56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. Predigt über das Pfingstfest
2. Pfingsten – der Geburtstag der Kirche
3. Von Kraftideen, Himmelsgedanken und Gottessöhnen
4. Lügen im Heiligen Land
5. Abtreibung und Geschlechtsumwandlung
6. Warum die Zionisten bewußt den Antisemitismus fördern
7. Buchbesprechung: Michael Lüders:
8. Am Rande des Dritten Weltkriegs:
9. Das Ende des Westens
10. Die neue Weltordnung
11. Welche Philosophie? Thomas oder Fichte?
12. Rezension der Aufsätze
13. Überwachungskonzern Palantir und das Bekenntnis zum Krieg
14. Palantir ist die größte existenzielle Bedrohung
15. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten...
16. Mitteilungen der Redaktion
Rezension der Aufsätze
 
Rezension der Aufsätze:
Über die Erkenntnis Christi und
die scholastischen Gottesbeweise
von Dr. Eberhard Heller

von
Julian Pastor


Im Sammelband „Und das Wort besiegt die Finsternis“, Uhingen 2025, erschienen zahlreiche Aufsätze aus der „Einsicht“ des katholischen Philosophen Eberhard Heller. Dabei wird das Werk durch die gleichzeitige Wahrung von zwei Grundsätzen zu einem methodischen Novum: Erstens die theologische Nischenausrichtung, die von Außenstehenden als ein „Brandmauernsedisvakantismus“ wahrgenommen wird, die also die Selbstidentifikation als authentisch katholisch unentwegt an das eigene Lager koppelt. Zweitens die konsequente Wahrung eines ergebnisoffenen Schlussfolgerns, veranlasst von dem Vorsatz, die eigene Haltung aus den elementaren ontologischen und metaphysischen Realien abzuleiten.

Vorbildlich ist die durchgehende Einhaltung dieser Grundsätze, die auch einigen vordergründig als fragwürdig erscheinenden logischen Strängen der traditionellen katholischen Philosophie Transparenz verleiht.

Der Aufsatz „Die Irrtümer des II. Vatikanums und ihre Überwindung durch die Erkenntnis Christi als Sohn Gottes“ wirft die Frage auf, ob man kraft der natürlichen Vernunft erkennen könne, dass die katholische Kirche die einzig wahre Kirche ist. Der Aufsatz „Ja zu den scholastischen Gottesbeweisen?“ erörtert die Gültigkeitsfrage der fünf Gottesbeweise des hl. Thomas von Aquin.

Als traditionstreuer Katholik möchte ich positiv würdigen, dass auch berechtigte subjektive Zweifel transparent angesprochen werden. Das macht die katholische Kirche nur noch glaubwürdiger als jedes Verschleiern. Zugleich möchte ich die philosophischen Erörterungen als Historiker, dessen Zunft ipsa natura interdisziplinär arbeitet, um weitere Gedankengänge ergänzen. Denn in der Tat ist jede Grübelei, welcher Glaube der authentisch katholische Glaube ist, müßig, solange noch unklar ist, ob der authentisch katholische Glaube überhaupt der wahre Glaube ist.

Als die wegweisendste Stelle für das Postulat eines „Christusbeweises“ (analog zu den Gottesbeweisen) halte ich den Satz auf S. 37: Die Wunder Jesu zum Beweis Seiner Vollmacht seien „sehr wohl an die Erkenntnisfähigkeit des Johannes gerichtet“.

Hierauf würde ich antworten: nicht nur. Denn Jesus prophezeite darauf aufbauend: „Diese Zeichen aber werden jenen folgen, die glauben: In Meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden“ (Markus 16,17–29).
„Wer an Mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die Ich tue, und wird größere als diese tun; denn Ich gehe zum Vater“ (Johannes 14, 2).

Diese Prophezeiungen sind erfüllt: in Lourdes (medizinisch bestätigt), durch viele Heilige (bei Pater Pio, Anna Maria Taigi u.v.a. medizinisch bestätigt), in Fatima (astronomisch bestätigt), und in den eucharistischen Wundern (medizinisch und archäologisch bestätigt).

Zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der katholischen Wunderberichte verweise ich exemplarisch auf das Kompendium „Wunder sind Tatsachen“ des Priesters und NS-Widerstandskämpfers Wilhelm Schamoni sowie auf die Dissertation „Unerklärliche Ereignisse, überprüfte Wunder und juristische [!] Tatsachenfeststellung“ des Gütersloher Richters Harald Grochtmann.

Der Anspruch Jesu zur Nachfolge war kein Aufruf zum blinden Gehorsam, wie es im Islam oder im Judentum der Fall ist. Der Anspruch fußt auf objektiv feststellbaren Tatsachen. Deshalb lehrt die Bibel über die Heiden, die das Geschaffene anstelle des Schöpfers anbeten: „Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen. Doch auch sie sind unentschuld-bar; wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Gebieter von alldem?“ (Weisheit 13, 7–9).

Der Aufsatz über die scholastischen Gottesbeweise, der vor diesem Hintergrund ebenso entscheidend ist, enthält einige kritische Beurteilungen, die ich anders sehe. Das Gesetz „Was bewegt wird, wird von einem anderen bewegt“ ist kein „willkürliches Postulat“ (S. 253), sondern eine unmittelbare Anwendung des Gesetzes, dass nichts seine eigene Wirkursache (causa efficiens sui) ist. Und dass die erste Ursache und der erste Beweger von allem Gott ist, wird zumindest in Verbindung mit anderen Quaestiones der Summa theologica klar, insbesondere jene, wonach es nur ein erstes Prinzip geben kann, und dieses ein ens a se ist.

Dass Gott selbst das erste Prinzip ist, ist übrigens die einzig logische Antwort für das Münchhausen-Trilemma und die Leibniz’sche Theodizee gleichzeitig. Das müsste allerdings noch umfänglicher erörtert werden.

Im Übrigen versucht Dr. Heller a priori zu begründen, dass das „Dasein Gottes“ aus formallogischen Überlegungen „nicht bewiesen werden kann“, da Er hierfür „aus einem ersten Grund als Folge“ deduziert werden müsse. Hier vermischt Dr. Heller meines Erachtens die kausalen Abfolgen, die nur von Ursache zu Wirkung verlaufen (also z.B. vom Regen zur nassen Straße), und die logischen Abfolgen, die auch Rückschlüsse erlauben (also von der nassen Straße zum Regen, oder eben von der Notwendigkeit eines ersten Bewegers zu Gott).

Die Herleitung, dass die katholische Kirche die einzig wahre Kirche ist, erfordert also eine Berücksichtigung mehrerer Disziplinen, von der Ontologie (Gottesbeweise), über die Bibelwissenschaft (Legitimierungsmomente der Verfasser) bis hin zur Archäologie und Medizin (Erforschung der Übernatürlichkeit von Wundern). Zugleich geht mit ihr die Verbindlichkeit einher, dass auch die zukünftigen Forschungsergebnisse darauf hindeuten.

Diese Verbindlichkeit kann allerdings getrost eingegangen werden, da sie sich seit 2000 Jahren bewährt hat. Bevor Jesus einen Gelähmten heilte, comittete Er sich gegenüber den Schriftgelehrten: „Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach Er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!“ (Markus 2:9–11). Der Beweis unserer Vollmacht wurde die letzten Jahrzehnte mit einer beeindruckenden Präzision mit der Erforschung der eucharistischen Wunder erbracht, und wird die nächsten Jahrzehnte noch weitergeführt.

 
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