DIE KONSEKRATIONSGEWALT DES PRIESTERS
von H.H. Walter W.E. Dettmann
Der hl. Thomas von Aquin (+ 1274) stellt die Frage, ob die Konsekration von Brot und Wein beim Hl. Meßopfer nur dem Priester vorbehalten sei oder nicht (S. Theol. III. q. 82, art. 1 "De ministro huius sacramenti").
Seit dem Irrweg des sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzils, den Bischof Rudolf Graber von Regensburg vergeblich immer wieder zu beschönigen sucht, schieben unsere Bischöfe den Laien immer mehr solche Aufgaben zu, die bisher nur dem geweihten Priester vorbehalten waren. Auf diese Weise sollen die Laien langsam aber sicher daran gewöhnt werden, auch im wichtigsten Punkte unseres römisch-katholischen Gottesdienstes, nämlich bei der Konsekration von Brot und Wein, die Rolle des Priesters zu übernehmen. Paul VI. sagte im Januar des Jahres 1970: "Wir stehen erst am Anfang der Reformen".
Es wäre eine viel bessere Reform gewesen, wenn die Bischöfe beim sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzil vor den Augen der gesamten Kirche und Öffentlichkeit die Lehre des hl. Thomas von Aquin über das hl. Altarsakrament auf das genaueste untersucht und dargelegt hätten. Daß diese Arbeit nicht geleistet wurde, ist ein schuldbares Versäumnis von mehr als zweitausend Bischöfen (Bischof Graber von Regensburg eingeschlossen) und ein sicheres Zeichen dafür, daß die irdische Wanderschaft der katholischen Kirche ihrem Ende zugeht.
Der hl. Thomas von Aquin macht anfangs vier Einwände geltend, wonach es scheinen könnte, daß die Konsekration von Brot und Wein nicht ausschließlich Sache des Priesters sei. Er sagt erstens, das Altarsakrament komme zustande kraft der Wandlungsworte, die die sog. Form des Sakramentes sind. Diese Worte seien aber dieselben, ob sie nun von einem Priester gesprochen werden oder von jemand anderem. Also scheine nicht nur der Priester, sondern auch der Laie konsekrieren zu können.
Den zweiten Einwand formuliert Thomas von Aquin so: Der Priester vollzieht dieses Sakrament in der Person Christi. Ein gläubiger und frommer Laie aber sei ebenfalls mit Christus verbunden und zwar durch die Beobachtung der Gebote und durch die Liebe. Also scheine auch ein Laie in der Person Christi handeln und Brot und Wein konsekrieren zu können.
Beim dritten Einwand sagt Thomas, so wie die Taufe auf das ewige Heil der Menschen hingeordnet sei, so sei es auch mit dem Sakrament des Altares. Taufen könne aber auch ein Laie. Also scheine es möglich zu sein, daß ein Laie auch konsekrieren könne.
Beim vierten Einwand macht Thomas von Aquin geltend, daß es gewisse Konsekrationen gibt, die nur dem Bischof vorbehalten sind, z.B. die Weihe der heiligen Öle für die Firmung und die Krankensalbung. Die Konsekration von Brot und Wein in das Fleisch und Blut Christi sei aber etwas viel Höheres als die Weihe der heiligen Öle. Also scheine sie dem Priester ebensowenig zuzustehen wie die Weihe des Chrisams für die Firmung.
Nach diesen Einwänden führt Thomas von Aquin jedoch das Wort des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla (+ am 4. April 636) an, der sagte: "Es ist Sache des Priesters das Sakrament des Leibes und Blutes des Herrn auf dem Altare zu vollziehen".
Dann beantwortet Thomas den ersten Einwand und sagt: Die Kraft der Konsekration besteht nicht nur in den Worten, sondern in der dem Priester übergebenen Vollmacht bei der Priesterweihe: "Empfange die Vollmacht, in der Kirche das Opfer sowohl für Lebende als auch für Verstorbene darzubringen".
Dieser Hinweis ist heute überaus wichtig. Denn der Artikel 76 der katastrophalen Liturgiekonstitution des sog. Zweiten Vatikanischen Konzils bestimmt, daß die 'Weihen', also auch die Priesterweihe - und zwar diese vor allem - "nach Text und Ritus geändert werden sollen". Die sogenannten Niederen Weihen wurden ohnehin schon völlig abgeschafft.
Zum zweiten Einwand sagt Thomas, der Laie besitze ein geistiges Priestertum. Er sei mit Christus durch Glaube und Liebe verbunden, nicht aber durch sakramentale Vollmacht. Für den Laien - aber selbstverständlich auch für den Priester! - gelten gemäß Thomas die Worte des Apostels Paulus im Römerbrief: "Bringet euren Leib Gott als lebendiges Opfer dar" (Röm. 12,1). Ebenso habe der Apostel Petrus in seinem ersten Brief die Laien "ein heiliges Priestertum" genannt, das "geistige Opfer darbringen", müsse.
Den dritten Einwand beantwortet Thomas mit dem Hinweis, daß das hl. Altarsakrament für den Eintritt in den Himmel nicht von solcher Notwendigkeit ist wie die Taufe. Im Falle der Not dürfe deshalb auch ein Laie die Taufe spenden.
Zum vierten Einwand sagt Thomas: Der Bischof empfängt die Vollmacht, in der Person Christi über dessen mystischen Leib zu regieren. Eine solche Vollmacht bekomme der Priester bei seiner Weihe nicht. Deshalb sei das, was nicht zur eigentlichen Regierung des mystischen Leibes der Kirche gehört, wie die Konsekration von Brot und Wein, nicht nur dem Bischof vorbehalten. Die Weihe der Gotteshäuser und der Altäre und der Hl. Gefäße sei dagegen dem Bischof vorbehalten. Denn der Bischof bestimmt unter normalen Verhältnissen, wo das hl. Opfer gefeiert werden darf. - Die Weihe des Chrisams durch den Bischof hängt damit zusammen, daß unter normalen Verhältnissen nur der Bischof das hl. Sakrament der Firmung spendet.
Die vom hl. Thomas behandelte Frage nach der Konsekrationsgewalt des Priesters taucht bereits im zweiten christlichen Jahrhundert bei dem Kirchenschriftsteller Tertullian auf, der darüber klagt, daß die Häretiker den Laien priesterliche Aufgaben übertrugen ("De praescriptione haereticorum" c. 41).
Der heilige Bischof Epiphanius von Salamis (+ 403) macht gegen die Anmaßung gewisser Frauen, das eucharistische Opfer darbringen zu wollen, unter anderen geltend, daß es nicht einmal den Diakonen anvertraut ist, das Geheimnis zu vollziehen, sondern daß sie nur beim Vollzug dienen (Haer. 79,4, zitiert bei Diekamp, Kath. Dogmatik 1937, Band III, S. 165).
Da im neuen sogenannten (!) Meßbuch Pauls VI. alle bisherigen strengen Vorschriften zur gültigen Durchführung der hl. Wandlung beseitigt sind, muß auf Grund des oben erwähnten Artikels 76 der Liturgiekonstitution die Frage erhoben werden, ob Paul VI. und die Bischöfe den künftigen Priesterkandidaten die Konsekrationsgewalt für Brot und Wein wirklich noch übertragen wollen oder nicht.
Bevor Bischof Dr. Rudolf Graber von Regensburg das sogenannte Zweite Vatikanische Konzil zu verteidigen sucht, sollte er zuerst einmal diese Frage eindeutig und ohne Umschweife beantworten und sich nicht in allgemeinen Redensarten über die Konzilsideen bei Johannes XXIII. ergehen.
Nachtrag betreffend Bischof Dr. R. Graber: Im bayerischen "Klerusblatt" 1972 Nr. 6, S. 135, sagte Bischof Graber: "Ich frage mich manchmal, ob wir nicht das Konzil zu sehr liegen lassen, anstatt es aufzuschließen und gerade diese inneren stillen Quellenwerte den Gläubigen zu künden".
Darauf antworten wir: Wir wären tatsächlich sehr gespannt auf eine gründliche "Aufschließung des Konzils durch Bischof Graber, angefangen von den ersten Konzilsplänen der Modemisten bis zur Idee des sog. Eirheitssekretariats des ruhmlosen Kardinals Bea mit der hintergründigen Einladung an die protestantischen und russischen "Beobachter". Am meisten wären wir darauf gespannt, was uns Bischof Graber über jene sog. "stillen Quellenwerte" zu sagen hätte, die sich auf die bereits vor dem Konzil ausgearbeiteten Pläne zur Zerstörung des hl. Meßopfers beziehen und deren Tarnung durch die miserable Liturgiekonstitution. Gerne wollen wir dem Bischof Graber zugutehalten, daß er über die Tarnung dieser besonderen "Quellenwerte" viel zu wenig unterrichtet war.
In seinem Hirtenwort für die Fastenzeit 1973 behandelte Bischof Graber die Frage: "Was wollte Papst Johannes XXIII. mit dem Konzil?" Dabei schrieb er unter anderem, Johannes XXIII. habe gesagt: "Die Menschen sollen Christus mehr und mehr kennen lernen und lieben und ihm mit wachsender Großmut nachfolgen" ("Klerusblatt" 1973, Nr. 3, S. 65). - Wie ist das aber möglich, wenn die Liturgiekonstitution im Artikel 76 ankündigt, daß die Priesterweihe (ein Sakrament!) nach Text und Ritus geändert werden soll? Und wie kann Christus mehr erkannt und geliebt werden, wenn Paul VI. und die Bischöfe alle bisherigen strengen Vorschriften zur gültigen Durchführung der hl. Wandlung gestrichen haben? Wie kann Christus mehr erkannt und geliebt werden, wenn das Allerheiligste den ökumenischen Experimentierern überlassen wird?
Wir erwarten von Bischof Graber umso mehr eine klare Antwort, als dessen bischöflicher Kollege Kempf von Limburg bei der Würzburger Synode den "Zusammenbruch der bisherigen Gestalt der Seelsorge" angekündigt hat (zitiert nach Karl Rahner, Klerusblatt 1973).
Johannes XXIII. sprach vom sog. Konzil als von einem neuen "Pfingsten"; Bischof Kempf von Limburg dagegen spricht vom Zusammenbruch der bisherigen Seelsorge; ganz am Schluß kommt dann noch Bischof Graber von Regensburg und möchte uns die "inneren stillen Quellenwerte" des Konzils aufschließen: Das ist alles sehr sonderbar! Entweder schenkt uns Bischof Graber reinen Wein ein oder er möge aufhören, über das sog. Konzil zu plaudern.
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