortfahren, die Messe zu lesen, wie sie der Papst selber während 30 oder 40 Jahren gelesen hat? Hat der Papst von kanonischen Sanktionen geredet? Ich sage kanonische, Monseigneur, ihr kennt den Sinn dieses Ausdruckes. -
- Weiter, Herr Pfarrer. Weder Papst noch Konzil wollen noch etwas hören von Verdammung. Aber, ihr, die ihr so oft in eurem Pfarrblatt von Treue redet gegenüber dem Walten des Hl. Geistes, habt ihr denn nicht Angst, dem Hl. Geiste zuwiderstehen, denn der Hl. Geist ist am Werke bei dieser wunderbaren Erneuerung.
Ich befürchte keineswegs, dem Hl. Geiste zu widerstehen, wenn ich dem überlieferten Ritus der Messe treu bleibe. Ich habe nicht Angst davor, den geringsten Weg in Gehorsam und Eifer zu beschreiten. -
Ihr beschreitet immerhin nicht den Weg des Maximums an Gehorsam und Abtötung. -
Pardon, Monseigneur, dieser Weg des Maximums, den zu gehen ich immer gewünscht habe, den ich immer verkündete dem Meister entsprechend, kann nicht jener der Finsternis sein. -
Wohlan, wo sehet ihr denn einen Weg der Finsternis, wenn ihr den Erfordernissen des Novus Ordo gehorchet?
- Aber Monseigneur, der Chef, der unsern Gehorsam verlangt, währenddem er seine Autorität nicht engagieren will, wirft uns gerade dadurch auf den Weg der Finsternis. Er betrügt uns. Er wickelt uns ein. Er ist ein Lügner. Denket darüber, wie ihr wollt, Monseigneur, aber bevor ihr mich bedrängt und mich nach eurer Art auffordert, den Novus Ordo anzunehmen, gebt mir genügend Garantie, daß es sich wirklich um den Dienst Gottes und nicht um eine päpstliche Laune handelt, um nicht zu sagen um einen sakrilegischen Amtsmißbrauch. Wenn wirklich die neue Messe oder die neuen Messen vom Hl. Geist kommen und nicht vom Geiste der Finsternis, dann gibt es ein einziges Mittel, um es zu wissen: Daß der Chef, dem der Hl. Geist angeblich die Erneuerung eingegeben hat, den Mut aufbringt, im Namen dieses selben Hl. Geistes die Widerstrebenden mit Bann zu belegen. Wenn er es nicht tut, dann ist es der Beweis dafür, daß er nicht sicher ist.
- Ach ich sehe wohl, daß ihr vom Juridismus und von den Anathemen nicht abstehen könnt. Aber Jesus kannte keine Anathemen. Vatikan II. tat wie der Herr. Und unser konziliärer Papst hat, gemäß dem Wort eines Kardinals, auf die Liebe gesetzt. -
Konziliärer und unversöhnlicher Papst. Beweis: Er führt gegen niemand Krieg als gegen seine Söhne, welche die Messe von jeher bewahren. Aber lassen wir das. Ihr findet, es gebe im Evangelium keine Verdammungen. Und der Fluch über die Städte am Ufer des Sees? Und der Fluch gegen jene, welche die Kleinen ärgern, welche an den Namen Jesu glauben? Und der Fluch über die Heuchler? Wenn unser Konzilspapst Jesus nachahmen will, dann ahme er auch die Haltung gegenüber den Christen nach, welche nicht annehmen, was scheinbar der Befehl des Papstes ist, es aber nicht sein kann. Noch einmal wenn er im Namen des Hl. Geistes befiehlt, dann soll er auch im Namen des Hl. Geistes verdammen. Er hat die Macht zu binden und zu lösen, er soll sie ehrlich ausüben. Erzürnt hob der Bischof die Sitzung auf. Indem er den Pfarrer wegschickte, murmelte er zwischen den Zähnen: "Unnütz zu diskutieren. Er versteht nichts von der Entwicklung in der Kirche. Gerade als ob wir ein Konzil für nichts gemacht hätten".
Dieser einfache Pfarrer entrann auf edle Weise der Erpressung. Was ihn betrifft, entsprang die Prüfung den Rechtsgrundlagen der Autorität, nicht einem dunklen Willen, sich möglichst wenig darauf zu machen. Er wußte einfach, daß der ihm von der Autorität vorgelegte Weg nicht ein solcher der Finsternis sein kann. Er wollte sich nicht ergeben, wie wenn es im Lichte geschähe. Weder Bischof noch Papst gaben ihm genügend Garantie, daß die neue Form des Gehorsams, den sie von uns verlangen, im Lichte gelegen ist; dieser einfache Pfarrer fand es für richtig, nichts zu ändern an der früheren Form, die offensichtlich im hellen Lichte strahlt. Wenn es der Hl. Geist wäre, der dem Papste bei den Reformen beigestanden hätte, die sich zutiefst gegen die apostolische Tradition wenden, dann müßte der Papst notwendigerweise im Namen des Hl. Geistes jene exkommunizieren, die seinen Reformen Widerstand leisten.
Eine Frömmigkeit, die um sich in der Frömmigkeit zu vertiefen, an der traditionellen katholischen Messe festhält, ein Glaube, der um sich zu erleuchten, sich beständig im römischen Katechismus belehren läßt, ein Eifer, der, um sich zu ernähren, sich in Aszese und Gebet übt - diese Frömmigkeit, dieser Glaube, dieser Eifer befinden sich nicht in einem dunklen Engpaß; sie entspringen dem Geiste des Lichtes, dem Hl. Geist.
Dagegen bedeuten die Verwerfung der Messe, des Katechismus, der religiösen Disziplin, die vor Paul VI. immer Geltung hatten, mit einem Worte die Verwerfung der Tradition, die im Innersten mit der apostolischen Tradition verbunden ist, also einer Tradition, gegenüber welche ein Papst keine Gewalt hat - Widerstand leisten gegenüber dem Hl. Geist.
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