56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


Über das Papsttum der Römischen Bischöfe
 
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe, die Eigenart des Apostolischen Stuhles und eine Kirche ohne Papst

von
Prof. Dr. Diether Wendland

II. Fortsetzung

3. Kapitel: Die große Wende von Cäsarea Philippi und die Rangstreitigkeiten
der Apostel

Die Antworten "der Leute" aus dem Volke auf die oben gestellte erste Frage waren allesamt grundfalsch und verwirrend zugleich; das waren nicht bloß "falsche Vermutungen" oder nur harmlose "religiöse Glaubensirrtümer", wie manche Exegeten und Theologen zu interpretieren belieben, weil sie eine einzigartige Situation nicht erfassen, die sich heilsgeschichtlich nie mehr wiederholen wird. Außerdem sah der "Prophet aus Nazareth" in Galiläa (!) überhaupt nicht wie einer von den vermeintlichen Personen aus und verhielt sich auch ganz anders. Ja, es fragte sogar einmal der ehemalige Johannesjünger Nathanael aus Kana in Galiläa: "Kann denn aus Nazareth (überhaupt) etwas Gutes kommen?" (Joh 1,46). - "Die Leute" wußten eben nicht, "wer Er ist und woher Er gekommen war". Dafür sorgten schon die Hierarchen und Synedristen in Jerusalem und ihre Anhänger mit ihren Geifereien und Verleumdungen! Daran aber wird sich auch künftig nichts ändern; im Gegenteil, es wir noch schlimmer werden, so daß Christus bald ermahnend und tröstend zugleich, die Aussage machen wird: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde 1)! Denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben." (Lk 12,32)

Die Antwort des Apostels Simon-Petrus 2) auf die zweite Frage ist sicherlich richtig, aber es läßt sich doch sehr bezweifeln, daß er die nachfolgenden aussagen Christi auch wirklich verstanden hat. Denn dafür gibt es kein einziges Indiz. Im Gegenteil! Er wird kurz darauf seine momentane Stellung als Sprecher und Erster einer erwählten Gruppe mißbrauchen und so sich selbst disqualifizieren, ohne daß ihm dies bewußt wird. Er begriff auch nicht, warum Christus allen Aposteln und somit ihm ebenfalls verboten hatte, irgendjemand zu sagen, "daß Er der Messias sei " (Mt 16,20); denn dies hätte doch nur zu weiteren Verwirrungen geführt durch Aufrühren alter Irrtümer unter den Juden. Außerdem hatten auch die Apostel selbst immer noch eine irrige Auffassung vom verheißenen Messias, wie sich aus dem nachfolgenden Geschehnis ergibt, als Petrus in seiner Anmaßung Christus "zur Seite nahm und ihm Vorhalte zu machen begann" (V. 22) wegen Seiner nun beginnenden (oft-maligen) Aufklärung über den 'wahren Messias' des Leidens und Erlösungsleidens! In dem beschwörenden Protest des Simon-Petrus kam weder übergroße Liebe (wie manche behaupten) noch 'Kleingläubigkeit' zum Ausdruck, sondern blanker Unglaube! Und nur so begreift man die sofortige scharfe Zurechtweisung Christi: "Zurück von mir, Satan (=Widersacher)! Du bist mit ein Ärgernis, denn du denkst nicht das, was Gottes, sondern was der Menschen ist." (V. 23), d.h. was nur im Interesse von Menschen liegt, nämlich die Erringung von politischer Macht und großem gesellschaftlichen Einfluß. Das muß für den Apostel Petrus eine äußerst peinliche Situation gewesen sein, die gewiß auch die anderen mitbekommen haben werden.

Alle Apostel waren schockiert von der Ankündigung Christi: Er werde jetzt ohne große Umwege "nach Jerusalem hinaufgehen, (wo er) von den Ältesten, den Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und (durch einen Justizmord) getötet werden müsse, am dritten Tage aber auferstehen werde." (V. 21) Die Apostel hatten es wohl auch nicht so recht geglaubt, daß man in Jerusalem auf eine Tötung des Nazareners, dieses "Volksverführers", sann; die Frage war nur, wie dies am besten gemacht werden könnte, weil ihnen Christus immer 'entgangen' war. Nach der ersten Leidensankündigung dachte kein Apostel mehr an Christi Erklärung des Bekenntnisses Petri und an die drei Verheißungen für diesen Apostel, der sich zum 'Widersacher' aufgeschwungen hatte.

Bereits in Cäsarea Philippi und dann auf dem Rückweg nach Kapharnaum wurde offenkundig, daß Simon-Petrus immer noch völlig ungeeignet war (trotz seines Bekenntnisses), "Träger des Primats" zu sein (er blieb auch weiterhin nur ein 'primus inter pares'), und daß es selbst für Apostel unvorstellbar gewesen ist, daß aus ihrem verehrten 'Herrn und Meister' ein zu Tode geschundener Messias werden würde - obwohl die Weissagungen des Isaias und anderer Propheten doch nicht gänzlich unbekannt gewesen sein konnten. Zudem kann man auch nicht von einer 'imponierenden' oder gar 'wunderbaren' "Einheit der Zwölf" reden, da die Apostel nach der ersten und unmißverständlichen Leidensankündigung unter sich gespalten waren (wie schon vorher die Jünger nach der Großen Epourania-Rede in Kapharnaum, die sogar zu einem Teil-Abfall führte, nicht bloß zu einer Spaltung). Deshalb rief Christus schon auf dem Rückweg als der wahre Messias "das Volk samt seinen Jüngern (und Aposteln) zu sich und sprach zu ihnen: 'Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme (zuerst) sein Kreuz auf sich und folge mir (dann) nach. - Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren, wer aber um meinetwillen und um des Evangeliums willen sein Leben verliert, der wird es erhalten.'" Und "wer sich meiner und meiner Worte schämt vor diesem ehebrecherischen (= die 'Bundesehe' mit Gott brechenden) und sündhaften Geschlecht, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters kommen wird mit den heiligen Engeln'." (Mk 8,34.35.38.) - Wer von den Aposteln wird diese Rede verstanden und beherzigt haben? Der Judas Iskariot gewiß nicht!

Vor allem die Apostel gerieten durch die Leidensankündigung Christi in Furcht, ja vielleicht sogar in Angst und Schrecken bei dem Gedanken, daß Er bald nicht mehr unter ihnen weilen werde. Damit aber stellte sich zwangsläufig die bange Frage: wie soll es dann weiter gehen mit uns, den Aposteln, und mit dem Rest der Jünger und überhaupt mit der ganzen "Kleinen Herde", wenn der "gute Hirte" fehlt?! Hier kommt ein schwerwiegendes Problem zum Vorschein und das nur Christus, der HERR, lösen konnte, nicht jedoch eine Gesellschaftsgruppe christgläubiger Menschen, die sich aus einer 'religiösen Bewegung' in Galiläa, Peräa und Judäa gebildet hatte. Doch zuerst tat Christus wieder einmal etwas, das keiner von "den Zwölf" vermutet hat. Denn Er wählte aus ihnen drei aus, die bei Seiner Verklärung anwesend sein sollten, damit sie Hoffnung schöpfen und sich Ihm noch enger anschließen könnten, nämlich: Simon-Petrus und die beiden Zebedäussöhne, Johannes und Jakobus. Christus tat nichts ohne Grund und ohne einen bestimmten Zweck. Das hatten die Apostel ständig erlebt, so daß sie sich sehr wunderten. Die Verklärung jedoch hat dem leicht zu beeindruk-kenden und kurzschlüssigen Petrus fast den Verstand geraubt. Denn "er wußte nicht, was er (da) redete", als er zu Christus die unsinnige Bemerkung machte und Ihm vorschlug: "Meister (! ), gut ist es, daß wir hier sind: wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, dem Moses eine und dem Elias eine!" (Mk 9,6.5) Dies wirft ebenfalls ein Licht auf die vorausgegangene Situation in Cäsarea Philippi.

Indessen begriffen alle drei Apostel nicht, warum ihnen Christus befahl, über das Gesehene zu schweigen und was Er damit meine "bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei", nicht jedoch zu schweigen über das von Gott Gehörte: "Dieser ist mein geliebter Sohn, der Auserwählte; auf ihn (allein) sollt ihr hören!" (Mk 9,9.7). "Auf ihn hören" bedeutet, Ihm in allem zu gehorchen und zuzustimmen, was Er sagt und anordnet. Als jedoch ein wenig später Christus erneut zu den Aposteln sprach (sprechen mußte):"'Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen über-liefert werden, und sie werden ihn töten, aber am dritten Tage wird er auferweckt werden'. Da wurden sie sehr betrübt" (Mt 17,22.23); zudem "begriffen sie das Wort nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen" (Mk 9,32). Das heißt, es fehlte ihnen an Vertrauen, und anstatt dessen brach unter ihnen erstaunlicherweise sogar ein Rangstreit aus, und zwar der erste. Da kann man doch nur sagen : "arme Kleine Herde"! Christus litt unverkennbar (auch) an den Aposteln, die Ihm mehr und mehr zu einer Last wurden! Es ist ziemlich töricht, dies zu leugnen und "den Zwölf" einen Heiligenschein aufzusetzen oder 'zu übersehen', wie sie wirklich waren.

Dieser Rangstreit konkretisierte sich in der Frage: "Wer (von uns Aposteln mit Einschluß des Judas Iskariot) ist wohl der Größte (= Ranghöchste) im Himmelreich?" (Mt 18,18) und worunter sie nach wie vor ein 'himmlisches Reich in der Welt' verstanden, in dem sie Macht und Herrschaft ausüben würden (mehr noch als die in Jerusalem). Noch erhellender aber heißt es bei Markus 9,33-35: "Sie kamen nach Kapharnaum und im Hause (des Simon Petrus) angelangt, fragte Er sie: 'Wovon habt ihr unterwegs gesprochen?' (Sicherlich nicht über die Leidensnachfolge!) Sie aber schwiegen (wie ertappte Sünder), denn sie hatten unterwegs darüber gestritten, wer (unter ihnen) der Größte sei." Sie sprachen nicht darüber, wer nach dem Tode Christi der oberste Hirte Seiner Herde sein soll oder sein könnte! Vielmehr steckt in ihrer Frage alles, was zum "messiani-schen Reich" Christi "in dieser Welt" (welches die Kirche ist) im Widerspruch steht, vor allem Machtgier, Herrschsucht, Ehrsucht und eitles Ansehen. Denn die Antwort Christi verfing bei ihnen überhaupt nicht, sie hatten im biblischen Sinne "taube Ohren", so daß es zu einem zweiten Rangstreit kam, der noch absurder war als der erste, und dies wiederum nach einer Leidensankündigung (!), der dritten in der Nähe von Jericho, die sie ebenfalls nicht verstanden (Lk 18,34), obwohl es sich um eine ziemlich detaillierte Aussage handelte.

Damals schoben, was sogar lächerlich anmutet, die Zebedäussöhne, Jakobus und Johannes, ihre Mutter Salome als Interventionsperson vor mit der überheblichen Bitte an Christus (verständlich für eine naive Mutter, aber verwerflich für erwählte Apostel!): "Gewähre uns, daß wir in deiner Herrlichkeit (= in deinem Reiche) einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen!" (Mk 10, 37). Wer von uns die beiden höchsten Machtpositionen rechts oder links neben dir einnehmen solle, das mögest du dann selbst bestimmen! Als jedoch "die Zehn" dies hörten, "fingen sie an, über Jako-bus und Johannes (gelinde ausgedrückt) unwillig zu werden" (V. 41), weil diese beiden sich solche Positionen anmaßten. Indes fruchtete bei "den Zwölf" die Antwort Christi, die man aber auch (wie sooft) nicht mißverstehen darf, ebenfalls nichts. Denn es kam zu einem dritten Rangstreit (Lk 22,24-26), und diesmal zu allem Übel sogar noch am Ende des Paschamahles (nicht: Abendmahles), als Judas Iskariot noch anwesend war und bei dem Christus von seiner "Erfüllung im Reiche Gottes" sprach (V. 16), die erst kommen wird. In diesem Zusammenhang aber verbot Christus in seinem Reiche grundsätzlich ein despotisches Herrschen "wie die Könige der (Heiden-) Völker" oder auch wie die "Fürsten" (Gewalthaber) über von ihnen gedrückte und unterdrückte 'Untertanen'. Denn diese autonomen Gewalttätigen verhalten sich niemals wie (gottesfürchtig) "Dienende", auch wenn sie sich "Wohltäter des Vaterlandes" oder "Vater des Vaterlandes" (pater patriae) nennen. Ein solches Herrschen steht im radikalen Widerspruch zum Machtvollzug der Vorgesetzten im messianischen Reiche des göttlichen Menschensohnes. Warum konnten die Apostel dies alles nicht verstehen - noch nicht ?! Was hinderte sie denn daran? Dabei war man noch nicht einmal in der Situation, welche Christus mit den Worten offenbarte: "Simon, Simon, siehe (= beachte, was ich jetzt sage), der Satan hat sich ausbedungen, euch wie den Weizen zu sieben." (ebd. V. 31). Dieses 'Sieben' hat nie aufgehört ...

Immer wieder bricht sogar bei den Aposteln eine eingefleischte irrige Auffassung vom Messias und seinem Reiche durch, dessen konkrete gesellschaftliche Gestalt die Kirche (Ek-klesia) ist, die zwar schon gegründet, aber noch nicht aufgebaut ist . ("Gründung" und "Aufbau" eines religiösen Gesellschaftsgebildes sind nicht dasselbe, und Aufbau setzt Gründung voraus, nicht etwa umgekehrt.) Auch Simon-Petrus, ein echter Jude, der zudem noch sehr auf Lohn bedacht war (vgl. Lk 18, 28-30), ist von den obigen Übeln nicht frei gewesen. Und schon bevor es zur Verhaftung Jesu Christi kam, gab es im Garten von Gethsemani drei 'große Schläfer', die - diesmal abgesondert von "den Elf" - auch nicht mehr beteten und wachten, nämlich die schon bekannten Simon-Petrus, Jakobus und Johannes. Nach der Gefangennahme Christi aber trat ein, was zu befürchten war: "Da verließen ihn alle und flohen" aus Furcht (Mk 14,50), und "alle wurden an ihm irre" mehr oder weniger (vgl Mt 16,31). Nur einer folgte Christus und der Kohorte "von ferne" (in größerem und sicherem Abstand), nämlich Simon-Petrus (der die Verhaftung mit einem ganz unmöglichen Mittel verhindern wollte) - aber nur "bis in den Hof des Hohen-Priester-Palastes" (Mt 26,58), wo er seinen Herrn und Meister dann dreimal verleugnete und dabei sogar geschworen hatte: "Ich kenne den (diesen) Menschen nicht!" (Mt 26,72). Judas Iskariot, der Verräter, aber suchte sich einen Strick und hängte sich auf.3) Der Apostel Thomas, welcher "der Zwilling" genannt wurde und aus dem später 'der Ungläubige' wurde, hatte schon früher resigniert, als er zu seinen Mitaposteln sprach: "Laß auch uns (nach Jerusalem) gehen, damit wir mit ihm sterben." (Joh 11,16). Thomas war ein Mensch, der zur Schwermut neigte und zum Pessimismus, im Gegensatz zu dem sich überschätzenden Optimisten Simon-Petrus. (cf. bereits die Situation in Mt 14,28-31)

War dies das Ende der 'Apostelherrlichkeit'? Äußerlich betrachtet und in gewisser Hinsicht, ja! Denn nur ein einziger stand unter dem Kreuz Jesu Christi auf Golgotha, sein 'Lieblingsjünger'. Schon die üblen Rangstreitigkeiten und zudem noch nach Leidensankündigungen hatten es offenkundig gemacht, daß nicht einmal die 12 "Erwählten" gegen das Wirken Satans, "des Fürsten dieser Welt", gefeit waren, das sich immer zuerst gegen den Wahren Glauben richtet, um ihn zu zerstören, und insbesondere gegen Jesus Christus als "den Begründer und Vollender des (göttlichen) Glaubens" (Hebr. 12,2), eines Glaubens, der zum Heil notwendig ist. Von der "divina et vera fides" (dem göttlichen und wahren Glauben) aber weiß man heutzutage fast gar nichts mehr. Die "Kleine Herde" jedoch hatte plötzlich keinen Hirten mehr. Es ist recht merkwürdig, daß alles dies so oft übersehen oder gar nicht richtig gewertet wird. Der Herde Christi, die sich doch nicht in Luft aufgelöst haben konnte, fehlte der "Hirte" und damit eine gesellschaftliche Autorität, die weder eine staatliche noch eine familiäre4) ist, um das lebende Ganze zusammenzuhalten, das sonst kraft einer zentrifugalen Eigendynamik auseinanderstrebt.

Die "Kleine Herde" macht ab Karfreitag den Eindruck, als sei sie von einer Totenstarre befallen. Indes wußten die Hierarchen und Synedristen, wie sie durch ihr Verhalten und ihre Vorkehrungen beweisen, ganz genau, daß die 'Kirche Jesu Christi' mit dem Tode ihres Gründers nicht untergegangen war. Deshalb mußten auch weiterhin Lügen ausgestreut werden, die man in der Hl. Schrift nachlesen kann. Außerdem gab es sogar Ratsherren im Synedrium, die sich als heimliche "Anhänger Christi" 'entpuppt' hatten, wie z.B. dieser Nikodemus, den Christus über die Notwendigkeit seiner Taufe belehrt hatte, oder der reiche Joseph von Arimathäa, der seine Grabkammer dem Leichnam Jesu zur Verfügung gestellt hatte, so daß er nicht zerstört werden konnte. Es gab aber auch Frauen, welche aus bestimmten Gründen die Grablegung genau beobachteten; denn sie "besahen sich das Grab und die Art und Weise, wie sein Leichnam beigesetzt wurde." (Lk 23,55) Dazu aber gehörte viel Mut in dieser furchtbaren Situation, die zudem noch gefährlich war. Dies kann man sich heutzutage kaum noch so richtig vorstellen. Aber man sollte es wenigstens versuchen.

Hier stellt sich auch die unvermeidliche Frage: Was alles benötigt in concreto eine zerstreute religiöse Gesellschaft, die aus Jüngern, Aposteln und (ständigen) Anhängern Christi besteht, um sich wieder zu sammeln, sich zu konsolidieren und zu einem geordneten Aufbau zu gelangen, wenn ihr Gründer nicht mehr da ist und seine Leitung ausfällt? Nun, doch wohl zuerst einmal eine sichtbare Autorität mit großer Machtbefugnis. In diesem Zusammenhang aber ist es höchst bedeutsam, daß damals niemand von der Herde Christi auf den Gedanken verfiel, man könnte in einer solchen 'Notsituation' sich doch selbst eine Autorität zum Wohle aller setzen, gleichgültig wie, um nicht unterzugehen in dem Hexenkessel von Jerusalem und Judäa. Davor jedoch schreckten alle wahrhaft Christgläubigen zurück, auch eingedenk jener Worte Christi: Ich allein "bin der gute Hirt und ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, so wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne." (Joh 10, 14. 15). Und "wer nicht mit mir sammelt (der sammelt nicht nur nicht, sondern), der zerstreut." (Mt 12,13b). Den Aposteln aber hatte der HERR noch ausdrücklich gesagt: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, (nur) der bringt viele Frucht (andernfalls nicht!); denn ohne mich könnt ihr gar nichts tun (was irgendeinen Wert hat)." (Joh 15,5). Es ist aber auch nicht anzunehmen, daß sich niemand mehr an die Worte Christi in Galiläa erinnert haben könnte: "Der Menschensohn muß in die Hände der Sünder (in Jerusalem) überliefert und gekreuzigt werden, am dritten Tage aber wieder auferstehen." (Lk 24,7). Ein solches Wort spricht sich
herum und wird nicht so leicht vergessen.

Zudem hatte Christus in Cäsarea Philippi dem Apostel Simon-Petrus so manches verheißen, das immer noch auf seine Erfüllung oder Verwirklichung wartete. Denn alles, was der göttliche Menschensohn und Messias verheißt, das tritt auch ein, angefangen mit seiner Auferstehung von den Toten. Die echten Schafe der Herde des einzig "guten Hirten", die Ihn wirklich kannten, wußten zumindest, daß bei Gott kein Ding unmöglich ist (wie die von Christus von den Toten Auferweckten und andere) und erwarteten Seine Auferstehung, weil Er dies  vorausgesagt hatte. Das Problem lag für diese nur in der Wie-Frage, wie dies wohl geschehen werde, denn die Grabkammer war verschlossen, versiegelt und von Soldaten bewacht. Auch gebildete Leute, wie z.B. die Hierarchen in Jerusalem, wußten nichts vom Seins-Zustand der Verklärung eines Menschen mit Leib und Seele, den drei Apostel für eine kurze Zeit sogar einmal zu sehen bekamen. Hatten sie dieses Ereignis vergessen oder in ihrer Verblüffung nicht richtig verstanden? Und warum hat ihnen die Erinnerung an so etwas Außergewöhnliches jetzt nicht geholfen?

Die den Aposteln von Christus prophezeite Verwirrung muß eine sehr große gewesen sein. Dies alles kann man sich nicht durch Furcht vor den Hierarchen und Synedristen oder vor dem jüdischen Pöbel erklären. Am Karfreitag waren die Apostel als Apostel gleichsam 'erledigt' - einzige Ausnahme Johannes, weil ihm Christus vom Kreuze herab Maria, Seine Mutter, auf mystische und zugleich rechtserhebliche Weise zum Schutze ihres Lebens anvertraut hatte. Maria, die "voll der Gnade" war, wußte um die Auferstehung ihres Sohnes, was ihren Schmerz jedoch nicht verringerte. Niemand, außer dem Gekreuzigten, konnte wissen, was sie wirklich durchmachte. Und auch nur so wurde sie 'Miterlöserin', zumal da sie auch die einzige 'Vorerlöste' gewesen war. Warum versucht man nicht, durch die Hinweise der Hl. Schrift die damalige existentiale Situation der Jünger und Apostel Christi möglichst realistisch zu erfassen? Selbst der göttliche Messias hatte sie darüber nicht im Unklaren gelassen. Oder haben sie Ihm etwa nicht geglaubt? Von einem Judas Iskariot und den von Ihm abgefallenen Jüngern aus Judäa kann man das sicherlich annehmen.

Was war das nur für eine seltsame Verheißung, die Jesus Christus, der HERR, auf Simon-Petrus bezogen hatte und die der nämliche Apostel zu diesem Zeitpunkt gar nicht verstanden hat (denn er fragte nicht einmal nach ihrer Bedeutung)?: "Und ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches (genauer: des Reiches der Himmel) geben. Was du binden wirst auf Erden, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein." (Mt 16,19). Diese Verheißung haben auch die anderen Apostel gehört und werden ebenfalls gehört haben, als was kurz darauf Simon, der 'Fels'5), von Christus bezeichnet wurde, um seine Anmaßung sofort zurückzuweisen. Am Karfreitag und Karsamstag wird niemand mehr an das Ereignis von Cäsarea Philippi gedacht haben, verständlicherweise! Anderseits müssen Verheißungen Christi doch in Erfüllung gehen und gegebenenfalls bald nicht erst in ferner Zukunft! Es ist auch nicht bekannt, wo sich "die Elf" und einige Jünger nach dem Tode Christi aufgehalten haben, vor allem jene, die noch Hoffnung auf die Auferstehung hatten.

Die Juden hatten noch nie etwas von "Schlüsseln des Himmelreiches" gehört, geschweige denn etwas von übertragbaren. Außerdem darf man die hier gemeinten "Schlüssel" nicht verwechseln mit "dem Schlüssel des Davidhauses" (Is 21,22), da nur Christus "den Schlüssel Davids hat, der öffnet und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand öffnet" (Offb 3,7), nämlich den Zugang zum Reiche Gottes. Warum aber bezog sich Christus hier allein auf Petrus und was die anderen Apostel doch sicherlich nicht wenig verärgert hat? Denn bald darauf kam es ja zum ersten Rangstreit, wodurch sich die Apostel doch als ziemlich 'traurige Jüngergestalten' entpuppten. Man kann die Geduld Christi mit seinen Aposteln wirklich nur bewundern. Diese begriffen auch die spätere Prophetie nicht: "Viele Erste aber werden Letzte sein und viele Letzten Erste" (Mk 10,31), nämlich im Reiche Christi jetzt und in der 'zukünftigen Welt'. Eine Verheißung Christi zieht immer ihre Erfüllung oder Realisierung nach sich; nur der Zeitpunkt ist und bleibt diesbezüglich ungewiß. Dies gilt auch für den Bau oder Aufbau Seiner Ecclesia, der sich allein durch Ihn ermöglicht und von Ihm abhängt (nicht etwa von den 'Gläubigen' oder irgendeiner 'Glaubensgemeinschaft'). Die Kirche Jesu-Christi ist nicht von dieser Welt, auch wenn sie in ihr existiert und sogar in gewisser Hinsicht von ihr lebt (aber wiederum nicht aus ihr oder durch sie!). Immer wird auch die Frage Christi von Cäsarea Philippi im Raum stehen:"Für wen halten die Leute den Menschensohn?"! Simon-Petrus hatte Ihn verleugnet, Judas Iskariot verraten und die übrigen waren mehr als irritiert. Letzteres kann man auch für den Rest der Jünger annehmen, nicht bloß für die zwei "Emmaus-Jünger" (Lk 24,13 f.), wahrscheinlich zwei hoffnungslos gewordene Judäer.

Anmerkungen:
1) Christi Wort von der "Kleinen Herde" ist ein symbolischer Terminus, ein bildhafter Ausdruck, der sich nicht auf die Quantität einer Ansammlung von Menschen bezieht, sondern auf die Qualität und Struktur oder Gliederung eines besonderen Gesellschafts-Gebildes. Dieses besteht aus christgläubigen Jüngern, Aposteln und (ständigen) Anhängern, und wobei noch zu beachten wäre: alle Apostel sind Jünger, aber nicht alle Jünger sind Apostel; die Anhänger wiederum sind weder Jünger noch Apostel. Alle zusammen von dieser 'Herde' (congregatio) aber sind gläubige Glieder eines solchen Gesellschafts-Ganzen, die bedingungslos an Jesus-Christus glauben, d.h. sie erhoffen und erwarten sich nur von Ihm das ewige Heil und glauben deshalb auch nur Ihm  und Seinem, die Erlösung bringenden, Wahrheits-Wort, da er selbst "die Wahrheit ist".
2) Diese Antwort gab der Apostel nur für sich selbst, nicht jedoch auch für die anderen, was aus der Erklärung Christi folgt, nämlich daß Petrus dies weder aus sich selbst noch durch eigene Erkenntnisfähigkeit weiß und wissen kann, sondern nur aufgrund einer ihm gegebenen (Privat-)Offenbarung von seiten Gottes, des Vaters Jesu Christi. Und auch nur deswegen ist der Apostel "Simon, Sohn des Jona (Bar/Jona), selig" (Mt 16,17), nicht jedoch aus eigenem geistigen Vermögen, oder weil ihn dies ein anderer Mensch gelehrt hat.
Wie oft wird die Erklärung Christi überhaupt nicht verstanden oder einfach verschwiegen, weil sie nicht verstanden wird oder erhellt werden kann?! Es ist auch ein Irrtum, wenn großspurig behauptet wird, daß mit dem "'Petrusbekenntnis'" die "Jüngerunterweisung (!) ein erstes Ziel erreicht" hätte. Das erste Ziel der Jünger- und Apostelunterweisung ist die Vermittlung der Erkenntnis vom leidenden Messias, welcher Nachfolge fordert. Solche falschen und vernunftwidrigen Interpretationen haben immer nur Verwirrungen gestiftet und aus Simon-Petrus ein Phantom gemacht. Christus wählt (paradoxerweise) oft den Schwachen, um den Starken zu beschämen. Denn nur der Hochmütige besitzt keine Scham.
3) Eine Verleugnung kann unter bestimmten Bedingungen noch vergeben werden; ein Verrat jedoch niemals. Deshalb verlor Simon-Petrus nicht die 'Verheißung des Primates' von Cäsarea Philippi, obwohl er als 'primus inter pares' jämmerlich gescheitert war.
4) Eine 'religiöse' "Famlie Jesu", von der manche Theologen und naive Gläubige phantasierten, hat es nie gegeben. Das war ein abwegiger und unrealistischer Gedanke.
5) Katholiken sollten den Wert dieses besonderen Beinamens nicht übertreiben und das Wort vom 'Felsenmann' vermeiden. Denn es handelt sich in dieser Sache nicht nur um eine Auszeichnung, sondern auch um einen 'Prüfstein' für seinen Träger. Alle Apostel (ja sogar diese) waren bekanntlich "Kleingläubige" (mehr oder weniger), so daß immer die Gefahr bestand, als Einzelpersonen zu einem 'Ungläubigen' zu werden. Warum wurde und wird dies von gewissen Leuten immer verschwiegen. Apostel mußten nicht bloß 'erwählt', sondern besonders belehrt und erzogen werden. Simon-Petrus, der sich bei der Gefangennahme Christi so unbesonnen gebärdet hatte, war nicht einmal bei dessen Grablegung dabei, sonst würde der Evangelist Markus, der Apostelschüler Petri, sicherlich nicht bloß die zwei Frauen erwähnt haben, die "zusahen, wo er (der Leichnam) hingelegt wurde" (Mk 15,47).

(Fortsetzung folgt)

 
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