Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?
von Eberhard Heller
Vor etlichen Jahren hatte ich damit begonnen, die Situation der Philosophie an den kath. Hochschulen bzw. Seminaren zu untersuchen, denen von CIC her vorgeschrieben ist, die philosophische Position Thomas’ von Aquin zu lehren, was teilweise so verstanden wurde bzw. immer noch wird, als ob diese gleichsam wie eine dogmatische Position zu betrachten sei. Doch war dabei auch klar, daß es in der Philosophie darum geht, eine Behauptung einsichtig zu vollziehen bzw. nachzuvollziehen, d.h. der über die Position des Thomas belehrte Student muß diese Aussage in eigener Reflexion als wahr oder falsch erkennen und beurteilen können. Die (Vor)Konstruktion (= Lehrsätze des Thomas) muß in freier Reflexion einsichtig nachkonstruiert werden können. Erst wenn dies geschehen ist, kann ich von einer philosophischen Erkenntnis sprechen. Es darf also keineswegs durch Verweis auf das Kirchenrecht dahingehend vorgegangen werden, daß die Lehre des Thomas kritiklos adaptiert werden kann. Wer so vorgeht, zeigt, daß er sich damit aus dem Kreis der Philosophen ausschließt. Die Festlegung auf Thomas war gedacht als Basis, um ein Fundament zu präsentieren, das allgemein bekannt war und sich durch seine logische Struktur gegen andere Lehrsysteme abhob (wie sie in den Gottesbeweisen präsentiert wurde). Diese Festlegung für das Philosophiestudium erhielt im CIC, can. 1366 § 2 ihre kirchenrechtlich verbindliche Festlegung. Doch hatte Leo XIII., der in "Aeterni Patris" zwar eine Lanze für den Thomismus bricht, zugleich aber auch betont, daß etwaige Fehlpositionen selbstverständlich zu korrigieren sind, nämlich dann, wenn sich zeigen sollte, daß etwaige Positionen des Thomas falsch seien. D.h. auch, daß der Papst impliciter von einer kritischen Herangehensweise an Thomas ausging, was ausschließt, daß er dieses thomistische System gleichsam mit „dogmatisch gültiger Diginität“ ausstattet. Auch Pius XII. hatte zur Erweiterung des philosophischen Horizontes aufgefordert. Nun hatte ich bereits in EINSICHT vom Juni 1998, Nr. 2, nachgewiesen, daß der erste sog. Gottesbeweise, in "quinque viae" in der "Summa theologiae" I q.2 a.3, des Thomas in sich eine Tautologie darstellt, der also schon in die Prämissen Prinzipien eingehen läßt, die erst nachgewiesen werden sollen. Ähnlich ist es mit den anderen vier. D.h. diese „Beweise“ beweisen noch erweisen sie irgendeine gesicherte Erkenntnis von Gott. Das wiederum bedeutet, daß es in der Philosophie, die im kath. Bereich betrieben wurde und wird, keine gesicherte philosophische Erkenntnis Gottes gibt, sieht man einmal von dem „unum argumentum“ im Jahre 1077/78 entstandenen „Proslogion“, in den Kapiteln II–V, des hl. Anselm ab, das gerade vom hl. Thomas abgelehnt wurde. Ebenso ist hier Descartes zu erwähnen, dessen „Cogito ergo sum“ auf der Erkenntnis basiert, daß „Deus est“. Oder betrachtet man Fichte mit der WL. Aus dieser Sicht des Standes der philosophischen Gotteserkenntnis möchte ich auf meine entsprechenden Bemühungen zur Erkenntnis Christi als Sohn Gottes hinweisen, in denen es um den bisher ausstehenden Erweis geht. Stichworte für eine wissenschaftliche Philosophie: Selbstdarstellung: Was ist Philosophie? Begriff und Begründung, Vollzug, sich einsichtig abgrenzen gegen andere geistige Tätigkeiten, sie muß einsichtig sein, Einsicht muß nachvollzogen werden. Sie ist kein fertiges Produkt, sondern muß erst im geistigen Akt erscheinen, methodisch: reduktiv bis zum höchsten Punkt gehen, von dem aus deduktiv die Erkenntnisse gewonnen werden können. Bei Interesse kann die Diskussion wieder aufgegriffen werden.
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