Gemeinden ohne Seelsorger. Der Tod ohne Priester. Die vollkommene Reue.
Ein Lehr- und Trostbüchlein für römisch-katholische Christen. )
Fortsetzung III:
Vierter Theil.
Einige mit Ablässen versehene Gebete. (Zum privaten und öffentlichen Gebrauche.)
Für die unvollkommenen Ablässe wird gefordert der Stand der Gnade, reumüthige Gesinnung und die (etwa beim Morgengebete) auf die Gewinnung der Ablässe gerichtete Meinung; für die angeführten vollkommenen Ablässe außerdem noch die tägliche Verrichtung des betreffenden Gebets einen Monat lang und dann Beichte, Communion, Besuch einer Kirche oder öffentlichen Kapelle und daselbst Gebet nach der Meinung des Papstes (die üblichen Ablaßgebete oder 5 Vater unser). Aufopferung aller heiligen Messen.
Herr, allmächtiger Gott! siehe ich werfe auch vor dir nieder, um deine göttliche Majestät im Namen aller Geschöpfe anzubeten und zu versöhnen. Wie aber sollte ich, selbst ein Armseliger, ein Sünder, dieses vermögen? Und doch, ich kann es, ich will es; denn ich weiß, daß es dem Wohlgefallen ist, der Vater der Barmherzigkeit genannt zu werden, und daß du ans Liebe zu uns deinen eingebornen Sohn hingegeben hast, der sich am Kreuze für uns geopfert hat und unablässig aus unsern Altären das Opfer seiner Selbst für uns erneuert. Und darum, wiewohl ein Sünder, aber ein reuiger Sünder, wiewohl ein Armseliger, aber reich in Jesus Christus, stelle ich auch dir vor, um dir in Vereinigung mit der Liebesgluth der Engel und der Heiligen, und mit den Anmuthungen des unbefleckten Herzens der allerseligsten Jungfrau im Namen aller Geschöpfe alle heiligen Messen aufzuopfern, die gegenwärtig gefeiert werden; zugleich mit allen Messen, die bereits gefeiert worden sind und bis zum Ende der Welt gefeiert werden sollen. Ich mache seiner die Meinung, diese Aufopferung in jedem Augenblicke dieses Tages und meines ganzen Lebens zu [67]erneuern, um deiner unendlichen Majestät eine deiner würdige Ehre und Verherrlichung zu erweisen, um deinen Unwillen zu besänftigen und deiner Gerechtigkeit genug zu thun für unsere vielen und großen Sünden, um dir einen deinen Wohlthaten entsprechenden Dank zu erstatten, und um deine Erbarmungen anzurufen über auch und alle Sünder, über alle lebenden und abgestorbenen Gläubigen, über die ganze Kirche und vorzüglich über ihr sichtbares Oberhaupt, den heil. Vater in Rom, und endlich auch über alle Unglücklichen, die in der Spaltung, in der Ketzerei und im Unglauben dahinleben, damit sie sich bekehren und damit auch sie gerettet werden. Amen.
Ablaß von 3 Jahren, wenn man zu Anfang des Tages vorstehende Aufopferung betet. (Pius IX. Breve v. 11. April 1860)
Gebet bei den gegenwärtigen Gefahren der Kirche und des Glaubens. Süßester Jesus, du unser göttlicher Meister! der du die bösen Anschläge, mit welchen die Pharisäer dich oftmals verfolgten, stets zu Schanden gemacht hast: vereitle die Pläne der Gottlosen und aller Derer, welche in der Feigheit ihres Geistes mit ihren listigen Fallstricken dem Volk zu umgarnen und zu fesseln bemüht find. Erleuchte mit dem Lichte deiner Gnade uns Alle, die wir deine Schüler sind, damit wir nicht verdorben werden durch die Arglist der Weisen dieser Welt, welche ihre falschen und verderblichen Grundsätze überall verbreiten, um auch uns in ihre Irrthümer zu ziehen. Gib uns ein solches Glaubenslicht, daß wir die Nachstellungen der Gottlosen erkennen, die Lehren deiner heiligen Kirche fest glauben und die Grundsätze der Feinde der Wahrheit standhaft von uns weilen. Amen. Ablaß v. 100 Tagen. Dekr. V. 22. Okt. 1866) [68]
Glaubensübung.
O mein Gott! ich glaube an dich und Alles, was du geoffenbart hast und was die heilige katholische Kirche zu glauben vorstellt. Ich glaube insbesondere, daß Maria, die seligste Jungfrau, wahrhaft ist die Gottesgebärerin; ich glaube fest und unbezweifelt, daß sie Mutter und Jungfrau zugleich ist und frei von jeder auch der kleinsten persönlichen Sünde. Ebenso fest und zweifellos glaube ich, daß Maria im ersten Augenblicke ihrer Empfängniß durch besondere Gnade und Bevorzugung von Seiten des allmächtigen Gottes im Hinblicke auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechts, unversehrt von jeder Makel der Erbsünde bewahrt worden ist.
Ebenso fest und unbezweifelt glaube ich: daß der römische Papst, wenn er von seinem Lehrstühle aus spricht, das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen, kraft seiner höchsten apostolischen Gewalt eine von der gesammten Kirche festzuhaltende, den Glauben oder die Sitten betreffende Lehre entscheidet, vermöge des göttlichen im hl. Petrus ihm verheißenen Beistandes jene Unfehlbarkeit besitzt, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche in Entscheidung einer den Glauben oder die Sitten betreffenden Lehre ausgestaltet wissen wollte, und daß daher solche Entscheidungen des römischen Papstes aus sich selbst, nicht aber erst durch Zustimmung der Kirche unabänderlich sind. Dieses Alles glaube ich, weil es deine hl. Kirche, welche die Säule und Grundfeste der Wahrheit ist, welche nie geirrt hat und nie irren kann, zu glauben vorstellt. Ablaß von 100 Tagen. (Rescript v. 6. Jan. 1871)
Gebet für die Kirche.
O erbarmungsvollster Jesu! du allein bist unser Heil, unser Leben und unsere Auferstehung. Dich also [69] bitten wir, verlaß uns nicht in unsern Nöthen und Bedrängnissen, sondern durch die Todesangst deines heiligsten Herzens und durch die Schmerzen deiner unbefleckten Mutter komme zu Hülfe deinen Dienern, die du durch dem kostbares Blut erlöset hast! Amen. Ablaß von 100 T. einmal täglich. (Dekr. v. 6. Okt. 1870)
Aufopferung des kostbaren Blutes. Ewiger Vater! ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Christi zur Sühnung für meine Sünden und für die Anliegen der heiligen Kirche. Ablaß von 100 Tagen. Z. [d.i. zuwendbar an die Verstorbenen.] (Pius VII. Rescript vom 29. März 1817.)
Gebet um den Frieden. Verleihe, o Herr, den Frieden in unsern Tagen, weil kein Anderer ist, der für uns kämpft, als du unser Gott. V. Es werde Friede in deiner Kraft. R. Und Ueberfluß in deinen Thürmen. Lasset uns beten. O Gott, von welchem die heiligen Begierden, die guten Entschlüsse und die gerechten Werke herkommen: gib deinen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Geboten ergeben und unsere Zeiten, von der Feinde Furcht befreit, durch deinen Schutz friedsam seien; durch Christum unsern Herrn. Amen. 100 Tage; monatl. Vollk. Abl. Z. (Dekr. v. 18. Sept. 1848)
Gebet für die mit dem Tode Ringenden. O gütigster Jesu, Liebhaber der Seelen! ich beschwöre dich durch die Todesangst deines heiligsten Herzens und durch die Schmerzen deiner heiligsten Mutter, wasche in deinem Blute alle Sünder auf der ganzen Welt, welche jetzt im Todeskampfe liegen und heute noch sterben werden. Amen. [70]
Herz Jesu, das du die Todesangst gelitten, erbarme dich der Sterbenden! Ablaß von 100 Tagen. Z. (Pius IX. Dekr. vom 2. Febr. 1859) -
Man hat berechnet, daß täglich auf der ganzen Erde ungefähr 80,000 Menschen sterben. Bei jedem Athemzuge, den du thust, haucht irgendwo ein Sterbender seine Seele aus. Wenn du oft für die mit dem Tode Ringenden betest, so wird es dir in deiner eigenen Todesnoth zu Gute kommen.
Drei Vater unser und Ave Maria für die mit dem Tode Ringenden. 100 Tage; monatlich vollk. Ablaß. Z. (Dekr. vom 18. April 1809.) Man betet und zwar knieend, wofern nicht Unwohlsein daran hindert, die 3 Vater unser zum Andenken an das Leiden und die Todesangst Christi und die 3 Ave Maria zur Erinnerung an die Schmerzen Maria unter dem Kreuze.
Schußgebete.
Jesus, mein Gott, ich liebe dich über alles! (50 Tage.) Mein Jesus, Barmherzigkeit! (100 Tage. Z. Der h. Leonardus pflegte diese Anrufung dem Sterbenden oft vorzusprechen.) Süßester Jesus, sei mir nicht Richter, sondern Erlöser! (50 Tage. Z.) Süßes Herz Maria, sei meine Rettung! (300 Tage. Z.) O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt' für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen! (100 Tage) O Maria, die du ohne Makel in die Welt eingetreten bist, ach! erlange mir von Gott, daß ich ohne Schuld aus ihr scheide! (100 Tage einmal täglich) Jesus, Maria, Joseph! euch schenke ich mein Herz und meine Seele. - Jesus, Maria, Joseph! stehet mir bei im Todeskampfe. - Jesus, Maria, Joseph! möge meine Seele mit euch im Frieden von hinnen scheiden. (300 Tage für diese dreimalige Anrufung, 100 Tage für jede einzelne. Z.) Dekrete v. 7. Mai 1854, 3. Sept. 1857. 11. Aug. 1851, 20. Sept. 1852, 9. Jan. 1852, 27. März 1863, 29. Apr. 1807. [71]
Gebet um den göttlichen Beistand an unserm Lebensende. Herr Jesus Christus, Gott der Güte, Vater der Barmherzigkeit! mit demüthigem Herzen zerknirscht und beschämt erscheine ich vor dir und empfehle dir meine letzte Stunde und Alles, was nach derselben mich erwartet. Wenn meine erstarrten Füße auch mahnen werden, daß mein Lebenslauf in dieser Welt zu Ende gehe; dann barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine zitternden und unruhigen Hände nicht mehr im Stande sind, das Crucifix zu halten, sondern es unwillkürlich ans mein Schmerzensbett zurücksinken lassen; dann barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! ) Wenn meine verdunkelten und krampfhaft sich wendenden Augen bei der Angst des nahen Todes nur noch matte und sterbende Blicke auf dich werfen: dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine kalten und bebenden Lippen zum letzten Male deinen anbetungswürdigen Namen aussprechen; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! (6) Wenn meine bleichen entstellten Wangen die Anwesenden mit Mitleid und Schrecken erfüllen, und die vom Todesschweiße befeuchteten Haare auf meinem Haupte sich sträuben und mein baldiges Ende verkünden; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine Ohren anfangen, auf immer sich der Ansprache der Menschen zu verschließen, und sich öffnen, deine Stimme zu vernehmen, die das unwiderrufliche [72] Urtheil sprechen wird, welches mein künftiges Schicksal für die ganze Ewigkeit bestimmt; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine Einbildungskraft, von schauerlichen und entsetzlichen Bildern geängstiget, in tödliche Betrübniß sich versenkt und mein Geist, durch die Vergegenwärtigung aller meiner Sünden und durch die Furcht vor deinem Gerichte verwirrt, ringt und kämpft mit dem Engel der Finsterniß, der sich bemühet, mir den trostreichen Hinblick ans deine Erbarmungen zu rauben und auch in den Abgrund der Verzweiflung zu stürzen; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn mein schwaches Herz, erdrückt von den Schmerzen der Krankheit, überfallen wird von den Schauern des Todes und erschöpft ist von den Kämpfen, welche ich gegen die Feinde meines Heiles zu bestehen haben werde; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine letzte Thräne, das Zeichen meiner Auslösung, fließt, nimm mich als eine Sühnungsgabe, damit ich als ein Opfer der Buße entschlafe; und in diesem schrecklichen Augenblicke, o barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine Verwandten und Freunde mich umringen und wehmuthsvoll über meine mitleidswerthe Lage dich um Hülfe und Gnade für auch anrufen; dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn nach Verlust des Gebrauches aller meiner Sinne mir die ganze Welt entschwindet, und ich schwer aufathme in der Angst des letzten Kampfes und in den Schrecken des Todes; dann barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn die Beklemmungen des Herzens meine Seele nöthigen, vom Leibe zu scheiden, nimm sie auf als Seufzer heiliger Ungeduld nach baldiger Vereinigung mit dir; und dann, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn meine Seele schon auf den Lippen schwebend im Begriffe steht, für immer von dieser Welt zu scheiden und meinen Leib bleich, kalt und ohne Leben zurück zu lassen: nimm die Zerstörung meines Lebens als ein Opfer der Huldigung an, welche ich deiner göttlichen Majestät darzubringen komme; und dann barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Wenn endlich meine Seele vor dir erscheinen und zum ersten Male den unsterblichen Glanz deiner Majestät erblicken wird, dann verwirf sie nicht von deinem Angesichte, sondern nimm auch gnädig in die liebevollen Arme deiner Barmherzigkeit aus, damit ich dem Lob ewig singen möge; dann also, barmherziger Jesu, erbarme dich meiner! Gebet. O Gott, der du uns zum Sterben verurtheilt, aber die Stunde und den Augenblick des Todes uns verborgen hast, verleihe, daß ich in Gerechtigkeit und heiligem Bestreben alle Tage meines Lebens zubringe, damit ich würdig werde, in deiner heil. Liebe aus dieser Welt zu scheiden; durch die Verdienste unsers Herrn Jesu Christi, welcher mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Ablaß v. 100 T. einmal täglich. Z. (Dr. v. 11. Aug. 1821)
Gebete und Antiphonen um Abwendung eines plötzlichen und bösen Todes.
1. Erhöre uns, o Gott, unser Heil! und lasse nicht zu, daß unsere Tage eher enden, als du unsere Sünden getilgt hast; und weil in der Hölle die Buße eine verlorne Mühe und keine Zeit mehr zur Besserung ist, so bitten wir dich inständig und stehen zu dir, daß, wie du uns Zeit lassest zur Bitte, du auch [74] die Erlassung unserer Sünden verordnen wollest. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 2. Herr, wir bitten dich, nimm gnädig hinweg alle Verirrungen von deinen Getreuen, und entferne die schnelle Tödtlichkeit bösartiger Krankheiten, damit du Jene, die du mit Recht auf ihren Irrwegen züchtigest, als Gebesserte durch deine Barmherzigkeit wieder in Gnaden bewahrest. Durch Jesum Christum unsern Herrn ec. 3. Antiphon. Meine Seele, höre doch auf zu sündigen! Gedenke an den jähen Uebergang zu den ewigen Peinen; denn dort wird die Buße nicht mehr angenommen und Thränen haben dort kein Verdienst. Jetzt da es noch Zeit ist, belehre dich und rufe: Mein Gott, erbarme dich meiner! 4. Antiphon. Mitten im Leben sind wir im Tode. Bei wem sollen wir Hülfe suchen, wenn nicht bei dir, o Herr, der du zürnest wegen unsrer Missethaten? Heiliger Gott, heiliger starker, heiliger barmherziger Gott, unser Erlöser! dem bittern Tode übergib uns nicht! 5. V. Damit wir nicht am Tage des Todes schnell übereilet, dann erst Zeit zur Buße suchen, wo wir sie nicht mehr finden können. R. Merke auf, o Herr! und erbarme dich unser, denn wir haben wider dich gesündigt. 6. Wir bitten dich, o Herr! du wollest dem Volk, welches vor deinem Zorne fliehend, seine Zuflucht zu dir nimmt, mit väterlicher Milde aufnehmen: damit Jene, welche in einem jähen Tode die Geißel deiner göttlichen Gerechtigkeit fürchten, sich deiner gütigen Verzeihung erfreuen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn ec. [75] 7. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! du wollest die Versammlung deiner Gläubigen mit versöhnten Blicken ansehen, und in deiner Barmherzigkeit deinen gerechten Zorne zuvorkommen; denn wolltest du unsere Missethaten ansehen, so würde kein Geschöpf vor dir bestehen können; aber durch die wunderbare Liebe womit du uns erschaffen hast, verzeihe uns Sündern und lasse die Werke deiner Hände nicht durch einen jähen Tod zu Grunde gehen. Durch Jesum Christum unsern Herrn ec. 8. Herr, erhöre unser Gebet und gehe nicht in's Gericht mit deinen Dienern; denn gleichwie in uns deine Gerechtigkeit gefunden wird, auf die wir uns stützen könnten, so erkennen wir doch dich als die Quelle der Erbarmungen, durch welche wir hoffen dürfen, von unsern Sünden gereinigt und von allen Nöthen und dem jähen Tode befreit zu werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn ec. 9. O Gott, vor dessen Angesicht jedes Herz erzittert und alle Gewissen erschrecken, laß deine Barmherzigkeit auf uns Flehende überfließen, damit wir, mißtrauend auf den Werth unserer Verdienste, nicht bei einem unversehenen Tode dem strengen Gericht erfahren, sondern Verzeihung erlangen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn ec.
Gebet. - O barmherzigster Jesus! durch deine Todesangst, durch deinen blutigen Schweiß und durch deinen Tod bitte ich dich, befreie mich von jähen und unversehenen Tode. O mildester Jesus! durch deine grausame und schmachvolle Geißelung, durch dein Kreuz und bitteres Leiden und durch deine Güte bitte ich dich, gestatte nicht, daß ich jäh dahinsterbe und ohne die hl. Sakramente von dieser Welt scheide. O mein geliebtester Jesus, mein Herr und Gott! durch [76] alle deine Mühen und Schmerzen, durch dem kostbares Blut, durch deine heiligsten Wunden und diese deine letzten Worte am Kreuze: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ und: „Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist!“ - bitte ich dich inständigst, mich vor einem jähen Tode zu bewahren. Deine Hände, o mein ErIöser, haben ganz und gar mich so gemacht und gestaltet; lasse doch nicht zu, daß ich unversehens vom Tode überrascht werde. Ich bitte dich demüthigst, schenke mir Zeit zur Buße, verleihe mir einen glückseligen Hingang in deiner Gnade, damit ich von ganzem Herzen dich lieben, loben und preisen könne in Ewigkeit. Amen. Fünf Vater unser und Ave Maria zu Ehren des Leidens Jesu Christi - dann drei Ave Maria zu Ehren der schmerzhaften Mutter. - Ablaß von 100 T. jedesmal. Z. (Dekr. v. 3. März 1816)
Glaube, Hoffnung und Liebe.
O mein Gott, ich glaube festiglich Alles, was du uns durch deine heilige katholische Kirche zu glauben lehrst, weil du, die ewige unfehlbare Wahrheit, solches geoffenbart hast. O mein Gott! ich hoffe um der Verdienste Jesu Christi willen von dir Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben zu erlangen, weil du, allmächtiger, barmherziger und getreuer Gott, solches versprochen hast. O mein Gott! ich liebe dich von ganzem Herzen und über Alles, weil du mein bester Vater und das höchste liebenswürdigste Gut bist. Deinetwegen liebe ich auch meinen Nächsten, Freund oder Feind, wie auch selber. Amen. 7 Jahre und 280 Tage; monatlich vollk. Ablaß; Z. Vollkommener Ablaß in der Todesstunde, wenn man [77] drei göttlichen Tugenden häufig im Leben erweckt hat. Eine bestimmte Formel ist nicht vorgeschrieben. (Dekret vom 28. Januar 1756.)
Zu Maria.
Des Morgens. Gegrüßet seist du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir verbannte Kinder Eva's; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Thränen. Wohlan denn, unser Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes: o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Würdige mich, zu loben dich, geheiligte Jungfrau. R. Gib mir Kraft wider die Feinde. V. Gebenedeit sei Gott in seinen Heiligen. R. Amen.
Des Abends. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! V. Würdige mich ec. (wie oben). - Alle, welche in der Absicht für die der Mutter Gottes und den Heiligen zugefügten Unbilden Abbitte und Sühne zu leisten und die Verehrung ihrer hl Bilder zu befördern, Morgens das Gegrüßet ec. Und Abends das Unter deinen Schutz ec. Nebst den beigefügten V. und R. beten, können nachstehende Ablässe gewinnen: 100 Tage an jedem Wochentage, 7 Jahre und 7mal 40 Tage an jedem Sonntage; 2mal monatl. An zwei frei zu wählenden Sonntagen einen vollkommenen Ablaß, vollkommenen Ablaß an allen Muttergottes-Festen und auf Allerheiligen. (Z.) Vollkommenen Ablaß in der Todesstunde. (Pius VI. Dekr. v. 5. April 1786.) Das Gegrüßet seist du Königin ec. allein oder das Unter deinen Schutz ec. hat keinen Ablaß. [78]
Zum heiligen Schutzengel.
O Engel Gottes, der du mein Beschützer bist, dem ich durch Gottes Güte bin anvertraut worden, erleuchte, beschütze, regiere und leite mich. Amen.
(100 Tage, Z. Vollkommener Ablaß in der Todesstunde, wenn man es oft im Leben gebetet hat, Breve vom 2. October 1795.)
Ergebung in den göttlichen Willen. Es geschehe, es werde gelobt und ewig gepriesen der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in Allem. 100 Tage einmal täglich. Z. - Vollkommener Ablaß in der Todesstunde, wenn man es oft im Leben gesprochen. (Dekr. v. 19. Mai 1818.)
Die heiligsten Namen Jesus und Maria. Ablaß von 25 Tagen (Z.) so oft man die hl. Namen Jesus und Maria andächtig und reumüthig anruft, vollkommener Ablaß in der Todesstunde, wenn man die hl. Namen Jesus und Maria im Leben oft und andächtig ausgesprochen und dieselben in der letzten Stunde reumüthig mit dem Munde oder wenigstens im Herzen anruft. (Bulle Redituri v. 19. Juli 1587.)
Geistliche Communion. (Oefters zu üben). Anbetungswürdigster Jesu! ich glaube fest, daß du in dem allerheiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe dich über Alles. Aus Liebe zu dir bereite ich alle meine Sünden. In Ewigkeit will ich nicht mehr sündigen. Meine Seele verlangt, dich zu empfangen. Weil ich dich aber jetzt wesentlich nicht empfangen kann, so komme geistlicher Weise und lehre mit deiner Gnade in mein Herz ein. (Erwecke hier die Begierde, Jesum im allerheiligsten Sa[79]kramente zu empfangen.) Ich umarme dich, o Jesu, als schon wirklich gegenwärtig. Ich vereinige mich ganz mit dir. Lasse nicht zu, daß ich mich jemals von dir trenne! Amen.
Geistliches Testament. (Von Gesunden und Kranken zu sprechen.)
Zu den Füßen deiner göttlichen Majestät falle ich demüthig nieder, o allerglorwürdigste Dreifaltigkeit, und begehre aus reifer Ueberlegung mein Testament zu machen und dir meinen letzten Willen zu erklären. Ich bezeuge hier vor dir und allen Heiligen, daß ich im wahren katholischen Glauben zu leben und zu sterben begehre und lieber mein Leben lassen, als einen Artikel dieses wahren katholischen Glaubens leugnen will. In der Form eines rechtmäßigen Testamentes vermache ich dir, o Gott, meinen Leib und meine Seele und übergebe auch dir in Kraft dieser Erklärung völlig zu eigen. Nach deinem göttlichen Willen begehre ich die übrige Zeit meines Lebens zu verwenden und in deinem heiligen Dienste mein zeitliches Leben zu endigen. Es reuet mich herzlich, daß ich deine höchste Güte jemals beleidigt habe, und ich wollte gern mein Leben hingeben, wenn ich machen könnte, daß ich dich nimmer erzürnt hätte. Zur Verzeihung meiner Sünden opfere ich dir aus das Leiden und Sterben Jesu Christi, und zur Genugthuung meiner Schulden opfere ich dir auf die Verdienste meines Heilandes und aller deiner Heiligen und Auserwählten. Ich bin bereit zu sterben, wo und wann es dir gefällig ist, und wollte lieber jetzt sterben, als wider deinen Willen noch eine Stunde leben. Ich erwähle mir keine Todesart, sondern bin bereit, eines solchen [80] Todes zu sterben, wie du ihn mir zuschicken wirst, und will gern die Leiden meines Todeskampfes wie auch den Tod selbst aus deiner Hand annehmen als Buße für meine Sünden. Dies allein bitte ich, daß ich in deiner Gnade sterben und den schweren Anfechtungen im letzten Streite nicht erliegen möge. Ich verlange auch, vor meinem Ende die heiligen Sakramente würdig zu empfangen und die hl. Ablasse zu gewinnen. Meine letzte Speise möge sein das allerheiligste Sakrament des Altars und meine letzten Worte sollen sein: Jesus, Maria! Meine letzte Liebe soll zu dir, meinem Gott, gerichtet sein, und mein letzter Seufzer soll dringen in das verwundete Herz Jesu. Amen.
Zur Beachtung der Leser! Wir finden uns veranlaßt, das auf Seite 13 Gesagte einzuschärfen. Also: An Sonn- und Feiertagen müssen aus den gesperrten Gemeinden alle, welche in der Nachbarschaft einer hl. Messe beiwohnen können, die hl. Messe in der Nachbarschaft zu hören und dürfen sich nicht mit dem Laiengottesdienste begnügen. Der Laiengottesdienst genügt bloß für diejenigen, welche keiner Messe beiwohnen können.
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