MITTEILUNGEN DER REDAKTION
Ergertshausen, Allerseelen 2002
Verehrte Leser,
in meinen letzten Mitteilungen hatte ich geschrieben: "Die Reformer
haben den Glauben zerstört und Christus dadurch erneut gekreuzigt. Den
traditionalistischen Priestern jedoch blieb es vorbehalten, der Kirche
nachhaltig zu schaden. Denn diese selbstgefälligen Kleriker, denen es
in erster Linie um die Sicherung ihrer Klientel geht und nicht um den
Wiederaufbau, betrachten ihre geistlichen Vollmachten nicht als von der
Kirche verliehen, sondern als ihr persönliches Eigentum." Die
Aktivitäten dieser geistlichen Herren konzentrieren sich nicht auf die
Bildung von wirklichen christlichen Gemeinden, mit denen der
Wiederaufbau der Kirche zu beginnen hätte und auf denen andere
Maß-nahmen der Restitution aufbauen könnten, sondern auf die bloße
Versorgung gewisser Heilsegoisten mit Sakramenten. Genau eine solche
'Versorgungsmentalität' verhindert die Sicht auf die wirklichen
Probleme und eine umfassende Pastoral, an der Kleriker und Laien
mitzuarbeiten hätten. Prof. D. Wendland schreibt zu Recht: "Die sog.
'Meßzentren' waren und sind keine katholischen Gemeinden mit
kirchlichem Gemeindecharakter. Vielmehr neigten sie von Anfang an zum
Sektierertum und wurden, wenn sie nicht eingingen, sogar zu
unverkennbaren 'Sektiererzentren'." Seiner Meinung nach kann eine
Besserung der Verhältnisse nur dann einsetzen, wenn der erforderliche
umfassende Aufbau mit der Beseitigung der Diaspora-Situation, d.h. der
Vereinzelung der Gläubigen, durch die Bildung christlicher Gemeinden
zielstrebig begonnen würde: "Wenn sich katholische Christen ernsthaft
und nüchtern über die Beendigung der schon so lange andauernden Vakanz
des Apostolischen Stuhles Gedanken machen, dann ist es notwendig, die
Hindernisse (obstaculae) zu beachten, die sich ihr ständig
entgegenstellen. Zu diesen aber gehört an erster Stelle die seit 1965
immer deutlicher hervorgetretene Diaspora-Situation der
römisch-katholischen Kirche. Deshalb muß zuerst gegen dieses große Übel
angegangen werden, und zwar durch eine Gründung von, wie bereits
erwähnt, echten 'römisch-katholischen Christusgemeinden' - am besten
durch einen Bischof oder in seinem Auftrag und getragen von theologisch
gebildeten Priestern und Laien mit klar umrissenen Kompetenzen, die in
einer Satzung festzuhalten sind. Derartige Christusgemeinden sind keine
privaten religiösen Gemeinschaften (communitates), sondern kirchliche
Gesellschaftsgebilde (societates) mit einem gemeinsamen und spezifisch
christlichen Glauben gemäß der normativen Forderung des hl. Paulus 'ein
(einziger) Herr, ein (wahrer) Glaube, eine (sakramentale) Taufe, ein
Gott und Vater aller, der über allen ist und durch alle und in allen'
und wobei (wie schon damals) jedem ihrer Träger 'die Gnade verliehen
wurde nach dem Maß der Gabe Christi.' (Eph 4,5-7)" ("Über das Papsttum
der Römischen Bischöfe, die Eigenart des Apostolischen Stuhles und eine
Kirche ohne Papst")
Wie eine solche Gemeinde aussehen könnte, hat uns der inzwischen
verstorbene Pfr. Molitor ge-zeigt, den zwar etliche wegen seiner
Verbindung zu Econe kritisiert haben, der aber seiner Gemeinde nicht
nur als Seelsorger Halt gab, sondern der auch als Pastor den Aufbau
verschiedener Initiativen betrieb, in die er die Gläubigen mit einband,
und dem es sogar gelang, eine sehr rührige Jugendgruppe aufzubauen.
Wenn ein Priester daran kein Interesse zeigt, ja sogar sich solchen
Bestrebungen widersetzt, kann man sicher sein, daß es sich um einen
Sektierer handelt, der nur vorgibt, Priester der kath. Kirche zu sein.
Zumindest sollten sich dann die Laien um eine solche Gemeindebildung
bemühen und sich gegebenenfalls nach einem Priester umsehen, der bereit
ist, der Kirche zu dienen.
Ihr Eberhard Heller
* * *
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