MITTEILUNGEN DER REDAKTION
Ergertshausen, 20.9.2001
Verehrte Leser,
in dem vorliegenden Heft führen wir, wenn auch nur vorbereitend, unsere
Debatte über den Wiederaufbau der Kirche weiter. Dieses Problem bleibt
unser Hauptthema für die nächste Zeit. Leider wird es fast nur noch von
Autoren unserer Zeitschrift bearbeitet, weswegen wir die entsprechenden
Artikel übersetzen lassen, um mit diesem Thema auch interessierte
Gläubige in anderen Ländern zu erreichen. (In diesem Zusammenhang darf
ich Sie, verehrte Leser noch einmal bitten, uns bei der Suche nach
einem Übersetzer zu helfen, der Beiträge vom Deutschen ins Englische
übersetzen soll.)
Bei den jüngsten Terroranschlägen gegen Ziele in Amerika - die Bilder
des einschlagenden Flugzeuges und der Einsturz der beiden Türme des
World-Trade-Centers werden uns noch länger verfolgen - wird gerne
übersehen, daß diese Angriffe auch eine kulturelle Komponente enthalten
bzw. daß der Konflikt zwischen den Kulturen, dem angeblich christlichen
Westen und dem Islam, möglicherweise den Hauptgrund für die
verheerenden Attacken bildeten. Der geistig-religiöse Zusammenbruch,
über den wir in unserer Zeitschrift berichten, den wir analysieren,
bleibt natürlich auch der islamischen Welt nicht verborgen. Unsere
materialistisch ausgerichtete Spaßgesellschaft hat für einen Moslem
wenig Anziehendes an sich. Dort, wo das Christentum versagt, stößt der
missionarisch ausgerichtete Islam nach, mit Erfolg! Man denke nur an
Länder in Afrika. Und er fühlt sich mit Recht diesem moralisch morbiden
Westen überlegen! Ich werde nicht vergessen, was der bekannte Publizist
und Kenner der islamischen Welt, Peter Scholl-Latour, kürzlich in einem
Frensehinterview sinngemäß sagte: Wenn es wenigstens dem Westen noch um
Religion ginge, dann wäre Gesprächsstoff für beide Kulturen gegeben.
Aber leider hat der Westen weder religiös noch geistig etwas
anzubieten! Man solle, so Scholl-Latour, nicht vergessen: für einen
Moslem sind Atheisten Tiere! Und der Westen ist materialistisch, d.h.
atheistisch! Für Khomeini waren die USA der Satan, der die Jugend
verführt.
Aber der Haß hat noch eine andere Wurzel: die Überheblichkeit des
Westens! Man braucht nur den Kindern der Palästinenser zuzuhören, deren
Väter von den Israelis erniedrigt, geschunden und ermordert wurden, um
zu wissen, daß ein Haßpotential entsteht, ein Feuer des Hasses, welches
noch lange lodern wird.
Diese arrogante Haltung ist aber nicht nur das Markenzeichen der
a-religiösen Spaßgesellschaft, sondern man findet sie auch in den
Reihen angeblich rechtgläubiger Christen. Wir sind zwar keine
Atheisten. Aber was haben wir unternommen, um die christliche Religion,
unseren Glauben so zu leben, so zu bekennen, daß dieses Bekenntnis sich
in der Öffentlichkeit manifestiert? Nichts! oder fast nichts! Wo haben
wir Zeichen des Widerstandes gesetzt? Wo haben wir, wie es so schön
heißt, "Flagge gezeigt"? Wir sind Nischen-Christen, die auf ihre
sakramentale 'Versorgung' warten! Wir sind nicht nur verantwortlich für
das, was wir tun, sondern auch für das, was wir hätten tun sollen und
was wir nicht tun!
Wir sollten uns beeilen, Gottes Erbarmen auf uns und unsere Kinder herabzuflehen!
Ihr Eberhard Heller |