56. Jahrgang Nr. 3 / Mai 2026
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1. ZWEI PREDIGTEN ÜBER DAS LEIDEN DES HERRN
2. Über die Familie
3. Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem
4. Den Zwang beenden
5. Über die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi
6. Der heilige Anselm von Canterbury
7. Ein Held der Caritas
8. Die Ikone
9. NACHRICHTEN, NACHRICHTEN, NACHRICHTEN
10. MITTEILUNGEN DER REDAKTION
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum Sedisvakanzproblem
 
Kurze Antwort auf eine Anfrage zum "Sedisvakanzproblem"

von
Prof. Dr. Diether Wendland

Es finden sich immer noch katholische Christen, die, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, an Katholiken oder an Zeitgenossen, die sich als Katholiken bezeichnen, folgende Frage stellen:

Warum eigentlich sind Millionen religionsmündiger Katholiken nicht fähig, die schon über 40 Jahre lang andauernde Vakanz des Apostolischen Stuhles (oder der Cathedra Petri zu Rom) zu erkennen? Auf diese Frage nach dem wirklichen Erkennen einer bestimmten Sache religiöser Natur gibt es mehrere Antworten, die jedoch nicht befriedigen, so daß dann andere zu der Frage gedrängt werden, ob dies denn stimme mit dem Millionen Katholiken, die dazu unfähig sind oder es sein würden? Können tatsächlich so viele 'Gläubige' so erkenntnisblind und dumm (stulte) sein? Oder gibt es hier etwas, das sie weltweit am deutlichen Erkennen einer solchen Vakanz hindert oder davon ablenkt? Sicherlich spielen auch Unwissenheit und Verwirrungen keine geringe Rolle; aber dagegen steht ein Vakanz-Zustand von so langer Dauer, der sich doch in nicht bloß einer einzigen Beziehung bemerkbar machen muß und was selbst 'einfachen Gläubigen' nicht entgehen kann. Warum also wird (wie man auch sagen kann), die 'römische Sedisvakanz' von den meisten Katholiken überhaupt nicht erkannt, ja nicht einmal von allen denen (wenn man genauer hinschaut), die sich heutzutage als 'Sedisvakantisten' bezeichnen? Denn diese Katholiken benutzen die Sedisvakantismus-Position nur als Alibi für ihr Nichtstun in kirchlichen Angelegenheiten oder auch für falsche und abwegige Zielsetzungen, die keine Hilfe für katholische Christen in ihrer konkreten Lebenslage sind. Es ist oft nicht einfach, die echten Sedisvakantisten von den Semi-Sedisvakantisten und den Pseudo-sedisvakantisten zu unterscheiden, weil sie auch nicht organisiert sind und gesellschaftlich nicht in Erscheinung treten. Dann aber entsteht der Eindruck, daß sie gar nicht existieren. Dabei gab es schon vor dem Vatikanum 2 vereinzelt echte Sedisvakantisten, allerdings nur unter theologisch gebildeten Laien, nicht jedoch (verständlicherweise) unter Klerikern. ...

Als der Römische Bischof oder Bischof zu Rom, Papst Pius XII., gestorben war (9. Oktober 1958), trat Sedisvakanz ein, d.h. es waren der Apostolische Stuhl seines Inhabers und das Papsttum seines Trägers verlustig gegangen. Damals ereignete sich auch etwas recht Merkwürdiges, woran sich einige der heute noch Lebenden immer noch lebhaft erinnern; es kamen nämlich im kirchlichen Bereich zwei grundverschiedene Gruppen von Katholiken spontan zum Vorschein: die einen betrauerten zutiefst den Tod dieses großen Papstes, die anderen hingegen waren erfüllt von großer Freunde darüber, daß Pius XII., dieser 'Aristokrat' und vermeintlich harte und lieblose Mann, nach längerer Krankheit nun endlich tot war. Diese Leute voller Haß, zu denen sich auch Nichtkatholiken gesellten, hofften auch darauf, daß ihn 'ein ganz ander Papst' bald vergessen machen werde und der später zu Unrecht als "Übergangspapst" bezeichnet wurde. Denn ein solcher war der Patriarch von Venedig, Angelo Giuseppe Roncalli, nun gerade nicht, zumal da er sich bereits als sog. 'Papstnamen' den Namen eines Häretikers und sog. "Gegenpapstes" aus dem Spätmittelalter zulegte, nämlich: "Johannes XXIII." (1410-1415). Das war schon recht seltsam und ließ orthodoxe Katholiken aufhorchen. Denn dies war ein erstes Indiz dafür, daß sich die ursprüngliche "rein natürliche" Sedisvakanz bereits in eine ganze andere gewandelt (umgewandelt) haben muß, die eine wesentlich andere Ursache hat (als den natürlichen Tod einer Person), nämlich eine schon wirksam werdende Häresie in der Geistesverfassung eines hohen oder höheren "kirchlichen Prälaten", der von Kardinälen zum Papst gewählt wurde, d.h. in concreto: die durch ihre Wahl eine Person bezeichneten, welche Papst sein soll, dies jedoch dadurch noch nicht ist, und die sich daraufhin (überraschenderweise?) "Johannes XXIII." nannte.

Hier zeigte sich schon das Häretische im Geiste einer Person, die auch sehr bald als der "gute Johannes", ja sogar als unser "guter Bruder Johannes" ausgegeben wurde, insbesondere von höheren Klerikern und modernistischen Theologen. Roncalli, der "gute Papst" wurde überall gegen Pacelli, den "bösen Papst", gesetzt und ausgespielt, obwohl der hohe Prälat Roncalli nie Papst war und gewesen sein konnte. Dies aber erkannten damals nur sehr wenige, vor allem jedoch die alten Freunde Pius' XII. aus der theologisch gebildeten Laienschaft. Diese Erkenntnis wirkte bei manchen zeitweilig sogar lähmend in Ansehung der sich überall verbreitenden Roncalli- bzw. 'Bruder Johannes'- Euphorie.

Es genügt bereits eine einzige Häresie, um nach der Wahl einer Person zum Papst von seiten dieser Person eine rein natürliche und gewöhnliche Vakanz des Apostolischen Stuhles zu einer ungewöhnlichen (insolens) und außergewöhnlichen (insolitus) Vakanz (=Verwaisung) zu machen bzw. 'umzufunktionieren' und ihr Kontinuität in der Zeit zu geben. Eine solche Sedisvakanz wie die nunmehr vorliegende war weder durch noch mit dem Tode Pius XII. eingetreten, sondern nach seinem Tode und allein durch den 'hohen Prälaten' und Erzbischof Roncalli, da dieser sich in aller Öffentlichkeit als Häretiker entpuppte, indem er sogar zwei Häresien als neue Frohboschaft 'verkündete' und sich somit auch als ein "falscher Prophet" im Sinne Christi (Mt 7,15.16.) erwies. So manche katholischen Christen erinnerten sich auch gleich an den Hinweis des hl. Johannes, des Apostels, bezüglich der 'großen Verführer': "Aus unserer Mitte gingen sie hervor, aber sie gehörten nicht zu uns" (1. Joh 2,19). Im übrigen ist eine solche ungewöhnliche Vakanz des Apostolischen Stuhles kein Gegenstand des kanonischen Rechts und deshalb von daher auch gar nicht erfaßbar. Das kanonische Recht bezieht sich nur auf die sog. "Erledigung eines Kirchenamtes (officium ecclesiasticum)" im rein juridischen Sinne (de iure vacat), was fundamental-theologisch so gut wie nichts besagt. Indes ist das "päpstliche Amt" oder "Papstamt" kein Produkt der Kirche und nimmt auch eine einzigartige Sonderstellung ein. - Sedisvakanz ist eben nicht gleich Sedisvakanz - ohne nähere Bestimmung.

Die erste Häresie Roncallis war die Irrlehre und die Verheißung eines "neuen (oder zweiten) Pfingsten" auf dem angekündigten ökumenischen (allgemeinen) Konzil; außerdem berief sich Roncalli für die Einberufung eines Konzils auf eine "Eingebung oder Erleuchtung von oben" (wie er schon Ende Januar 1959 berichtet und auch später zu wiederholten Malen versichert hatte). Die zweite Häresie aber zeigte sich in der Trennung des außerordentlichen Lehramtes der Kirche vom ordentlichen und in der Unterwerfung des letzteren unter die allgemeine Norm des sog. "Aggiornamento" - im radikalen Widerspruch zu der nur der Kirche Christi anvertrauten (und unfehlbaren) göttlichen und apostolischen Lehre des Heils (oder Erlösungslehre) für alle Menschen. Dieses "Aggiornamento" (ein konfuser Begriff, den später Montini aufgenommen und noch konfuser gemacht hat) gipfelt in der grotesken Vertreibung, ja sogar 'Austreibung' des "Geistes der Wahrheit" (Joh. 14,17) aus der 'una sancta Ecclesia' mit Berufung auf den Hl. Geist und sein Wirken. Grotesker geht es wahrhaftig nicht!

Man muß bei der schon so lange währenden Vakanz des Apostolischen Stuhles oder der Cathedra Petri zu Rom diese beiden Häresien begreifen, einschließlich ihrer Ausrichtung auf ein besonderes Konzil in Rom, das sich auch zu Unrecht als Vatikanum 2 bezeichnete, denn es war nicht die Fortsetzung des abgebrochenen Vatikanum I. Diese Sedisvakanz ist in der Tat eine ungewöhnliche und außergewöhnliche schlechthin, so daß es gar nicht verwunderlich ist, wenn sie sogar von vielen Katholiken, die noch orthodox katholisch sind oder dies zu sein scheinen, überhaupt nicht oder nicht klar genug erfaßt wird. Andernfalls müßten sie ja auch ihre realen Folgen erkennen, was doch ebenfalls nicht der Fall ist. - Am 11. Oktober 1962 herrschte weltweit sichtbar ein Nicht-Papst über mehr als 2 500 stimmberechtigte 'Hirten' in weißen Mitren, die sich in Rom zu einem 'heiligen Konzil' versammelt hatten. So etwas hatte es in der Geschichte der katholischen Kirche noch nie gegeben. Nicht wenige katholische Laien, die bereits auf Distanz gegangen waren, trauten ihren Augen nicht mehr und zweifelten an ihrer Sehschärfe. Papst Pius XII. war erst vor 4 Jahren verstorben. Nun aber nahm ein seltsames 'Hirtenkonzil' seinen Lauf und ließ übelste Dinge ahnen. Sedisvakanz und Vatikanum 2 gehören zusammen und bildeten von Anfang an eine fürwahr 'unheilige Einheit'. Auch dies muß man begreifen, um die kirchliche Situation von damals und heute nicht mißzuverstehen; sie darf nicht 'vereinseitigt' werden, sonst erkennt man auch nicht den Bruch mit der apostolschen Ecclesia Romana auf einem Konzil (!), der nicht mehr lange auf sich warten ließ und welches sich als 'das Konzil' schlechthin aufspielte. Schon diese Propaganda modernistischer Kleriker war für viele orthodoxe Katholiken unerträglich. Da 'wehte' ein Geist, der nicht mehr der Heilige sein konnte.  

Der religiöse Begriff "Apostolischer Stuhl" ist (im Unterschied zum politischen Begriff "römischer Stuhl") ein bildhafter Terminus für den ortsähnlichen 'Sitz' des auf ihm fortlebenden Apostolates Petri zu Rom. Zudem beruht nur auf dem perennierenden Apostolat des hl. Petrus (oder dem 'petrinischen Apostolat') die übernatürliche Hoheit des von Christus eingesetzten Papsttums in Seiner Kirche. Welche Katholiken aber wissen noch, daß "Kirche" und "Stuhl" (Ecclesia et Sedes) sich zueinander verhalten wie "Reich" und "Thron" (Matthias Joseph Schee-ben)?! Auch dies wird heutzutage von vielen nicht mehr begriffen, gleichgültig ob es sich um Katholiken oder Nichtkatholiken handelt.

Wer alles und was alles verhindert somit die klare und sichere Erkenntnis einer schon so lange dauernden ungewöhnlichen und außergewöhnlichen Vakanz des Apostolischen Stuhles?? Auch diese Frage sollen sich Katholiken zu Bewußtsein bringen.
 
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