Kampf für das Meßopfer, Kampf für Kirche und Glauben
von Ambros Kocher
Wir leben in der Zeit des großen Abfalls, der Apostasie, wie man sagt. In der hl. Schrift ist davon die Rede. Man glaubt nicht daran, weil man sich unter solchen Zeiten Tage und Jahre voll von Ereignissen außergewöhnlicher Natur vorstellt. Diese Apostasie ist zunächst sinnlich nicht erfaßbar, nicht in die Augen springend. Sie ist vornehmlich geistiger Natur, äußerlich zunächst nicht zu erfassen. Alles läuft den gewohnten Gang. Jene, die etwas bemerken, geben sich der trügerischen Hoffnung hin, es würde bald wieder besser werden, es handle sich um eine der gewohnten Krisen.
Wo die Kirche, da das Meßopfer, wo das Meßopfer, da die Kirche. Beide Begriffe sind in Identität zu fassen. Das Meßopfer bildet das Kriterium der Zugehörigkeit zur Kirche. Wer es abschafft oder abschaffen läßt, der verläßt die hl. Kirche. Die "neue Messe" ist mit Hilfe von Häretikern fabriziert worden, welche vom Opfercharakter nichts wissen wollen. Es ist das Werk Montinis. Schlußfolgerung ganz eindeutig: Mit der Fabrizierung und Einführung der "neuen Messe" hat Montini seine Papstwürde, sofern er sie je in gültiger Weise besessen hat, aufgegeben und damit die Sedisvakanz begründet. Alle Bischöfe, welche den "Novus Ordo" einführen, verlassen den Bereich der katholischen Kirche. Sie sind nicht mehr katholisch, gehören der Kirche nicht mehr an. Ihre Gewalt beruht lediglich noch auf Staatsverträgen. Die heilige Messe wurde von Christus selber als Meßopfer begründet und eingesetzt. An sich genügt eine Änderung in den Wandlungsworten, um die Konsekration ungültig zu gestalten - von den 1asterhaften Zweideutigkeiten abgesehen. Ein Priester, der bei der Zelebration nicht ausdrücklich beabsichtigt, das Opfer Christi gegenwärtig zu setzen – d.h. als Instrument Christi, zelebriert ungültig. Von den Gotteslästerungen gar nicht zu reden. Ein Bischof, der Priester weiht, ohne ausdrückliche Absicht und Auftrag an den zu Ordinierenden, das Meßopfer darzubringen, weiht ungültig. Ein Priester, der gültig die sog. tridentinische Messe feiert und dabei an der Legitimität Montinis ais Papst festhält - der doch den Neuen Ordo auf alle möglichen Arten aufzwingt - der belügt sich selber und wird früher oder später abfallen. Wie kann ich an der Rechtmäßigkeit einer Autorität festhalten, ohne dabei ausdrücklich ihrem ausdrücklichen Willen nachzukommen? Das ist Heuchelei. Vom Volke wollen wir lieber nicht sprechen: es geht in Richtung des Bauches und der Bequemlichkeit.
Sollen wir die geduldigen "Schweigsamen" spielen? Beten und dulden und die Katastrophe über uns ergehen lassen? Nein, und nochmals nein! Wir sind getauft und gefirmt, d.h. für den Kampf gerüstet. Uns obliegt die heilige Pflicht, uns für die Erhaltung der Messe zu wehren - und wenn es dabei unsern Kopf kosten sollte. Wir dürfen im Kampfe nicht nachlassen und resigniert sagen: Gott, mach Du Ordnung! Er, tut es und hilft nur unter der Bedingung, daß wir unsererseits das Bestmögliche leisten. Die Gefahr der Gewöhnung an gotteswidrige Zustände ist groß. Wenn nur ein Zehntel des Volkes und des Klerus treu bleiben wollten, unsere Hirten müßten klein beigeben. So aber bleibt der Kreis der Kämpfenden kaum beachtet. Man hofft und rechnet mit ihrer baldigen Liquidierung.
Geben wir wohl acht, daß es uns nicht ergeht, wie dem Volke der sog. Reformation. Betrachten wir die Ereignisse in unsern westlichen Landesteilen. Gegenüber der heutigen Zeit können wir Parallelen, aber auch Unterschiede feststellen. Es war die weltliche Behörde, die auf Betreiben abgefallener Priester die Neuerung durchführte. Heute vollführt solches Werk dis bisher als legitim angesehene Hierarchie.
In beiden Fällen gibt man vor zu erneuern, d.h. eigentliche urchristliche Zustände wieder herstellen zu wollen. In beiden Fällen sind es besonders Ordensleute, welche sich für den Abfall einsetzen. Das Volk', zumeist des Lesens und Schreibens unkundig, war in bezug auf das Glaubensleben auf Gedeih und Verderb dem Klerus auegeliefert.
Heute bietet sich jedermann die Gelegenheit, sich in Katechismus und Bibel zu orientieren. Statt dessen aber läßt sich das Volk durch Zeitungen, Radio und Television verführen. Ganz planmäßig wird dem Volke die Möglichkeit zur Besinnung geraubt. Wenn zur Zeit der Reformation die Bergbewohner der Tradition zumeist ergeben blieben, so scheint es heute, als ob diese den modernen Einflüssen noch leichter erliegen. Wie soll man sich in der heutigen Lage retten? Widerstand gegen die Neuerung? Kampf für die Tradition der Kirche? Ertragen aller Opfer, selbst mit Einschluß jenes des Lebens? Flucht? Wie hat man sich in der Reformation verhalten?
Die Betrachtung der damaligen Verhältnisse und des aus dem Kampfe erreichten Gewinnes möchte zu Niedergeschlagenheit führen. Unsere Betrachtungen beziehen sich besonders auf die Ereignisse des Berner Oberlandes und des Waadtlandes. Wie bereits erwähnt, führte dort die weltliche Behörde auf Andingen verbrecherischer Theologen den Abfall herbei. Der gowaltsame Umsturz erfolgte also von außen her. Heute aber wird er von innen heraus geführt von der Verantwortlichen und bisher als legitim betrachteten Hierarchie. Bern wurde von jeher von Rom aus wegen der Kirchentreue gehätschelt. Kaum hatte es erreut seine Kirchentreue beschworen, machte es sich daran, die halbe Eidgenossenschaft in den Abgrund zu stürzen. Ein schier unlösbares Rätsel. Ganz offenbar fehlte es an der geistig-religiösen Haltung und Vorbereitung.~ Eine Parallele hiezu liefert ja England mit seinem kirchentreuen König Heinrich VIII. Wo fehlte es denn? Beweggründe für den Abfall sind Stolz, Sinnlichkeit und Machthunger. Dasselbe hier, dasselbe dort.
Die Verhältnisse in Bern sind aufschlußreich. Noch im Jahre 1524 erklärte Bern seine Treue zur römischen Kirche. Doch schon zwei Jahre später begann die Stadt, auf die Neuerung hin zu schwanken, bei aller Beteuerung der Treue. Und wiederum zwei Jahre später vollzog es den offenen Bruch mit der Kirche, und zwar mit der Aufgabe des hl. Meßopfers.
Es wiederholt sich bei jeder Apostasie: Der Abfall von der kathol. Kirche vollzieht sich durch den Verlust des Meßopfers und durch die Ersetzung des Altares durch den Tisch - und selbstverständlich durch die Einführung der vulgären Kultsprache. Die Gewalttätigkeit hierin verband sich mit Wortbruch und Mißbrauch der Freiheit.
Nicht zufrieden damit, das eigene Volk in den Abfall geführt zu haben' überfiel Bern einige Jahre hernach das katholische Waadtland und das ebenso getreue Genf. Auch hier wurde als erstes das Meßopfer abgeschafft. Eine Erklärung für die Bereitwilligkeit Berns, die Reformation einzuführen, findet sich in der Tatsache, daß die westlichen Lande mit reichen Klöstern und Stiften übersät war. Ihre Säkularisation mußte Machtgefühle vergrößern und Reichtum verschaffen. Klöster und Stifte waren mit Ausnahme der Franziskaner und Klarissen schon längst der Wohlhabenheit und den Sinnengenüssen verfallen. Die meisten Klosterfrauen hatten eines Mannes. Es scheint, dem Volke sollte ein Widerstand leichter gefallen sein als heute. Doch waren Informationsquellen recht gering, man war auf die Priester, Bilder und Überlieferung angewiesen. Doch sind es heute eben gerade die vielen Informationsquellen, wie Radio, Zeitungen usw., welche das unreife Volk erhöhter Gefahr aussetzen. Wie bereits erwähnt, waren die Leute der Bergtäler widerstandsfähiger als jene der fruchtbaren Gebiete. Wohlhabende Städte wie Zürich, Basel, Bern, St. Gallen verfielen leicht der Neuerung. Es fällt auf, wie Gotteshausleute, d.h. Leute, die den Klöstern zinspflichtig waren, die Neuerungen gerne entgegennahmen. Siehe Interlaken und die Klöster des Mittellandes.
Die Aussicht und das Versprechen auf wirtschaftliche Vorteile förderte die Neuerung mächtig. Hoffnung auf Erlöschen von Zehnten und Bodenzinsen. Nachdem sich die Interlakener Gotteshausleute hierin getäuscht und betrogen sahen, versuchten sie, sich wieder dem alten Glauben und der Messe zuzuwenden.
Um dem Volke die Apostasie mundgerecht zu machen, behauptete man, man wolle lediglich einige Mißbräuche und Mißstände beseitigen und das wahre und freie Wort Gottes wiederherstellen. Genau wie heute!
Dem Volke wurde Gewissens- und Religionsfreiheit versprochen: Dies bedeutete in Wirklichkeit dasselbe wie heute. Darfst freiwillig mitmachen, das ist alles. Wer es nicht tut, der übt Ungehorsam. Ergab sich bei Abstimmungen - die Vorlagen waren immer unklar formuliert - ein Mehr für die Beibehaltung der Messe, dann blieb der Wille einer Minderheit unangetastet. Ergab sich aber eine Mehrheit für Abschaffung der Messe und den neuen Glauben, dann hatte sich die treue Minderheit diesem Willen zu fügen.
Als die Berner ins Waadtland einzogen, gaben sie jenen Orten, die sich freiwillig ergaben, das Versprechen, sie bei ihrem Glauben verbleiben zu lassen. Solche Versprechen wurden jeweils gebrochen. Freveltaten von Neugläubiger verübt, entschuldigten die Berner mit dem Eifer für das Wort Gottes.
Daß mit Lüge und Irreführung gearbeitet wurde, ist nicht erstaunlich. Wie sollte man denn anders zum Ziele gelangen? Wie könnte man denn auch heute anders vorgehen? Mandate, an die Untertanen waren derart abgefaßt, daß ein harmloses Volk hereinfallen mußte: Doppelzüngigkeit und Unklarheiten. Als die Regierung Mit Waffengewalt gegen die treu gebliebenen Katholiken vorging, sprach sie nur allgemein von Rebellen und Hochverrätern, vom Schutze der Gehorsamen und von Bestrafung der Ungehorsamen.
Als heute noch sehr bekanntes Lock- und Verführungsmittel gilt der Spruch von der Volkssouveränität. Man mutet dem Volke angeblich zu, selbst in- Glaubenssachen entscheiden zu können. Dieses demokratische Lockmittel diente in Wirklichkeit dazu, das Volk von der kirchlichen Autorität zu lösen und ein stolzes Selbstbewußtsein zu fördern. Solches einmal erreicht, kehrte man die nackte Gewalt heraus. Vatikanum II brachte beileibe nichts Neues; es tat nichts anderes als alte Ladenhüter hervorzuziehen: Die Sprüche vom Gottesvolk von der Freiheit des Christenmenschen, Glaubensfreiheit usw. Das Spiel kennt man nur zu gut. Lies' die Verlautbarungen eines Montini! In jeder Beziehung üble Produkte! Pfarrei-Räte gebieten dem Pfarrer, nachdem sie von oben instruiert und aufgewiegelt worden sind. Die Bischöfe stützen sich in ihren perversen Gewaltakten auf den "Willen des Volkes". Sie selber - feige wie sie sind und im Unglauben versunken - verstecken sich hinter den Rücken von Synoden. Bei manchen Leuten in der Reformationszeit war es der "demütige Gchorsan" gegen die von Gott gewollte Obrigkeit, der zum Abfalle bewog. Sie schwankten jahrelang zwischen dem "Gehorsam" und der inneren Verpflichtung gegenüber der katholischen Überlieferung.
Es ist auffallend, daß sich das treu gebliebene Volk durch die Schwäche und Verkehrtheiten mancher seiner Seelsorger nicht beeindrucken ließen. Man nahm solches hin und hielt sich an das Althergebrachte.
Zwischen beiden Gruppen, den Alt- und den Neugesinnten bestand eine dritte, die man heute als die "Silencieux" bezeichnen möchte. Es handelte sich - damals wie heute - um die gefährlichste. Die Leute vertraten den Standpunkt, es handle sich bei der Abschaffung von Messe und Altäre um eine vorübergehende Krise. Es sei besser, etwas nachzugeben, und so etwas zu retten, als alles zu verlieren. So fiel auch, Lausanne.
Auch heute glauben manche Traditionalisten; durch Nachgeben in vermeintlichen Nebensachen - wie Messe, Liturgie usw. - Latein? Weihrauch, Weihwasser, Beichte usw. bewahren zu können. Sie fallen bestimmt der Apostasie anheim und reißen viele Seelen mit sich.
Wie halfen sich seinerzeit die Treugebliebenen?
1. Sie widerstanden jeglicher Neuerung, verwarfen das Abendmahl, mieden die Prädikanten und die Pfarrkirche. 2. Sie verjagten die Prädikanten. Sie schützen Altäre und Bilder vor der Zerstörung. Diese Prediger aber kehrten jeweils mit obrigkeitlichem Schutze wieder Zerstörung der Bilder und Altäre erfolgte trotzdem. Heute ist es gottlob eine staatliche Behörde, der Denkmalschutz, der den Geistlichen auf die Finger klopft! 3. Manche Gläubige besuchten die hl. Messe auswärts. Man begab sich auf die Sonntage in angrenzende Kantone, wie Unterwalden, Wallis und Freiburg. Ohne Fahrgelegenheiten wie heute, bedeuteten solche Unternehmen schwere Opfer. Solche Möglichkeiten aber wurden bei empfindlicher Strafe unterbunden. Nicht selten wurde in Kellern zelebriert. Kraft der verkündeten Freiheit ging man so weit, den Besuch des Abendmahles zu befehlen und das Aswärtsgehen schwer zu bestrafen. Allenthalben herrschte große Trauer. 4. Was nützte aller Widerstand? Man gewöhnte sich an die neuen Verhältnisse. Schließlich mußte man doch leben. Und die Kinder? Die Kinder jener, die treu geblieben waren, Sie wurden eifrige Apostaten. Und ihre heutigen Nachfahren, die Nachkommen jener, die gelitten hatten? Kehren sie wieder um? Wohl kaum! 5. Allein jene vermochten der Kirche treu zu bleiben, welche sich zur Flucht entschlossen. Flucht bedeutet damals Verlust aller Habe. Das erfuhren die Stadtberner, die Haslitaler, die sich nach Unterwalden begaben, die Oberländer, welche im Wallis Zuflucht suchten, die Genfer, die in großer Zahl sich im angrenzenden kathol. Gebiete niederließen. Damals gab es Möglichkeiten, sich durch Flucht dem Zwange zu entziehen. Es gab kantonale, staatliche Grenzen, welche kirchliche Grenzen bildeten. Heute gibt es keine kirchlichen Grenzen, alles lebt in der Apostasie.
Was bedingte den Abfall?
Es ist die Aufgabe des Meßopfers, wie bereits erklärt wurde. Die Reformation lehrt es uns, der heutige Abfall bestätigt es erneut. Warum will man es denn nicht einsehen? Warum sich Illusionen hingeben? Das Lehrgebäude und die Institutionen der Kirche hangen am Meßopfer. Glaube man ja nicht, es gelänge einem Priester trotz Annahme des Neuen Ordo zugleich das Glaubensgut zu bewahren. Wenn die Grundlagen beseitigt werden, dann fällt das Ganze. Ein Priester, der dem Novus Ordo verfällt, ein Hierarch, der ihn vorschreibt, ein "Gläubiger", der einem solchen Kult öfters und regelmäßig beiwohnt, der vermag der Kirche auf die Länge nicht treu bleiben. Eine Zeitlang scheint er sich halten zu können. Er redet sich ein: Ich glaube an die Dogmen, ich halte mich an die Sakramentenlehre, halte mich an Glockengeläute, an Orgel, Statuen, an Weihrauch und Weihwasser. Aber wie lange noch? Er ist wie ein grünender und mit Früchten behangener Baum. Lasse die Wurzeln abdorren oder schneide sie weg, dann lasse dich nicht durch die Tatsache täuschen, daß Blätter und Früchte noch hängen bleiben. Nach kurzer Zeit aber werden die Blätter abdorren, herunterfallen, genau wie die noch nicht ausgereiften Früchte. Die Wurzel ist das hl. Meßopfer, der Nahrungs- und Gnadenspender.
Betrachten wir einige Bilder aus der Reformation:
Aigle wurde durch den angeblichen Theologen Farel im Auftrage Berns reformiert. Das Volk wehrte sich entschieden und wollte von der Abschaffung der Messe nichts wissen. Farel wurde vertrieben. Zehnten und andere Abgaben wollte man bis abhin nur der Kirche entrichten. Doch die Berner ließen Altäre und Bilder gewaltsam entfernen, stellten Tische herein, verboten das Tragen des Rosenkranzes und jegliche Diskussion in Glaubensfragen (Freiheit!). Mit dem Meßopfer fiel das Städtchen Aigle.
Nachdem die Berner im Jahre 1532 das Meßopfer als Greuel erklärt hatten, sahen sie sich mit Rücksicht auf Freiburg genötigt, solchen "Greuel" in der Herrschaft Grandson zu gestatten. Farel trieb es dort allzu bunt. Nach einer öffentlichen Predigt in den Gassen wurde er vom Volke über traktiert. Seine Schimpfworte gegenüber einem kathol. Priester quittierte das Volk mit Fußtritten. Bern rächte sich an den treuen Franziskanern und bedrohte sie mit Folter. Wiederum intervenierte Freiburg. Es dauerte bis zum Jahre 1554, bis sich unter ungeheurem Drucke eine kleine Mehrheit für den neuen Glauben erklärte. Eine Freiheit für die kathol. Minderheit bestand nicht.
Ähnliches ist aus Orbe zu berichten. Den dortigen gelehrten Priester, der in seiner Stadt den: kathol. Glauben verteidigte, ließ der bernische Landvogt einsperren. Das dortige Gericht aber sprach den Pfarrer von jeglicher Schuld frei. Bern aber ordnete seine neue Verhaftung an; der gute Mann suchte sein Heil in der Flucht. Farel wurde herbordert. Das Volk aber pfiff ihn aus. Nur mit großer Mühe konnte er dem aufgebrachten Volke entrissen werden. Bern belegte die Stadt mit hoher Buße. Das Volk wurde zum Anhören der Predigt aufgeboten. Man zählte aber bloß 5-6 Zuhörer. Die Kinder, die in die Kircho aufgeboten wurden, unterbrachen den Prediger Farel mit Gezisch und Geschrei. Das geschah im April 1531. Farel gab sich nicht geschlagen. Ein neu-gläubiger Bürger nahm es sich heraus, Altäre und Bilder zu zerstören. Bern schützte ihn. Das Volk griff schließlich zu den Waffen. Am 9. Juli erklärte die Bürgerschaft ihre Treue zum alten Glauben. Die Klarissen trauten der Zukunft nicht und beschlossen auszuwandern. Der Vogt suchte sie daran zu hindern. Aufstände des Volkes und Gcwaltakte des Vogtes wechselten ab. Freiburg ist eine gewisse Stütze geblieben. Doch wie lange? Berns Druck wechselte in allen Varianten. 25 Jahre dauerte der Kampf. Anno 1554 erklärte sich eine kleine Mehrheit zur Annahme des neuen Glaubens. Damit war das Schicksal des Städichens besiegelt. Ähnliches ist über Genf zu berichten, das nur unter unerhörtem Drucke und Verrat von Seiten Berns für die Reform gewonnen wurde. Etwa die Hälfte des Volkes verließ die Stadt.
Yverdon leistete gegenüber den Bernern bei der Eroberung der Waadt als einzige Stadt Widerstand. Nachdom dieser im Jahre 1536 gebrochen war, ließ Bern als erstes das Meßopfer abschaffen, Altäre und Bilder entfernen und einen Tisch hereinstellen. Die Geistlichen, der Pfarrer ausgenommen, ergaben sich dem Drucke. Bei schwerer Buße wurde es verboten, die hl. Messe zu besuchen oder zur Beichte zu gehen. Dieselben Gewaltakte widerfuhren dem Städtchen Avenches. Die Bewohner von Lutry, Cully, St. Saphorin und Corsier erklärten den Bernern, keinen Prädikanten zuzulassen. Hätten die Lausanner ebensoviel Festigkeit bewiesen wie diese, da wäre der Glaube gerettet worden. Doch Bern gebot unter Buße den Besuch des neuen Gottesdienstes. Von Freiheit des Christenmenschen war nichts mehr zu hören.
Dasselbe gilt für beinahe alle Gemeinden des Waadtlandes. Dasselbe gilt für das Berner Oberland. Das Schicksal der heldenhaften Haslitaler dürfte bekannt sein. Mit ihrem Glauben verloren sie auch ihre Freiheit. Die katholischen Unterwaldner, von denen sie Hilfe erhofften, wagten es nicht, aktiv einzugreifen; sie sahen sich genötigt, die Glaubensbrüder im Stiche zu lassen. An wen sollten sich heute diese Unterwaldner wenden? Am tapfersten hielten sich die Leute im Obersimmental, in Frutigen, Aeschi, weniger entschieden aber in Thun. Die Interlakener ließen sich von wirtschaftlichen Erwägungen leiten, währenddem das Emmental und das Niedersimmental der Obrigkeit dorthin folgte, wohin sie wollte. Das Obersimmental fand seine Stütze in guten weltlichen und geistlichen Führern und den treuen Nacbbarn im Greyerzerland. Doch nach jahrelangem moralischem und politischem Drucke gab die Talschaft äußerlich nach. Noch auf Jahrzehnte hinaus blieben die Leute innerlich katholisch gesinnt. Ähnliches gilt für die Talschaft Frutigen. Mit Aeschi zusammen erklärte es die Treue gegenüber dem kathol. Glauben. Dasselbe tat Adelboden. Der von Bern aus abgesandte Prädikant wurde vertrieben. Bern aber setzte die getreuen Venner und Statthalte ab. Schließlich gab die Mehrheit des Volkes, von Druck und Gewalt getrieben, nach. Ihrer Stütze beraubt, folgten Krattigen, Aeschi und Speiz. Bern wiederholte immer wieder: Die Verwerfung des neuen Glaubens bedeutet Ungehorsam gegenüber der Obrigkeit. Mit dieser Ausrede suchte Bern die Anwendung von Waffengewalt zu rechtfertigen.
Die Grindelwaldner ihrerseits vertrieben den von Bern aufgezwungenen Prädikanten mit Weib und Kind und ließen aus Unterwalden einen kathol. Priester herkommen. Doch was half’s auf die Länge? Die Dörfer waren isoliert und gewaltigem Drucke ausgesetzt. Man bat um Hilfe bei den Wallisern und Unterwaldnern. Doch vergeblich. Die Stadt Thun erklärte sich für den alten Glauben unter Führung des tapferen Dekans Mannberger. Weil er sich, öffentlich für die reale Gegenwart Christi im Altarsakrament einsetzte, wurde er von Bern vertrieben. So wurde das Volk seiner Stütze beraubt, schwach und gab nach. Doch noch während vieler Jahre wurde das Ave Maria geläutet, Fronfasten gefeiert. Man besuchte heimlich den Gottesdienst im Ereigurgerland. Da das Volk nicht gewillt war, Hand an die Altäre und Bilder zu legen, wurden fremde Arbeiter für solches Werk angestellt und bezahlt. Merkwürdigerweise verhielt sich das Volk von Hilterfingen verkehrt. Es verklagte den altgläubigen Pfarrer, der zum Besuche der hl. Messe aufforderte.
So wurden nach und nach der alte Glauben und das Meßopfer vergessen. Schon die nachfolgende Generation hielt das Meßopfer für Götzendienst, genau wie man es ihr vorgeredet hatte. Der Abfall wurde vollständig. In einigen wenigen Familien vermochte sich bis in neuere Zeit das Rosenkranzgebet zu erhalten; auch Heiligenbilder waren bis in neuere Zeit in den Stuben anzutreffen. Für den alten Glauben wurden nur jene gerettet, welche sich zur Flucht entschlossen hatten. Die treuen Leute waren sich wohl bewußt, daß ein beständiges Zusammenleben mit Andersgläubigen zum Verluste des Glaubensgutes führen mußte: Gefälle nach unten.
Was tun wir heute in unserer kirchlichen Reformation oder Revolution? Obwohl beinahe die gesamte Hierarchie und das ganze Volk sich für den Abfall entschieden hat, gebietet uns das Gewissen
1) Den Kampf für das Meßopfer, lies tridentin. Messe, zu verstärken; 2) die sog. Messe nach Neuem Ordo zu meiden; 3) Der sog. tridentin. Messe beizuwohnen, selbst wenn es große Opfer kosten sollte; 4) Für den Empfang der hl. Sakramente einen wahren katholischen Priester aufzusuchen; täglich den Rosenkranz zu beten und Entsagungsopfer zu bringen. Ein früher gangbarer Ausweg, nämlich auszuwandern, bleibt uns versagt. Die Verderbnis kennt nämlich keine Grenzen.
Menschlich gesprochen ist die Lage aussichtslos. Selbst wenn wir durchhalten können, werden unsere Nachkommen mit der Masse verloren gehen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als auf ein Eingreifen Gottes zu hoffen. Sich der Mutlosigkeit oder gar der Verzweiflung hinlugeben bedeutete einen unverzeihlichen Fehler. Es hieße an Gott selber zweifeln? der uns doch versichert hat: "Und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen". Haben wir denn nicht auch die Verheißung für Rettung an alle jene7 die sich der Herz-Jesu Verehrung hingeben? Warum suchen wir nicht unsere sicherste Zuflucht im allerheiligsten Herzen Jesu? Tun wir es? und unsere Rettung ist gewiß. Und welch tröstliche Verheißungen werden an alle jene gerichtet, die das Unbefleckte Herz Mariens verehren? Heute verfügen wir über Zusicherungen und göttliche Versprechungen, wie sie das Volk der Reformationszeit nicht kannte.
Veni, Domine Jesu.
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