DIE SEELEN UNTER DEM ALTAR
von Walter W.E. Dettmann
Bei der Öffnung des fünften Siegels im siebenfach versiegelten Buch schaut der Apostel Johannes unter dem Altar die Seelen jener, die wegen des Wortes Gottes urd wegen des Zeugnisses, das sie hatten, getötet worden waren": "Sie riefen mit lauter Stimme und sagten. 'Wie lange noch, o Herr, du Heiliger und Wahrer, richtest du nicht und rächest unser Blut nicht an den Bewohnern der Erde?' - Da wurden jedem von ihnen weiße Kleider gegeben, und es wurde ihnen gesagt, sie sollten noch eine kurze Zeit ruhen, bis die Zahl ihrer Mitknechte und Brüder voll sei, die auch noch so wie sie getötet werden müßten" (Apokal. 6,9-11).
Diese Vision beim fünften Siegel scheint im Widerspruch zu stehen za jener Vision vom tausendjährigen Reich (Apokal. 20,4), wo der Apostel Johannes sagt, daß die heiligen Blutzeugen tausend Jahre lang mit Christus zusammen herrschen. Denn wer schon mit Christus zusammen tausend Jahre lang herrscht, hat keinen Grund, wegen der Verzögerung des Weltgerichts ungeduldig zu werden. Und dennoch hat der Apostel Johannes seine Visionen so richtig gesehen und so richtig aufgeschrieben, daß kein Widerspruch zwischen der Vision des fünften Siegels und der des tausendjährigen Reiches bestehen kann.
Jene heiligen Blutzeugen, die schon tausend Jahre lang auf den Altären und im Kalender des Kirchenjahres mit Christus zusammen herrschen, sind nämlich jene, deren Namen der Kirche b e k a n n t sind, während die Seelen, die der Apostel Johannes beim fünften Siegel unter dem Altare schaut, jenen unzählbar vielen Blutzeugen gehören, deren Namen die römisch-katholische Kirche unter dem schweren Druck der Verfolgungen nicht der Nachwelt überliefern konnte.
Die Seelen unter dem Altar sind die ungezählten namenlosen Blutzeugen, die auf den Tag des Gerichtes warten. Ihnen werden in oder Vision des Apostels Johannes weiße Kleider gegeben, und ihnen wird gesagt, sie sollten noch eine kurze Zoit ruhen, bis die Zahl ihrer Mitknechte und Brüder voll ist, die auch noch so wie sie getötet werden müssen. Die Seelen im Fegefeuer können nicht so rufen wie jene Seelen des fünften Siegels unter dem Altar. Im Fegfeuer rufen die Seelen ganz anders, nämlich: "Wie lange noch dauert es, bis wir aus den Strafen und Peinen dieser Flammen befreit und erlöst werden?"
Die Zahl der namenlosen und unbekannten Seilen unter dem Altar wird in unserer Zeit rasch voll werden, weil der Satan am Ende des tausendjährigen Reiches aus seinem Kerker losgelassen wird und weil er alle Völker der ganzen Erde zum Abfall vom Glauben verführen und zum Kampf gegen das Lager der Heiligen sammeln wird, ohne daß das sogenannte Zweite Vatikanische Konzil und die sonderbaren römischen Bischofssynoden etwas Wirksames dagegen unternehmen. Wir brauchen aber wegen der Zukunft der Kirche keine Sorge zu haben. Denn vielleicht sind es gerade wir , die die Zahl der unbekannten Blutzeugen unter dem Altar voll machen müssen! Und wenn diese von Gott bestimmte Zahl vollständig ist, dann ist ja auch der Tag der himmlischen Herrlichkeit für uns alle nicht mehr weit entfernt.
Heute kämpfen wir anscheinend ebenso erfolglos und unbekannt für das wahre heilige Meßopfer, so wie einst die unbekannten Blutzeugen in alter Zeit ihr Leben für den Namen Jesu hingegeben habon. Aber der Zeitpunkt kann nicht mehr weit weg sein, an dem wir in der himmlischen Herrlichkeit jenen Heiligen gleichgestellt worden, die bereits tausend Jahre mit Christus geherrscht haben. Halten wir also geduldig aus und beton wir umso andächtiger den Rosenkranz, je weniger die Orte und die heiligen Gotteshäuser werden, in denen noch ein wahres Meßopfer und eine wahre hl . Kommunion gefeiert wird. |