Christen werden von Muslims diskriminiert
- Über die Jahreshauptversammlung
der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte -
von
MICHAELA KOLLER
Der ehemalige Schatzkanzler des Erzbistums Khartoum, Hilary Boma, hat
die deutsche Bundesregierung aufgefordert, den Krieg im Sudan zu
verurteilen und Waffenlieferungen zu unterbinden. "Anstatt Fabriken für
Waffen sollte der Westen Fabriken des Friedens, der Verständigung und
des Dialogs bauen", sagte der katholische Priester bei der
Jahreshauptversammlung der Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte (IGFM) in Königstein/Taunus.
Bei der Tagung unter dem Motto "Dialog der Kulturen - Menschenrechte
zuerst!" mahnte der ehemalige Gewissensgefangene, die Bundesregierung
sollte nicht nur ihrem Interesse an Öl nachgehen, sondern auch "an die
schwarzen Menschen denken". Im Sudan befänden sich 700000 Ausländer zur
Ölgewinnung. In seiner Ansprache vor etwa 250 Gästen aus fünfzehn
Ländern erinnerte er an die Leiden seines Volkes durch den
jahrzehntelangen Bürgerkrieg. Der Sudan sei in einen afrikanischen und
christlichen Süden sowie einen arabischen und muslimischen Norden
gespalten. Boma stellte die Frage, ob in Bezug auf die Menschenrechte
Unterschiede zwischen den Rassen gemacht werden. Er beantwortete dies
mit der Feststellung, dass Menschenrechte im Sudan nur für Muslims
gelten. Nur die islamischen Araber würden als menschliche Wesen
betrachtet. "Wir, die Schwarzafrikaner sind aus Sicht der Muslime
Tiere, ja Hunde", sagte Boma.
In seiner Rede schilderte der 59-Jährige sein eigenes Schicksal: Im
August 1998 stürmten Polizisten das Büro des katholischen Priesters und
verhafteten ihn und 25 weitere Menschen wegen angeblicher
Mitverantwortung an Bombenattentaten in Khartoum. Er verbrachte
daraufhin neun Monate isoliert in einer dunklen Zelle. Boma wurde im
Gefängnis gefoltert. Im Oktober 1999 wurde der Priester zum Tode
verurteilt, im Dezember 1999 schließlich auf internationale Proteste
hin freigelassen.
Über die Verfolgung der christlichen Bevölkerung durch die islamische
Regierung berichtete bei der Versammlung auch der Generalsekretär der
Vereinigung christlicher Rechtsanwälte in Pakistan, Akbar Munawar
Durrani. Die Mehrheit der Mandanten des pakistanischen Rechtsanwaltes
müssen sich gegen den Vorwurf der Blasphemie rechtfertigen. Die
Beleidigung des "Heiligen Namens des heiligen Propheten Mohammed" ist
einer der Straftatbestände, die das Blasphemiegesetz in Pakistan
benennt. Die Beleidigung wird mit dem Tode bestraft. Der Rechtsanwalt
berichtete darüber, dass viele Christen dessen fälschlich beschuldigt
würden, nachdem Muslims sie aus Rache denunziert hätten. Durrani
betreut auch die Familien christlicher Mädchen, die Opfer von
Entführung geworden sind. Es sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen
noch minderjährige Christinnen entführt und dann zu einer Heirat und
zum Religionswechsel gezwungen wurden. Darüber hinaus seien christliche
Angestellte in islamischen Haushalten zwangsislamisiert, unterdrückt
und vergewaltigt worden. Christen in Pakistan seien nicht nur Opfer von
Verbrechen und falschen Beschuldigungen, sondern auch gesellschaftlich
diskriminiert.
(DIE TAGESPOST vom 10.4.01)
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