EIN UNSTUDIERTER LAIE SETZT ZWEIFEL
IN DIE RICHTIGKEIT THEOLOGISCHER ENTSCHEIDUNGEN
BEI DER UMGESTALTUNG DER HEILIGEN MESSE.
von
Alois Schnitzer sen., Traunstein
Unter dem Eindruck, daß Gott der Allwissende, der sorgende und
liebevolle Vater aller Menschen, in unserer katholischen Kirche
anwesend ist, daß ich zu Ihm beten kann und daß ich dort im Tabernakel
immer meinen Heiland Jesus Christus finde, dem ich meine täglichen
Sorgen und Mühsale vortragen kann, auch wenn kein Priester in der
Kirche anwesend ist, geht der gute Katholik, wenn immer er kann, auf
ein kurzes oder längeres Gebet in die Kirche. Dabei ist eine
Selbstverständlichkeit, daß jeder Kirchenbesucher mit Blickwendung zum
Tabernakel sein Gebet verrichtet. Einen Beter unserer katholischen
Kirche, der nicht mit Blickrichtung zum Tabernakel hin betet, können
wir uns im Grunde genommen gar nicht vorstellen. Ein solches Tun würde
jeder menschlichen Logik und jedem persönlichen Anstand widersprechen.
Wie könnte auch ein Menschenkind mit dem Dreieinen sprechen, Ihn bitten
oder Ihm danken, ohne Ihn eines Blickes zu würdigen? Ein solches
Verhalten ist für einen überzeugten Katholiken einfach eine
Unmöglichkeit.
Auf Grund innerster Überzeugung, daß Jesus Christus in Brotsgestalt bei
uns in jeder römisch-katholischen Kirche im Tabernakel wohnt, hat sich
auch unsere heilige Messe, der Gebetskranz um die Wandlungsfeier
gebildet. (Daß dieser Gebetskranz in mehreren Jahrhunderten nach
Christi Tod nicht vollinhaltlich einheitlich war, ist nur zu leicht
verständlich; es gab eben keine Post und kein Telefon.) Aus der
gesammelten Erfahrung, sowie der eingebürgerten Tradition, wie aber
auch der kirchlichen Notwendigkeit und tiefst religiöser Überlegungen
hat dann Papst Pius V. im Jahre 1570 einen einheitlichen Ablauf der
heiligen Messe in allen römisch-katholischen Kirchen angeordnet. Eine
heilige Messe, die auch theologisch richtig aufgebaut und geordnet ist.
Seit vierhundert Jahren feiert somit die katholische Kirche die heilige
Messe, die als stille heilige Messe, wie als Gemeinschaftsmesse,
Priester und Volk, oder als Amt bzw. Hochamt unter Assistenz von
mehreren Priestern und Chor immer einheitlich war. Die heilige Messe
wurde so die erhabenste Feier der Verherrlichung des heiligsten
Altarssakramentes, der Anbetung Gottes, der bei Seinem Volk im
Tabernakel Wohnung bezogen hat.
Im vollen Bewußtsein und aus innerster Überzeugung, daß unser Herrgott
bei uns im Tabernakel wohnt, daß dieser unser allgütiger und gerechter
Vater aber auch der Abwäger ist über unser gutes Wollen und unsere
bösen Vernachlässigungen, daß dieser Allwissende unsere
verschwiegensten Gedanken und Ziele kennt, hat sich mit Recht eine
betende und bittende Opfergemeinschaft der Gotteskinder zu allen Zeiten
in unseren Kirchen eingefunden. Der gläubige Katholik weiß, daß vor
unserem Heiland im Tabernakel unser Tiefstinneres in voller Offenheit
aufliegt, daß es uns deshalb nichts hilft, schöne Worte zu formen, ohne
auch gutes Wollen zu zeigen, daß es uns nichts hilft, schöne Augen und
Gesten zu machen, sondern daß dieser gütige Vater nur vergibt, wenn wir
auch ehrlich bereuen, wenn wir mit gutem Wollen versuchen, nicht auf
dem Erdboden liegen zu bleiben, sondern immer wieder bestrebt sind,
unsere eigene Schuld zu erkennen und zu bereuen, und somit wieder
aufzustehen versuchen und gottgefällig leben wollen. So lehrt es uns
unser katholischer Glaube, so handelt auch das katholische Volk.
Deshalb hat auch der katholische Priester bisher an den Stufen des
Altares mit Blickwendung zum Allerheiligsten bekannt, daß er ein
schwacher sündhafter Mensch ist, daß nur Er, der Vater, ihn würdig
machen kann, das heilige Meßopfer zu feiern und die heiligen
Wandlungsworte in Seinem Auftrag zu sprechen.
Aus diesem Glauben heraus hat der Priester in der heiligen Messe eben
alle seine Bitten, seine Opferungs- und Wandlungsworte vor dem
Tabernakel zum Allerheiligsten, zu Jesus Christus selbst gesprochen.
Sein Verbeugen, sein Niederknieen, alles galt seinem allmächtigen und
allwissenden Herrgott. Der Priester am Altare Gottes gab eben allem was
Gottes ist, die Ehre, die demutsvolle Anerkennung, sein Beten und
Bitten seinem Herrgott im Tabernakel.
Der Priester gab aber auch bei der heiligen Messe dem Volke, was des
Volkes ist, er wandte sich zum Volk, um zu sprechen: der Herr sei mit
Euch. Er forderte das Volk auf, mit ihm die täglich anfallenden
Propheten- und Apostelworte gedanklich zu verarbeiten, zu befolgen und
schließlich verkündete er das Evangelium, das Wort und die Lehre
Christi selbst, dem Volk zu dessen Beherzigung und Befolgung. So war
der ganze Ablauf der hl.Meßfeier einheitlich auf die Verehrung des
Allerheiligsten im Tabernakel und auf das Leben und Sterben unseres
Heilandes ausgerichtet. Diese Meßfeier war für jeden einfachen
Menschen, der guten Willens war, in all seinen Gliederungen
verständlich, ja ein innerliches Erleben mit Gott und Gotteswort. Diese
Meßfeier entsprach auch der Natur des Menschen, der eben seinem
Herrgott vor dessen irdischer Wohnung am Altar ein sichtbares und
fühlbares Opfer darbringen will.
Und wie wurde diese unsere heilige Messe nun von "katholischen"
Theologen heute in das Gegenteil umgedreht? Wenn heute ein Priester
öffentlich sein Stufengebet, sein Schuldbekenntnis betet, geht er vom
Tabernakel weg, bekennt seine Schuld also nicht mehr seinem Herrgott im
Tabernakel. Den Tabernakel und mit ihm unseren Herrgott hat man auf die
Seite geschoben, ja dort und da sogar um die Ecke hinübergestellt. Sein
Schuldbekenntnis spricht der Priester heute zum Volk hin. Und dieses
Volk sieht nicht in das Innere des Priesters. Das Volk kann auch nicht
beurteilen, ob der Priester wirklich bereut. Dies weiß auch der
Priester, und somit wird das Schuldbekenntnis des Priesters ein reines
Lippenbekenntnis ohne Reue, ohne Willen, wenn der Priester auf die Erde
gefallen war, auch wieder aufzustehen. Der Priester weiß nur zu gut,
daß ihn das Volk von seiner Schuld nicht freisprechen kann, ihm seine
Schuld nicht vergeben kann. Denn das ist alleinige Sache unseres
Herrgotts. Der Priester betet nicht mehr in Blickrichtung zum
Tabernakel zur irdischen Wohnung unseres Herrgotts, und das ist nach
meiner laienhaften Überzeugung eine Unmöglichkeit, eine Mißachtung
unseres Herrgotts und somit eine theologische Unmöglichkeit.
EIN SCHULDBEKENNTNIS, vom Priester zum Tabernakel hin gesprochen, mag
da und dort auch im alltäglichen Leierton erfolgen; aber andererseits
weiß jeder gläubige Priester, daß vor ihm im Tabernakel der allwissende
Herrgott wohnt, der wohl Verständnis für menschliche Schwächen hat,
andererseits aber auch erkennnt, ob der Priester wirklich seine Schuld
bereut oder ob er nur für die Öffentlichkeit ein äußerliches
Lippenbekenntnis herunterhaspelt.
EIN SCHULDBEKENNTNIS, zum Tabernakel hin gesprochen, wird also vom
Priester, und wenn er Bischof oder Papst ist, eine ganz andere
Konzentration und innerliche Einstellung zu unserem Herrgott erfordern
als das Schuldbekenntnis, das von einem Waschtischpriester zum Volk
hingesprochen wird.
EIN SCHULDBEKENNTNIS, das nicht zum Tabernakel, nicht zu unserem
Herrgott hin gesprochen wird, läßt die Vermutung zu, daß der Priester,
der dies tut, gar nicht daran glaubt, daß unser Herrgott im Tabernakel
allgegenwärtig ist. Ich als Laie kann es mir gar nicht denken, daß ein
katholischer Priester, der an die Gegenwart unseres Herrn Jesus
Christus im Tabernakel glaubt, sich so lausbubenartig benimmt und
seinem Herrgott die kalte Schulter zeigt und somit aus Trotz, Eigensinn
und Selbstherrlichkeit seine eigene Schuld seinem Herrgott nicht
bekennen will.
Wenn also ein Priester nicht mehr an das heiligste Altarssakrament
glaubt, dann ist dieser Priester, ob er nun Bischof oder Papst ist,
nicht mehr katholisch. Wenn nun so ein Priester dem Volke nur eine
katholische Messe vortäuscht, dann ist dies eine satanische Irreführung
des gutgläubigen Volkes. Es zeigt uns aber auch, daß so ein Priester
sich sagt: "Wenn ich schon nicht mehr glauben will oder kann, dann
sollen Hunderte und Tausende von Menschen mit mir auch nicht mehr daran
glauben.
Ich habe bisher nur das Schuldbekenntnis zum Beginn der heiligen Messe
in meinen Ausführungen besprochen. Ich überlasse es dem Denken und
katholischen Fühlen des Lesers, sich darüber Gedanken zu machen, wie es
ist, wenn ein Priester auf so einem Waschtischaltar, also mit
Blickrichtung zum Volke, die Messe liest? Wenn er alle Gebete, die er
zu Gott sprechen sollte, zum Volke hin spricht. Wenn er statt Gott
anzuflehen, zum Volke hinfleht? Wenn er opfert, wandelt und
kommuniziert ohne direkte Verbindung mit seinem Herrgott im Tabernakel.
Wenn der Priester jede Verbindung mit seinem Herrgott im Tabernakel
abgebrochen hat. Wenn der Priester sich sichtbar der Kontrolle durch
seinen Herrgott entziehen will? Wenn der Priester den Tabernakel auf
die Seite schiebt, um sich selbst, den schwachen Priestermenschen, als
Mittelpunkt dem Volke zu präsentieren? Wenn der Priester somit nicht
mehr seinem Herrgott gerecht dienen will, sondern sich dem Volke
stellt, wenn das Volk ihn den Priester beurteilen soll, wie er der
Priester betet, bittet, wandelt, kommuniziert?
SOLCHE PRIESTER wollen doch nur Eindruck beim Volk machen. Solche
Priester haben ihren persönlichen intimsten Verkehr mit Gott verlassen
und zeigen dem Volk, wie intim oder gleichgültig ihnen der Verkehr mit
Gott geworden ist. Solche Priester kommen mir vor wie Eheleute, die
ihren intimsten Verkehr der Öffentlichkeit zeigen wollen. Solche
Priester fragen dann auch gerne ihre Vertrauten: "Nun, was habe ich
heute am Altar für eine Figur gemacht?" Solche Priester sind also
darauf bedacht, wie sie mit ihrem Tun am Altar dem Volke gefallen.
Diese Priester spielen also Theater und verwenden dazu die Messe und
die Kirche.
Einen katholischen Laien, der in unserer katholischen Kirche betet und
nicht in Blickrichtung zum Tabernakel betet, können wir uns gar nicht
vorstellen; so etwas ist eine glatte Unmöglichkeit. Aber wenn ein
Priester dies bei der Messe tut, was wir bei einem Laien als eine
Unmöglichkeit bezeichnen, dann soll dies richtig sein?
Von sogenannten katholischen Theologen, von denen solche Anordnungen,
Neuerungen und sogenannte Verbesserungen kommen, MÜSSEN WIR KATHOLISCHE
LAIEN ALLES ABLEHNEN, was da an sogenannten Verbesserungen in unserer
katholischen Glaubenslehre durchgeführt werden soll; denn diese
Theologen wollen uns mit akademischer List und Raffinesse unserem guten
katholischen Glauben entführen in eine andere Glaubenslehre oder
überhaupt glaubenslos machen.
Überlegen wir uns doch noch einmal den Unterschied: Ein Priester vor
dem Tabernakel wird im tiefsten Inneren anders beten als ein Priester,
der dem Volk ins Auge schaut.
Ein Priester mit Blickrichtung zum Tabernakel kann sich viel intimer
und gewissenhafter mit dem Gebetskranz und der Vorbereitung der
hl.Wandlung befassen als ein Waschtischpriester, dem jede Intimität mit
seinem Herrgott weggegafft wird.
Ein Priester mit Blickrichtung zum Tabernakel wird vor seiner Kommunion
seinen Herrgott inniger und intimer um Verzeihung bitten als ein
Waschtischpriester, dem jeder Blick und jedes Insichgehen vom
Volksgeschau unmöglich gemacht wird.
Ein Priester mit Blickrichtung zum Tabernakel wird nach seiner
persönlichen Kommunion seinem Herrgott für die Gnade, daß er Ihn
empfangen durfte, mit einem innigeren Dankgebet danken als ein
Waschtischpriester, dem die Gaffer jede innere Sammlung stehlen, so daß
somit meist ein persönliches Dankgebet entfällt.
Nur von Priestern, die die Verehrung des Allerheiligsten
Altarssakraments eingeschränkt oder gar aufgegeben haben, wird die
Handkommunion empfohlen.
Wir wissen nur zu gut, daß durch die Handkommunion unheimlich viele
Sakrilege, also Schändungen am Allerheiligsten, möglich gemacht wurden.
Priester, die das Allerheiligste noch hoch verehren, sollen deshalb
mutvoll, überzeugt und mit aller Entschiedenheit in aller
Öffentlichkeit dafür eintreten, daß sich die Gläubigen das
Allerheiligste nur in den Mund reichen lassen.
Und jeder gläubige Katholik, der überzeugt ist, daß unser Herrgott in
der heiligen Hostie gegenwärtig ist, soll sich diese Hostie nur in den
Mund reichen lassen, weil er damit mithilft, daß Sakrilege, die bei der
Handkommunion möglich sind, unterbunden werden. Gutes Beispiel ist
heute notwendiger denn je.
Und so komme ich als unstudierter Laie zu der Feststellung, daß
Priester, die auf einem Waschtisch die Messe lesen, entgegen den
theologischen Grundsätzen in unserer römisch-katholischen Kirche
handeln; daß Priester, die das Allerheiligste im Altarssakrament
anerkennen, auch davon überzeugt sind, daß der Dreieine im Tabernakel
unserer katholischen Kirche wohnt; daß Priester, die während der
heiligen Messe Gott suchen, Ihn anbeten, verehren und bitten wollen,
eine heilige Messe nur vor dem Tabernakel feiern können.
Ein unstudierter Kolpingssohn
Alois Schnitzer sen., Traunstein
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