56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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Ausgabe Nr. 11 Monat Dezember 2004
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2005
SPENDENAUFRUF


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Offener Brief an H.H. Bischof M. Pivaruns


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2004
Ad multos annos - Herrn Prof. Dr. D. Wendland zu seinem 80. Geburtstag


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2004
Eberhard Heller: Besuch aus Mexiko


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
Open Letter to most Reverend Bishop M. Pivarunas


Ausgabe Nr. 8 Monat Oktober 2004
ROTHKRANZ Y LAS INVESTIGACIONES...


Ausgabe Nr. 10 Monat Dezember 2004
Sobre Monseñor Thuc y Monseñor Carmona


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2005
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN ...


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat Februar 2003
Offener Brief an H.H. Prof. Dr. August Groß


Ausgabe Nr. 2 Monat März 2003
Wer in der modernen Welt


Ausgabe Nr. 3 Monat April 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat April 2003
The Roman Catholic Diaspora Church


Ausgabe Nr. 5 Monat Juni 2003
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
Zitate: Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Juli 2003
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat September 2003
Rothkranz in Untiefen


Ausgabe Nr. 8 Monat October 2003
L’Eglise Catholique-Romaine de la diaspora


Ausgabe Nr. 11 Monat December 2003
De Monseñor Pierre Martin Ngô-dinh-Thuc


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2002
Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 2 Monat Mars 2002
ES MONSEÑOR LEFEBVRE UN OBISPO ORDENADO VALIDAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat Mai 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 4 Monat Juli 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 5 Monat September 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
Pfarrer Carl Sonnenschein


Ausgabe Nr. 6 Monat November 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
Satanische Tendenzen in der Rock Musik


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2002
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 8 Monat December 2002
Is Mgr. Lefebvre a validly consecrated bishop?


Ausgabe Nr. 7 Monat Diciembre 2001
LA IGLESIA CATOLICO-ROMANA EN LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2001
Papsttum als eines Wesens-Elementes der Kirche


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
Über das Papsttum der römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 6 Monat Dezember 2001
DIE SCHÖPFUNG - EIN GÖTTLICHER PLAN - Buchbesprechung


Ausgabe Nr. 8 Monat Januar 2002
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe


Ausgabe Nr. 1 Monat April 2000
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Nov.-Doppel-Nr.4/5 2000
WAR MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 2000
Zum Problem des innerkirchlichen Klerikalismus


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar 1999
IN MEMORIAM FRAU ELSE KETTERER


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
SIND DIE POST-KONZILIAREN WEIHERITEN GÜLTIG?- Fortsetzung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1997
AUS EINEM BRIEF AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1993
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1993
LESERBRIEF


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1994
ZUM PROBLEM DER ERFORDERLICHEN INTENTION BEI DER SAKRAMENTENSPENDUNG


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1995
NUR NOCH AUSLAUFMODELL?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1994
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE DIASPORA-KIRCHE - FIKTION ODER WIRKLICHKEIT? -


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 11 Monat Juli-Sondernr. 1992
ZUM PROBLEM DER INTENTIONALITÄT BEI DER SPENDUNG DER SAKRAMENTE


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
DER FALL ESCRIVA


Ausgabe Nr. 3 Monat August 1992
Mitteilungen der Redaktion


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1992
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RELIGION?


Ausgabe Nr. 4 Monat Mai 2006
DIASPORA


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundes-Republik Deutschland


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 1991
Wieviele Katholiken gibt es in der Bundesrepublik Deutschland


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
DER MODERNE HOMINISMUS UND SEINE ABARTIGE RELIGIOSITÄT


Ausgabe Nr. 5 Monat Februar 1992
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1990
NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli, Sondernr 2/3 1990
ÜBER DIE GRÜNDUNG DER Una et Sancta ECCLESIA, Vorwort


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1990
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1991
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1991
DIE ZERSTÖRUNG DES SAKRAMENTALEN PRIESTERTUMS DURCH DIE RÖMISCHE KONZILSKIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat Mai 1989
MYSTERIUM FIDEI


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1989
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat Januar 1989
WAS IST DAS EIGENTLICH: DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1988
LESERBRIEF IN AUSZÜGEN


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 7 Monat April-Sondernr 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Über die christliche Taufe und das Tauf-Sakrament


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
STELLUNGNAHME ZU DEM ARTIKEL DIE KRISE DER APOSTOLISCHEN SUKZESSION...


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1987
Aus EINEM BRIEF VON S.E. MGR. MOÍSES CARMONA


Ausgabe Nr. 3 Monat Sept./Okt. 1987
THEOLOGISCH-PHILOSOPHISCHE REFLEXION ÜBER DEN TRINITARISCHEN GOTT


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
KIRCHE OHNE RELIGION UND RELIGIONSLOSE KIRCHEN


Ausgabe Nr. 6 Monat März 1988
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 1 Monat April 1986
Was ist das eigentlich: Die Häresie?


Ausgabe Nr. 2 Monat Juli 1986
MITTEILUNGEN DER REDAKTION


Ausgabe Nr. 3 Monat September 1986
... DEN LEIB DES HERRN NICHT MEHR UNTERSCHEIDEN...


Ausgabe Nr. 5 Monat Januar 1987
ZUM 'MYSTERIUM FIDEI'


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
... UND SPIEEN IHM INS ANGESICHT ...


Ausgabe Nr. 6 Monat April 1987
Die Todsünde der Gotteslästerung


Ausgabe Nr. 3 Monat Juli 1985
OFFENER BRIEF


Ausgabe Nr. 4 Monat Oktober 1985
Es WÄRE ZU BEDENKEN


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
EINIGES ÜBER DEN BEGRIFF UND DAS WESEN DES CHRISTLICHEN GLAUBENS


Ausgabe Nr. 5 Monat Dezember 1985
BRIEF VON HERRN PROF. DR. D. WENDLAND AN DIE REDAKTION


Ausgabe Nr. 6 Monat Februar/März 1986
DAS GLAUBENSBEKENNTNIS DER KIRCHE ?


Ausgabe Nr. 6 Monat Oktober 2006
Der Teufel im Kino


Ausgabe Nr. 7 Monat Dezember 2006
Und ihr werdet sein wie Gott


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
Y seréis como Dios (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2007
And thou wilt be like God (Gen. 3,5)


Ausgabe Nr. 13 Monat September 2007
Et vous serez comme Dieu


Ausgabe Nr. 11 Monat February 2008
ARE POST CONCILIAR RITES VALID?


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
LA VALIDEZ CE LOS RITOS POSTCONCILIARES CUESTIONADA


Ausgabe Nr. 13 Monat April 2008
BIBLIOGRAFIA: VALIDEZ CUESTIONADA DE LOS NUEVOS RITOS POSTCONCILIARES


Ausgabe Nr. 13 Monat Diciembre 2009
L’EGLISE CATHOLIQUE-ROMAINE DE LA DIASPORA


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2010
Mitteilungen der Redaktion - wichtige Hinweise


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. a-b Ist das sakramentale Priestertum in der Konzilskirche erhalten


Ausgabe Nr. 11 Monat Februar 2011
A. 8. e-f Die fehlende ‚Intention’ bei der Weihe nach dem Montini-Ritus


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
In memoriam Prof. Wendland


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2011
Mitteilungen


Ausgabe Nr. 13 Monat June 2011
E sarete come Dio (Gn. 3, 5)


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2011
Zitate aus:Über (...) eine Kirche ohne Papst


Ausgabe Nr. 2 Monat Mai 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 3 Monat September 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 4 Monat Dezember 2012
MACHT UND OHNMACHT DER KIRCHE


Ausgabe Nr. 1 Monat März 2013
Null und nichtig – der Ritus der Bischofsweihe von 1968


Ausgabe Nr. 3 Monat August 2015
Tuet dies zu meinem Gedächtnis (Lk. 22,19)


Ausgabe Nr. 1 Monat Januar 2022
In Erinnerung an Dr. Ante Križić


Über das Papsttum der Römischen Bischöfe
 
Über das Papsttum der Römischen Bischöfe,
die Eigenart des Apostolischen Stuhles
und eine Kirche ohne Papst


von
Prof. Dr. Diether Wendland

I. Fortsetzung

1.Kapitel: Die "messianische Bewegung" im jüdischen Volke und das sich ausbreitende "Jüngerwesen"

Als der letzte große Prophet des Alten Bundes, Johannes der Täufer, am Jordan wie ein Elias auftrat und zur Buße rief, da war bereits im jüdischen Volke von Palästina eine "messianische Bewegung"    1) entstanden, die jedoch von einer ganz abwegigen und durchaus falschen Messias-Vorstellung sowie einem irrigen Messias-Glauben geprägt war, nämlich von einer neuen davidischen "Aufrichtung der Königsherrschaft in Israel" und dies sogar "auf ewig"! Erfreut darüber aber waren sicherlich nicht die römerfreundlichen Sadduzäer und Herodianer. Doch auch die sich um Johannes den Täufer sammelnden "Glaubens-Schüler", die sog. "Johannesjünger", lebten noch in diesem großen Glaubensirrtum, den sie von den Rabbinern bezogen hatten, abgesehen von denen, die den Täufer schon etwas besser verstanden, als er darauf hinwies, daß "schon die Axt an die Wurzel der Bäume gesetzt ist" (Mt  3,10; Lk 3,9) und daß der Messias bereits unter ihnen lebe, der er selbst aber nicht ist, wie andere verbreiten (vgl. 3,15); denn er sei nur "die Stimme eines Rufers in der Wüste" (im doppelten Sinne des Wortes) und "Vorläufer und Wegbereiter" (Joh 1, 20.23.25.30.) im Rahmen seines pro-phetischen Auftrags als Bußprediger und Spender der "Bekehrungstaufe zur Vergebung der Sünden" (Lk 3, 2.3). Die Hierarchen oder Tempelherrn in Jerusalem, die den Täufer wegen des sich auf ihn beziehenden Messiasgerüchtes durch eine Abordnung am Jordan zur Rede stellten und befragen ließen, waren beruhigt, jedenfalls zunächst, ohne jedoch ihre Charakterisierung als "Natternbrut" (Mt 3,7) zu vergessen. Denn es gehört zur jüdischen Mentalität, vor allem von Höhergestellten, bis zur Sinnlosigkeit nachtragend zu sein und keine Ruhe zu geben. 2)

Es war ein denkwürdiger Tag und ein historisches Ereignis, als der am Jordan taufende und lehrende Prophet zu zwei von seinen bei ihm stehende Jüngern sagte, indem er auf den in einiger Entfernung vorübergehenden Jesus von Nazareth zeigte: "Seht, das Lamm Gottes!" (Joh 1,35) (worüber ihr schon belehrt wurdet), und woraufhin die beiden Jünger diesem Jesus in die Wüste von Peräa hinterhergingen, um mit ihm in seiner vermeintlichen Herberge, die in Wirklichkeit aber nur eine Höhle war, zu sprechen und sich von ihm belehren zu lassen. Johannes der Täufer wird die beiden nicht mehr wiedersehen, doch darüber sicherlich nicht bekümmert gewesen sein! Denn sein Wirken trug Früchte! Der eine Johannesjünger war Andreas, der Bruder des Simon-Bar/Jona, und der andere war der spätere Apostel Johannes, der Bruder des Jakobus (beides Söhne des Zebedäus, der ebenfalls in Bethsaida-Julias ansässig war. Christus wird sie später, wohl wegen ihrer leidenschaftlichen Art, etwas ironisch "Boanerges" (Donnersöhne) nennen.) - Es ist kein Nachteil, sich über diese heilsgeschichtliche Situation einige vernünftige Gedanken zu machen.

Zwischen den Johannesjüngern und Christusjüngern bestand von Anfang an ein großer Unterschied; denn erstere kamen von sich aus oder aus eigenem Antrieb zum Täufer-Propheten, um sich von ihm (nicht bloß von Rabbinern) belehren und leiten zu lassen; hingegen konnte man ein Christusjünger nur unter zwei Voraussetzungen werden:

1. durch eine direkte und unmittelbare Berufung (vocatio spiritualis) von seiten Chrisi zu bestimmten Zwecken und wobei der erste Zweck in Seiner Nachfolge bestand, d.h. in einer Nachfolge in Seinen Denken, Tun und Sich-verhalten; und
2. durch die von Christus selbst erteilte sog. "messianische Taufe" durch Sein heiligmachendes Wort, d.h. durch eine Taufe von Dem, "der mit dem Heiligen Geiste tauft" (Joh 1,33), ja "mit Heiligem Geist und mit Feuer " (Mt 3,1). Beide Aussagen sind keine sakralen, sondern rein spirituelle, da sie sich unmittelbar auf die Tilgung (Auslöschung) von Schuld und Makel der Sünde beziehen. Zudem hat Christus geoffenbart: "Niemand kann zu mir kommen, wenn ihn der Vater, der mich gesandt hat, nicht zieht" (Joh 6,44), und zwar zuerst zu Christus, dem Gesandten, und dann durch Ihn zu Gott, dem ewigen Vater. Das gehört zur Ordnung der Erlösung aufgrund der Weisung Gottes und seines Wirkens "nach außen".

Es kommt auch nicht von ungefähr, daß der Arzt und Apostelschüler Lukas die "72 Jünger" erwähnt, welche Christus, obwohl die Jünger nicht ständig bei Ihm waren, ebenfalls zu bestimmten Zwecken gesendet hatte: "Gehet hin! Seht (=seid euch bewußt), ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe. (...) Betretet ihr eine Stadt und nimmt man euch auf, so eßt was euch vorgesetzt wird (= verlangt nichts Besonderes für euch), heilt die Kranken in ihr und sagt ihnen (gleichzeitig): das Reich Gottes hat sich genaht." (Lk 10,1 ff.). Der Evangelist Lukas wußte, wovon er redete, nachdem er eine Sache genauer recherchiert hatte. Im übrigen gehörte Christi Jünger-Sendung (Johannes der Täufer sendete niemanden) ebenfalls zu den Ursachen der "messianischen Bewegung", die man auch als "Reich-Gottes-Bewegung" bezeichnen kann. Diese Bewegung hatte später zwei Schwerpunkte. Der eine lag in Kapharnaum am See Genesareth, einer wohlhabenden Stadt und einem Verkehrsknotenpunkt in Galiläa, dem bevölkerungsreichsten Lande in Palästina (Simon-Petrus, der kein armer Mann war, betrieb dort mit seinem Bruder eine kleine Fischerei); der andere lag im Lande Judäa und in Jerusalem, einer friedlosen Metropole, von der auch die römische Besatzung 'ein Klageliedchen singen konnte'. Dazwischen aber lag Samaria, gleichsam ein Niemandsland im religiösen Sinne. Und doch hat Christus zuerst dort (in Sychar am Jakobsbrunnen) seine Messianität geoffenbart. Auch dies sollte einem zu denken geben.

Als die beiden Johannesjünger diesen Jesus von Nazareth mit brennendem Herzen wieder verließen (sie hatten ihn zuerst aus Verlegenheit mit dem üblichen Ehrentitel "Rabbi" (= Lehrmeister) ange-sprochen), suchte Andreas seinen Bruder Simon und machte ihm, als er ihn fand, die freudige Mitteilung: "Wir haben den Messias - das heißt übersetzt: Christus - gefunden" (Joh 1,42). Daraufhin aber wollte der immer so schnell entschiedene und praktisch veranlagte Simon sofort zu Jesus geführt werden, um sich selbst davon zu überzeugen. Das gleiche aber muß sich auch bei den Zebedäussöhnen ereignet haben, als Johannes seinen Bruder Jakobus suchte und fand. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß aus diesen vier Johannesjüngern nach ihrem Anschluß an Jesus von Nazareth auf wunderbare Weise sofort Jünger Christi  (maqhtai, mathätai) geworden wären. Nur eines erschien diesen Vier höchst verwunderlich, nämlich daß Christus, als er den Bruder des Andreas zu Gesicht bekam, sofort kraft übernatürlichen Wissens sagte: "Du bist Simon, der Sohn des Jonas (aus Beth-saida-Julias), du wirst (später) Kephas genannt werden - das heißt übersetzt: Petrus (Fels)" (Joh 1,42).

Man kann hier ruhig voraussetzen, daß keiner von den vier Johannesjüngern diese Aussage in ihrer Bedeutung wirklich verstanden hat; sie ist ja auch gar nicht so leicht zu verstehen. Zudem handelt es sich um eine Weissagung (vaticinium) für eine bestimmte Person sowie um einen recht seltsamen und erst später zu gebenden Beinamen (cognomen) für einen zum Apostel erwählten Jünger Christi, einen Beinamen, der sich wiederum nicht auf den moralischen Charakter einer Einzelperson bezieht (wie z.B. Joseph 'der Gerechte'), sondern auf dessen Position in einer künftigen religiösen Gesellschaft, die selbst noch gar nicht existierte. Indes war sie bereits auf eine atypische Weise im Werden ('in fieri'). Dies alles aber geht deutlich genug aus den Berichten der Apostel-Schüler Markus (3,13-16) und Lukas (6,12-14) hervor. Bei ihnen heißt es und was man bedenken sollte:

Der Heiland stieg, nachdem er sich von der ihn bedrängenden Volksmenge gelöst hatte, allein auf einen kleinen Berg bei Kapharnaum, um zu beten und dort die Nacht "im Gebet mit Gott" zu verbringen. Erst als es Tag wurde, kam Er zurück und rief (von den anwesenden Jüngern) jene zu sich, die er selbst wollte; und sie kamen zu ihm. - Und er bestellte zwölf (von ihnen zu bestimmten Zwecken), daß sie

1. ständig mit ihm seien (als seine Begleiter),
2. seine Sendboten (Apostel) wären und er sie aussende, um zu predigen (nämlich das kommende Reich Gottes) und
3. Macht zu haben (und befugt zu sein), Dämonen auszutreiben."

(Damals gab es viele Besessene in Israel und auch jüdische Exorzisten.) Auf diese Weise 'erwählte' sich Christus auch seinen Jünger Simon-Bar/Jona zum Apostel und gab ihm jetzt bei dieser Gelegenheit den geweissagten Beinamen 'Petrus', ohne jedoch seine Bedeutung zu erhellen. 3)

Die Apostel und Jünger Christ wurden im Laufe der Zeit vom "Lehrer Israels" nicht nur belehrt, sondern auch im Denken und Nachdenken erzogen. Oft geschah dies mit Parabeln und bildhaften Ausdrücken, um den Nicht-Berufenen das Verstehen zu erschweren (nicht etwa zu erleichtern!).

Im griechischen Text heißt es sehr aufschlußreich: "Er machte die Zwölf"; es machten also diese sich nicht selbst zu Aposteln und konnten dies auch gar nicht tun (nur Sektierer behaupten das Gegenteil), da niemand sich selber 'erwählen' kann und zu 'senden' vermag. Durch diese Erwählung und gleichzeitige Namengebung aber wurde Simon-Petrus zunächst zu einem "primus inter pares" ( zu einem Ersten unter Gleichen) 'gemacht'. 4) Man kann ihn auch als den Sprecher (nicht jedoch Anführer oder Leiter) dieser ausgesonderten (nicht: abgesonderten) Gruppe bezeichnen. Das deutsche Wort "Gefolgschaft" ist für diese Gruppe am passendsten, da in ihr auch gleichsam der 'harte Kern' der Jüngerschaft Jesu Christi durch Erwählung in Erscheinung trat, oft bezeichnet als "die Zwölf". 5) Indes dauerte es noch ziemlich lange, bis die eigentliche Bedeutung dieses Beinamens, eines Bild-Wortes, von den Aposteln deutlicher erkannt werden konnte. Es war ein langer und schwieriger 'Entwicklungsweg', der von einem gesetzesgläubigen, aber einem "kleingläubigen" (Mt 14,21) Simon-Bar/Jona zu einem wahren christgläubigen Simon-Petrusführte. Dieser Weg war viel länger als der von einem gesetzeskundigen Pharisäer Saulus zu dem allein durch Christus auf außerordentliche Weise bekehrten Saulus/Paulus, obwohl dieser sogar an der Ermordung des Diakonen Stephanus mitschuldig geworden war (Apg 7,58.59.). Diesen 'Stachel im Fleisch' ist der Völkerapostel zeitlebens nicht losgeworden, obwohl er so viele Gnaden-Gaben erhielt. Man darf keinen Apostel auf irgendeine Weise glorifizieren.

Durch die Aussendung zuerst der Jünger (die 'einfachen Gläubigen' wurden nicht gesendet) und darnach der Apostel, von der nur blinde Exegeten meinten, diese sei bloß eine "Probesendung" gewesen (Christus tat nichts 'auf Probe'!), beschleunige sich die "messianische Bewegung" und konzentrierte sich mehr und mehr auf den erstaunliche Wundertaten ganz mühelos vollbringenden "Propheten aus Nazareth", zumal da Gott schon dem Propheten Mose geoffenbart hatte: "Einen Propheten gleich dir will ich ihnen aus der Mitte ihrer Stammesbrüder erstehen lassen, meine Worte will ich in seinen Mund legen, und er soll ihnen alles sagen, was ich ihm sage und anordne. - Und wer nicht seine Worte hört, die er in meinem Namen spricht, den will ich selber zur Verantwortung ziehen." (Dt 18,18.19.)

Die Leute in Kapharnaum und Umgebung, welche die Worte Christi hörten, "staunten über seine Lehre; denn sein Wort war voll Macht (= höchster Autorität)" (Lk 4,32). "Sie staunten über seine Lehre; denn er lehrte wie einer der Macht hat (= Vollmacht besitzt) und nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1,22). Dies fiel sogar dem 'einfachen Volke' auf, welches auch bald ausrufen wird: "Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll" (Joh 6,14). Es ist verständlich, wenn einige Jünger und Apostel sich als Träger der "messianischen Bewegung" fühlten, die sich im Volke ausbreitete, das jedoch von einem irrigen Messias-Glauben geprägt war. Es ist nicht richtig, Simon-Petrus von diesem Irrglauben auszunehmen; denn er war sicherlich nicht 'gläubiger und intelligenter' als die 'Donnersöhne', Johannes und Jakobus.

Ebenso verständlich aber ist, daß die Hierarchen und der Hohe Rat in Jerusalem diese Bewegung, die sich auch unter den Judäern ausbreitete, zu fürchten begannen, da ihnen von Spionen hinterbracht wurde, daß Christus den gesendeten Aposteln u.a. befohlen hatte: "Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet nicht eine Stadt der Samariter; geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht hin und verkündet: Das Himmelreich hat sich genaht! Heilt Kranke, weckt (geistig) Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt! ..." (Mt 10,5-9 ... 14.15.).

Zu dieser Zeit 6) hatte der Heiland bereits im Hause des Simon Petrus und seines Bruders Andreas in Kapharnaum Wohnung genommen, wo Er ständig und fast bis zur Erschöpfung von Kranken umlagert war, aber auch bis zum Überdruß von Pharisäern und Schriftgelehrten aus Jerusalem belästigt wurde. Man kann es sich leicht vorstellen, wie es dort zugegangen sein muß, ganz abgesehen von der orientalischen Mentalität untereinander zerstrittener Juden. Aber auch die "messianische Bewegung" spitzte sich zu und wurde sogar eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Christi Jünger und Apostel. Denn derartige 'Bewegungen' politischer Natur sind bestens geeignet, auch Unwillige mitzureißen, dann aber meistenteils ins Verderben.

2. Kapitel:
Das Ende der "messianischen Bewegung", der Abfall eines Teiles der Jünger
und die Irritation der Apostel


Die durch das Auftreten der Jünger und Apostel Christi verursachte Beschleunigung der "messianischen Bewegung" barg mehrere Gefahren in sich. Denn das jüdische Synagogen-Volk und die Rabbiner erhofften und erwarteten keinen "himmlischen Erlöser" von ihren Sünden, sondern einen politisch-nationalen "Befreier", gleichsam einen "Super-David", der mit großer Macht und Prachtentfaltung das 'auserwählte Volk' zuerst zusammenführen und einigen und dann natürlich vom "römischen Joch" befreien werde, vielleicht sogar unter dem Fanal eines 'Heiligen Krieges'. Nicht bloß die Fanatiker wußten nichts mehr davon, daß der Messias sogar ein "Anti-Typus" Davids ist, von dem schon Isaias, von Gott belehrt, prophezeit hatte: "Seht, meinen Knecht, den ich halte, meinen Erwählten, der mir gefällt! Ich lege auf ihn meinen Geist, der bringt den Völkern die Wahrheit (Heilswahrheit)" (Is 42,1). Wer aber fragte und suchte nach dieser Wahrheit, geschweige denn nach einer bereits Mensch gewordenen? Das waren nur sehr wenige, ein von niemandem beachtetes Häuflein frommer Juden, das verstreut in Palästina lebte. Isaias hatte voller Hoffnung gesagt und geschrieben: "Das Volk, das in Finsternis wandelt, erschaut ein gewaltiges Licht" (9,1). Ein zu helles Licht kann die Augen aber auch blenden, so daß man sieht und doch nichts sieht! Zudem war von einem neuen "theokratischen Königtum", auf welche Fiktion viele fixiert waren, das wahre Heil nicht mehr erwarten. 7)

In Kapharnaum jedoch zogen sich Gewitterwolken zusammen, welche "die Zwölf" offenbar gar nicht bemerkten; sie wunderten sich nur über den plötzlichen Entschluß des Herrn, Kapharnaum zu verlassen und mit einem kleinen Schiff (einem größeren Kahn) "an einen abgelegenen Ort" hinüber zu fahren; dieser Ort lag in der Wüste oder Einöde nahe dem Städtchen Bethsaida-Julias, von wo die ersten vier Christus-Jünger herstammten. Doch keiner von den Aposteln ahnte, worauf dies hinauslaufen sollte. (Mk 6,32) An Land angekommen, "begab sich Jesus auf einen Berg (eine Anhöhe) und setzte sich dort mit seinen (12) Jüngern (Aposteln) nieder" (Joh 6,3), damit diese sich ausruhen sollten von den vorhergegangenen Strapazen. Doch dazu kam es nicht. Aber warum Nicht? Nun, weil "die Zwölf" und die vielen, dem Heiland auf dem Landwege nachgeeilten Leute (etwa 5000), nach den Krankenheilungen und Belehrungen ein besonderes Wunder und Wunderzeichen deutlich sehen sollten, größer noch als das "Manna-Wunder" unter Mose in der Wüste Sin (Ex 16,1 f.). Denn jetzt kam es sogar zu einer mehr als tausendfachen Vermehrung der Substanz von nur fünf Gerstenbroten und nur zwei Fischen zur Speisung des erschöpften und zugleich erregten Volkes. Das Manna-Wunder war keine Vermehrung der Substanz weniger eßbarer Dinge.

Es versteht sich von selbst, daß nicht wenige dieser Leute stutzig wurden und schließlich zu der Überzeugung gelangten, daß ein solches "göttliches Speise- und Schauwunder" doch nur der prophezeite Messias vollbringen könne. Darum riefen sie: "Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll" (Joh 6,14) und den Mose gemeint habe. Diese Leute, unter denen sich auch Christusjünger aus Judäa befanden, waren schließlich drauf und dran, "sich Seiner zu bemächtigen und zum König zu machen" (V. 16) - allerdings nur zu einem völkisch-nationalen 'Messias-König' - und Ihn daraufhin im Triumphzug nach Jerusalem "zu entführen". Als jedoch der wahre Messias sah, was da vor sich ging und sich zusammenbraute (der Teufel war sicherlich schon anwesend), "nötigte" Er die Apostel, sofort wieder "in das Schiff zu steigen und Ihm an das andere Ufer (zunächst entlang der Küste) vorauszufahren, bis Er das Volk entlassen habe" (oder: "während er das Volk entlassen werde" (Mt 14,22 f), was gewiß nicht so einfach gewesen sein wird, wie man sich wohl denken kann. Daraufhin stieg Christus wieder auf den Berg, um für sich allein zu beten, und er blieb dort - "Er allein" (Mt 14,23). Das war das Ende einer fehlgeleiteten "messianischen Bewegung" mit politischem Charakter, die im Volke entstanden war und der sich Christus entzog. Doch die Jünger und Apostel hatten dies immer noch nicht erfaßt, geschweige denn begriffen. Die Hierarchen in Jerusalem jedoch, die sich über die Vorgänge in Galiläa informieren ließen, waren mehr als verwirrt; denn sie konnten in bezug auf Jesus von Nazareth die Einheit und Identität von "dem Propheten" schlechthin (kat exochn, kat exochän) und dem "göttlichen Messias", der eindeutige Wunder-Zeichen heilsgeschichtlicher Natur setzte, nicht erfassen. Sie waren durch eigenes Verschulden "verblendet" und nur noch voll Haß (der bekanntlich geistig blind macht und das Denken verwirrt).

Auf das erste Speisungswunder der Fünftausend mit einem Heilszeichen des Messias aber folgte schon am nächsten Tage die große Epourania-Rede, eine messianische Predigt höchsten Ranges in der Synagoge von Kapharnaum (Joh 6,26-71), die indes auch zu einer radikalen Spaltung in der Jüngerschaft führte - bis hin zu einem Abfall vieler Jünger Christi, insbesondere derjenigen aus Judäa, die da murrten: "hart ist diese Rede, wer kann sie anhören?" (V. 60) und daraufhin weggingen, so daß Christus an "die Zwölf" die Frage (eine Prüfungsfrage) stellte: "Wollt etwa auch ihr weggehen?" (V. 67). Diese Frage hatte den Zweck, daß sie öffentlich ihren Glauben an Ihn als den Messias bekennen sollten, nachdem die "himmlischen Dinge" (epourania) in aller Öffentlichkeit verkündet worden waren. In dieser prekären Situation aber machte sich Simon-Petrus zum Sprecher "der Zwölf", indem er antwortete: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens!
Wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes (o agioV tou Jeou, ho hagios tú Theú) bist." (V. 69.69.) Also werden wir bleiben und dir folgen.

Sollte Christus diese Antwort genügt haben? Das ist zu bezweifeln, wie aus Seiner kurzen Reaktion hervorgeht, die ziemlich verärgert klingt: "Habe ich nicht auch, die Zwölf , mir auserwählt? Aber einer von euch ist ein Teufel!" (V. 70). (Gemeint ist der Sohn des Simon Iskariot, der hier als teuf-lischer 'Widersacher' bezeichnet wird.) Auch Simon-Petrus dürfte die Epourania-Rede nicht wirklich verstanden haben, sondern hat vielleicht nur deren Heilswahrheit dunkel geahnt. Zudem war das Wort vom "Heiligen Gottes" (hagios tu Theu) schon einmal am gleichen Ort gefallen (cf. Mk 1,24); doch damals von seiten eines von einem Dämon Besessenen, wonach Christus ihm sofort verbot, dieses Wort zu gebrauchen, weil Dämonen dazu kein Recht haben und mit einem solchen mehrdeutigen Worte nur Verwirrung stiften. Außerdem ist der "Heilige Gottes" nicht identisch mit dem "göttlichen Messias" und dem von Mose geweissagten Propheten, der ihm ähnlich sein werde. Auch waren die Apostel im Verstehen der "göttlichen Dinge" (oder der himmlischen) nicht alle gleich begabt und manche sogar ungemein schwerfällig, wie z.B. dieser Philippus, der in seiner Verständnislosigkeit Christus bat, ihm doch den Vater, den ewigen, zu zeigen (Joh 14,8 f.); er verstand überhaupt nicht, was das heißt: "Wer mich sah, hat auch den Vater gesehen."

Kapharnaum wurde mehr und mehr zu einem gleichsam 'heißen Pflaster' und einem unerträglichen Ort. Denn immer, wenn Christus dort oder in seiner Umgebung zu finden war, "kamen die Pharisäer (und Schriftgelehrten) heran, und begannen mit Ihm zu streiten" - bis zur Sinnlosigkeit, so daß der Heiland sie schließlich leid hatte und diese sturen Irrgläubigen und Ungläubigen einfach "stehen ließ" und mit den Aposteln davonging (Mk 8,11.13.; Mt 16,8), ja sogar weg aus Kapharnaum und Galiläa, den Jordan hinauf nach Cäsarea Philippi und in eine Gegend, die fast nur von Heiden bewohnt war. Dadurch aber vermied Christus Volksaufläufe, wie z.B. das zweite bloße Speisungswunder der viertausend Männer, "Frauen und Kinder nicht gerechnet", ("und sie aßen alle und wurden satt") in einer "öden Gegen" nordöstlich des "See's von Galiläa" (Mk 81f.; Mt 15,29 f.), und konnte sich so den Aposteln eingehender widmen, angefangen mit der Warnung: "Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Schriftgelehrten (und der Herodianer)!" (Mt 16,6; Mk 8,15), weil diese Zeitgenossen ungläubig sind, alles verdrehen und nichts von dem verstehen, was Ich, der Messias, autoritativ lehre und tue. "Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben." (Joh 6,63) "Begreift (auch) ihr noch nicht (wer ich wirklich bin)?" (Mk 8,21) Die Apostel hatten große Schwierigkeiten, einen und ihren irrigen 'Sohn-David-Glauben' zu überwinden, der ihnen die Erkenntnis des geheimnisvollen Kommens des "Reiches Gottes" bzw. des "Messias-Reiches" versperrte. Zudem zeigte sich in der Abgeschiedenheit von Cäsarea Philippi durch die Lehren Christi vom wahren Messias auf geistige Weise das Kreuz des göttlichen Menschensohnes und Erlösers, was die Apostel gänzlich überforderte. Dies darf man nicht übersehen, wenn die zwei berühmten Fragen Christi an "die Zwölf" richtig verstanden und bewertet werden sollen, die keiner von ihnen erwartet hat: "Für wen halten die Leute den Menschensohn?" und "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mt 16,13.15). Es hatten nämlich auch die Jünger und Apostel die frühere Belehrung Christi nicht verstanden: "Wie nämlich Jonas für die Niniviten ein Zeichen (Warnungszeichen) war, so wird es auch der Menschensohn sein für dieses Geschlecht." Denn die Männer von Ninive "haben sich auf die Predigt des Jonas bekehrt; und seht (erkennt endlich!), hier ist mehr als Jonas." (Lk 11,30.32.) Dieser von Gott nach Ninive, der heidnischen Hauptstadt Assyriens am Tigris, gesandte Prophet war ein Typus Jesu Christi, des göttlichen Menschensohnes und Erlösers. Und hatte denn nicht schon Johannes der Täufer vom Messias gelehrt: "Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer." (Lk 3,17). Auch die Apostel waren, menschlich gesprochen, 'zum Problem geworden', nicht bloß die Jünger.

Anmerkungen:
1) Diese Bewegung mit ihrer gesteigerten Messias-Erwartung, die auch Schwerpunkte bildete, muß unterschieden werden von der allgemeinen Hoffnung auf das Kommen des Messias, wofür die 'böse Zeit reif' schien. Aber nur wenige bedachten die Prophetie des großen Isaias, die den meisten sogar unbekannt geworden war.
2) ies kommt auch in der Frage des Simon-Petrus zum Vorschein (die sich nicht auf einen 'Fremden' bezieht): "Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis siebenmal?" Kurze Antwort Christi: "Ich sage dir: nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal!" (Mt 18,21. 22.) D.h. immer, wenn die Bitte um Vergebung wahrhaftig und nicht geheuchelt ist.
3) Dieser Beiname wurde erst später (cf. Mt 16,18.19.) von Christus ein wenig aufgehellt, zugleich aber mit zwei Verheißungen verbunden, die jedoch auch von Simon-Petrus nicht verstanden wurden, wie aus dem Folgenden ersichtlich wird. Und warum gebot Christus nun gerade den Aposteln, "sie sollten niemand sagen, daß er der Messias sei" (ebd. V.20)? Man erinnere sich an gewisse Geschehnisse in den Tagen vorher, die fürwahr erschütternd waren.
4) Simon-Petrus war weder ein noch der "Erstapostel" (und der Iskariote kein 'Letztapostel'), wie man neuerdings wieder so unsachlich zu sagen pflegt, und ebenfalls nicht ein "Apostelfürst". Doch auch die Gruppe oder der Kreis der Apostel war mitnichten ein "Apostel-Kollegium". Aber vielleicht wird es bald 'literarische' oder 'exegetische' Narren geben, die von 'Jesus und seinen Kollegen' reden werden, im Gegensatz zur Propaganda 'Jesus Superstar', um Jesus den Christus zu lästern.
5) Die Worte "Jünger" und "Apostel" werden im NT oft promiscue (unterschiedslos) gebraucht, was auf eine sprachliche Unbeholfenheit zurückzuführen ist. Aber auch der Hohe Rat in Jerusalem war sich über das Gemeinte nicht klar; nur das damals entstandene "Jüngerwesen" wurde mit Argwohn beobachtet, bespitzelt und als gefährlich eingestuft, denn es rüttelte am Totalitarismus der jüdischen Synagoge. Für die Römer waren die inneren Zwistigkeiten der Juden in Palästina ohne Bedeutung; sie waren für sie nur ärgerlich und verachtenswert.
Man muß von der Sache her drei Gruppen um Christus deutlich unterscheiden, auch wenn dies nicht immer leicht ist;
1) die "Jünger" (maqhtai),
2) die "Apostel" und
3) die rechtgläubigen Anhänger (asseclae in fide), selbst wenn diese die "messianische Taufe" noch nicht empfangen haben könnten.
Indes besaß Christus keine "Diener" (uphretai, hüpärétai), weil "Sein Reich" eben "nicht von dieser Welt ist" (Joh 18,36). Aber auch der Hohe Rat in Jerusalem mit seinen 71 Mitgliedern war zur Zeit Christi kein theokratisches Gebilde mehr, sondern ein teils aristokratisches teils oligarchisches und ein durch-aus despotisches, von dem das einfache Volk sich fürchtete und duckte. Zudem saßen "auf dem Stuhl des Moses" keine Propheten mehr, sondern nur noch "Schriftgelehrte und Pharisäer", die "allesamt 'blinde' Führer des Volkes" seien und außerdem noch "den Menschen das Himmelreich (das Reich Gottes in den Himmeln) verschließen" (Mt 23,2.13.). Die Dinge liegen oft nicht so einfach, wie sich dies so manche Zeitgenossen von heute in ihren Träumen vorstellen.
6) Damals erfuhr Christus auch durch Johannesjünger von der Ermordung des Täufers auf Befehl des Herodes Antipas in seiner Burg "Machärus" in Peräa. Der letzte Prophet des Alten Bundes im Übergang zu einem Neuen, den er selbst angekündigt hatte, war tot. Christus hatte ihm noch kurz vorher ein glänzendes Zeugnis ausgestellt.
7) Später wird Christus einen Pontius Pilatus dahingehend belehren: "Wäre mein Königreich von dieser Welt, dann hätten meine Diener (uphretai , hüpärétai) gekämpft (gmeint ist mit Waffengewalt), daß ich den Judäern nicht ausgeliefert würde" (Joh 18,36). Jünger und Apostel aber hatten keinen solchen Auftrag.


(Fortsetzung folgt)

 
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