In memoriam Dr. Alfons Benedikter
von Eberhard Heller
Im letzten Jahr mußte Südtirol Abschied von zwei seiner bedeutendsten und verdienstvollsten Politikern nehmen, die wie keine anderen das Schicksal und die Geschicke des Landes gestaltet hatten: von seinem langjähriegn Landeshauptmann Silvius Magnago (* 5.2.1914) im Alter von 96 Jahren am 25. Mai 2010 und im gleichen Jahr am 3. November von seinem Stellvertreter Alfons Benedikter, der im Alter von 92 Jahren (* 14.3.1918) gestorben ist. Beide gehörten lange der Südtiroler Volkspartei an, aus der Alfons Benedikter allerdings 1989 ausgetreten war. Sie hatten für Südtirol die Autonomie gegenüber dem italienischen Staat durchgesetzt.
Die politischen Leistungen beider wurden in zahlreichen Nachrufen gwürdigt. Dagegen ist die Arbeit, die Herr Dr. Alfons Benedikter für den kath. Widerstand und für die EINSICHT geleistet hat, eher wenigen bekannt geworden. Auf sie möchte ich im folgenden hinweisen.
Wir lernten Herrn Benedikter im fortgeschrittenen Alter über seinen Sohn Armin kennen, der uns nach Girlan eingeladen hatte. Es waren Stunden des Austausches, bei denen nicht nur über die kirchliche Situation und über Möglichkeiten der Information gesprochen, sondern auch viel gesungen wurde, nicht nur das Südtirol-Lied, sondern auch drei Stropen des Deutschlandliedes, des Wolgaliedes und alle, die wir gemeinsam kannten. Ich war erstaunt über die ausgesprochen selbständige Begründung, aus der heraus Benedikter als gelernter Jurist die Konzils-Kirche als nicht legitime Kirche ablehnte. Darum fuhr er nicht nur jeden Sonntag von Girlan zur hl. Messe nach Spinges, wo damals noch Pfr. v. Zieglauer für viele ein religiöses Refugium unterhielt, sondern er war auch Teilnehmer einer Konferenz Anfang des neuen Jahrtausends, als Bischof Davila mit einem seiner Kleriker und uns zur Besprechung der Situation zu Pfr. Zieglauer gefahren waren.
Alfons Benedikter, der neben dem Jura-Studium, worin er promovierte, auch Russisch in Neapel studiert hatte, erzählte uns u.a. auch folgende Geschichte: Er hatte seine Gefangennahme durch die Russen nur deshalb überlebt, weil er die Soldaten in ihrer Muttersprache angeredet hatte. Später, als er als Kriegsgefangener entlassen werden sollte, machten ihm die Russen den Vorschlag, ob er nicht als Kultur-Attaché in russischen Diensten in der UdSSR bleiben wolle. Er konnte dieses Angebot nur dadurch ablehnen, indem er das Heimatgefühl des Kommandanten ansprach, welches auch in seinem Herzen brennen würde.
Auf jeden Fall konnte Herr Benedikter seine Russisch-Kenntnisse später nicht nur als Wahlbeobachter in Kasachstan und Woronesch (Russland) einsetzen, sondern auch für die Übersetzung der beiden Erklärungen von Mgr. Ngô-dinh-Thuc über die Vakanz des römischen Stuhles aus dem Jahr 1982 und die Anschluß-Erklärung aus dem Jahre 2000, in der die Erklärung von 1982 aktualisiert und weitergeführt wird (zu lesen in der Internet-Ausgabe dieses Heftes).
Herrn Benedikter ist es zu verdanken, daß unsere Fremdsprachen-Ausgaben im Internet - in Englisch, Spanisch, Französisch - durch seine Übersetzungen der wichtigsten Artikel ins Italienische dankenswerterweise um eine Sprache erweitert wurde.
Kurz nach dem Tod von Magnago sahen wir, d.h. meine Frau, Fr. Krier und ich, Herrn Benedikter bei einem Besuch in Girlan das letzte Mal. Er hatte im März seinen 92. Geburtstag gefeiert. Seine sonst eher wachsamen Gesichtszüge hatten einen merkwürdig starren Ausdruck angenommen. Damals war uns schon klar, daß es ein Wiedersehen auf Erden vielleicht nicht mehr geben würde. Als Fr. Krier im November 2010 wieder hier weilte, hatte sich diese Ahnung bestätigt. Für den Verstorbenen las er die Toten-Messe. Rip.
Unsere Leser bitte ich, seiner im Gebet zu gedenken.
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DATEN ZUM LEBEN UND ZUR POLITISCHEN KARRIERE VON ALFONS BENEDIKTER
1918, 14.3. Geburt in Pettneu am Arlberg (A) als Sohn des Josef Benedikter (damals Kriegsteilnehmer, später jahrzehntelang Postmeister und von 1948 bis 1956 Bürgermeister von Schlanders, er starb am 15.6.1974) und der Kreszenz Zangerl.1921-36 Aufgewachsen in Schlanders im Vinschgau, Besuch der Volksschule in Schlanders und der Mittelschule im Vinzentinum in Brixen, des Gymnasiums der Franziskaner in Bozen und des staatlichen Lyzeums in Meran.1936 Abitur am staatlichen Lyzeum in Meran. Tod der Mutter (2.4.) an einer plötzlichen Gehirnblutung nach einer Grippe.1936-40 Studium der Rechtswissenschaften in Neapel sowie des Englischen und Russischen am Orientalischen Institut Neapel.1940 Promotion zum Dr.juris, Einberufung zum italienischen Heer, Alpini-Offiziersschule Bassano del Grappa.1941 Wegen Bekenntnis zum Deutschtum strafversetzt nach Sardinien.1942 Bei Heimurlaub „Desertion“ über den Reschenpass ins Deutsche Reich, dort Einrücken in die Wehrmacht.1942-45 Als Kriegsteilnehmer Einsatz an verschiedenen Fronten (Ladoga-See, Montecassino, Monviso, Oder).1945 Am 17.4. Gefangennahme durch die Russen bei Königswusterhausen südlich von Berlin. Bis 27.9. im russischen Gefangenenlager in Trebbin, dort auch als Dolmetscher und Lagerbuchhalter eingesetzt. Am 27.9. Freilassung und Rückkehr nach Südtirol. Dort zum Bezirkssekretär der Südtiroler Volkspartei (SVP) für das Vinschgau ernannt.1945-48 Tätigkeit als Funktionär der SVP sowie als Gewerkschafter. Mitbegründer des christlich-sozialen Gewerkschaftsbundes SGB-CISL und des KVW (Katholischer Verband der Werktätigen).1948-98 Mitglied des Südtiroler Landtages und des Regionalrates der Region Trentino-Südtirol.1948-52 Landesrat für Handwerk und gewerbliches Berufsschulwesen; Handwerksordnung, Landesgesetz vom 26.Juni 1956, Nr.7.1953-59 Regionalassessor für Feuerwehr, Genossenschaftswesen, Gemeindeordnung und Grundbuchswesen; Feuerwehrgesetz vom 20.August 1954, Nr.24.1956-66 Obmannstellvertreter der SVP. Von der SVP wurde er zu allen Südtirolverhandlungen, sei es zu jenen bei den Vereinten Nationen in New York als auch zu jenen zwischen Österreich und Italien in Mailand, Klagenfurt, Zürich, Genf und Wien als Sachverständiger entsandt.1959-89 Landesrat für geförderten Wohnbau, Orts- und Landesplanung (Raumordnung) sowie Wirtschaftsprogrammierung; Landesgesetz vom 10.Juli 1970.1960-89 Landeshauptmannstellvertreter Südtirols, als solcher nahm er in Rom an ca. 60 Ministerratssitzungen zur Genehmigung von Durchführungsbestimmungen teil 1959-70 Landesrat auch für Landschaftsschutz; Gesetz vom 24.Juli 1957, Nr.8.1970-71 Mitglied des Neunerkomitees (Ausarbeitung des neuen Autonomiestatuts)1972-89 Mitglied der Zwölfer- und der Sechserkommission (Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen zum Autonomiestatut); neue Durchführungsbestimmungen über Volkswohnbau, womit die Provinz an die Stelle des Staates tritt. Vorsitzender der SVP-Fraktion im Regionalrat Trentino-Südtirol.1989 Austritt aus der SVP aus Protest gegen den „Paket“-Abschluss und die Streitbeilegungserklärung. Mitbegründer der Union für Südtirol1989-98 Landtags- und Regionalratsabgeordneter der Union für Südtirol.1994 Im Auftrag des italienischen Außenministeriums Wahlbeobachter in Alma Ata (Kasachstan).1995 Im Auftrag des italienischen Außenministeriums Wahlbeobachter in Woronesch (Russland).2010 3.11. Tod in Bozen.FAMILIÄRES:
1953, 6.4. Heirat mit Waltraud Noldin (geb. 1925), der Tochter des Salurner Rechtsanwaltes Josef Noldin (1888-1929), der unter dem Faschismus 1927-1928 auf die Insel Lipari verbannt war, weil er privaten Deutschunterricht organisiert hatte.1953 Geburt des Sohnes Rudolf, der heute als Rechtsanwalt in Bozen lebt und Mitglied des Bozner Gemeinderates ist.1955 Geburt des Sohnes Heinz, der heute als Architekt in Frangart bei Bozen lebt.1957 Geburt des Sohnes Thomas, der heute als Wirtschafts- und Sozialforscher, Oberschullehrer und Publizist in Kaltern lebt.1959 Geburt der Tochter Susanne, die heute als Hautärztin in Linz lebt.1961 Bezug eines Eigenheimes in Frangart bei Bozen (Gemeinde Eppan). Seitdem dort ansässig.1961 Geburt der Tochter Eva Maria, die heute als Sekretärin in München lebt.1963 Geburt des Sohnes Armin, der heute als Übersetzer in Frangart bei Bozen lebt.1994, 21.5. Tod der Gattin Waltraud geb. Noldin.
Daten zusammengestellt von Armin Benedilkter
Hl. Gregor der Große:
"Die Kirche wird in ihrer Endzeit ihrer Kraft beraubt werden. Für den Antichrist bereitet sich vor ein Heer von abgefallenen Priestern. Am Ende der Zeit wird es eine vollständige Vereinigung unter den Gottlosen geben, während es unter den Gerechten Trennungen und Spaltungen geben wird." ("Dialoghi", lib. IV. |