"TAPFER UND TREU!"
von Eugen Knockl
Als ich in meiner Jugendzeit einmal zu einer Besprechung, wegen Vorbetens einer Gemeinschaftsmesse, in der Sakristei antrat, war der Hochw. H. Pater so erfreut, daß er zu mir sagte: "Tapfer und treu!" Der Vorwand also, die hl. Messe war früher nicht verständlich genug, ist nicht berechtigt. Wer sie verstehen wollte, der verstand sie auch. 'Wo ein Wille, da ist auch ein Weg!'
Was das 'Geheimnisvolle' der Messe angeht, darüber verhält es sich allerdings etwas anders. Die gültige hl. Messe ist gleichsam die Brücke von der Natur zur Übernatur. Letztere aber ist - allerdings nur für einen gläubigen Menschen - voller Geheimnisse.
Aus diesem Grunde bleibt auch die gültige hl. Messe immer ein "Geheimnis des Glaubens." Das geben sogar die Reformer zu. Wenn sie nur auch einsehen wollten, daß es sich nur bei der gültigen hl. Messe tatsächlich um ein Geheimnis des Glaubens handelt.
Wie gut wäre es um die katholische Kirche von heute bestellt,wenn sich die Katholiken die beiden großen Ideale, die Tapferkeit und die Treue, besser ins Gedächtnis rufen würden. Tapfer würden sie den echten katholischen Glauben verteidigen, auch wenn von ihren Vorgesetzten gefordert wird, daß sie einer Irrlehre folgen. Eine Irrlehre ist verbannt und bleibt verbannt, für Zeit und Ewigkeit. Hier sei vor allem an die lutherische Irrlehre gedacht. Kein Papst kann sich das Recht anmaßen, diese Verbannung aufzuheben. Versucht er es trotzdem, so spricht er sich damit seine eigene Verbannung! Tapfer würden die katholischen Christen jeder aufgezwungenen falschen Lehre trotzen. Die Priester müßten mit ihren unwahren Argumenten kapitulieren. Ratlos und allein stünden sie da.
Zur Kirche aber gehört die Gemeinschaft. Nicht nur die der Gläubigen, sondern noch viel mehr die der Heiligen! Diese wurden jedoch bis heute schon größtenteils aus der Kirche verbannt. Damit zeigt die Reform-'Kirche' deutlich, von welchem Geist sie erfüllt ist, nämlich vom rein weltlichen. So ist sie wie geschaffen für die modernen Menschen von heute. Diese leben nur für diese Welt und sind so tief zufrieden, wenn sie den Geist der Welt, den Modernismus, nun auch in der Kirche finden.
Wie konnte sich das alles nur so entwickeln?
Doch nur aus dem einen Grund, weil die Menschen unserer Tage die Treue so gering achätzen! 'Treu sein' ist doch so wenig modern, denn die Treue, das absolute Festhalten am einmal Gewonnen, ist ja doch nur ein Hindernis für den Fortschritt.
Immer wieder kann man von den Reformisten hören, daß es sich bei den kirchlichen 'Neuerungen' nur um Kleinigkeiten handeln würde. Ach, wenn es doch nur Kleinigkeiten wären! Bei der heutigen, radikalen Zerstörung der hl. katholischen Kirche kann von Kleinigkeiten keine Rede mehr sein. Alles aber liegt begründet im Fehlen der Treue. Diese ist gleichsam eine wachsame Hüterin alles Guten.
Wahre Treue ist bestrebt, das einmal Gewonnene um jeden Preis zu behalten. Ob es sich dabei um eheliche Treue, um priesterliche Treue zum Zölibat oder um Treue zum althergebrachten, rechten Glauben handelt, ist dabei gleichgültig.
Ein Mensch, der die Treue liebt, wird niemals ein 'vielleicht' gelten lassen, denn dieses 'vielleicht' ist der gereichte kleine Finger des Teufels!
Nicht selten ist das unbedingte Festhalten an der Treue mit großen Opfern verbunden. Dem modernen Menschen aber klingt nichts härter im Gehör, als das Wort 'Opfer'. So kann man sich vielleicht auch die Abschaffung der Opferung im N.O.M. erklären.
Ein ehemaliger Pfarrer unserer Gemeinde sagte einmal in seiner Predigt: "Wahre Liebe kann ohne Opfer nicht bestehen!" Ob er heute noch daran denkt, wenn er die Messe nach dem N.O. feiert?
'Modern sein' ist überhaupt ein Begriff, der nur für die Zeit angewendet werden kann. Die Ewigkeit, die erhaben und vollkommen über aller Zeit steht, bedarf keiner Verbesserung. Daraus ist wieder zu schließen, daß es sich bei der Reform-'Kirche' von heute um eine rein weltliche Gemeinschaft handelt. Diese ist, wie alles auf dieser Welt, so unvollkommen, daß sie ständig nach Neuem strebt. Ob es sich bei diesem 'Neuem' um eine tatsächliche Verbesserung handelt, oder um radikale Zerstörung, ist ihr dabei vollkommen gleichgültig.
Oh, wenn die Menschen von heute doch einsehen würden, welch ein großes Ideal die Treue ist! Die Reform-'Kirche' hätte bald verspielt. Sie wird sich zwar auch so nicht lange halten können, aufgrund göttlicher Verheißung, die da lautet: "Ein Reich, das in sich selbst uneins ist, zerfällt." Niemand kann bestreiten, daß die 'Kirche' von heute im höchsten Grade in sich selbst uneins ist: Also ist sie zum Untergang, besser gesagt zur Auflösung, verurteilt. Die 'Kirche' von heute muß vergehen, damit die wahre Kirche von morgen wieder seinen Platz hat! Dabei muß man aber unbedingt wissen, daß Gott langmütig ist, und daß bei Ihm 1000 Jahre wie ein Tag sind. Es kann also durchaus noch einige Jahre dauern, bis aus der heutigen total verweltlichten Kirche wieder die Una-Sancta wird.
Tapferkeit und Treue: Zwei Ideale, für die es sich zu leben und zu kämpfen lohnt, die aber leider von den Menschen unserer Zeit so wenig geschätzt und geliebt werden!
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