DER KÄMMERER VON ÄTHIOPIEN UND DER DIAKON PHILIPPUS
von H.H. Walter W.E. Dettmann
Der äthiopische Kämmerer wurde von Philippus verhältnismäßig rasch getauft, nach dem er darum gebeten und bekannt hatte. ''Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist."
In Wirklichkeit war der geistige Weg zu dieser Taufe bei weitem nicht so einfach, wie es sich heutige Menschen vorstellen. Der Äthiopier, machte keine Handelsreise, sondern er war zum Gebet nach Jerusalem gefahren. Um den Tempel des wahren Gottes in Jerusalem zu besuchen, hatte er eine ungeheuer weite und gefahrvolle Reise unternommen: Von Jerusalem bis nach Kairo in Ägypten beträgt die Luftlinie fast fünfhundert Kilometer. Von Kairo bis zur südlichen Grenze Ägyptens im Sudan kommen volle neunhundert Kilometer Luftlinie hinzu. In Wirklichkeit beträgt der Weg im Niltal um die Hälfte mehr. Von der Südgrenze Ägyptens bis in die Hauptstadt Äthiopiens sind es dann nochmals zweitausend Straßenkilometer!
Der äthiopische Kämmerer hatte somit eine Wallfahrt von mindestens viertausend Kilometern hinter sich und befand sich auf dem ebenso langen Rückweg. Schon diese Tatsache beweist, daß er in einem ernsten religiösen Anliegen unterwegs war, in einer Zeit, in der das Reisen unvergleichlich schwerer war als heute.
Der vornehme Reisende wußte noch nichts von der katholischen Kirche. Er wußte noch nichts von den wunderbaren Dingen, die Gott der Herr auch für ihn getan hatte, seitdem er sich auf seiner Reise befand.
Der Mann aus Äthiopien war unter hohen Kosten und Gefahren von weit her gekommen, um den Gott der Juden kennenzulernen und um ihn anzubeten. - Wenn es hätte sein müssen, hätte dieser Mann auch gerne das Latein der Messe Papst Pius' V. gelernt!
Während seiner Rückreise von Jerusalem in die Heimat saß er in seinem Wagen und las die Heilige Schrift, und zwar den Propheten Isaias. Er las so laut, daß der Diakon Philippus es am Rand der Straße hören konnte. Philippus war eigens vom "Engel des Herrn" an diese Straße geschickt worden, ohne eine nähere Angabe, was er dort tun sollte. Als er nun den Fremden so laut im Buch des Propheten Isaias lesen hörte, und zwar gerade die Stelle von Lamme Gottes, da erkannte er, daß er hier einzugreifen habe.
Er fragte den unbekannten Reisenden. "Verstehst du auch, was du liesest?" Der Äthiopier war ehrlich genug, seine Unwissenheit zu bekennen und sagte: "Wie könnte ich es verstehen, wenn mich niemand unterweist?'' - Er hatte somit eigens die Sprache und die Schrift der Juden erlernt, um den wahren Gott anbeten zu können: Welch ein staunenswertes Wunder göttlicher Seelenführung! Unsere heutigen Progressisten dagegen, die kaum einige Schritte von ihrer Haustür bis zum Hause Gottes zurückzulegen brauchen, verschmähen und verachten die heilige lateinische Sprache der Kirche, obwohl sie wahrlich nicht so schwer ist wie die hebräische Sprache, die der Äthiopier erlernen mußte. Die Begebenheit des äthiopischen Kämmerers ist kaum weniger wunderbar als die Reise der Weisen aus dem Morgenlande zum neugeborenen König der Juden.
Nimmt man an, daß der Äthiopier eine Übersetzung der Heiligen Schrift in seine Sprache benützte, dann müßte man auch annehmen, daß der Diakon Philippus die äthiopische Sprache verstand. Auf jeden Fall wußte der vom Heiligen Geist gesandte Philippus beim ersten Hören, um was es sich bei der Lesung des Kämmerers, handelte. Es war die Stelle: "Wie ein Schaf wurde er zur Schlachtung geführt. Wie ein Lamm vor dem verstummt, der es schert, so öffnete er seinen Mund nicht." (Isaias 53, 7)
Der Kämmerer hatte in Jerusalem im Tempel gebetet und hatte nichts von Jesus gehört. Damals war bereits die von Saulus geführte Christenverfolgung ausgebrochen, und kein Jünger durfte sich im Tempel sehen lassen, und die Hohenpriester suchten durch möglichste Prachtentfaltung beim Gottesdienst das Volk von der Affäre mit Jesus von Nazareth abzulenken, so ähnlich, wie ein größer Teil des heutigen Klerus mit allen Mitteln das Volk von der Anbetung des heiligsten Altarssakramentes abzulenken sucht.
Philippus erklärte dem Äthiopier die Worte des Propheten Isaias so, daß dieser beim nächsten Bache, den sie zu überqueren hatten, um die heilige Taufe bat. Der Äthiopier empfing nur die Taufe, nicht die heilige Kommunion. Trotzden reiste er mutig und freudig weitere nachdem Philippus plötzlich von seiner Seite verschwunden war.
Wann er später einmal vielleicht die hl. Kommunion empfing, wissen wir nicht. Auf jeden Fall verkündete er die Botschaft von Jesus Christus auch dort, wo er seine Kenntnis vom Tempel in Jerusalem erhalten hatte. Er legte den weiten Weg in Freude zurück, obwohl er ganz allein war. Und wir, die wir uns schon so oft mit dem Heiland in der hl. Kommunion vereinigt haben, sollten uns fürchten, nach dem Abfall der heutigen Bischöfe unseren Weg allein zu gehen?
Der Kämmerer hatte den Diakon Philippus nur wenige Stundcn lang gesehen. Von den zwölf Aposteln hatte er keinen einzigen gesehen; er hatte den Papst nicht gesehen und dennoch legte er seinen Weg voll Freude zurück.
So müssen auch wir heute einen unbestimmten langen und schwierigen Weg allein zurücklegen. Der Äthiopier hatte die göttliche Macht kennengelernt und zog im Vertrauen auf die künftige Führung Gottes weiter. So müssen es auch wir tun. Wir haben die Wunder des wahren heiligen Meßopfers in unserer Seele erfahren und müssen unseren Weg so weitergehen, wie Gott der Herr ihn uns bisher gezeigt hat und wie er ihn uns künftig zeigen wird.
In der Zukunft haben wir wahrlich genug damit zu tun, dem Heiland für viele und völlig unverdiente heilige Kommunionen demütig zu danken. Wir verkünden dort, wo man es hören will, daß Jesus nur im bisherigen heiligen Meßopfer gegenwärtig ist, so wie es vor dem (sog. - Anm. d. Red.) Zweiten Vatikanischen Konzil gefeiert wurde, nicht aber in der sogenannten neuen Liturgie, die nur den Gegnern des heiligsten Altarssakramentes zuliebe gemacht wurde
Es ist eine verwegene Idee der Bischöfe und Geistlichen, so zu tun, als sei Gott dort gegenwärtig, wo man den Kern des heiligen Meßopfers ganz und gar dem Tun und Treiben der Feinde des Altarssakramentes angepaßt hat.
Der eine Äthiopier - ein Laie - war Gott dem Herrn lieber als alle hohen levitischen Funktionäre im Tempel zu Jerusalem. Ähnlich ist es auch heute in der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Die einsamen Gläubigen sind heute die auserwählten Werkzeuge Gottes, auch wenn sie noch nicht wissen, was Gott in der nächsten Zukunft tun wird. Gott der Herr ist heute nicht auf Seite der hohen kirchlichen Funktionäre, sondern sein Heiliger Geist und seine Kraft sind zum größten Teil auf Seite der demütigen und gläubigen Laien, die ihr Gebet nicht vernachlässigen. Diesen Laien wird Gott eines Tages auch wieder heilige Diakone und Priester schicken.
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