56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. Predigt über das Pfingstfest
2. Pfingsten – der Geburtstag der Kirche
3. Von Kraftideen, Himmelsgedanken und Gottessöhnen
4. Lügen im Heiligen Land
5. Abtreibung und Geschlechtsumwandlung
6. Warum die Zionisten bewußt den Antisemitismus fördern
7. Buchbesprechung: Michael Lüders:
8. Am Rande des Dritten Weltkriegs:
9. Das Ende des Westens
10. Die neue Weltordnung
11. Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?
12. Rezension der Aufsätze
13. Überwachungskonzern Palantir und das Bekenntnis zum Krieg
14. Palantir ist die größte existenzielle Bedrohung
15. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
16. Mitteilungen der Redaktion
Lügen im Heiligen Land
 
„Lügen im Heiligen Land“
Armageddon, Götterdämmerung oder finale Entscheidungsschlacht?

von
Werner Olles


Vor über einem Vierteljahrhundert erschien mit dem fast 500 Seiten umfangreichen Buch „Lügen im Heiligen Land. Machtprobe zwischen Euphrat und Nil“ des renommierten Journalisten Peter Scholl-Latour das eigentliche Standardwerk über den seit Ewigkeiten andauernden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten. Es war nicht nur eines seiner besten Bücher, sondern im Prinzip eine literarische Vorwegnahme der unheilvollen Ereignisse, die sich dort zusammenbrauten. Scholl-Latour, der aufgrund seiner über sechzigjährigen Erfahrung als Chronist des Weltgeschehens die Brennpunkte der Geopolitik kannte, wußte dank des eigenen Gespürs für weltpolitische Umbrüche um die drohende Zuspitzung ethnischer und religiöser Kämpfe und Kriege und vor allem um die „Stunde der Wahrheit“ jenseits jeglicher politischen Korrektheiten, die heutigen Haltungsjournalisten leider zu eigen ist. Er beschrieb, wie die Zahl der zerrütteten Staaten wuchs, nachdem die USA, Israel und der kollektive Westen diese als „failed states“ und Brutstätten des Terrorismus hinterließen. Ob Irak, Afghanistan oder Libyen, die durch westliche Geheimdienste angezettelten Bürgerkriege beziehungsweise völkerrechtswidrigen Angriffskriege wuchsen sich zu einem hochgefährlichen Flächenbrand aus, dessen Ausgang höchst ungewiß ist. Er ahnte, daß als nächster Staat Syrien an die Reihe kommen würde, und genauso trat es ein. Heute herrscht dort statt des christenfreundlichen alawitisch-schiitischen Präsidenten Assad der ehemalige IS- und Al-Nusra-Schlächter al Scharaa, ins Amt gehievt mit tätiger Hilfe Israels und des Westens. Scholl-Latour nahm auch den aktuellen Brennpunkt Israel/USA vs. Iran in den Blick und hat das Schlimmste befürchtet. Er sollte Recht behalten.
Reden wir über die Lügen im Heiligen Land, die auch heute noch ungeniert von der zionistischen Propaganda verbreitet werden. Da ist zunächst die Behauptung, daß der kleine Staat Israel von feindlichen Mächten umzingelt sei und täglich mit seiner Vernichtung rechnen müßte. Tatsächlich hat Israel mit fast allen seinen direkten arabischen Nachbarn Friedensabkommen geschlossen und besitzt zudem die stärkste Armee – inklusive Nuklearwaffen - und den gefährlichsten und mächtigsten Geheimdienst im Nahen und Mittleren Osten. Daß diesem nichts von dem Terrorangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober bekannt war, ist zumindest zweifelhaft. Denn für das Regime von Netanjahu war er ein willkommener Anlaß, den Gaza-Streifen durch beispiellose Flächenbombardements plattzumachen, zehntausende Zivilisten vom Leben zum Tod zu befördern, die Bewohner zu vertreiben und zu sanktionieren - die Zahl der verhungerten Kinder ist immens - und die Bevölkerung von jeglicher medizinischen Versorgung abzuschneiden. Hinter diesem Genozid steht die alte zionistische Idee eines Groß-Israels inklusive Gazas und des Westjordanlands vom Nil bis zum Euphrat.
Die zweite historische Lüge ist die Leugnung der Vertreibung der Vorfahren der Palästinenser durch die israelische Landnahme vor 3.000 Jahren gegen die Kanaaniter. Tatsächlich stammen die heutigen Palästinenser, die sich assimiliert haben, von den Jebusitern ab, einem Stamm des antiken Kanaans, dies läßt sich auch genetisch nachweisen. Selbst die Gründung und der spätere Aufbau Israels geschahen keineswegs gewaltlos und zivilisiert. Vertreibung, Terror und Gegenterror gehören dazu wie der Pinguin zur Eiswüste und der Landser zum Schützengraben. Bereits die Gründung Israels 1948 war im Sinne des UN-Teilungsplans unrechtmäßig, da dieser einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah. Das Wichtigste im UN-Plan zur Teilung Palästinas wurde jedoch übersehen: die Erfüllung von Prophezeiungen, die für die jüdische Religion von höchster Bedeutung sind: Daß sie nach zweitausend Jahren der Wanderschaft und Zerstreuung in das Gelobte Land zurückkehren würden. Die jüdische Theologie betrachtet diese zwar als Strafe oder Prüfung zur Reinigung des jüdischen Volkes, doch nun wird es, gemäß seinem Glauben, seine Reinigung vollenden und vom Leiden zum Herrschen, von der Niederlage zum Sieg übergehen, wenn der jüdische Messias kommt. Und genau das geschieht jetzt in der Phantasie der Zionisten und ihrer messianisch-puritanischen Unterstützer in der US-Regierung, die im Prinzip ein gnostisches und häretisches Antichristentum darstellen, sich selbst jedoch als „christliche Zionisten“ bezeichnen. Der Rat der Patriarchen-Oberhäupter der Kirchen im Heiligen Land veröffentlichte im Januar 2026 eine Erklärung, in der schädliche Ideologien wie der „christliche Zionismus“ ausdrücklich verurteilt und Bedrohungen des christlichen Erbes vor allem im gesamten Westjordanland, wo Angriffe von Siedlern auf Kirchen und Gläubige beständig zunehmen, scharf zurückgewiesen werden.
Nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran, der zudem ohne jede Vorwarnung mitten in den Verhandlungen der USA und dem Iran über dessen Nuklearanlagen stattfand, stellte sich heraus, daß die USA de facto von Israel regiert werden, und zwar von einem aus den Zeiten des Alten Testaments. Dieses führt ethnische und religiöse Säuberungen durch, greift den souveränen Staat Iran an und beginnt mit den Morden an dessen religiösen, politischen und militärischen Führern durch gezielte israelische Luftschläge. Zuerst traf es den obersten religiösen Führer Ayatollah Chameinei, dann den Chef der Revolutionsgarden und zuletzt Ari Larijani, den iranischen Sicherheitschef und Philosophen, als er gerade seine Kinder besuchen wollte.
Israelische und iranische Raketen fliegen über das Feld von Armageddon und inzwischen auch über das heilige Land Syrien und den Libanon. Doch durch die barbarischen Bombardements schließt sich die Bevölkerung jenseits politischer Differenzen enger zusammen. Währenddessen scherzt Netanjahu mit dem US-Botschafter Huckabee, einem christlichen Zionisten, der wie viele Neocons, Falken und Evangelikale den spezifisch US-amerikanischen Erwählungs- und Erweckungsglauben aus dem Geist des Puritanismus vertritt. Beide beugten sich über ein Blatt Papier mit den Namen derjenigen, die in Zukunft zur Ermordung durch die CIA, den Mossad oder den MI6 vorgesehen sind. Nach den Terrormorden und den Flächenbombardements trat der Leiter der US-amerikanischen Anti-Terror-Abteilung, Joe Kent, aus Protest zurück, der frühere Trump-Propagandist Alex Jones nannte den US-Krieg gegen den Iran einen „zionistischen Staatsstreich“, enge Verbündete Trumps, wie sein ehemaliger Berater Steve Bannon und große Teile der MAGA-Bewegung wenden sich von ihm ab, ein äußerst bedrohliches Bild. Zudem wird bereits öffentlich darüber gesprochen, daß der römisch-katholische Vizepräsident Jack D. Vance, der aus Loyalität bis jetzt zu dem verheerenden Kurs Trumps, der offensichtlich im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre von Netanjahu zum Angriff auf den Iran erpreßt wurde, und zu den kriegerischen Ambitionen des fanatischen evangelikalen „Kreuzzüglers“ Pete Hegseth geschwiegen hat, die ihm auch theologisch völlig fremd sind, alles andere als erfreut ist. Denn mit der schwindenden Mehrheit der MAGA-Bewegung schwindet auch seine Aussicht auf die Nachfolge Trumps als US-Präsident bei den nächsten Wahlen. Aber auch jedes NATO- oder EU-Mitglied, das den USA Militärbasen auf europäischem Boden zur Verfügung stellt, hat Blut an den Händen und muß mit der Rache des hinterrücks überfallenen Irans rechnen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß die Israel-Lobby Trumps Wahlkampf finanzierte, während gut ein Drittel der US-amerikanischen Bevölkerung am Rand oder unterhalb der Armutsgrenze existiert.
Gott sei Dank hat der Iran dank der logistischen und ideellen Unterstützung Chinas und Rußlands die Eskalationsdominanz inzwischen zurückgewonnen. Im Grunde ist der Krieg, nachdem der Iran die ökonomisch wichtige Straße von Hormuz gesperrt hat, für die USA und Israel bereits verloren. Und das ist auch gut so!
Während der Westen, aber auch die immer dümmer werdende sogenannte „Neuen Rechte“ dies alles auf Gas, Öl, Hedgefonds, Ölpreise, den Wert von Bitcoins oder politische Intrigen etc. reduziert, geht es in Wahrheit um viel Wichtigeres, Grundlegenderes und Bedeutenderes. Es geht um den messianisch-apokalyptischen Krieg gegen den Iran, der laut des israelischen Oberkommandos Teil von Gottes Plan ist, und daß Präsident Trump „von Jesus gesalbt wurde, um ein Feuersignal im Iran zu setzen, und Armageddon, die endzeitliche Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse (Offenbarung 16, 16) auszulösen, der seine Rückkehr zur Erde zur Folge haben wird“, so und ähnlich lauten die Aussagen fanatischer christlich-zionistischer US-Kommandeure. In der Tat ist dies kein Witz, denn die apokalyptisch-messianische Theologie der puritanischen Evangelikalen hat tiefe Wurzeln, die angeblich auf biblischen Prophezeiungen beruhen, in denen der Iran zu einem zentralen Akteur kulminiert, der mit russischen Atomwaffen ausgerüstet, eine Invasion Israels starten wird. Diese wird in ihrer Phantasie zum sogenannten „Gog und Magog-Krieg“ führen, beschrieben in Hesekiel 38. In exakt dieser Eschatologie wird der Konflikt im Nahen Osten als Vorbote der Entrückung gesehen, die von einer großen Verfolgung abgelöst wird, in deren Verlauf die Erde vom Antichristen erobert wird. Eine apokalyptische Vision ist also die treibende Kraft hinter der evangelikalen Eschatologie und prägt derzeit die hochgefährliche US-Außenpolitik. Der Drang nach Groß-Israel vom Nil bis zum Euphrat oder zum Oman-Golf wird als „eine göttliche Intervention, die das Zeitalter der Erlösung beschleunigen wird“ betrachtet.
Netanjahu als Vorbote des Messias! Kann es einen größeren Zynismus, eine größere Perversion, einen schlimmeren Nihilismus geben? Doch tatsächlich glaubt dieser Mann, der eigentlich im Gefängnis sitzen müßte, an seine historische und spirituelle Mission, während die Dummköpfe in Europa und im kollektiven Westen ihre Blicke und ihre verlogene Kritik auf die iranische Theokratie richten, die zwar religiös fundamentalistisch ist, den Krieg aber nicht vor dem Hintergrund des Armageddon führt, sondern um die Souveränität und die Unabhängigkeit ihrer Nation sowie ihre kulturelle Identität zu schützen. Im gleichen Atemzug wird die extremistisch-terroristische Kraft des US-amerikanischen und israelischen religiösen Fundamentalismus, der durchaus Züge einer Zivilisation der Gewalt, der Perversionen, der Barbarei und des Satanismus trägt, völlig unterschätzt. Es handelt sich also bei dem radikal-puritanische Messianismus und christlichen Zionismus, die sich vollständig mit dem europäischen Atheismus, Materialismus, Wissenschaftswahnsinn der liberalen Moderne und der globalistischen, säkularen Version von Soros und der EU decken, um ein spezielles Phänomen, dessen Fäden alle zu den linken und rechten Beschleunigungsprojekten führen, die die Menschheit im Sinne des Baal-Kults, dessen Protagonist der pädophile Sexualverbrecher Epstein war, zerstören. Die apokalyptische Umwandlung der Welt durch Technologie, Ideologie und die Eschatologie der Beschleunigung ist jedoch zur Zeit nur reaktiv aufzuhalten. Daher sind wir aufgerufen, Widerstand zu leisten, die Zeit zu verlangsamen, die Beschleunigungstheorie zu bremsen, bis wir endlich in der Lage sind, gegen die Mächte des Bösen, gegen die dunkle Aufklärung und die Priesterinnen der Hure Babylons einen mächtigen Schlag auszuführen, und das bedeutet mit aller Kraft zurückzuschlagen. Bis dahin haben wir als „Schild des Katechon“ (Alexander Dugin) unsere Mission zu erfüllen, während sich der Iran im Nahen Osten im Namen der zoroastrischen Zyklologie den Sieg von Ormuzd über Ahriman zum Vorbild nimmt, und Rußland in der Ukraine einen mutigen Schritt für die anti-globalistische und multipolare Erneuerung der Welt wagt, die der Menschheit endlich wirklichen Frieden bringt.

 
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