56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. Predigt über das Pfingstfest
2. Pfingsten – der Geburtstag der Kirche
3. Von Kraftideen, Himmelsgedanken und Gottessöhnen
4. Lügen im Heiligen Land
5. Abtreibung und Geschlechtsumwandlung
6. Warum die Zionisten bewußt den Antisemitismus fördern
7. Buchbesprechung: Michael Lüders:
8. Am Rande des Dritten Weltkriegs:
9. Das Ende des Westens
10. Die neue Weltordnung
11. Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?
12. Rezension der Aufsätze
13. Überwachungskonzern Palantir und das Bekenntnis zum Krieg
14. Palantir ist die größte existenzielle Bedrohung
15. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
16. Mitteilungen der Redaktion
Das Ende des Westens
 
Das Ende des Westens

von
Werner Olles

Die Unfähigkeit des Westens, die Realität zu analysieren, ist eines der Symptome unserer kulturellen und intellektuellen Katastrophe. Sie resultiert aus der Angst, die letzte Hülle radikalisierter Bürgerlichkeit abzustreifen, deren Intensität und Intentionalität der Historiker Professor Jiang am Beispiel der Europäischen Union als „brennenden Müllcontainer“ bezeichnete. Der Westen, und damit sind die EU, die Nato und die USA gemeint, habe nicht nur keine Ahnung, was in der Welt vor sich gehe, seine Strategien – ob in der Ukraine oder im Nahen und Mittleren Osten -, stellten eher eine permanente Verwechslung von Realität und Wunschphantasien dar. Und in der Tat rationalisiert man seine resignative und individualistische-subtile Angst, die inzwischen auch Züge des klinischen Tatbestands von Wahnvorstellungen beinhaltet, mittels eines totalitären Irrationalismus, der kurzfristig narzistische Befriedigungszustände verspricht.
Doch was einen pragmatischen Reflex darstellen soll, entpuppt sich bei näherem Hinsehen nicht als reflektierte Strategie, sondern als flügellahme Ente der Minerva und redet sich insgeheim ein, Praxis sei gewissermaßen unmöglich, man müsse sich daher ins Gebäude der Philosophie zurückziehen. Tatsächlich hat die Kritische Theorie in den 1960er Jahren einen Moment der Resistenz gegen den Zug zum Totalitären einerseits und zum Liberalen andererseits, letztlich aber auch zu gewissen Formen linker und rechter Observanz ermöglicht. Über sechs Jahrzehnte später haben Libertinismus, Transhumanismus und dystopischer Techno-Kapitalismus sämtliche Illusionen zerstört, daß aus übermäßiger Verschuldung und ideologischen Wahnideen etwas anderes als systemische Gewalt und stetige Erosionen des Gemeinwesens hervorgehen können. Materielle Produktion und Arbeit sind marginalisiert und damit bedeutungslos geworden, und eine bankrotte neue Normalität als Spektakel und Symptom einer systemischen Erschöpfung ist entstanden. Unsere Zivilisation - von Kultur zu sprechen wäre eine Häresie -, gleitet relativ lautlos in einen Strudel aus Perversionen, Skandalzyklen und dunklen Ritualen, glaubt jedoch seltsamerweise immer noch lebendig und schöpferisch zu sein. Tatsächlich hat das hypersexualisierte Raubtier jegliche Form von natürlicher Erotik, Verführung und menschlichen sexuellen Instinkten in eine Form ritualisierter und völlig frei von ethischen Normen transformierte kannibalistische Primitiv-Sexualität verwandelt und damit zum Beiwerk des Porno-Computers und der KI.
Zwar schimmert auch in jeder Tragödie ein eschatologischer Optimismus, doch bieten uns die globalen Eliten und die herrschenden Ideologien in jeder Beziehung kaum mehr als redundanten Schund und das Schicksal glücklicher Vasallen. Da auch die politische Rechte sich inzwischen auf Mimese und Servilisimus von a bis z versteht, und sich außer begriffslosem Konkurrieren um überholte politische Positionen in der globalkapitalistischen Massengesellschaft westlich-demokratischer Prägung einigermaßen gemütlich eingerichtet hat, findet sich in ihrem Angebot außer einer wenig überzeugenden Diagnose nur relativ wirkungslose und schlechte Medizin anstatt radikaler Schocktherapien. Wenn jedoch Ideologien im Grunde nur noch vulgarisierende und archivilisierte Philosophien sind, die die gesunden Instinkte verderben, mutiert die „Mikrophysik“ (Foucault) zu einer Methode, die brav und willig die herrschende Ideologie, die natürlich immer auch die Ideologie der Herrschenden ist. Was letztlich bleibt ist dann der kosmische Kampf zwischen Gott und Satan, Himmel und Hölle!

 
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