Die Mutter Gottes unter dem Kreuz aus: Anna Katharina Emmerich: "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi", Paul Pattloch Verlag - Aschaffenburg 1962
(Auszüge)
S. 196 f (Entstehung des Kreuzweges): "Die Mutter Jesu, Magdalena und Johannes hatten, während der ganzen Anklage vor Pilatus unter dem Volke in dem Winkel einer Halle des Forums stehend, mit herzzerreißendem Schmerz das Lärmen und Rufen gehört, Johannes aber führte, da Jesus zu Herodes gebracht wurde, die heilige Jungfrau und Magdalena den Leidensweg zurück, und sie gingen den ganzen Weg bis zu Kaiphas, zu Annas, durch Ophel nach Gethsemane an den Ölberg und überall, wo er gefallen, wo ihm Weh geschehen, dankten sie stille und trauerten und litten sein Leid. Oft sank die heilige Jungfrau nieder und küßte die Erde, wo Jesus gefallen, und Magdalena rang die Hände und Johannes weinte, tröstete, richtete sie auf und führte sie weiter. Dieses war der erste Anbeginn des heiligen Kreuzweges und der mitleidenden Betrachtung und Verehrung des Leidens Jesu, noch, ehe es vollendet war; damals schon begann in der heiligsten Blüte der Menschheit, in der jungfräulichen Mutter Gottes, des Menschensohnes, die Andacht der Kirche zu den Schmerzen ihres Erlösers, damals schon, als er noch auf der Mitte seines bitteren Leidensweges wandelte, beweinte und verehrte die auserwählte, gnadenvollste Mutter die Fußstapfen ihres Sohnes und Gottes. O welches Mitleiden! Wie ging das Schwert mit vordringender Gewalt schneidend und schmerzlich verweilend durch ihr Herz!
Sie, deren seliger Leib ihn getragen, deren selige Brüste ihn genährt, sie, die Selige, welche das Wort, das im Anfange bei Gott und das Gott war, wirklich und wesentlich gehört und in sich aufgenommen und bewahrt hatte neun Monde unter ihrem Herzen voll Gnaden und gepfleget, beobachtet und genährt hatte an ihren Brüsten, sie, die sein Leben in sich getragen und gefühlet, ehe die Menschen, seine Brüder, Segen und Lehre und heilende Hilfe von ihm empfingen, litt und teilte alles mit Jesu und auch seinen Durst nach der Erlösung der Menschen durch sein bitteres Leiden und Sterben, und so trat die Reinste und Unbefleckte jetzt schon der Kirche den Fußpfad des Kreuzweges, um die unerschöpflichen Verdienste Jesu Christi an allen Stellen wie Edelsteine aufzulesen, wie Blumen am Wege zu pflücken und seinem himmlischen Vater für die Glaubenden aufzuopfern. Alles, was da Heiliges war in der Menschheit von je bis immer, alle, die sich gesehnt nach der Erlösung, alle, welche je und immer die Liebe und das Leiden des Herrn mitleidend gefeiert, wandelten, trauerten, beteten, opferten mit in dem Herzen der Mutter Jesu, die auch eine treue Mutter seiner gläubigen Brüder in der Kirche ist."
S. 253 (Der Kreuztragende Jesus und seine Mutter): "Als alle Haufen der Henkersdiener mit allem Martergeräte frech triumphierend nahten, zitterte und wimmerte die Mutter Jesu und rang die Hände, und einer der Buben fragte das nebenherziehendes Volk. Was ist das für ein, Weib, das so kläglich tuet? Da antwortete einer: Es ist die Mutter des Galiläers! Als die Schurken dieses hörten, höhnten sie die jammernde Mutter mit Spottreden, zeigten mit Fingern auf sie, und einer der niedrigen Buben faßte die Kreuznägel in die Faust und hielt sie höhnend der heiligen Jungfrau vor das Angesicht. Sie aber sah händeringend nach Jesus hin und lehnte sich, vom Schmerze zermalmt, gegen den Pfeiler des Tores. Sie war bleich wie eine Leiche, und ihre Lippen waren blau. Die Pharisäer ritten vorüber, da kam der Knabe mit der Inschrift, und ach! ein paar Schritte hinter ihm, Gottes Sohn, ihr Sohn, der Heilige, der Erlöser, - da ging schwankend und gebückt ihr lieber Sohn Jesus, das Haupt mit der Dornenkrone schmerzlich von der schweren Kreuzlast auf seine Schulter abwendend. Die Schergen rissen ihn an den Stricken vorwärts."
S. 273 (Jesus wird an das Kreuz geschlagen):
"Die heilige Jungfrau fühlte alle Peinigung mit Jesu, sie ward bleich wie eine Leiche, und leise Schmerzenstöne erklangen von ihren Lippen. Die Pharisäer höhnten und schimpften nach der Seite des Walles hin, wo sie stand, und man führte sie darum etwas ferner von dem Kreise zu den andern heiligen Frauen. Magdalena war wie wahnsinnig, sie zerriß sich das Angesicht, ihre Augen und Wangen waren blutig."
S. 253 (Der Kreuztragende Jesus und seine Mutter): "Als alle Haufen der Henkersdiener mit allem Martergeräte frech triumphierend nahten, zitterte und wimmerte die Mutter Jesu und rang die Hände, und einer der Buben fragte das nebenherziehendes Volk. Was ist das für ein, Weib, das so kläglich tuet? Da antwortete einer: Es ist die Mutter des Galiläers! Als die Schurken dieses hörten, höhnten sie die jammernde Mutter mit Spottreden, zeigten mit Fingern auf sie, und einer der niedrigen Buben faßte die Kreuznägel in die Faust und hielt sie höhnend der heiligen Jungfrau vor das Angesicht. Sie aber sah händeringend nach Jesus hin und lehnte sich, vom Schmerze zermalmt, gegen den Pfeiler des Tores. Sie war bleich wie eine Leiche, und ihre Lippen waren blau. Die Pharisäer ritten vorüber, da kam der Knabe mit der Inschrift, und ach! ein paar Schritte hinter ihm, Gottes Sohn, ihr Sohn, der Heilige, der Erlöser, - da ging schwankend und gebückt ihr lieber Sohn Jesus, das Haupt mit der Dornenkrone schmerzlich von der schweren Kreuzlast auf seine Schulter abwendend. Die Schergen rissen ihn an den Stricken vorwärts."
S. 273 (Jesus wird an das Kreuz geschlagen): "Die heilige Jungfrau fühlte alle Peinigung mit Jesu, sie ward bleich wie eine Leiche, und leise Schmerzenstöne erklangen von ihren Lippen. Die Pharisäer höhnten und schimpften nach der Seite des Walles hin, wo sie stand, und man führte sie darum etwas ferner von dem Kreise zu den andern heiligen Frauen. Magdalena war wie wahnsinnig, sie zerriß sich das Angesicht, ihre Augen und Wangen waren blutig."
S. 276 f (Aufrichtung des Kreuzes): "Es war ein erschreckender und zugleich rührender Eindruck, als unter Hohngeschrei der Schergen und Pharisäer und vieles entfernten Volkes, das ihn nun auch sehen konnte, das Kreuz emporschwankte und erschütternd niederstieß; aber auch fromme, wehklagende Stimmen erhoben sich zu ihm. Die heiligsten Stimmen der Erde, die jammernde Stimme der Mutter und der Freundinnen und des Freundes und aller, die reinen Herzens waren, begrüßten das am Kreuze erhöhte, ewige, Fleisch gewordene Wort mit rührender Wehklage, und alle Hände der Liebenden streckten sich bang, als wollten sie helfen, empor, da der Heiligste der Heiligen, der Bräutigam aller Seelen, lebendig an das Kreuz genagelt, in den Händen der tobenden Sünder emporschwankte, als aber das Kreuz mit lautem Hall aufrecht in die Sandgrube hineinsank, trat ein kurzes Schweigen ein, alles schien von einem neuen, nie dagewesenen Gefühle überrascht. Selbst die Hölle fühlte den Stoß des sinkenden Kreuzes mit Schrecken und bäumte sich nochmals in ihren Werkzeugen mit Hohn und Fluch gegen dasselbe; bei den armen Seelen aber und in der Vorhölle war eine bang harrende Freude, sie horchten auf jenen Stoß mit sehnsüchtiger Hoffnung, er tönte ihnen wie das Pochen des nahenden Siegers an den Toren der Erlösung. Das heilige Kreuz stand zum ersten Male inmitten der Erde aufgerichtet wie ein anderer Baum des Lebens im Paradiese, und aus den erweiterten Wunden Jesu träufelten vier heilige Ströme auf die Erde nieder, ihren Fluch zu sühnen und sie ihm, dem neuen Adam, zu einem Paradiese zu befruchten."
S. 286 (Verfinsterung der Sonne): "Die Mutter Jesu, Magdalena, Maria Cleophä, Maria Magdalena und Johannes standen aber zwischen den Kreuzen der Schächer um Jesu Kreuz und schauten den Herrn an, und die heilige Jungfrau, ganz von Mutterliebe überwältigt, flehte innerlich sehr inbrünstig, Jesus möge sie doch mit ihm sterben lassen. Da blickte der Herr seine liebe Mutter gar ernst und mitleidig an und wendete seine Augen zu Johannes und sagte zu Ihr. Weib, sieh, das ist dein Sohn; er wird noch mehr dein Sohn sein; als wenn du ihn geboren hättest. Er lobte auch noch Johannes und sagte: Er ist immer arglos glaubend gewesen und hat sich nicht geärgert, außer damals, da seine Mutter ihn wollte erhöhet haben. Zu Johannes aber sagte er; Sieh! das ist deine Mutter! und Johannes umarmte die Mutter Jesu, die nun auch seine Mutter geworden war, ehrerbietig wie ein frommer Sohn unter dem Kreuze des sterbenden Erlösers. Die heilige Jungfrau aber war nach diesem feierlichen Vermächtnisse ihres sterbenden Sohnes so von Schmerz und Ernst erschüttert, daß sie in den Armen der heiligen Frauen das äußere Bewußtsein verlor und, von ihnen umgeben, dem Kreuze gegenüber eine Weile auf den Erdwall niedergesetzt und sodann aus dem Kreise des Richtplatzes zu ihren Freundinnen gebracht wurde."
. 296 (Tod Jesu): "Es kam ein tiefes Erschrecken über alle Anwesenden mit dem Todesschrei Jesu, als die Erde bebte und der Kreuzhügel zersprang, es war ein Schrecken, der durch die ganze Natur ging, denn da zerriß auch der Vorhang des Tempels, da stiegen viele Tote aus den Gräbern, da sanken Wände im Tempel, stürzten Berge und Gebäude in vielen Weltgegenden ein." S. 297 f: "Da erstarrten die Hände seiner Mutter, ihre Augen verdunkelten sich, Todesbleiche bedeckte sie, ihre Ohren hörten nicht mehr, ihre Füße wankten, sie sank zur Erde, und auch Magdalena, Johannes und die anderen sanken mit verhülltem Angesicht, dem Schmerz hingegeben, nieder.
Und als die liebendste, traurigste Mutter aufgerichtet ward von den Freunden und die Augen emporrichtete, sah sie den vom heiligen Geiste rein empfangenen Leib ihres Sohnes, das Fleisch von ihrem Fleisch, das Gebein von ihrem Gebeine, das Herz von ihrem Herzen, das heilige Gefäß, aus ihrem Schoße in göttlicher Überschattung gebildet, nun aller Zier, aller Gestalt und seiner heiligsten Seele beraubt, hingegen den Gesetzen der Natur, die er geschaffen und die der Mensch in Sünde mißbraucht und entstellt hat, von den Händen derjenigen, die herzustellen und zu beleben er gekommen war ins Fleisch, zertrümmert, mißhandelt, entstellt, getötet. Ach! ausgestoßen, verachtet, verhöhnt hing einem Aussätzigen gleich das ausgeleerte Gefäß aller Schönheit, Wahrheit und Liebe zerrissen am Kreuz zwischen Mördern. - Wer faßt den Schmerz der Mutter Jesu, der Königin der Märtyrer!"
Anm. d. Red.:
Diese Zeit des Verrates soll uns in besonderer Weise zur Mutter Gottes führen, um uns unter ihren Schutzmantel zu versammeln. In feierlichen Gebeten wird diejenige verehrt, die Christus zur Himmelskönigin gekrönt hat und der nun selbst die Engel dienen. Aber dieses strahlende Bild der Glorie läßt viele vergessen, daß die Mutter Christi hier auf Erden die reinste Magd Gottes war, die bereit war, alle Schande mitzutragen, der ihr göttlicher Sohn ausgeliefert wurde.
Heute herrscht Karfreitag in der Kirche. Christus wird von denen, die Ihm ihre Treue geschworen haben, erneut verraten und gekreuzigt. Heute steht unsere Maria wieder unter dem Kreuz, verlassen von fast allen Jüngern Ihres Sohnes, tief getroffen von all der Verhöhnung, die auch ihr selbst gilt. Zu dieser Mutter sollen wir eilen, in dieser schier ausweglos erscheinenden Situation sollen wir uns mit ihr unter das Kreuz stellen und Trost darin suchen, ihren Schmerz mittragen zu dürfen.
Das erscheint hart, zu hart für die Wohlstands-„Katholiken", die nicht einmal erfassen, daß die Kirche Jesu Christi von ihren eigenen Leuten vernichtet wird, die nie bereit waren, eine solche Forderung, nämlich mit Maria unter dem Kreuz auszuharren, überhaupt ernst zu nehmen. Aber auch die Ästheten und Gefühlvollen seien daran erinnert, daß Christus seine Mutter nicht wegen ihres lieblichen Aussehens, sondern wegen ihrer absoluten Ergebenheit in den Willen Gottes, die in dem ergreifenden Mitleiden unter dem Kreuz einen Höhepunkt fand, zur Himmelskönigin gekrönt hat. Und dieser Königin gilt unsere ganze Verehrung.
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