Paul VI.
Von Walter W. E. Dettmann
Christus sagte: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen" (Matth. 16,18).
Damit wollte Christus n i c h t voraussagen, daß es keine schlechten Päpste und keine Kirchenspaltungen geben werde.
In den Worten Christi sind nur zwei Vorhersagungen enthalten, nämlich:
1. Christus wird die Kirche bauen, 2. die Hölle wird die Kirche nicht überwältigen.
Es gab in der Kirchengeschichte zahlreiche Päpste, die den Gläubigen zum großen Ärgernis wurden. Zu diesen wird auch Paul VI. gerechnet werden müssen. Sein Rundschreiben "Humanae vitae" zum Schutz der Heiligkeit der Ehe wird ihm dabei nicht helfen können. Denn er läßt es bewußt der Verachtung und Vergessenheit anheimfallen.
Zu einer wirklich guten Kirchenführung und Kirchenregierung gehört nicht nur der Erlaß von guten Gesetzen und Verordnungen sondern auch die tatkräftige Sorge um die Durchführung dieser Gesetze und Verordnungen. Auf diesem Gebiet aber ist Paul VI. fast völlig untätig geblieben.
Das Unterlassen Pauls VI. ist nicht einmal seine größte Schuld. Seine Taktik besteht nämlich darin, ein an sich gutes Rundschreiben herauszugeben, damit gewisse Bischöfe, z.B. Bischof Graber, den Gläubigen Sand in die Augen streuen und sagen können, der römisch-katholische Glaube sei immer noch derselbe geblieben. Im weiteren Verlauf der Angelegenheit aber schaut Paul VI. bewußt und tatenlos zu, wie die Mehrzahl der heutigen Bischöfe über das Eherundschreiben lächelt.
Das ist aber noch lange nicht alles. Paul VI. ist durchaus kein "Gefangener", der nur das tun darf, was seine Bewacher wollen. Er ließ sich ohne Sträuben und ohne Widerstand und sogar mit großem Vergnügen zum Papst wählen. Er machte damals durchaus nicht den Eindruck eines Gefangenen. Dabei mußte er in klarster Form vor Augen haben, was für schlechte Absichten die Progressisten-Bischöfe bereits während des Konzils unter Johannes XXIII. angekündigt hatten. Schon am ersten Tag nach seiner Wahl zum Papst befahl er die Fortsetzung des durch den Tod Johannes XXIII. unterbrochenen Konzils. Wenn Paul VI. die verderbliche Liturgiekonstitution nicht mit allen ihren Neuerungen gewollt hätte, hätte er das Konzil gar nicht von neuem einberufen müssen.
Paul VI. hat die heilige Messe freiwillig zerstört. Er gehörte zu denen, die bereits lange Zeit vor dem sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzil auf dieses Ziel hinarbeiteten. Dies ist durch den Hirtenbrief bewiesen, den Montini als Erzbischof von Mailand im Jahre 1958 herausgab, in einer Zeit, in der Papst Pius XII. kurz vor seinem Ableben stand, wie Montini genau wußte. (Über den Hirtenbrief des Erzbischofs von Mailand siehe EINSICHT, 1.Jg., Nr.9, Dezember 1971, Seite 13ff: "Ein aufschlußreicher Hirtenbrief".)
Das heilige Meßopfer wurde von Paul VI. in schlimmerer Weise zerstört, als es die heutigen Katholiken gewöhnlich erkennen. Die Feier des hl. Meßopfers wurde von Paul VI. ganz an die Abendmahlsfeier jener Personen angeglichen, die den römisch-katholischen Glauben an das heiligste Altarssakrament entschieden ablehnen. Diese Tatsache allein zeigt unwiderleglich, daß Paul VI. keine Ehrfurcht vor dem hl. Altarssakrament besitzt.
Papst Pius XII. hatte in seinem Rundschreiben "Mediator Dei" vom Jahre 1947 gesagt, die religiösen Zeremonien beim heiligen Meßopfer müßten beobachtet werden, um die wahren Gläubigen von den anderen zu unterscheiden (Mediator Dei, Nr.18). Paul VI. dagegen schaffte alle entscheidenden und unterscheidenden Zeremonien ab und nahm es bewußt mit in Kauf, daß die ihm untergebenen Bischöfe und Priester in vielen Punkten noch weiter gingen als er selbst.
Damit stellte er Christus auf die gleiche Stute mit seinen Gegnern des heiligsten Altarssakramentes. Wer aber Christus auf die gleiche Stufe stellt wie seine Gegner, der verleugnet ihn und erniedrigt ihn sogar noch unter seine Feinde.
Frühere Päpste, beziehungsweise Gegenpäpste, haben sich oft gegen die Einheit der Kirche versündigt. Paul VI. aber sündigt unmittelbar gegen Christus den Herrn, indem er das heiligste Altarssakrament "nicht unterscheidet", wie der Apostel Paulus sagt. Paul VI. unterscheidet den Leib des Herrn nicht von dem ganz und gar belanglosen Abendmahlsbrot der Protestanten.
Bei der sogenannten neuen Liturgie kann unmöglich mehr eine wirkliche heilige Wandlung stattfinden, weil diese neue Liturgie grundsätzlich in der Angleichung an die Feinde des hl. Altarssakramentes besteht.
Bisher war zum Zustandekommen der hl. Wandlung unbedingt erforderlich, daß der Priester das tun wollte, was die gesamte römisch-katholische Kirche vor dem sog. Zweiten Vatikanischen Konzil getan hatte. Heute dagegen wollen Paul VI. und seine Anhänger die Angleichung an das, was die Gegner des hl. Altarssakramentes wollen und tun.
Die Protestanten wollen keine Wandlung, sondern eine bloße Wiederholung der Worte Christi, und Paul VI. gleicht sich ihnen dadurch an, daß er die bisherigen Wandlungsworte ihres unverkennbaren katholischen Charakters beraubt und zu gewöhnlichen Abendmahlsworten macht, wie sie bei jenen üblich sind' die unser heiliges Meßopfer einen "Götzendienst" gescholten haben.
Kaum war das sog. Zweite Vatikanische Konzil mit seiner sonderbaren "Liturgiereform" über die Bühne gegangen, da verkündeten auch schon alle Kirchenzeitungen, das bisherige "Priesterbild" habe sich geändert, und die deutschen Bischöfe, Bischof Graber eingeschlossen, verkündeten in einem besonderen Schreiben' der Priester der Zukunft sei nicht mehr in erster Linie zum Opfern da und er sei nicht mehr vornehmlich "der Mann der Sakramente", sondern er sei der Vorsteher der Gemeinde.
Paul VI. hat diesen sonderbaren Änderungen unseres Glaubens in keiner Weise wirklich und mit vollem Ernste widersprochen, weil er den Leib des Herrn nicht mehr von dem belanglosen Abendmahlsbrot der Protestanten unterscheidet.
Anstatt für den wahren Glauben bis zum letzten Atemzuge zu kämpfen, wie es seine Pflicht wäre, überläßt Paul VI. die Gläubigen jenen Bischöfen und Kirchenzeitungen, welche den bisherigen Glauben an das heiligste Altarssakrament langsam aber sicher ausrotten.
Der ganze bisherige Kampf gegen die Handkommunion ist eine vergebliche Sache, wenn man zugleich nicht sieht, wie Paul VI. dem römisch-katholischen Glauben und die römisch-katholischen Gläubigen verraten und verkauft hat. Der Kampf gegen die Handkommunion ist vergeblich, wenn man nicht einsehen will, daß jene Geistlichen, die sich nach der neuen Liturgie richten, gar keine wirkliche Wandlung mehr vollziehen können.
Paul VI. ist kein "Gefangener", sondern er ist jener Hauptverantwortliche, der den weitaus größten Teil der katholischen Kirche in das verderbliche Netz des Irrtums und der Unwissenheit eingefangen trat. Wir müssen den überaus schlimmen Zustand der heutigen Kirche - der schlimmste Zustand, in dem sie sich je befunden hat - betend und büßend ertragen.
Wir müssen diesen überaus schlimmen "Papst" Paul VI., der nur den Namen eines Papstes besitzt, betend und büßend ertragen. Den heutigen Zustand der Kirche müssen wir ertragen, ähnlich wie die Juden in der alten Zeit die Spaltung ihres Reiches und dann die siebzigjährige Babylonische Gefangenschaft betend und büßend ertragen mußten, als ihr Tempel zerstört und alle heiligen Bücher vernichtet waren.
Der heutige Zustand der Kirche ist noch schlimmer als die Zeit vor dem Konstanzer Konzil (1414 - 1418), als die Kirche fast vierzig Jahre lang z w e i und sogar drei sich gegenseitig bekämpfende Päpste ertragen mußte und als fast niemand im Volke wußte' wer jetzt das richtige Oberhaupt sei.
Bisher hatte noch kein einziger Papst das heiligste Altarssakrament seinen Feinden überliefert. Aber Paul VI. hat dies getan. Bisher haben alle Päpste mehr oder minder die Anbetung des heiligsten Altarssakramentes gefördert. Noch kein einziger Papst hat etwas gegen die Anbetung des hochwürdigsten Gutes getan. Dies blieb einem einzigen Manne in unseren Tagen vorbehalten, nämlich Faul VI.
Alle früheren Päpste, soweit ihnen das Wohl der Kirche am Herzen lag, haben die Heilung der kirchlichen Schäden von einer vermehrten Verehrung und Anbetung des hl. Altarssakramentes erhofft, und Paul VI. ist der erste, der das Gegenteil tut.
Paul VI. hat den Gläubigen in einer Weise Ärgernis gegeben wie noch kein einziger Papst vor ihm. Er wird darum auch den geringsten Segen von allen Nachfolgern des hl. Petrus haben. Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwältigen. Das wird aber in keiner Weise das Verdienst Pauls VI. sein. Im Gegenteil. Paul VI. ist der Feind des hl. Altarssakramentes.
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