56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
Datenschutzerklärung | Zum Archiv | Suche




Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE
 

MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE

– Gedanken zu einem verdunkelten Sachverhalt im geschichtlichen Heilsprozeß der Gegenwart –

 

von

+ Prof. Dr. Diether Wendland

1993

 

"Lege die Vollrüstung Gottes an, damit ihr am bösen Tag widerstehen und alles erfolgreich bestehen könnt!" (Eph 6,13)

"Kämpfe bis zum Tode für Gerechtigkeit, sodann wird der Herr (Gott) wider deine Feinde für dich auch streiten! – Säe nicht auf Unrechtsfurchen, sonst mußt du siebenfach es ernten! – Von Gott begehre keine Herrscherstellung, und auch vom König keinen Ehrenplatz!" (Jesus Sirach 4,28; 7,3.4)

 

Allgemeine Vorüberlegungen

 

Hat es heutzutage nach den Auswirkungen des Vatikanums 2 überhaupt noch einen Sinn, sich mit einem solchen Thema zu befassen? Uns wurde von Katholiken und Nichtkatholiken bedeutet, daß dies doch sinnlos wäre, da im Gegensatz zu den etablierten 'Kirchen' die wahre Kirche Christi in ihrem Wesen auf Gewaltlosigkeit gebaut sei (sein würde) und somit weder von Macht noch von Ohnmacht gesprochen werden kann. In diesem Zusammenhang verwies man auch darauf, daß die mächtigste Kirche in dieser Welt einmal die römisch-katholische gewesen sei; doch was ist aus ihr geworden, nachdem sie ihre imponierende Einheit und Geschlossenheit verloren hat und sich auch in ihr Sekten verschiedener Größe gebildet haben? Heute scheint sie völlig machtlos geworden zu sein, wie eben auch alle anderen 'Großkirchen', mit denen sie auf die gleiche Stufe gestellt werden kann und dies oft auch wird. Zudem ist es offenkundig,daß ihr der propagierte und praktizierte "Ökumenismus" mit den angeblich nur 'Andersgläubigen' keinen Machtzuwachs gebracht hat, weder auf nationalem noch auf internationalem Gebiet, sondern das reine Gegenteil, wie überall leicht festgestellt werden kann. Man darf sich nur nicht von der profanen 'öffentlichen Meinung' und den religiösen Meinungsmachern in den 'Kirchen' und außerhalb derselben täuschen lassen. Systematisch betriebene Meinungsmache aber ist zweckdienlicher Machtmißbrauch und damit ein Politikum. Das Schlagwort von der "Gewaltlosigkeit" gehört auch dazu. Viele frommen Leute halten die Gewaltlosigkeit sogar für ein christliche Tugend und fürchten sich dann, Gewalt anzuwenden, obwohl sie wissen, daß sie dadurch in ein vertracktes Dilemma geraten, das ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Sie kommen nicht auf den Gedanken, daß sie selbst es sind, die dadurch dem Unheil oder dem Bösen auf vielfache Weise Raum geben und Vorschub leisten. Nirgendwo aber steht geschrieben: Selig die Gewaltlosen, denn ihrer ist das Himmelreich!!

 

Wer sich in der heutigen Zeit als katholischer Christ über Macht und Ohnmacht der Kirche ernsthaft Gedanken macht, der sollte im Vorfeld dieser Problematik zunächst einmal ein Vierfaches unterscheiden, weil es sonst nur zu Verwirrungen kommt:

 1   "Gewalt" (potentia naturalis physica) ist physischer Gebrauch der Macht;

 2.   "Gewalttätigkeit" (violentia) hingegen physischer Mißbrauch der Macht; unter

 3.   "Gewaltsamkeit" aber versteht man alles das, was durch physische Gewalt (vis) und Kraft (robur) geschieht und an sich weder gut noch böse ist;

 4.   "Gewaltlosigkeit" indessen ist grundsätzlicher Verzicht auf physische Gewalt überhaupt und deshalb immer entweder gut oder böse; darum kann sie auch weder eine sittliche noch eine religiöse Tugend sein. Im übrigen greift der Mensch der Gewaltlosigkeit, so wie er generell in Erscheinung tritt, nie zum 'Schwert', sondern läßt immer andere für sich kämpfen. Darum sollte man sich die professionellen 'Gewaltverzichtler' sehr genau anschauen und sie sich nie zu Freunden wählen, weil man sonst gleichsam durch die Hintertür  'entwaffnet' wird. - Warum sind denn die 'Schwerter' so vieler Katholiken stumpf geworden, falls man sie nicht bereits etwas angerostet auf einem Flohmarkt verkauft hat? Gewaltlosigkeit aus Prinzip begünstigt das Unrechttun und ist ein Indiz für Feigheit, die auch ein Christ zu überwinden hat. Denn der Mensch ist schon von Natur aus feige, und darum wird auch nur der wahrhaft Tapfere wirklich geehrt, eben weil er die Feigheit überwunden hat. Jeder Feige aber ist auch ehrlos.

 

Es ist der menschlichen Gesellschaft (societas humana) eigentümlich, gleichgültig in welchen Formen oder Gebilden sie sich darstellt (angefangen mit der Familie und der Sippe), daß sich ihr konkretes Leben immer zwischen Gewalt und Gewalttätigkeit bewegt, so daß Gewalt-losigkeit in ihr gar keinen Platz hat. Es gibt in ihr keine 'selige Insel des Friedens' und auch kein 'Paradiesgärtlein', in dem man sich, Kokainblätter kauend, von der warmen Sonne bescheinen lassen könnte. Das menschliche Leben ist ein ständiger Kampf und häufig nur noch ein Kampf um's nackte Überleben im wahrsten Sinne des Wortes. Den 'Gläubigen' einer 'Kirche' oder auch einer 'kirchlichen Gemeinschaft' fehlt oft die realistisch-illusionslose Erkenntnis ihrer gesellschaftlichen Stellung in Volk und Staat; sie machen in ihrem Verhalten bei allen anderen den Eindruck, als seien sie entwurzelt und leben außerhalb der Gesellschaft und ihres gruppendynamischen Pluralismus; darum sollten sie sich auch nicht darüber wundern, daß sie niemand ernst nimmt. Viele dieser 'Gläubigen' erkennen nicht einmal, daß sie von der Mehrzahl der Leute um sie herum 'bestenfalls' nur geduldet werden und was sich sehr schnell zu noch ganz anderen Übeln auswachen kann, wenn sich eine politische Situation ändert. Die 'Kirchengläubigen' von heute sind genau so wenig wie die Kirchenmitglieder eine Solidargemeinschaft, in der das ungeschriebene Gesetz gilt: einer für alle und alle für einen! Dabei wissen sie doch, daß nur Einheit stark macht, gleichgültig ob im Guten oder im Bösen. Die universale Einheit der römisch-katholischen Kirche aber existiert nicht mehr; sie besteht nur noch auf dem Papier. An ihre Stelle ist durch Verdrängung territorial die partikuläre Einheit der "römischen Konzilskirchen" getreten, nachdem sie sich überall konsolidieren konnte. Auch diese 'Kirche' übt mit ihren aktiven Mitgliedern in der menschlichen Gesellschaft Macht aus, so daß die noch orthodoxen Katholiken, die nicht mit den sog. Traditionalisten identifiziert werden sollten, in eine große Bedrängnis geraten sind, die ihnen bisweilen ihre Ohnmacht deutlich zu Bewußtsein bringt. Eine solche 'religiöse Ohnmacht' aber beruht nicht auf zufälligen Lebensumständen und ist auch nicht immer fremdverschuldet, sondern selbstverschuldet. Orthodoxe Katholiken sollten wissen, daß es nicht genügt, am heilsnotwendigen "wahren Glauben", der biblischen "vera fides", (nur und immer nur) festzuhalten, da dieser Glaube wirklich gelebt und getan werden muß, weil er andernfalls zu einem "toten Glauben" wird. Im übrigen macht der "tote Glaube" den 'Gläu-bigen' wehrlos, was sich auch auf sittlichem Gebiet zeigt, so daß er dann dem moralischen Übel, d.h. dem Bösen, nicht mehr widerstehen und den nötigen Widerstand leisten kann. Kein 'Gläubiger' sollte sich auf Schwachheit herausreden, der seine Schwäche selbst ver-schuldet hat. Sittliche Schwäche und unwahrer religiöser Glaube stehen in Korrelation. Eine ihrer Folgen aber ist der Machtmißbrauch, der immer auch Unrecht erzeugt, da er selbst Unrecht ist. Dies zeigt sich insbesondere im öffentlichen Gemeinwesen, d.h. im Staate, obwohl er von Gott gewollt ist. Das freilich schließt gottlose Staaten nicht aus, einschließlich des 'modernen' demokratischen.

 

Es gibt keine "friedlichen Demonstrationen" oder "Friedensmärsche" u.dgl. (bei denen irre Bürger sogar Kinder mitschleppen und sich für friedliebende Leute halten), da die öffentliche Demonstration einer Menschenmenge, gleichgültig von wem sie veranstaltet wird oder wer dahinter steckt, ein physisches Gewaltphänomen ist, das zudem noch die Gefahr heraufbeschwört, in Gewalttätigkeit umzuschlagen, die immer menschliches Leben bedroht. Dies lehrt bereits die Erfahrung, die man bei solchen Demonstrationen machen kann. Außerdem wird heutzutage aufgrund einer teils mißverstandenen teils ideologisch perver-tierten Demokratie, die sich gerne als eine freiheitliche bezeichnet, die Staats-Gewalt auf die verschiedenste Weise um ihren legitimen Gebrauch der Macht gebracht, so daß sie als ein notwendiger Ordnungs-Faktor in der zur Gewalttätigkeit neigenden pluralistischen Gesellschaft mit ihren Gruppen weitgehend ausfällt. Die Staatsgewalt, die zwar vom Volke ausgeht, aber nicht von ihm ausgeübt werden kann, wird durch die Liberalismusideologie mehr und mehr unfähig, der sittlichen Verwahrlosung und Kriminalität einer pluralistischen Gesellschaft mit ihren neuen Formen des Verbrechens mit aller Macht entgegenzuwirken, um das Volk und seine Bürger wenigstens zu schützen, und zwar wirksam und nachhaltig. Dies aber geht nicht ohne physische Gewalt, da der Mensch von Natur aus zum Bösen geneigt ist und jede Gelegenheit wahrnimmt, seine Freiheit durch unsittliches und rechtswidriges Tun zu mißbrauchen. Manche nennen das sogar "freie Entfaltung der Persönlichkeit", was der reinste Zynismus ist. Typisch für diese 'Persönlichkeitsentfalter' ist auch ihre Gier nach Macht im Staate und Einfluß in der Öffentlichkeit. Diese Gier hört selbst dann nicht auf, wenn solche Zeitgenossen senil geworden sind.

 

Nicht das Machtstreben als solches ist böse und verwerflich, sondern nur die Gier nach Macht und Ansehen, die sich auch in der Ruhmsucht (cupiditas gloriae) und dem 'eitlen Ruhm' zeigt. Viele vermeintlich berühmten Persönlichkeiten, die auch ständig 'von sich reden machen' und über Dinge reden, von denen sie überhaupt nichts verstehen, sind in Wirklichkeit minderwertige Personen und durch und durch verlogen. Sie reden oft und bei jeder Gelegenheit von "Frieden und Freiheit" (oder auch umgekehrt), aber meinen persön-lichen Machtbesitz auf Dauer und Machterweiterung für sich selbst und ihre Freunde und Anhänger. Das ist eine ganz besondere 'Rasse' in der menschlichen Gesellschaft. Nur ein aufmerksamer Beobachter, der auf Distanz geht und ihre Reden kritisch wägend auf die Goldwaage legt, durchschaut diese Leute. Die Hl. Schrift nennt sie die "Mächtigen der Erde", die im übrigen nicht immer nur vereinzelt auftreten, sondern auch im Kollektiv; sie sind untereinander 'Kollegen' und gleichsam Parteigenossen der gleichen Partei, auch wenn diese keinen Namen trägt und kein Emblem (sinnbildliches Hoheitszeichen) besitzt. Schon dieser Umstand erschwert vielen das Erkennen dieses internationalen Kollektivs mit seinen Ausläufern (excursatores) und Anhängseln (assectatores) im nationalen Bereich. Dieses Kollektiv der "Mächtigen der Erde" manipuliert auch nach Belieben die an sich vom Volke, d.h. von einem Volks-Ganzen, ausgehende autoritäre Staatsgewalt. Wenn in einem demokratischen Staatswesen Bürger und Bürgerinnen freiwillig oder auch unfreiwillig zur Wahl gehen und ihr Kreuzchen auf einem Stimmzettel machen, dann üben sie keineswegs Macht aus, wie ihnen windige Leute ständig einzureden versuchen, sondern sie delegieren Macht an andere, die sie in der Regel gar nicht kennen...und dann fragt es sich eben, an wen oder was – letztlich? Etwa an die "Mächtigen der Erde", um sie auch weiterhin zu stärken (anstatt sie zu schwächen)?? Der Mensch ist ein 'Gewohnheitstier', sagt ein Sprichwort; er gewöhnt sich sogar an moralisch übelste Dinge in Staat und Gesellschaft, weil er glaubt, er könne als Einzelmensch nichts dagegen tun; er überlegt sich gar nicht, was wohl wäre und mit ihm geschehen könnte, wenn alle so denken würden. Solche 'Gewohnheitstiere' glauben ebenfalls an die propagierte Gewaltlosigkeit, obwohl sie ständig mit Gewalttätigkeit konfrontiert, ja sogar in sie hineingezogen werden. Dann aber ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Mittäterschaft. Sind sich unter den 'lieben Christen' die vermeintlich Gewaltlosen, die immer auch vom Frieden reden, darüber im klaren? Es gibt leider auch unter den Christen gemein-gefährliche Illusionisten, die dem Bösen nicht bloß Raum geben, sondern es regelrecht anziehen, gleichzeitig aber auf ihren Friedensposaunen blasen. Diese Heuchler fürchten zwar den Krieg, nicht jedoch das Böse und das Unrecht, und ziehen dadurch die Strafgerichte Gottes auf sich und die anderen, die von ihnen (nicht jedoch von Gott) in Mitleidenschaft gezogen werden. Denn der Mensch ist ein Gesellschaftswesen, das nicht außerhalb der Gesellschaft existiert, die sich, wie schon gesagt, zwischen Gewalt und Gewalttätigkeit bewegt. Mit 'Mitmenschlichkeit' (ein konfuser Begriff) läßt sich in ihr nichts ordnen und auch nicht Recht schaffen. Denn dies ist nur im recht verstandenen Sinne "gewaltsam" möglich. Klare Unterscheidung der Dinge tut not, um Konfusionen und Phantastereien zu vermeiden.

 

In diesen Zusammenhängen muß heute auch darauf hingewiesen werden, daß sich die alte augustinische Lehre von den "zwei Schwertern" (Kirche und Staat) schon lange (seit über 200 Jahren Kirchengeschichte) als irreal, utopisch und falsch erwiesen hat. Dies läßt sich leicht nachweisen. Nur eine katholische Traditionalistengruppe in Rom (!), die die Existenz der "römischen Konzilskirche" immer noch nicht zur Kenntnis nimmt und offensichtlich von der römisch-katholischen Diaspora-Kirche gar nichts weiß, hat die 'zwei-Schwerter-Hyp-othese' wieder ausgegraben und glaubt frommen Glaubens, mit Hilfe derselben die heutigen Situation von "Kirche und Welt" in Staat und Gesellschaft begreifen und durchschauen zu können. – (Siehe die Traditionalisten-Zeitschrift "Rom-Kurier", November 1992, deutsche Ausgabe. Schon die Überschrift des langen Artikels "Die Perversion der Macht – die der Kirche mit eingeschlossen" läßt eine große Konfusion erahnen. Denn die Kirche Jesu Christi hat absolut keinen Anteil an der "Perversion der Macht". Es ist schon ein Kreuz mit den 'kirchengläubigen' Traditionalisten ohne echte kirchliche Überlieferung.) –

 

Heutzutage beschreiten die noch orthodox-katholischen Christen mit der Hilfe des HAUPTES und HERRN der Kirche ganz andere Erkenntniswege als die 'gewöhnlichen', da sie auch die "Mächtigen der Erde" immer deutlicher erkennen. Diese Katholiken sind in Sachen "Kirche" und ihres jeweiligen Zustandes weder Idealisten noch Utopisten, weder Optimisten noch Pessimisten, weder naive 'Gläubige' noch Glaubensirre, aber auch keine Fanatiker oder Zeloten, sondern kritische Realisten, die noch wissen, was es mit der uralten und von allen Seiten gefährdeten Ecclesia militans "in dieser Welt" des Menschen, d.h. des ganzen Menschengeschlechts, wirklich auf sich hat und welche Stellung (dispositio in loco) ihr von Christus dem HERRN zugewiesen wurde. Diese Sach- und Lebenslage ist eine stetig dauernde (per-manens) und ändert sich auch nicht in ihrer Substanz. Nur der Tod kann dem ein Ende machen, und dieser bezieht sich sowohl auf das physische als auch auf das geistige Leben aller Glieder der Kirche, die zugleich auch ihre Träger sind, sofern die ein bestimmtes Alter erreicht haben. Hierbei spielt vor allem die Familie, wenn sie als eine christliche gegründet wurde, eine bedeutende Rolle, da sie als Familie ein Gesellschaftsphänomen und ihrem Wesen nach die Ur-gesellschaft schlechthin ist. Darum betreibt auch der (jeder) Staat aus Zweckmäßigkeitsgründen zum eigenen Nutzen 'Familienpolitik' und mischt sich dabei sogar in gewisse familiäre Angelegenheiten ein, die ihn überhaupt nichts angehen, da er nur das Gemeinwohl seiner Bürger und 'Volksgenossen' zum Gegenstand hat. Das Wohl der Familien als solcher ist ihm an sich gleichgültig, der Kirche jedoch grundsätzlich nicht. Denn die christlichen Familien sind ihre kleinsten 'Zellen' und ihre erste Trägerschaft; ohne diese, auch untereinander verbundenen Zellen, hört die Kirche auf, in der Gesellschaft zu existie-ren; an ihre Stelle treten dann 'christliche Sekten', große und kleine, die ein verqueres Eigenleben führen; diese stehen außerhalb der Ecclesia Militans und gehören nicht zu ihr; der 'moderne Staat' behandelt sie in der Regel unterschiedslos wie alle anderen Gesellschaftsgruppen.

 

Die "Mächtigen der Erde" als Vorläufer des Antichristen

 

Die "Mächtigen der Erde" haben jedoch nicht die Macht und Gewalt, alle Christen auszu-rotten und vom Erdboden zu vertilgen, auch wenn sie das so gerne möchten und dafür alles tun, gleichgültig ob auf blutige oder unblutige Weise. Schon ein Nero und Domitian, wie auch andere 'Gewaltherrscher' von der gleichen Kategorie, haben dies in ihrem Herrschafts-bereich nicht erreicht und sind letztendlich gescheitert. Nur der Antichrist, der bekanntlich eine historische Persönlichkeit sein wird, hat hier, wenn man so sagen will, eine reale Chance – nicht jedoch seine 'Vorläufer', die zu gewissen Zeiten und so auch heute wieder einmal Hochkonjunktur haben. Von diesen Zeitgenossen aber gibt es eine Menge, die sich zwar im Dunkeln oder verdeckt zu halten suchen, dennoch aber eindeutig erkennbar sind, angefangen bei ihrer Sprache, die sie ziemlich einheitlich verwenden und dabei mit System "politische Sprachregelung" betreiben, die zunächst den Zweck hat, daß möglichst viele Mit-menschen bestimmte Worte ständig gebrauchen und sie ihnen einfach nachplappern, ohne nach ihrem eigentlichen Sinn zu fragen. (Der Mensch ist von Natur aus ein geschwätziges Wesen und redet selbst dann noch, wenn er besser schweigen sollte.) Dazu gehören auch die zu vielen Mißverständnisse führenden und nie eindeutigen sog. 'Schlag-worte', die bekanntlich 'einschlagen' und dann das Gemüt bewegen, aber nicht den kritischen Verstand, wie z.B. Freiheit, Friede, Mitmenschlichkeit, Gewaltverzicht, Toleranz, Menschenwürde etc. usf.. Dies alles wird bereits den Schulkindern von den beamteten oder auch nicht beamteten 'Lehrern des Volkes' bei jeder Gelegenheit eingehämmert, obwohl Kinder und Jugendliche die Problematik solcher Sachverhalte gar nicht begreifen können; sie werden mit Schlagworten indoktriniert, so daß sie später aus diesem Wust nicht mehr herausfinden. Auch das sich auf die sog. 'öffentliche Meinung' beziehende politische Schlagworteprogramm hat zum Zweck: durch geistige Überforderung vieler zur Konfusion im Denken zu führen, was immer Ohnmacht im sittlichen Tun und Sichverhalten zur Folge hat, so daß der Mensch als Gesellschaftswesen leicht in jede beliebige Richtung hingelenkt, ja hingestoßen werden kann. Wer ständig z.B. von Gewaltlosigkeit redet und eine solche Haltung als besonders human propagiert, der verschweigt, daß prinzipieller Gewaltverzicht nicht Frieden schafft, sondern Unrecht begünstigt und sogar erzeugt. Politische Schlagworte vernebeln nicht bloß das Denken vieler, sondern sind gemein-gefährlich. Dies gilt auch für religions-politische Schlagworte, z.B. "Religionsfreiheit". Und wie weit muß wohl schon eine Gesellschaft oder auch ein Staat degeneriert sein, wenn 'Gewaltverbrecher' für sich selbst und nicht ohne Erfolg sogar Toleranz fordern können?! Was ist das wohl für eine seltsame demokratische Staatsgewalt, die auch so etwas sogar begünstigt (zu wessen Wohle eigentlich?) und dadurch eindeutig und unverkennbar ihre Macht mißbraucht? Die Kirche steht dem wie machtlos gegenüber; das spüren alle ihre Glieder, sofern sie nicht im religiösen Sinne tot sind.

 

Es hatten sich schon seit langem sogar Katholiken angewähnt (und zwar zuerst die mit höherer Schulbildung) kritiklos und leichtfertig von 'Kirchen' (im Plural!) zu reden und zu schreiben, so als ob es sich bei ihnen um gleichwertige (wenn auch nicht um bereits gleichrangige) Gebilde in Staat und Gesellschaft handeln würde, die sich nur äußerlich voneinander unterscheiden. Der vermeintlich (!) 'neutrale Staat' mit seiner 'Kulturhoheit' mischt sich in diesen Unheilsprozeß nicht ein, da es ihm gleichgültig ist, nach welcher Fasson die Leute (seine Staatsbürger) selig werden wollen, falls sie dies wünschen und welche 'Kirchen' sie dabei bevorzugen. Im Unterschied zu diesen Katholiken aber gab es auch solche, die, wie manche Nichtkatholiken, in Anlehnung an die offenkundige pluralistische Gesell-schaft von einer 'pluralistischen Kirche' phantasierten, die immer schon und sogar von Anfang an bestanden haben soll. Die reale Folge von alledem aber war, daß die Ek-klesia Jesu-Christi 'in dieser Welt' (die bekanntlich im argen liegt) auch von kath. Christen nicht mehr kognitiv erfaßt und durch deren Anpassung an die 'Welt' einem allgemeinen Ver-dunklungsprozeß, der überall festzustellen war, mit-ausgesetzt wurde. Dies geschah nicht plötzlich und spektakulär, so daß viele aus ihren religiösen Gewohnheiten (besonders ausgeprägt in dem fürchterlichen 'Milieukatholizismus') hätten aufwachen können, sondern allmählich und ohne Aufsehen. Vielleicht liegt gerade in diesem schleichenden und vieles verdunkelnden Unheilsprozeß der Grund, weswegen sich das oberste kirchliche Lehramt, soweit wir sehen können, nie zu dieser Sache geäußert hat, obwohl sie die kath. Kirche auch von innen heraus (nicht immer nur von außen her) bedrohte. Auch das typisch katholische Wort von der "Mutter Kirche", das vor allem Kleriker ständig im Munde führten, wurde zum Schlagwort und verlor seine ursprüngliche Bedeutung.

 

Viele gebildete kath. Laien (in der Regel Männer) hatten ständig den Eindruck, daß das kirchliche Lehramt in seinen Trägern, das doch ein Machtfaktor besonderer Art ist, den es nirgendwo sonst in der Gesellschaft gibt, in einen Tiefschlaf gefallen sei und die eigentlichen Übel und wirklichen Gefahren im kirchlichen Gesellschaftsbereich gar nicht kannte oder auch verkannte, weil es auch durchaus falsch informiert war. Es ist jedoch im Menschen-geschlecht kein Machtträger (auch kein kollegialer) immun gegen falsche Informationen und zielgelenkte Desinformationen. Dies gilt auch für das kirchliche Lehramt; denn es schwebt nicht über den Wolken und bewegt sich nicht im luftleeren Raum; vielmehr ist es ein Grundelement (elementum fundamentale) der Kirche 'in dieser Welt', zu der es 'quer steht', hart und unbeugsam. Hier stellt sich n.b. zwangsläufig die Frage: warum wissen so viele Christen nicht mehr, daß die Wahrheit, und zwar sowohl die natürliche als auch die übernatürliche, nie tolerant ist und sein kann, da sie das Unwahre absolut nicht duldet und immer von sich ausschließt, weil dieses nicht zuletzt auch den Menschen versklavt? Es führt ein gerader Weg von der Unwahrheit zu Machtmißbrauch und Unterdrückung, Psychoterror eingeschlossen. Denn Wahrheit und Macht stehen in Korrelation. Darum ist für alle Gewalt-tätigen jeglicher Art die Wahrheit ein Greuel und der Erzfeind, den es zu vernichten gilt. In der Gewalttätigkeit spiegelt sich die 'menschliche Destruktivität', besser: die Gewalttätigkeit eines degenerierten Menschseins, das immer destruktiv ist. Die sog. "freiheitliche Demo-kratie" (ein im übrigen inhaltsleeres Schlagwort) steht dem hilflos gegenüber. Das ist es, was viele Leute von heute so ängstigt, so daß sie anderswo Zuflucht suchen. Man kann sie als anthropologische Asylanten bezeichnen, die ständig nach irgendwohin unterwegs sind, aber in Wirklichkeit nicht wissen wohin und dann einer gefährlichen Frustration anheimfallen. Christen sollten heutzutage wissen, daß der Teufel mit seiner Gefolgschaft noch nie Information betrieben hat oder als Informant aufgetreten ist; vielmehr verwirrt er die Dinge und verführt, d.h. er führt zuerst und immer von der Wahrheit weg, damit sie nicht mehr klar erkannt und sicher ergriffen werden kann. Dadurch aber gerät der Mensch in einen Schwebezustand zwischen Wahrheit und Unwahrheit, so daß er den Boden unter den Füßen verliert und sich Ohnmacht breit macht.

 

Jeder religiöse Mensch, auch der einfachste, weiß und kennt die Wahrheit: wenn Gottes-furcht im Zusammenleben der Menschen schwindet, dann stellt sich brutalster Machtmiß-brauch ein, so daß auch eine ganze Gesellschaft gewalttätig werden kann, nicht bloß einzelne Leute oder Gruppen. Die Völker spielen hier fast gar keine Rolle, weil eben nicht alle Gewalt vom Volke ausgeht (sondern nur die Staatsgewalt), wohl aber und nur vom Menschen in seinem konkreten Dasein. Dies jedoch macht die Sache im wahren Sinne des Wortes zwie-lichtig, so daß sie von vielen gar nicht durchschaut wird; sie meinen immer nur, sie wüßten Bescheid und niemand könne ihnen etwas vormachen. Warum aber fallen sie dann auf die "Mächtigen der Erde" so leicht herein, laufen ihnen nach und liegen vor ihnen gebeugten Hauptes im Staube? Wer kennt nicht solche Zeitgenossen in seiner näheren und weiteren Umgebung, die einem das Fernsehen sogar wahrnehmbar (nicht bloß hörbar) ins Haus liefert? Fürwahr, nicht nur die Welt ist kleiner geworden, sondern auch der Mensch, von dem allein alle Gewalt ausgeht, indes wiederum nicht alle Macht, da er ein Geschöpf ist, das nicht aus sich selbst existiert. Der Mensch zwischen Macht und Ohnmacht – das ist heute das Problem schlechthin, vor welches sich viele und insbesondere Christen gestellt sehen und sich dabei doch ziemlich hilflos vorkommen. Ohnmacht im menschlichen Dasein ist nicht Machtlosigkeit, sondern das Äußerste einer Schwäche, die nach Leblosigkeit und Verwesung riecht. Immer kommt der sich in der "Hoffart des Lebens" austobende Hochmut vor dem Fall, auch in der Kirche. Denn diese ist ebenfalls eine Lebensform gesellschaftlicher Existenz. Leben aber ist zielgerichtete Bewegung, nicht jedoch apathische Erstarrung oder ziellose Chaotik. Außerdem nutzt es gar nichts, immer nur 'Herr, Herr' zu rufen oder Gebete zu murmeln, die der 'liebe Gott' nicht hört.

 

Die "Kirchen im Plural", von denen in der Öffentlichkeit ständig geredet wird und was zum großen Teil auf Desinformation durch die sog. 'freie Presse' beruht (nicht bloß auf dummer Angewohnheit der Leute), haben, kennen und anerkennen kein kirchliches Lehramt, und schon gar nicht ein allgemeines, das die strenge Pflicht hat, mit Macht die Wahrheit zu lehren, einschließlich der zum Heil notwendigen, und zwar allen Menschen, nicht allein den Christen. Das ist sein Auftrag, dem es nachzukommen hat. Die "Kirchen" jedoch sind abhängig von ihren 'Theologen', ihren 'Schriftgelehrten' und ihren 'Weisheitslehren', die ebenfalls in Wort und Schrift Macht ausüben. Diese freundlichen 'Kirchenmitglieder' sind nicht machtlos oder gar der Macht abholt; dafür sorgen schon ihre Anhänger und vor allem diejenigen, die sie bestellt haben und sie für ihre Arbeit auch bezahlen; sie sind weder versponnene Stubengelehrte noch in sich gekehrte Einsiedler, an denen die 'schnöde Welt' vorbeirauscht. Der Mensch ist nun einmal kein Einzelgänger, sondern ein Gesellschafts-wesen, das in vielförmigen Gemeinschaften lebt, die untereinander allerdings nicht gleich und erst recht nicht gleichwertig sind. Über das bei den "Kirchen im Plural" fehlende kirchliche Lehramt sollte sich kein Katholik täuschen, sonst fällt er auf pseudokirchliche Lehramte und ihre Träger herein, die außerhalb des einen und allgemeinen kirchlichen Lehramtes stehen und es nur imitierten. Ein pseudokirchliches Lehramt lehrt nicht im eigentlichen Sinne, d.h. es führt nicht im Rahmen der heilnotwendigen Wahrheiten der göttlichen Offenbarung die Unwissenden zu einem echten Wissen und die Irrenden zu wahren und sicheren Erkenntnissen, sondern es 'verkündet' immer nur etwas, sendet 'Botschaften' an Krethi und Plethi und 'theologisiert', anstatt auf religiösem Gebiet das Wahre vom Unwahren klar und deutlich zu unterscheiden. Die Kirche verlöre ihr Existenz-recht, wenn sie nicht durch ihr Lehramt mit Macht und göttlicher Autorität wirklich lehrt, d.h. das allein Wahre in vielfacher Beziehung möglichst vielen Menschen (Gläubigen und Ungläubigen) zumindest erkennbar macht. Die Macht der Wahrheit tritt im Lehren in Erscheinung, wenn das zu Lehrende und das Gelehrte wahr ist. Eine Enzyklika ist kein Rundbrief zum Zwecke der Information oder einer Meinungskundgabe, sondern ein autoritatives Lehr-Schreiben, um auch das Unwahre zu fixieren, wenn es sein Haupt erhoben hat. Seit 1958 aber schreiben sogar Nicht-Päpste Enzykliken. Wir kennen keinen orthodoxen Katholiken, der diese Personen ernst nimmt oder sich von ihnen belehren läßt. So manche aber täten gut daran, ihre 'Sendschreiben' erst gar nicht zu lesen, wenn sie keine zureichen-den theologischen Kenntnisse besitzen. Man muß orthodoxe Katholiken davor warnen. Denn sie enthalten nicht nur offene, sondern auch verdeckte Häresien. Außerdem kann man sich leider auch an ein "Leben in der Häresie" derart gewöhnen, daß man das Häretische selbst nicht einmal mehr bemerkt.

 

Die von allen Seiten gefährdete Ek-klesie Jesu-Christi ist weder eine "Volkskirche", da sie kein Fundament in einem Volke hat, auch wenn sie viele Volksangehörige als Mitglieder besitzt (die Sache mit den 'Volkskirche', von denen auch Theologen reden, ist nachgerade ein Witz), noch eine "Staatskirche" (Cäsaropapismus), weil Kirche und Staat grundverschiedene Realitäten im menschlichen Leben sind, sondern ein reales (nicht bloß ideelles) Gesell-schafts-Gebilde eigener Art, das sich von allen anderen Gesellschaftsformen unterscheidet, einschließlich der Familie. Deshalb gibt es auch keine kirchliche Familie oder 'Kirchen-familie', von der selbst heute noch so manche Kleriker träumen. Diese machten auch, und was für sie typisch war, aus der "Mutter Kirche" (einem religiösen Begriffswort) eine 'Kirchen-Mutter', der allerdings der 'Kirchen-Vater' fehlte. An seine Stelle traten dann viele 'Väter' (Patres) in der angeblichen kirchlichen 'Groß-Familie'. Auch auf diese Wiese wurde im Laufe der Zeit, gleichgültig ob bewußt oder unbewußt, ein genuines Gesellschafts-Gebilde mehr und mehr aufgelöst und verlor seine Stabilität im sich wandelnden Gesellschaftsprozeß. Man muß sich nur einmal den 'Milieukatholizismus' oder irgendein anderes schwindsüchtiges "Milieuchristentum" vor Augen führen, um dies zu erkennen. Die vom Pluralismus gezeichnete 'moderne Gesellschaft', die sich mit allen ihren Gruppen zwischen Volk und Staat bewegt, ist keine geschlossene, sondern eine nach allen Seiten hin offene und zudem noch eine solche, in der zentrifugale Kräfte wirken, die hart aufeinander prallen. Das ist eine Art 'humanitärer Konkurenzkampf', den man auch als 'verdeckten Krieg' bezeichnen kann, und in dem die "Mächtigen" immer auch um die Gunst des Volkes buhlen, wohl wissend, daß das 'gemeine Volk' nicht bloß Brot (sattes Leben), sondern "Brot und Spiele" verlangt. Auf dieser Klaviatur haben schon die römischen Cäsaren und ihre Günstlinge gespielt, allerdings nur in einem beschränkten Ausmaß. Heute steht den "Mächtigen der Erde" die ganze Welt offen; es gibt für sie keine natürlichen Grenzen mehr. Wer aber steht ihnen dann gegenüber? Etwa die "Kirchen"? Das wird doch wohl niemand ernsthaft behaupten wollen. Wenn aber nicht die "Kirchen", wer oder was dann? Etwa die Christen, die trotz ihrer Veilzahl nicht einmal in der pluralistischen Gesellschaft eine maßgebliche Rolle spielen, geschweige denn eine ein Staats-ganzes prägende? Es ist verständlich, wenn heutzutage auch kath. Christen fragen: wo eigentlich ist die Kirche und was ist aus ihr geworden? Dies jedoch ist ein falsche Frage-stellung, die, wie jede falsche Fragestellung, immer nur Verwirrungen schafft. Man kann auch nicht fragen: wo ist die Gesellschaft? Denn diese besteht nur aus relativ großen und kleinen Gruppen (die Familie ist keine Gruppe), die verschiedenen Tätigkeiten nachgehen und auch verschiedenen Bildungsschichten zugeordnet sind, von den Hochgebildeten bis zu den Ungebildeten, die sich untereinender nicht einmal verstehen, auch wenn sie die gleiche Muttersprache sprechen.

 

Der Begriff 'Gesellschaft' ist ein Kollektivbegriff, genauso wie 'Wald': darum gibt es Leute, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Ähnlich verhält es sich mit der Kirche, die nicht außerhalb der Gesellschaft existiert, sondern in ihr, da sie selbst ein Gesellschafts-phänomen ist, indes ein Sozial-Gebilde eigener Art, weil dessen Wurzeln weder in der Familie (Ur-gesellschaft) noch im Volke (auch nicht in einem besonderen Volke) liegen, sondern allein in der christlichen Religion vieler Einzelmenschen (einer unbestimmten Zahl), und zwar einer Religion, die wiederum nicht 'von dieser Welt' ist. In diesem Sinne ist der Christ ein jenseitiger Mensch, kein diesseitiger, d.h. er paßt sich dieser Welt, in der er lebt, nicht an und "steht quer" zu ihr, ohne jedoch weltflüchtig zu sein, ein Eremitenleben zu führen und dem Treiben in der Gesellschaft tatenlos zuzusehen. Es ist sinnlos, zu fragen, wo ist die Kirche; man sollte lieber fragen, was ist aus den vielen 'lieben Christen' geworden und zu welchen Zwecken lassen sie sich mißbrauchen? Der Mißbrauch von Menschen, der auf die verschiedenste Weise getätigt werden kann, aber geschieht immer durch gewalttätige Leute in ihrer unersättlichen Gier nach Macht. Solche Menschen sind in ihrem psycho-physischen Charakter ruhelos, reden viel, sind ständig tätig (aktiv) und handeln eiskalt. Mit Liebe und Gewaltlosigkeit ist ihnen nicht beizukommen – und das wissen sie! Was sind das wohl für 'friedliebende Christen', die da glauben, sie könnten aus der menschlichen Gesellschaft aussteigen, die sich, wie schon gesagt, immer zwischen Gewalt und Gewalttätigkeit bewegt? Sie glauben an 'politische Lösungen', Kompromisse und Ausgleich mit den Gewalttätigen, haben aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, wie man sogar an ihren Gesichtern feststellen kann.

 

Die Ek-klesia Jesu-Christi hat als einheitliches und geordnetes Gesellschafts-Gebilde bereits durch ihr bloßes Dasein Macht, von der sie in vielfacher Beziehung aber auch Gebrauch machen muß, um nicht 'in dieser Welt' in Ohnmacht zu versinken. Das Problem besteht hier nur im "Wie" (wie Gebrauch zu machen ist) und mit welchen Mitteln dies zu geschehen hat. Nicht jedes Mittel, das beim Machtgebrauch verwendet wird, ist dafür geeignet. Der "Dialog" z.B., von dem seit vielen Jahren jeder politische Schwätzer redet, ist das ungeeignetste Mittel. Denn jeder halbwegs vernünftige Mensch und 'Christenmensch' weiß, daß mit den "Mächtigen der Erde" und den Gewalttätigen in der Gesellschaft kein Dialog geführt werden kann. Diese lachen nur über dieses zum Schlagwort gewordene Wort und grinsen. Christus hat bekanntlich mit niemandem Dialoge geführt, sondern mit Macht gelehrt und Wundertaten vollbracht, was auch den Haß zur Folge hatte. Heutzutage muß man in diesem Zusammenhang auch auf folgendes hinweisen: wenn in einem noch leicht überschaubaren Gesellschaftsbereich Christen von Nichtchristen (die nicht gleich Atheisten zu sein brauchen) nicht bloß toleriert, sondern besonders hochgeschätzt oder sogar geliebt werden, dann stimmt etwas nicht mit diesen Christen, dann ist schon 'vieles faul um Staate Dänemark'. Unter der NS-Herrschaft gab es keine Christenverfolgung, aber nur deswegen nicht, weil bereits nach 6 Jahren der Krieg (Schießkrieg) dazwischen kam, der gewisse Pläne vereitelte, die nur wenigen bekannt waren. Nicht nur die sog. "Deutschen Christen" vertrauten irrigerweise darauf, nicht als eine "fremde Rasse" betrachtet und behandelt zu werden. Heute jedoch ist die Situation für echte Christen nicht weniger gefährlich geworden. Denn es gibt auch eine Christenverfolgung auf 'kaltem Wege', die Ähnlichkeit mit dem "Kalten Krieg" hat, der allerdings jederzeit in einen "Heißen" übergehen kann. Die "Mächtigen der Erde" können eine "kalte" Christenverfolgung auch international organisieren. Anzeichen dafür gibt es bereits und nicht erst seit dem Vatikanum2. Der 'einfache Gläubige' in seiner Naivität erfaßt das nicht, weil er in der irrigen Meinung lebt, die Kirche sei nur eine 'Glaubensgemein-schaft'. Wer hat ihm diesen Unsinn von Jugend auf suggeriert? Das war sicherlich nicht der Teufel, wohl aber seine Gefolgschaft in den Völkern und Nationen.

 

Kirche zwischen Macht und Ohnmacht

 

Als Gesellschaftsgebilde eigener Art, das kein "Gottesstaat" ist, von dem die Augustinisten träumten, bewegt sich die Kirche Christi in allen ihren religionsmündigen Gliedern niemals zwischen Gewalt und Gewalttätigkeit (bis hin zur Brutalität), sondern immer nur zwischen Macht und Ohnmacht. Dies zeigt sich auch an der Tatsache, daß ihr die Zwangsgewalt (vis coactiva) des Staates fehlt, so daß sehr oft der trügerische Eindruck entsteht (aber nicht bei ihren Feinden!), sie sei im Grunde machtlos und damit auch wehrlos. Ein solcher Eindruck jedoch erzeugt bei nicht wenigen zuerst Mutlosigkeit, die bis zur Selbstaufgabe reichen kann. Indes sind auch in der Kirche die Mutlosen noch lange keine Feiglinge und damit moralisch defekt, sondern Schwächlinge, denen bereits das Rückgrat gebrochen wurde. Inder Regel ist es auch aussichtslos, dieses psycho-physische Übel noch heilen zu wollen, insbesondere wenn es viele wie eine unheilbare Krankheit befallen hat. Es ist nicht wahr, wenn von 'schlauen Füchsen', die in der Kirche herumschleichen, den 'lieben Gläubigen' suggeriert wird, die Guten seien immer schwach, die Bösen hingegen immer stark und im Besitz der Macht. Die Kirche entbehrt zwar der Zwangsgewalt, die das 'Schwert' in der Hand hält, aber dennoch nicht aller Gewalt, so daß auch die Schwachen davon profitieren und dafür wenigstens dankbar sein sollten. Sind sie das oder nur Schmarotzer? Doch warum glauben dann so viele Katholiken, sie würden außerhalb der sich ständig wandelnden Gesellschaft stehen, in der sie leben? Sie merken offensichtlich gar nicht, wie sehr sie den Eindruck einer amorphen Gesellschaftsmasse machen mit ihren Gruppen und Grüppchen, ähnlich den politischen Randgruppen oder 'Splitterparteien' im Staate, die niemand ernst nimmt. "Katholikentage" und andere "Kirchentage" entpuppten sich schon lange unverkennbar als Demonstrationen 'organisierter Konfusität' im Gesellschaftsprozeß. Dafür sorgten schon die sog. Basisgruppen, die in "Kirche konkret" (ein bekanntes Schlagwort) machten. Auch das Massenfernsehen tat sein Bestes und seinen Senf hinzu, wie schon während des Vatikanums 2, an dem auch Nichtkatholiken beteiligt waren. Ist es denn nicht merkwürdig, daß so viele 'Kirchengläubigen' von alledem nichts wissen oder davon noch nie etwas gehört haben wollen? Man kann auch aus Gewohnheit seine 'heilige Einfalt' pflegen. Es sind jedoch nicht alle Glieder der Kirche dumme Einfaltspinsel, die im übrigen allesamt zur Massengesellschaft der 'Volkskirchen' gehören und dort beheimatet sind.

 

Die dynamische Lebenslage der Kirche Christi zwischen Macht und Ohnmacht schließt Machtlosigkeit aus. Das wissen alle ihre Feinde, sonst würden sie ja gar nicht gegen sie kämpfen und sie einfach links liegen lassen (bestenfalls). Auch der böse und sittlich verwahrloste Mensch kämpft nicht gegen Machtlose und Schwache, sondern er benutzt sie nur für seine Zuwecke, und wenn ihm dies gemäß seiner Absichten nicht gelingt, dann quält er sie und wird zum Sadisten. Der Sadismus aber hat viele Gesichter, auch unblutige, wie z.B. den Psychoterror. Für die Feinde der Kirche sind echte und unbeugsame Christen, da diese einen Machtfaktor in der Gesellschaft darstellen, ein Greuel, d.h. eine abscheuliche Sache, und ein ständiger Stein des Anstoßes, den es mit allen Mitteln auszuschalten gilt. Diese Mittel müssen nicht immer sofort gewalttätige und brutale sein, denn 'das geht auch anders', wie doch bekannt sein sollte. Nun aber gibt es eine Menge, sich Christen nennende, nette Leute und Mitbürger, die das allen bekannte Macht- und Wahrheits-Wort Christi "wer nicht für Mich ist, der ist gegen Mich" einfach nicht verstehen wollen, sich ihm schlau entziehen und ihm deshalb auch ständig in ihrem Leben ausweichen. Wer kennt nicht solche Existenzen, die sich in allen Schichten und Klassen der Gesellschaft finden, einschließlich der 'Kirchen'? Ein wirkliches und wahres "Für-IHN-Sein" aber bedeutet dauernden Kampf, und zwar sowohl geistigen als auch ggf. physischen, solange ein Christ lebt und bei Bewußtsein ist. Denn der Mensch ist kein 'reiner (immaterieller) Geist', sondern im Gegensatz zum Tier ein Lebewesen, das Vernunft und freien Willen besitzt.

 

Darum ist der menschliche Kampf in seinem Wesen immer überlegt und freier Macht- und Gewalt-Vollzug, entweder zum Guten oder zum Bösen, zum Wohle oder zum Schaden, zum Ehrenhaften oder zum Unehrenhaften (Ruchlosen) etc.. Warum wohl wird auch von sog. 'Friedenschristen' Gewaltlosigkeit und Gewaltverzicht propagiert, obwohl sie doch genau wissen, daß es menschliches Leben ohne harten Kampf nicht gibt und daß eine "gewaltfreie Gesellschaft" gar nicht existieren kann und auch noch nie existiert hat? Sind diese Leute so dumm oder tun sie nur so? Das ist hier die Frage! Die Brutalisierung der Gesellschaft, die bis in die Familien hineinreicht, wird doch nur durch Pansexualismus, Habgier, allgemeine Unmoral, Weckung sinnloser Bedürfnisse (die als Anspruchsdenken verharmlost werden), zur Schau gestellte Unzucht und Schamlosigkeit etc. angeheizt. Der Satz in einer sich demokratisch und freiheitlich nennenden Staatsverfassung "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ist der reinste Etikettenschwindel. All dem gegenüber aber steht dann die Kirche Christi zwischen Macht und Ohnmacht, indessen niemals kampflos. Das wissen alle ihre Glieder, sofern sie im religiösen Sinne noch nicht tot sind. Im übrigen stellt kein echter Christ die sinnwidrige Frage: "Bin ich denn der Hüter meines Bruders?" Um jedoch wirklich "Hüter" zu sein, dazu bedarf es allerdings ebenfalls der Macht und Gewalt, es sei denn, man verzichtet darauf und hängt sich selber auf. Im Anblick vieler ist heute der 'kämpfende Christ' zu einer Witzfigur geworden. Wo schämt man sich noch seiner Schande, die viele genüßlich sehen? Macht, Gewalt und Gewalttätigkeit, die nicht dasselbe sind, bestimmen das Dasein des Menschen (nachdem er das Paradies verloren hat) und halten die mehrschichtige und vielgestaltige Gesellschaft in ständiger Bewegung, so daß sie nie zur Ruhe kommt. Man kann ein Volk, in dem man zufällig geboren ist und dessen Sprache (Kultursprache) man spricht, verlassen und sich einem anderen Volke assimilieren, oder auch aus einem Staate emigrieren und eine andere Staatsbürgerschaft annehmen, niemals jedoch aus der 'mensch-lichen Gesellschaft' aussteigen, da sie in ihren Grundelementen überall gleich ist. Deshalb gibt es auch nur eine Kirche Christi, die in der Vielheit ihrer gesellschaftlich verbundenen Glieder in Erscheinung tritt, welche Einzelpersonen sind, nicht jedoch Familien, Sippen oder Clans. Der Gesellschaftspluralismus und die amorphe Massengesellschaft wie auch die 'Kirchen' verdecken die wahre kirchliche Situation und Lebenslage, so daß sie von vielen gar nicht erkannt wird. Die Katholiken von heute sprechen auch nicht mehr die gleiche (religiöse) 'Muttersprache' und haben untereinander die größten Verständigungsschwierigkeiten, angefangen mit dem Wort "Kirche"; sie und andere reden sogar von 'christlichen Kirchen', so als ob es auch eine nicht-christliche gäbe, z.B. eine jüdische oder eine muslimische oder wer weiß was nicht noch für eine!

 

Der Grund, weswegen die eigentümliche "Macht der Kirche" so oft mißverstanden, miß-deutet, übel verleumdet und sogar für böse gehalten wird, liegt vor allem darin, daß sie mit der Macht des Staates verwechselt und in die Nähe der Staatsgewalt gerückt wurde (gleich-gültig ob bewußt oder unbewußt) und daß viele Leute das Phänomen der Macht nicht begreifen, obwohl sie selbst von 'Macht und Gewalt' Gebrauch machen. Zeitgenossen, die letzteres leugnen, sind impertinente Lügner, die man von sich fernhalten und auch keine Diskussionen mit ihnen anfangen sollte, um nicht in die Lage zu kommen, von ihnen mißbraucht zu werden, was wiederum auf die verschiedenste Weise geschehen kann. Es gibt keinen Menschen, der so abgeklärt ist, um dagegen immun zu sein. "Von deinen Feinden sondere dich ab; von deinen Freunden aber nimm dich in acht!" (Jesus Sirach 6,13). Jeder Christ sollte es doch wissen, daß der Mensch nicht gut ist, sondern zum Bösen neigt. Nur Gott ist gut, hat Christus gesagt. Und deshalb hat auch noch nie ein echter Heiliger von sich selbst behauptet, ja nicht einmal den Eindruck zu erwecken versucht, ein guter Mensch zu sein; vielmehr war er zutiefst vom Gegenteil überzeugt, ohne jedoch in psychopathologische Zustände zu fallen, z.B. in einen durch Gewissensskrupel erzeugten Versündigungswahn. Echte Heilige waren nie Menschen 'wie du und ich' und hätten auch aus bestimmten Gründen die Verleihung eines Friedensnobelpreises abgelehnt, weil sie die "Mächtigen der Erde" kennen. Man stelle sich einmal Christus als Friedensnobelpreisträger vor, um leichter verstehen zu können, was wir meinen. "Ich nehme nicht Ehre von den Menschen entgegen" (Joh 5,41), "Wehe euch, wenn euch die Menschen umschmeicheln (oder hochloben und rühmen); ebenso nämlich haben ihre Väter den falschen Propheten getan" (Lk 6,26). Außerdem ist gegenüber Menschen ein blindes Vertrauen ganz und gar nicht angebracht, und insbesondere dann nicht, wenn sie Machtpositionen innehaben oder hohe öffentliche Ämter verwalten. Indes folgt daraus nicht, nun gegen jedermann mißtrauisch sein zu sollen oder gar argwöhnisch, wohl aber folgt, kritisch und niemals vertrauensselig zu sein, sonst bringt man sich selbst in eine Lebenssituation der Wehrlosigkeit und kann leicht mitbraucht werden. Ähnlich wie mit der Vertrauensseligkeit verhält es sich mit der naiven Gutmütigkeit, die manchen schon zum Verhängnis geworden ist.

 

Daß für viele das typisch menschliche Macht-Phänomen so undurchsichtig ist, beruht nicht bloß darauf, daß Macht mit Gewalt und/oder Gewaltsamkeit verwechselt wird, sondern weil es sich bei der Macht um eine eminent geistige Realität handelt, die bereits mit dem Dasein des Menschen gegeben ist und dadurch auch in Erscheinung tritt. Das Tier als solches besitzt keine Macht, auch wenn es in seinem Dasein noch so stark ist und sogar den Menschen töten oder umbringen kann. Indes vermag es ihn weder auszurotten noch (und dies schon gar nicht) zu ermorden. Denn Mord ist ungerechte Tötung eines Menschen, und auch nur Lügner bezeichnen den Selbstmord als 'Freitod' Niemand hat das Recht, sich selbst oder einen ande-ren Menschen zu ermorden. Gott hinwiederum ermordet niemanden, denn er ist absolut Herr über Leben und Tod und kann somit auch non niemandem zur Rechenschaft gezogen werden, wenn er den Tod des Menschen zuläßt, gleichgültig wodurch dies geschieht.

 

Solange die geistige Realität menschlicher Macht nicht intellektiv-rational erfaßt wird, bleibt sie im Dunkeln und erzeugt eine unbestimmte Furcht, die auch viele ergreifen und in Unruhe versetzen kann. Denn der Einzelmensch ist aufgrund der menschlichen Natur keine solipsi-stische Existenz, sondern zugleich auch ein Gesellschaftswesen, das in Gemeinschaften verschiedenster Art lebt, angefangen mit der Ur-Gesellschaft, nämlich der Familie. Anstatt sich aber von der mit der Macht in Beziehung stehenden unbestimmten Furcht ergreifen zu lassen, sollte man sich doch viel eher vor dem Würgegriff menschlicher Ohnmacht fürchten, weil diese den freien Gebrauch der Macht verhindert und dadurch vor allem der Verwirklichung der Gerechtigkeit und des sittlich Guten den Boden entzieht. Jeder private und öffentliche Despotismus, der sich zugleich auch in einem Mißbrauch der Autorität austobt, ist von der bösen Hoffnung geprägt, daß sich der Mit-mensch dem Zustand der Ohnmacht ausliefert und wehrlos wird bzw. bleibt. Eine "ohnmächtige Kirche" wäre, wenn es sie gäbe, gar nicht fähig, auf dem dornigen und steinigen Wege der Gerechtigkeit zu 'wandeln' und sowohl im moralischen als auch im rechtlichen Sinne Autorität auszuüben zum Wohle vieler, die ihr angehören. Sind sich die 'lieben Christen' von heute darüber im klaren? Oder sind sie nur noch ein Haufen ohnmächtiger Leute mit schlotternden Knien, denen die Feigheit und der bekannte 'feige Friede' (pax obnoxia) im Gesicht geschrieben steht? Wer kennt nicht diese Kompromißler, die sogar Verbrechen und blankes Unrecht, in denen die Gewalttätigkeit ihr Haupt erhebt, tolerieren? Wo sind diejenigen, die, wie auch der hl. Paulus, nur Gott fürchten und sich nicht von 'Menschenfurcht' überwältigen ließen, insbesondere wenn das Gewissen fordert und befiehlt, das gebotene Gute unbedingt zu tun und das verbotene Böse unbedingt zu lassen, aber auch nicht zuzulassen? Heutzutage wird überall von der "Würde des Menschen" geredet, ohne jedoch deutlich zu sagen, worin sie besteht und welches ihre Wahrheitskriterien sind. In dieser dumpfen Atmosphäre bewegt sich heute die angeblich so "freie Gesellschaft in einem freiheitlichen (demokratischen ) Staat" und häuft zugleich riesige Berge von Abfall (Müll) jeglicher Art auf, an dem sie noch ersticken wird. (Die sog. 'Wegwerfgesellschaft' wirft sich letztlich selber weg.)

 

Gesellschaftsprozesse sind keine 'Naturereignisse'; vielmehr sind und werden sie von Menschen verursacht und in Bewegung gesetzt. Die menschliche Gesellschaft ist ein dynamisches Phänomen, das die natürlichen Grenzein eines Volkes oder Volksganzen durchbricht und dieses sogar zerstören kann. Auch die sog. 'Massengesellschaft' in ihrer Negativität kennt keine natürlichen Grenzen und dringt sogar in die Familien ein, so daß viele zerbrechen. Dies jedoch tangiert die Kirche, da diese ja selbst ein Gesellschafts-Gebilde ist, nicht bloß eine 'christliche Glaubensgemeinschaft e.V.'. Sie unterscheidet sich wesentlich, nicht bloß qualitativ, von allen anderen 'Gesellschaften' und "steht quer" zu ihnen, so daß sich bereits von der Natur der Sache her auch erhebliche Reibungsflächen ergeben, weil dabei schon im vor-staatlichen Bereich aufgrund der pluralen Gesellschaft Macht auf Macht trifft. Nichts aber fällt dem Menschen schwerer, als sich der ihm vorgegebenen Ordnung des Rechts und der Gerechtigkeit freiwillig zu unterwerfen, da er von Natur aus zum Bösen neigt und ständig sein Ego beweihräuchert. Selbstlosigkeit, die nicht mit Hilfsbereitschaft verwechselt werden sollte, ist vielen ein Fremdwort. Der Selbstlose nimmt sich selbst in die Gewalt und beherrscht seine Freiheit, indem er sie auf eine ganz konkrete Weise zum sittlich Guten wendet. Der Selbstlose läßt sich für das, was er einer anderen Person tatkräftig und freiwillig gewährt und zuwendet, niemals 'bezahlen' und erwartet auch keine Gegenleistung, ja nicht einmal Dankbarkeit. Der wahrhaft selbstlose Mensch strahlt eine eigentümliche Macht aus. Niemand war selbstloser als Jesus Christus, dem jegliche Selbstsucht fehlte. Darum hält Ihn der dumme Mensch seit eh und jeh für einen Toren. Ein Mensch, der sich selbst nicht zu beherrschen weiß, giert nach Macht und wird in seiner Gier zwangsläufig gewalttätig und geht schließlich auch über Leichen, wie man zu sagen pflegt. Woher kommt es denn, daß man sich in solchen Menschen, die man zu kennen glaubt, so oft täuscht und nicht sieht oder auch nicht sehen will, wen oder was man da vor sich hat? Der allgemeine Mensch (homo generalis) ist nicht mehr der, der er sein könnte und sein soll.

 

(Fortsetzung folgt)
 
(c) 2004-2018 brainsquad.de