Der selige Papst Urban V.
von
Eugen Golla
Die Periode der avignonesischen Päpste genießt vielfach einen
schlechten Ruf. Nicht nur, daß sich mit ihr oft sehr schnell das Wort
"Schisma" verbindet, nachteilig wirkte sich auch die Abhängigkeit
dieser Päpste von den französischen Königen aus, noch belastender aber
das dort ausgebildete kuriale Abgabewesen mit seinen erhöhten Taxen,
die bestechliche Geldgier vieler Hofgeistlicher und Beamter, zahlreiche
Mißbräuche bei der Ämterverleihung: Ärgernisse, welche auch unter den
Renaissance-Päpsten größtenteils beibehalten worden waren und daher zum
Enstehen der Reformation beitrugen. Positiv müssen aber die sich von
Marokko bis China erstreckende Missionstätigkeit sowie die Förderung
von Wissenschaft und Kunst beurteilt werden.
Von den sieben zwischen 1309 und 1377 in Avignon residierenden Päpsten
- sämtlich Franzosen - ist Urban V. sogar selig gesprochen worden. Er
wurde auf dem provenzalischen Schloß Grisac 1310 geboren. Nach
Absolvierung der Studien entschloß sich der junge Adelige, in den
Benediktinerorden einzutreten. Er wirkte erfolgreich als Generalvikar
und Abt. Mehrfach vertrat er aber auch den Papst in Italien, wo er
während seiner vierten Legation erfuhr, daß er am 28.September 1362 zum
Papst erwählt worden war, ohne Mitglied des Kardinalskollegiums zu sein.
Seine Inthronisation und Krönung in Avignon erfolgte ohne Prunk und die
üblichen Kavalkaden. Es war dies die erste Bekundung von Urbans
asketischer Gesinnung, wollte er doch, wenn auch mit der höchsten Würde
bekleidet, das mönchische Leben möglichst weiterführen: fasten, beten,
Betrachtung und nur kurze Ruhepausen nach den Mühen des Tages. Nachts
gönnte er sich - auf einem harten Lager liegend - nur wenige Stunden
Schlaf, die oft noch durch Beten unterbrochen wurden. Ein solch
heiligmäßig lebender Mann zeigte naturgemäß große Strenge, so z.B.
gegenüber den in der damaligen Zeit zahlreichen Pfründenanhäufungen.
Durch eine Bulle schränkte er deshalb das Verleihen von Benefizien ein.
Energisch versuchte er auch, Konkubinat und Simonie zu bekämpfen.
Freigebig erwies er sich als Freund der Wissenschaften. In Frankreich
ließ er mehrere Universitäten errichten; auch die Gründung der Wiener
Universität förderte und bestätigte er. Seine große Wohltätigkeit hatte
allerdings zur Folge, daß sich trotz Reduzierung des päpstlichen
Hofstaates die finanzielle Lage des Kirchenstaates verschlechterte.
Frühzeitig versuchte der dem Geschlechte der Luxemburger entstammende
deutsche Kaiser Karl IV. Urban zu bewegen, wieder seinen Sitz nach Rom
zu verlegen, wozu den Kaiser allerdings in erster Linie realpolitische
Gründe bewegten: er wollte das Papstum dem französischen Einfluß
entziehen und das Kaisertum durch einen Römerzug, d.h. durch eine mit
einer Heerfahrt verbundene Krönung stärken. Noch eifriger drängten aber
die schwedische Heilige und Mystikerin Brigitta sowie der große Dichter
und Humanist Petrarca Papst Urban V. zur Rückkehr nach Rom, der sich
davon wieder glückliche Zeiten für die Ewige Stadt erhoffte.
Daß der Papst überhaupt die Reise dorthin unternehmen konnte, war
hauptsächlich dem energischen spanischen Staatsmann und Feldherrn
Kardinal Albornoz zu verdanken, der den zerfallenden Kirchenstaat
zurückerobern konnte. Nicht geringen Widerstand gegen dieses Vorhaben
leisteten begreif-licherweise die meisten französischen Kardinäle, die
das üppige weltliche Leben an den Ufern der Rhone nicht gegen einen
Aufenthalt in einer dem Verfalle preisgegebenen Provinzstadt
eintauschen wollten.
Am 30. April 1367 verließ jedoch Urban Avignon. Von Marseille ging die
Fahrt zu Schiff bis zur Hafenstadt Corneta, die bereits zum
Kirchenstaate gehörte. Einen längeren Aufenthalt nahm er in Viterbo, wo
ihn die Unglücksbotschaft erreichte, daß Kardinal Albornoz, der allein
imstande gewesen wäre, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, gestorben
sei. Am 16. Oktober zog er unter dem Jubel der Bevölkerung in Rom ein,
wo ihm der notdürftig wiederhergestellte Vatikan statt des Late-rans,
der bisherigen päpstlichen Residenz, als Wohnsitz diente.
Niemals war wohl die Ewige Stadt so tief gesunken wie damals: die
herrlichen Denkmäler vergangener Epochen zerfielen oder wurden
zerstört, auf den Straßen tobten Kämpfe der Söldner und der Parteien.
1368 krönte er die Kaiserin, die Gattin Karls IV., der bereits 1355 die
Krone erhalten hatte. Kaiser Karl leistete wie in den Zeiten des
Hochmittelalters dem Papste Marschalldienste, indem er eine Strecke
dessen Zelter führte. Aber die Eintracht zwischen den beiden höchsten
Mächten der Erde war im "Herbst des Mittelalters" schon zum bloßen
Schein verkommen. Karl fühlte keine Verpflichtung, als Schutzherr der
Kirche aufzutreten. Sein Herz hing an seiner zweiten Heimat, Böhmen,
insbesondere an Prag, das er zu einem hohen Stand geistiger und
materieller Blüte brachte.
Mit einer Enttäuschung endete auch der Besuch des byzantinischen
Kaisers Johannes Paläologos, der vor dem Ansturm der Türken, die
bereits in Europa Fuß gefaßt und Adrianopel (Edirne) erobert hatten,
nach Rom geflohen war, um die von der Kirche in Aussicht gestellte
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es war auch nicht das erste- oder
letztemal, daß ein Kaiser Ostroms das katholische Credo vor einem Papst
ablegte: immer wieder wurde diese Geste vom Klerus und vom Volk
Griechenlands nicht akzeptiert, die Union mit den verhaßten Lateinern
abgelehnt.
Immer dringlicher verlangten deshalb die in Avignon zurückgebliebenen
Kirchenfürsten die Rückkehr Urbans, der selbst nicht die gesegneten
Fluren Südfrankreichs vergessen konnte. Daß er in seinem Herzen ein
Franzose blieb, zeigte sich auch, als er in seiner in Rom vorgenommenen
Kardinalskreation acht Franzosen und nur einen Italiener ernannte.
Ausschlaggebend aber war, daß er sich als Vater der Christenheit
verpflichtet fühlte zu versuchen, den sogenannten Hundertjährigen Krieg
zwischen England und Frankreich zu beendigen, was, wie er meinte, nur
von Frankreich aus möglich sein könne.
Da versuchte vor allem Brigitta ihn zurückzuhalten. Sie schreckte nicht
einmal davor zurück, ihm zu drohen, er werde bald nach seiner Rückkehr
nach Avignon sterben, habe ihr doch die Mutter Gottes offenbart, es sei
Gottes Wille, daß er Italien nicht mehr verlassen solle.
Urban führte aber sein Vorhaben durch. Am 23. September 1370 zog er
wieder in Avignon ein. Jedoch war es ihm nicht vergönnt, für den
Frieden wirken zu können. Der plötzlich schwer erkrankte Papst starb
bereits am 19. Dezember des gleichen Jahres. Seine letzte Ruhestätte
fand er 1372 in der Kirche St. Victor in Marseille. Sein Todestag ist
auch zugleich sein Gedenktag.
Gleich nach seinem Ableben wurde der tieffromme und bedeutendste Papst
der avignonesischen Epoche von den Gläubigen wie ein Heiliger verehrt.
Daß er aber erst in der Zeit des Vatikanischen Konzils 1870 von Papst
Pius IX. seliggesprochen wurde, ist vielleich darauf zurückzuführen,
daß es ihm vielfach nicht verziehen worden war, Rom, seinen wahren
Sitz, wieder verlassen zu haben.
Einer ähnlich geistesgewaltigen Frau wie Brigitta, der hl. Katharina
von Siena, gelang es, Urbans Nachfolger, Gregor XI. nach jahrelangem
Bemühen zu bewegen, sein "Exil" zu verlassen und 1377 wieder in Rom zu
residieren. Mit ihm, der bereits im darauf folgenden Jahr starb, endete
die Reihe der legitimen avignonesischen Päpste.
Benutzte Literatur:
Pastor, Ludwig: "Geschichte der Päpste", Band I, Freiburg 1901. "Vies des Saints", Band 12, Paris 1956.
Seppelt-Löffler: "Papstgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart" München 1933.
Seppelt, Franz Xaver: "Geschichte der Päpste", Bd. IV, München 1957.
Stadler, Joh. Ev.: "Vollständiges Heiligenlexikon in alphabet. Ordnung" Band V, Augsburg 1875.
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Priesterweihe in Hermosillo-Mexiko
Am 30. November hat Mgr. Martín Dávila Gándara den Diakon Jaime
Preciado Monzón, der im Priesterseminar von Hermosillo seine Studien
absolviert hat, in der Kirche zum Unbefleckten Herzen Mariens die
Priesterweihe erteilt.
Wir wünschen dem neuen Priester Gottes reichsten Segen für sein Wirken
für die Kirche und die Gläubigen und bitten die Leser, ihm ihre
Unterstützung zu gewähren.
Im Namen der Redaktion
E. Heller
Wir bitten zugleich alle Leser, die eine Reise nach Mexiko planen, uns
davon zu informieren. Für Bischof Dávila und das Seminar in Hermosillo
haben wir Bücher, Lehrmaterial und liturgische Gewänder besorgt, die
wir diesen Reisenden anvertrauen möchten, damit diese Gegenstände
sicher ihr Ziel erreichen. |