DER VERLUST DER BUNDESLADE
von
Walter W.E. Dettmann
Zur Zeit des Hohenpriesters Heli ging im Alten Bunde die Bundeslade an
die Feinde Israels verloren, weil die Priester das heilige Opfer immer
wieder geschändet hatten. In der Bundeslade waren die steinernen
Gesetzestafeln des Moses, der goldene Krug mit Manna und der blühende
Stab Aarons enthalten. Über der im heiligen Zelt stehenden Bundeslade
war Gott immer in besonderer Weise gegenwärtig gewesen. In der heutigen
Zeit hat die katholische Kirche an unzählbar vielen Orten das heiligste
Altarssakrament verloren, weil das Meßopfer durch die Hierarchie des
Zweiten Vatikanischen Konzils geschändet worden ist.
Viele Katholiken haben bis heute noch nicht gemerkt, welche
folgenschweren Änderungen der hl. Messe das Zweite Vatikanische Konzil
mit sich brachte. Der größere Teil derer, die heute noch kirchliche
Gottesdienste besuchen, hält die neue Liturgie sogar für eine
Verbesserung.
Manchen Leuten kann man diese Auffassung nicht einmal übelnehmen, weil
sie zeitlebens noch nie ein ordentlich gefeiertes heiliges Meßopfer
erlebt haben.
Zu dem liturgischen Unfug und Skandal des Zweiten Vatikanischen Konzils
konnte es nur deshalb kommen, weil die Feier der heiligen Messe vorher
vielfach grob vernachlässigt worden war. Damit ist nicht der innere
Aufbau der hl.Messe gemeint, wie ihn Papst Pius V. im Jahre 1570
festgelegt hatte, sondern die Vernachlässigung bezieht sich nur auf die
äußere Feier des hl.Opfers durch den amtierenden Priester und die
Gemeinde. Es gab viele Geistliche, die das Meßopfer im Expreßtempo von
zwanzig Minuten, ja sogar in 15 Minuten darbrachten, so daß das Volk
den Gebeten des Priesters beim besten Willen nicht mehr folgen konnte.
Das heiligste Altarssakrament war für viele Geistliche eine ganz
unpersönliche Sache geworden. Wer Gelegenheit hatte, Hunderte und sogar
Tausende von Kirchen in Stadt und Land zu besuchen, erlebte es nur in
ganz seltenen Fällen, daß Geistliche noch ihr Brevier vor dem
Allerheiligsten in der Kirche beteten.
Für viele Geistliche war das heiligste Altarssakrament derart
gleichgültig, daß sie den fundamentalen Unterschied zwischen den
bisherigen Konsekrationsworten und dem neuen Einsetzungsbericht des
Montinipapstes kaum zu bemerken schienen.
Sie erschraken nicht im mindesten über die völlig veränderte Meßdefinition Montinis.
Dementsprechend schöpfte das gläubige Volk der vergangenen Jahrzehnte
sein religiöses Wissen und seine Liebe zum eucharistischen Heiland oft
weniger aus der Predigten der Geistlichen als aus der Erziehung durch
das Elternhaus und nicht zuletzt aus der unmittelbaren Anbetung unseres
Herrn in Brotsgestalten.
Geradezu schauerlich und ärgerniserregend war es, daß gewisse
Geistliche die Feier der heiligen Messe, die Feier des Leidens Christi,
bei ganz unpassenden Gelegenheiten und an ganz unpassenden Orten
durchführten.
So kam es vor, daß in einem Ort bei Veranstaltung eines Musikfestes (6
Jahre nach dem zweiten Weltkrieg) der Altar für die Feier der hl.Messe
auf derselben kleinen Festwiese aufgestellt wurde, auf der bereits zwei
große Bierzelte für mehrere hundert Personen standen. Die zahlreichen
Besucher hatten von der Behörde die Erlaubnis erhalten, die Nacht vom
Samstag auf den Sonntag in den Bierzelten "durchzufeiern", und die
Folge war, daß das Gröhlen der Betrunkenen am Sonntag vormittag während
des "Festgottesdienstes" aus den Zelten zu hören war. Der Kaplan jener
Gemeinde hatte den Pfarrer vorher auf diese Gefahr der Verunehrung des
heiligsten Sakramentes hingewiesen. Aber er bekam zur Antwort, das
ginge ihn nichts an. Tatsächlich war der Gottesdienst unter freiem
Himmel derartig schwach besucht, daß leicht alle Gläubigen bei
Gottesdiensten in der Kirche Platz gehabt hätten.
Eine Geschmacklosigkeit war es auch, daß der sogenannte Eucharistische
Kongreß des Jahres 1960 in München ausgerechnet auf der
"Theresienwiese", der großen Bierwiese, veranstaltet wurde. Dort, wo
die öffentliche Feier der hl. Messe stattgefunden hatte, wälzten sich
wenige Tage später die Betrunkenen am Boden. Die führenden Männer der
deutschen Katholiken, zumal die Bischöfe, haben damals bewiesen, daß
sie kein Empfinden für die wirkliche Erhabenheit des heiligen Meßopfers
besaßen. Es ist bezeichnend, daß ein großer Teil der Programmgestalter
und Redner dieses Kongresses die Zusammenkunft benützte, um die
Zerstörung der hl. Messe auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil
vorzubereiten. Die Eucharistiefeier von 1960 über dem Biersumpf und
über dem Bierschlamm der Münchener Theresienwiese war der passende
Auftakt für die Zerstörung der heiligen Messe auf dem Zweiten
Vatikanischen Konzil.
Die Bundeslade des Alten Testamentes kam nur durch ein auffallendes
Wunder wieder zurück in den Besitz des israelischen Volkes. Der Götze
Dagon, in dessen Tempel die Philister die erbeutete Bundeslade gestellt
hatten, lag plötzlich vor der Bundeslade am Boden, und als die
Philister ihn wieder aufgestellt hatten, passierte noch etwas
Schlimmeres: Am folgenden Morgen lag Dagon zertrümmert vor der Bundeslade.
So könnte auch heute die ordnungsgemäße Feier der hl. Messe und der
Besitz des heiligsten Altarssakramentes nur durch ein wirkliches Wunder
der göttlichen Allmacht dem gläubigen Volke zurückgegeben werden. Ob
dies aber geschieht, liegt ganz in der Hand dessen, der die Fülle der
Zeiten bestimmt. Auf jeden Fall und ganz unzweifelhaft sicher wird
heute das geschehen: Der schwärmerisch angebetete Götze einer falschen christlichen Einheit wird zertrümmert vor jenen Bischöfen liegen, die dem Volke das heiligste Altarssakrament geraubt haben.
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