Der Religionsunterricht gemäß Kardinal Döpfner
Von Walter W.E. Dettmann
Die sogenannte katholische und die protestantische Kirche in Bayern haben für den Religionsunterricht an "konfessionell nicht mehr geteilten Volksschulen" am 21. November 1967 gewisse "Leitsätze" veröffentlicht, die katholischerseits von Kardinal Julius Döpfner unterzeichnet wurden; der Wortlaut des ganzen Dokumentes wurde unter anderem im "Ulrichsblatt" der Diözese Augsburg vom 30. Dezember 1967 bekanntgegeben.
In der Praxis des Religionsunterrichts sind aber nicht nur die Volksschulen, sondern alle bisherigen katholischen Schulen von den verräterischen Neuerungen betroffen worden. Denn die alten Unterrichtsbücher wurden überall abgeschafft, nicht nur an den Volksschulen.
Seit der Unterzeichnung des obengenannten Dokumentes sind mehr als sechs Jahre vergangen, und von Tag zu Tag zeigt sich mehr, wie die Katholiken im vollen Sinne des Wortes um ihren Glauben betrogen werden. Sie werden gezwungen, dem Kardinal Döpfner die Kirchensteuer zu zahlen, und dieser ordnet als Gegenleistung dafür an, den Kindern im amtlichen Religionsunterricht die eigenen katholischen Glaubenswahrheiten vorzuenthalten. Ein solches Vorgehen nennt man Betrug.
Unter der Ziffer IV. heißt es im erwähnten Dokument. "Erziehung und Unterricht nach gemeinsamen Grundsätzen christlicher Bekenntnisse fordern die Beachtung folgender Grundregel: "Die Lehrer jeder Konfession müssen bei der Gestaltung des Unterrichts auf ihnen wichtige und liebe religiöse Themen verzichten. Diese Beschränkung läßt aber gleichzeitig die zentralen Glaubenssätze klar hervortreten und erleichtert den Schülern die Erkenntnis des gemeinsamen Glaubensgutes."
Welches sind aber die sogenannten "gemeinsamen Grundsätze christlicher Bekenntnisse", und welches sind die sogenannten "zentralen Glaubenssätze", deren Erkenntnis von nun an den Schülern' wie es heißt, "erleichtert" werden soll.
Kardinal Döpfner und sein Vertragspartner Dietzfelbinger behauptete: "Wir wissen uns verbunden im Bekenntnis zu Gott dem Vater, dem Schöpfer und Erhalter, zu Christus als dem Sohne Gottes, dem Heiland der 1ilenschen und Stifter seiner Kirche, und zu dem Heiligen Geist, der in die Gemeinschaft des Gottesvolkes beruft". (Ziff. II)
Schon sechs Jahre sind seither verflossen, und schon viele heilige Gebete wurden bei uns geändert. Aber noch kein Protestant betet: "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste"; aber trotzdem tun die Herren Döpfner und Dietzfelbinger wahrheitswidrig so, als wüßten sie sich im Bekenntnis der heiligsten Dreifaltigkeit gegenseitig "verbunden". Kein Protestant macht das Kreuzzeichen und spricht: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes" Aber Herr Döpfner tut so, als sei alles in bester Ordnung.
Wenn er täglich als Kardinal und Erzbischof "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes" beten und handeln würde, würde die Kirche in Bayern besser dastehen.
Döpfner fühlt sich mit dem Protestanten Dietzfelbinger "im Bekenntnis zu Christus als dem Sohne Gottes verbunden", obwohl dieser kurz zuvor öffentlich ausgerufen hatte: "Der Ruf zur Heimkehr in das römische Vaterhaus lockt uns nicht", das heißt, das genau festgelegte römisch-katholische Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohne Gottes lockt uns nicht".
Kardinal Döpfner tut so, als sei das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohne Gottes eine ganz einfache Sache. Welcher protestantische Geistliche lehrt heute im Unterricht die Worte des nizänischen Glaubensbekenntnisses von Christus: "Aus dem Vater geboren vor aller Zeit? Gott von Gott, Licht vom Lichte? wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater"?
Erzbischof Julius Döpfner aber wagt es, als Vertreter der katholischen Kirche in Bayern und in Deutschland? zu behaupten, daß " w i r " uns mit den Protestanten im Bekenntnis zu Christus als dem Sohne Gottes verbunden fühlten.
Wie soll gemäß Kardinal Döpfner den Schülern die "Erkenntnis des gemeinsamen Glaubensgutes erleichtert werden"? wenn nicht einmal in Bezug auf den Sohn- Gottes etwas Gemeinsames vorhanden ist außer dem Namen Jesus Christus?
Unter der Ziffer II des Dokumentes der "Leitsätze für christliche Schulerziehung behaupten die Herren Döpfner und Dietzfelbinger: "Wir wissen, daß die Interpretation der uns gemeinsamen Bibel nicht nur in peripheren Fragen (d.h. nicht nur in nebensächlichen Fragen) verschiedene Wege geht und zu verschiedenen Folgerungen kommt. Wir wünschen, auch keine Verwischung der Unterschiede".
In diesem letzten Satz sagt mindestens Herr Kardinal Döpfner eine handgreifliche Unwahrheit. Als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz weiß er doch besser als irgend ein anderer, wie sehr gerade bei uns auf die "Verwischung" der Glaubensunterschiede hingearbeitet wird. Sein Hof- und Leibtheologe Karl Rahner sagte unter seinen Augen im Jahre 1964 in Tutzing am Starnberger See, daß in spätestens hundert Jahren die Einigung zwischen Katholiken und Protestanten vollzogen sein werde. Alle sogenannten ökumenischen Wortgottesdienste und alle unter den Augen der Bischöfe stattfindenden-gemeinsamen (gottlosen!) Abendmahlsfeiern dienen nur dem einen Ziel, die Glaubensunterschiede langsam aber sicher zu verwischen. Aber der finster blickende Kardinal Julius Döpfner behauptet: "Wir wünschen keine Verwischung der Unterschiede".
Wie sehr die Glaubensunterschiede gerade in den wichtigsten Fragen verwischt werden sollen, erkennt man daran, daß viele deutsche Übersetzungen der Evangelien (z.B. Rießler-Storr, Fritz Tillmann, Kürzinger in Eichstätt u.a.) schon vor dem sogenannten Zweiten Vatikanischen Konzil beim Taufbefehl Jesu (Matthäus 28,19) folgende haarsträubende Sinnlosigkeit von den Protestanten übernommen haben: "Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe".
Diese unglaublich sinnlose Übersetzung, wurde auch noch zuletzt von der sogenannten Einheitsbibel übernommen, die Kardinal Döpfner persönlich der deutschen Bischofskonferenz vorlegte.
Abgesehen davon, daß es bisher noch keine katholischen Eltern gegeben hat, die ihre Kinder "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" taufen ließen, ist die Sache geradezu lächerlich. Denn wie soll ein Mädchen auf den Namen des Vaters und des Sohnes getauft werden? Oder wie sollen zehn Kinder derselben Familie "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes" getauft werden?
Das Schlimmste an der Sache aber ist dieses. Wenn die Taufe bloß noch "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des (kleingeschriebenen) heiligen Geistes" erfolgen soll, dann ist es nicht mehr sicher, daß aus dem Munde Jesu Christi in jenem Augenblick eine Offenbarung der heiligsten göttlichen Dreieinigkeit gegeben wurde.
Die römisch-katholische Kirche hat jedoch bisher ununterbrochen den Befehl Jesu: "Tautet sie i m Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" als einen Hauptbeweis für den Glaubenssatz von der Dreipersönlichkeit Gottes gewertet, und gerade darauf scheint Herr Kardinal Döpfner keinen Wert mehr zu legen.
Er soll ja auch schon lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil bei seinem Weggang von Würzburg nach Berlin gesagt haben: "Die Dogmen der Kirche tragen ein irdisches Gewand", das heißt, die Verwischung der Glaubensunterschiede ist jederzeit möglich. Vielleicht bekam Julius Döpfner gerade dafür in unseren Tagen (am 25. Jan. 1974) von der Würzburger Universität den Titel eines Ehrendoktors der Theologie.
Der Glaubenssatz von der heiligsten Dreifaltigkeit ist der wichtigste und höchste Besitz eines unterrichteten Katholiken. Erst im Besitz dieses Glaubenssatzes weiß er, wem und von wem das vorgeschriebene tägliche heilige Opfer dargebracht wird. Gemäß Kardinal Dr. Julius Döpfner aber sollen die Religionslehrer darauf verzichten, dies den Schülern zu erklären, "damit die zentralen Glaubenssätze klar hervortreten;: und damit den Schülern die Erkenntnis des gemeinsamen Glaubensgutes erleichtert" werde!
Erzbischof Dr. Julius Döpfner sollte wissen, daß die zum Verzichten vorgesehenen religiösen Themen nicht nur für die Lehrer "wichtig und lieb" sind, sondern in erster Linie für die katholischen Eltern und deren Kinder. Die Eltern sind es ja, die dem Herrn Erzbischof die Kirchensteuern zahlen.
Dr. Julius Döpfner hat seinen Antimodernisteneid wahrscheinlich gleich nach seiner Primiz in Hausen bei Bad Kissingen vergessen, oder er hat ihn bewußt gebrochen. Er macht sich selbst zum Totengräber des römisch-katholischen Glaubens. Kein Wunder, daß unsere Schüler heute einen ständig zunehmenden Satanskult erleben.
Dies ist die sogenannte kirchliche "Erneuerung", die uns Kardinal Döpfner und Paul VI. gewollt oder ungewollt zum " Heiligen Jahr" 1975 bescheren und die sie einst vor Gott zu verantworten haben.
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