56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 9 Monat November 2004
Widerstand? - Fehl(er)anzeige!


Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Joseph Görres


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2005
Ein terminologisches Dilemma


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
Unfreundliche Betrachtungen


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
The Holy Trinity


Ausgabe Nr. 11 Monat december 2005
La Sainte Trinité


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2006
Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1971
Einige präzise Fragen an Herrn Professor Schmaus


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1971
WAHNSINN


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Orthodoxie und europäische Identität


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Die Irrtümer des Johannes Rothkranz


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Welche Bedeutung hat der Kanon 1366 § 2 des CIC


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
AN DIE PRIESTER


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Der heilige Anselm von Canterbury


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2000
Der selige Oliver Plunket


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
Linientreue Zwerge


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2000
MITTEILUNGEN DER REDAKTION (dt/espa)


Ausgabe Nr. 7 Monat Oktober 1971
FRIEDRICH HEINRICH JACOBIS


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1999
Warum die Einsicht Ecône unterstützt


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1999
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1998
ERWIDERUNG AUF DIE STELLUNGNAHME VON DR. E. HELLER


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1998
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1997
SEKTIERERTUM ALS VORGABE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1993
DER HL. ALBERTUS MAGNUS


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat November 1996
VERSINKT DER KATHOLISCHE WIDERSTAND... (Anmerkungen)


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1996
Buchbesprechungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? - Einleitung


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1995
WELCHE PHILOSOPHIE? -Fortsetzung


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 5 Monat März, Doppelnr. 5-6 1996
WELCHE PHILOSOPHIE? 2. Teil


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
La Santisima Trinidad


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1994
LESERBRIEFE


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
Leserbriefe zu dem Beitrag Am Scheideweg


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2013
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1984
DIE LÄSTERUNG DES GEISTES


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
EINSICHT!


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1980
PRÄZISE ZIELE!


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1980
EINSICHT!!


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1980
DIE KATZE LÄSST DAS MAUSEN NICHT.


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1981
IM VERTRAUEN AUF GOTT!


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
DASS (...) DER WAHRHEIT DIE EHRE GEGEBEN WIRD


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1979
UNSCHULD UND SCHULD DER FRAU IN DOSTOJEWSKIJS WERK


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
JOHANNES PAUL II.


Ausgabe Nr. 7 Monat April 1980
STELLUNGNAHME GEGEN DIE VORWÜRFE, DIE GEGEN DAS VON DER SAKA GEPLANTE SEMINAR GERICHTET SIND.


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
EN LA ENCRUCIJADA


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
À la croisée des chemins


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
At the crossroads


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1975
DER VERABSCHEUTE DIENST


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 1975
EHE, FAMILIE UND ERZIEHUNG


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
LA SANTISIMA TRINIDAD


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2008
Zum 50. Todestag des katholischen Dichters Reinhold Schneider


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2008
Die prinzipielle Offenbarung Gottes und die konkrete Offenbarung


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2009
Die Erfassung der Einheit (des Wesens) Gottes


Ausgabe Nr. 2 Monat April 2009
Dokumente zum Fall Williamson


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2009
Die Wahrheit ist einfach


Ausgabe Nr. 12 Monat September 2009
The Truth is simple


Ausgabe Nr. 11 Monat giugno 2010
Al crocevia


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 9- 13. a-b Ist das Kirchenvolk in der Konzilskirche erhalten?


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
Al crocevia


Ausgabe Nr. 3 Monat Sptember 2011
Das Reich Gottes 'haben wollen'


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
DIE THEORIE DER INTERPERSONALITÄT IM SPÄTWERK J.G. FICHTES


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Einleitung


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel I


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel II, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 1


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 2


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 3


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 4


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 5


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 6


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 7


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 8


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel III, Forts. 9


Ausgabe Nr. 20 Monat Mai 2012
Kapitel IV


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
Mitteilungen der Redaktion, Hinweise


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Hinweis: Promotion von Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 2 Monat Juni 2013
Neues aus dem finsteren Land Absurdistan


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Wie Christus als Gottes Sohn erkannt werden kann - weiterführende Betrachtungen


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2014
Moderne Sozial- und Schulpolitik


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2015
Gehört der Islam zu Deutschland?


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung durch die Erkenntnis Christi als Sohn Gottes


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2015
Fortsetzung I: Wie Christus als Gottes Sohn erkannt werden kann - weiterführende Betrachtungen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Himmelfahrt Christus im Herzen


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2019
Ich rufe dich bei Deinem Namen: Mein bist Du


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2020
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2020
Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
The Errors of Vatican II and their defeat through Recognizing Christ as Son of God


Ausgabe Nr. 4 Monat Juni 2020
How Christ can be recognized as Son of God – further reflections


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Los errores del Vaticano II y su superación gracias al conocimiento de Cristo como Hijo de Dios


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2020
Cómo se puede conocer a Cristo como Hijo de Dios: nuevas consideraciones


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Comment le Christ peut être reconnu comme le Fils de Dieu


Ausgabe Nr. 6 Monat Juni 2020
Les erreurs de Vatican II


Ausgabe Nr. 7 Monat Juli 2020
Buchbesprechung:


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2021
Der Herr ist der Geist


Ausgabe Nr. 3 Monat Juni 2022
Zum 80. Geburtstag von Dr. Eberhard Heller


Ausgabe Nr. 4 Monat September 2022
Fanatismus im Islam und im Christentum?


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2022
Wie im Islam


Ausgabe Nr. 4 Monat August 2023
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 5 Monat August 2024
Anmerkungen Nur noch Auslaufmodell


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Seelsorgerliches Wirken von P. Michael Mutter


Ausgabe Nr. 5 Monat November 2025
Herr und Knecht


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2026
Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?


Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller
 
Gedanken zu „Einsicht“, Sept. 2015, Dr. E. Heller

Vorbemerkung der Redaktion:


Als ich begann, in einzelnen Schritten meine Gedanken zu dem Problem, ob und wie Christus als Sohn Gottes via philosophischer Reflexion erkannt werden kann, habe ich meine Beiträge auch Personen zur Prüfung zugeleitet, die nicht zu unserem Kreis gehören. Ich sehe noch immer in dieser Arbeit meinen umfassendsten und wichtigsten Beitrag an, den ich für die Wiederentdeckung des Glaubens für die verunsicherten, zweifelnden Christen habe leisten dürfen. Das auch deshalb, weil ich auf der Ebene der philosophischen Methode mich auf eine Plattform begeben habe, die wegen ihrer Allgemeinheit ein neutrales Feld bot, das auf keine spezifisch theologische Position rekurrierte bzw. sie voraussetzte. Bei meiner Arbeit handelt es sich also um eine rein religions-philosophische Erörterung, die versucht, ohne theologische Vorkenntnisse auszukommen. Deswegen habe ich versucht, sie auch einem breiteren Publikum vorzustellen. Ein ehemaliger Mitschüler, der Theologie studiert hatte und als Kleriker in der Reform-Kirche arbeitet, hatte mir geschrieben, diese philosophische Herangehensweise würde nicht weiterführen. Er empfahl mir die Lektüre von Ladislaus Boros „Der anwesende Gott“.

Vor kurzem habe ich meinem alten Freund Ante Križić das September-Heft von 2015 mit der Bitte um eine Stellungnahme vorgelegt. Ante war aus Zagreb/Kroatien in den frühen 70igern nach München gekommen, um seine theologischen Studien, die er in Zagreb begonnen hatte, fortzusetzen. Warum er dann ein medizinisches Studium begann und später als Augenarzt tätig wurde, soll hier nicht erörtert werden. Ich möchte aber noch erwähnen, daß Ante einer unserer Trauzeugen beim Standesamt war. Hier nun seine bemerkenswerte Stellungnahme, die ich den Lesern nicht vorenthalten möchte.

Eberhard Heller

***

Augustinus hat es auf den Punkt gebracht: Als der „Himmel die Erde geküsst hat“ (v. Eichendorff) ist die Virgo-Mater in die Geschichte eingetreten. Sie war dafür auserkoren, den Göttliche Erlöser zu gebären, der den Menschen aus seiner Verflochtenheit mit der Natur und Geschichte, die ihn immer wieder in eine adventslose Dialektik zieht und sein Tun vom eigentlichen Leben wegbringt, ihn der wahren Güter beraubt, zu befreien.
Der Erlöser ist Jesus, denn in ihm finden wir Christus, das wahre Leben, „den Erben des Alls, durch den Gott das Weltall erschuff.“ (Hebr. 1,1,2).

Du hast es richtig erfasst „Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine: et homo factus est.“ Das ist der Kern der christlichen Botschaft und deswegen kann das Christentum nicht mit anderen Religionen auf die gleiche Ebene gestellt werden. Das Christentum ist demzufolge keine Religion im Sinne der transzendentalen Suche des Menschen nach der Letztbegründung des Lebens, sondern es ist eine Offenbarungsontologie. Es ist so wie es ist.

Nicht nur die damaligen Juden, sondern auch die christlichen Europäer, durch Jahrhunderte hindurch, waren dadurch überfordert. Diese Erkenntnis und deren Hereinnahme ins Leben fordert die höchste Anstrengung des Geistes, in jeder Hinsicht. Es ist kein Zufall, dass die Europäer, um diesen hohen Ansprüchen zu entkommen, ihre Zuflucht in anderen Ideologien gesucht haben. Dutzende von diesen, die mit -ismus enden, sind ein Produkt der abendländischen Geistesgeschichte. Bei andere Kulturen  gibt es so etwas nicht, denn ihre Religionen sind einfach strukturiert, jedem verständlich und können von einfachsten Menschen ohne weiteres übernommen werden….

Deine Denk- und Argumentationsweise beruht auf der Logik von Anselm von Canterbury, den biblischen Aussagen, den Erfahrungen der Mystik und den Ausdrucksmitteln der Kunst. Das ist naheliegend und nachvollziehbar, aber die Philosophie von Fichte gehört nicht hierher. Nicht mal den alten Fichte in reiferen Jahren kann man dafür in Anspruch nehmen.

Ich versuche nun auch andere Aspekte in Bezug auf dieses Thema zu beleuchten.

Nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin ist das „Erste der geschaffenen Dinge“ - prima rerum creatarum – das Sein selbst, esse ipsum. Diese Sein, so Thomas weiter, ist „das Gleichnis der Gottesliebe – similitudo divinae bonitatis .“ Eine Definition für das esse ipsum gibt es ansonsten nicht, so wie wir nicht sage können, dass das Laufen läuft, so können wir auch nicht sagen, dass das Sein ist („sicut non possumus dicere quod ipsum currere curit, ita non possumus dicere, quod ipsum esse est“). Noch klarer sagt er, man kann nicht sagen, dass das Sein ist, sondern nur, dass durch das Sein etwas wird („non proprie dicitur quod esse sit, sed quod per esse aliquid sit“).

Esse ipsum ist also die vermittelte Unmittelbarkeit Gottes Liebe und Seiner ewigen Anwesenheit in der Welt. Das Sein ist auch die personale Distanz Gottes zu allem Geschaffenen und es macht in der Realität die Einheit und zugleich die Vermittlung aller Differenzen. Aber das Sein als Vermittlung „zwischen“ dem Schöpfer und der geschaffenen Welt begrenzt nicht Gottes schöpferische Macht und Unmittelbarkeit seine Anwesenheit in der vergänglichen Wirklichkeit. Das Sein ist also reine Vermittlung, es ist nicht etwas, das neben Gott subsistiert. Es ist eben prima rerum creatarum – das Erste der geschaffenen Dinge.

Aber dieses Sein hat auch die Eigenständigkeit der Entäusserung (exinanitio) und damit auch die Konkretisierung durch seine Verendlichungsbewegung. Und das ist die Bedingung für die Entstehung der Vielheit und der Unterschiede in der Welt. In diesem Verendlichungsprozess gehen aus ihm zwei Potenzen hervor, die den Raum und die Realisierung der verschiedenen Dinge ermöglichen. Die erste Potenz ist die essentia oder das Wesen und die zweite Potenz ist die Materie. Die griechische Philosophie hat ihre höchste Errungenschaft in der Essentialität erreicht, obwohl Platon selbst schon eingesehen hat, dass es etwas überwesenhahtes gibt, so dass er den Begriff „epekeina tes ousias“, d.h. etwas, was es  jenseits des Essenz gibt, geprägt hat.

Aber erst dem Thomas von Aquin ist der Durchbruch in der Philosophie gelungen als er von der Erkenntnis überwältigt wurde, dass das überwesenhafte Sein, esse ipsum, „aliquid completum et simplex sed non subsistens“ ist, und das heisst, dieses Sein ist etwas Einfaches und Vollkommenes, aber es subsistiert nicht. Dass es keine Subsistenz hat, bedeutet, dass es keinen Selbststand hat, es besteht nicht durch sich selbst. Es ist quasi „Nichts“ (in Anführungszeichen, bitte nicht im Sinne von Hegel verstehen). Aber in diesem „Nichts“ manifestiert sich Freiheit Gottes, Sein Wille, Schöpferkraft und ursächliche Wirksamheit. In diesem „Nichts“ schafft er immer neue Welten, vielleicht tut er das gerade auch jetzt. In diesem „Nichts“ blitzt uns manchmal Seine ewig-anwesende Liebe und Sorge um den Erhalt all Seiner Schöpfung.

Es ist schade, dass diese geniale Erkenntnis von Thomas, - esse est completum et simplex sed non subsistens, - keinen Eingang in die nachfolgende Philosophie gefunden hat. Statt dessen hat in der Philosophie die skotistisch-suarezianische Lehre von der Univozität des Seins Überhand gewonnen, mit der Fixation auf das indifferente „ens ut sic“, das man einsinnig auf Gott, die Engel, die geschaffenen Dinge ohne Unterschiede anwenden kann. Die echte Bedeutung der analogia entis hat ihren Sinn verloren, woraus unvermeidlich der metaphysische Widerspruch hervorging und seine Auflösung wurde der menschlichen Vernunft aufgebürdet. Sie ihrerseits verbannte die Absolute Substanz in die Ewigkeit und die endliche in die Dimension der Vergänglichkeit. Gott wurde dadurch zum Opfer des Widerspruchs. All das fand seinen Niederschlag in der sekulären Philosophie Hegels, die in Atheismus endete. Die protestantische Theologie suchte den Ausweg in der Flucht zum „sola fide.“

Das Geheimnis des Absoluten und seiner Entäusserung ist in gewisser Weise eine Antwort auf die Frage nach der Letztbegründung, die aber letztendlich die Frage unendlich übersteigt, bzw. die als Antwort das Fragen ermöglicht und nicht von der Frage bedingt ist. Wenn man die ursprüngliche Seinslehre des Thomas von Aquin in der Subsistenzbewegung des Seins weiter verfolgt und beim Menschen ankommt, eröffnen sich einem das „genetische Moment“, die Dimension des „ordre du  coeur“ (Pascal), die reziproke Priorität der drei Göttlichen Personen, die Inkarnation des Logos und das Mysterium des Todes und Auferstehung Christi. Natürlich ist unser Erkennen bruchstückhaft, mangelhaft und wir sehen verzerrt wie in einem verschmutzten Spiegel.

Ich kann  diese thomasische Seinslehre nicht weiter verfolgen, denn das würde den Umfang dieses Schreibens übersteigen. Ich möchte nur eines nicht unerwähnt lassen wegen des späteren Missbrauchs des Wortes Sein, vor allem bei den Philosophen des deutschen Idealismus. Jeder von ihnen hat sich unter das Sein irgendetwas vorgestellt, was ihm gerade in die Birne kam. Bei Kant ist das Sein kein reales Prädikat und E. Cohen ist noch deutlicher: „Nur das Denken kann das hervorbringen, was man das Sein nennen darf.“
Thomas dagegen lässt das Sein und in diesem die Wesenheiten in der Einfalt Gottes wesen, was dadurch möglich ist, dass das esse ipsum als Akt ein infinitum und simplicissimum ist, dass in Gottes Einfalt selbst wurzelt und deshalb die unmittelbare Entäusserung der göttlichen „aktiven Potenz“ ist „in der alle Wirkungen wie in ihrer Ursache enthalten sind“, während sie in der universalen Form „in einer quasi materialen Möglichkeit sind“ (in potentia quasi generandi).

Ich möchte auch auf einige einschlägige Literatur in dieser Richtung verweisen, wie z.B. Ferdinand Ulrich („Homo abyssus“, „Logo-Tokos“, „Gabe und Vergebung“, „Der logisierte Geist“, „Leben in der Einheit von Leben und Tod“), des weiteren Gustav Siewerth („Das Schicksal der Metaphysik von Thomas von Aquin bis Heidegger“). Siewerth war ziemlich, auch in dem erwähnten Buch von Heidegger beeinflusst, aber er hat rechtzeitig den Absprung von ihm geschafft. In diesem Sinne setzt die Siewerth-Akademie sein Werk fort. Seine Schülerin Alma von Stockhausen, eine Konvertitin, hat auch ein Buch über die Inkarnation des Logos geschrieben.

Es ist interessant, dass die Konvertiten oft die Menschwerdung Gottes und damit die Eucharistie noch besser verstehen, als ob sie mitgerissen wären von der Majestät des göttlichen Seins. Wie z.B. Edith Stein und auch der Konvertit Novalis schrieb über die Eucharistie: „Nie endet das süsse Mahl, nie sättigt die Liebe sich.“ Von der naturwissenschaftlichen Seite her sei erwähnt der Biologe und tiefsinniger katholischer Philosoph Hans Andre („Vom Sinnreich des Lebens“).

Es ist in diesem Zusammenhang wichtig einige Worte über Francisco Suarez ( +1617) zu sagen, der für das Verständnis der neuzeitlichen Philosophie eine Schlüsselposition einnimmt. Er hat in seinem Werk „Disputationen Metaphysicae“ aus dem Opus von Thomas von Aquin eine „kopernikanische Wende“ zum Subjekt vollzogen. Eine Aussage vom ihm habe ich hier und alle anderen sind solche Explikationen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann: „Nam sufficit ad reddendam veluti rationem formalem, ob quam talis proprietas rei convenit“ (Denn es reicht zu, um einen förmlichen Verstandesgrund beizustellen, dessentwegen eine so beschaffene Eigentümlichkeit einer Sache zukommt, Disp.Met. 1. 1. 29). Walter M. Neidl hat in seinem Buch „Der Realitätsbegriff des Franz Suarez nach den Disputationes Metaphysicae“ auf Seite 297 folgendes festgestellt „ (Bei Suarez)… scheint Gott selbst dem Prozess einer Selbstentfaltung seines formale Wesens nicht mehr entrinnen zu können; denn erst am Ende des Prozesses scheint die Höhe der Selbsterfassung seines formalen Wesens geleistet zu sen.“ Hegel 200 Jahre später lässt grüssen! Richard Tayler meint, Dass die Flucht zum Subjekt seit Augustinus und seinem Vorbild Plotin bis zur heutigen Zeit zum Verhängnis der abendländischen Philosophie geworden ist, die in Dekadenz und Relativismus  erstickt. Auf die Wirkungsgeschichte des Suarez kann diese Reflexion von Tayler ohne weiteres bezogen werden.

Es ist eine Ironie der Geschichte, oder vielleicht „die List der Vernunft“ (Hegel), dass Suarez ein Jesuit und leidenschaftlicher Antireformator war und dass andererseits seine Philosophie zweihundert Jahre und mehr bis Kant, die tragende Säule an den protestantischen Universitäten in Deutschland gewesen war. Er ist der Vater der protestantischen Philosophie. Kant , Fichte, Schelling, Hegel, Schleiermacher und alle anderen Schleiermacher sind seine geistigen Enkel- und Urenkelkinder.  Alle diese Philosophen haben die Apokalipse der deutschen Seele eingeleitet, an der wir heute leiden.

Die Behauptung, dass Suarez der Vater der protestantisch-neuzietlichen Philosophie sei, ist nicht meiner Phantasie entsprungen. Das haben alle namhaften Forscher nachgewiesen und behauptet: K. Werner, Weber, Ritschl, Althaus, Mathieu, Grabmann, Eshweiler, Lewalter, Conze, Jansen, Wundt, de Vleeschauwer, Courtine et al. E. Lewalter hat ein Buch unter dem Titel „Spanisch-Jesuitische und deutsch-lutherische Metaphysik des 17. Jahrhunderts“ (Hamburg 1935, reprint 1967) geschrieben. Auf siebzig Seiten bekommt man so viele Informationen.

Kant hat die klassische Philosophie schlecht gekannt. Er war gut bewandert in der deutsch-lutherischen Metaphysik. Diese schlechte Kenntnis betrifft auch alle anderen Philosophen, Lauth eingeschlossen, die sich degegen wehren  in das „vorkritische Stadium“ zurückzufallen.

Charles S. Peirce ( +1914), ein weltbekannter amerikanischer Logiker und Begründer der modernen Semiotik hat geschrieben, wenn Kant die Scholastik studiert hätte, wäre er zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Alle diejenigen, meint Peirce, die die scholastische Philosophie vernichtet haben, sind die reinsten „Barbaren.“ Peirce glaubte an die Eucharistie  im katholischen Sinne, obwohl er kein Katholik war.

Suarez war nicht nur der Königsphilosoph an den protestantischen Universitäten, seine Lehre haben vor allem die Jesuiten verbreitet. Descartes war in seiner Jugend acht Jahre lang Jesuitenschüler und in diesem College Henri IV de la Fleche waren alle Jesuiten  - Suarezianer. Es ist bemerkenswert, dass  die Bestrebungen der heutigen Jesuiten mit dem Jesuitenpapst Bergoglio deckungsgleich mit den Bestrebungen des Protestantismus sind.

Es ist erwähnenswert, dass Descartes als Katholik von der Trinität nicht viel gehalten hat. Für ihn war es nur eine subjektive Meinung. Er stand unter dem Einfluss des antitrinitarischen Sozinianismus, so wie alle Rationalisten und Aufklärer ebenfalls. Der einzige, der damals für die Trinität und gegen Antitrinitarier und Descartes, auch persönlich, gekämpft hat, war Jan Komensky, genannt Comenius.  Er ist selber kein Katholik gewesen, hat sich aber immer auf die katholische Lehre bezogen und war auch ein tiefgläubiger Christ. Nicht nur die protestantische Theologie und Philosophie sind die Früchte von Suarez. Dazu gehören auch die Neuscholastik und der Neuthomismus. Das hat alles mit der klassischen Scholastik nichts zu tun…..

Mit Verlaub, lieber Eberhard, werde ich noch zwei kleine Bemerkungen machen. Du hast auf Siete 106 „subsistere“ falsch übersetzt. Ich kenne zwar den ganzen Text, auf den Du dich beziehst, nicht, so dass ich ihn auch nicht vollumfänglich interpretieren kann, aber „subsistere“ kann nicht mit „teilhaben“ übersetzt werde. Teilhaben ist „participatio.“
Subsistenz bedeutet das Bestehen durch sich selbst und für sich selbst. Diese grundlegende Eigenschaft kommt in der aristotelisch-scholastischen Philosophie der geistigen Substanz zu, die den Endpunkt der Verendlichungsbewegung des Seins darstellt. Der Gegensatz zu Subsistenz sind Akzidentien, Beiläufigkeiten, die an der Substanz partizipieren. Den Begriff Subsistenz hat der christliche Philosoph Marius Victorinus im 4. Jahrhundert nach Christus als Übersetzung des griechischen Begriffes „hypostasis“ eingeführt.

Die zweite Bemerkung bezieht sich auf Ratzinger. Er ist kein Semi-Arianer, er ist rechtgläubig. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Ratzinger stand zwar als junger Theologe unter dem Einfluss von Karl Rahner, so dass in Ratzingers Werk „Einführung in das Christentum“ hegelianische Begriffe, wie das „Werden Gottes“ durchschimmern, aber Ratzinger hat sich schnell von Rahner gelöst und ihn scharf kritisiert. Karl Rahner hat seine alltäglichen Spaziergänge im Bereich zwischen Descartes, Kant und Hegel lebenslänglich getätigt. Ihn kann man als Häretiker betrachten…

Wenn man übrigens nach den Ursachen für heutige Häresien fragt, ist es zu kurz gegriffen, wenn man nur auf das Zweite Vatikanum verweist. Georg May hat in seinem Buch „300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie“ (Sarto Verlag, 2017) jeden einzelnen Theologen unter die Lupe genommen. Das, was viele in dieser langen Zeit gelehrt haben, ernten wir heute.

Das waren meine ersten Gedanken nach dem Lesen von „Einsicht“ Nr. 4 vom September 2015.

Dr. A. Križić    Luckenwalde, den 22. 03.2020
 
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