PROF.J.A.JUNGMANN,
DER BERATER DES II.VATIKANISCHEN KONZILS
von
Walter W.E. Dettmann
Prof. Jungmann meinte, er allein dürfe darüber entscheiden, ob der
Befehl Jesu Christi "Tut dies zu meinem Andenken" während zwei
Jahrtausenden richtig durchgeführt wurde oder nicht, und er bildete
sich ein, der Maßstab dafür müsse unbedingt die sogenannte Messe des
einstigen schismatischen Gegenpapstes Hippolyt (+ ca. 235) aus dem
dritten Jahrhundert sein, bei der es keine Opferung sondern nur eine
farblose sogenannte "Gabenbereitung" gibt. Prof.Jungmann gehörte zu
denen, die die Opferung der hl.Messe schon zwanzig Jahre vor dem
Zweiten Vatikanischen Konzil abschaffen wollten.
Als er im Sommer des Jahres 1939 an seinem Buch zu arbeiten begann, war
er Rektor des sogenannten "Collegium Maximum" der Jesuiten in
Innsbruck. Als solcher war er durch ein feierliches Gelübde zu
besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst verpflichtet. Dieses sogenannte
vierte Gelübde wurde keineswegs von allen Mitgliedern des
Jesuitenordens abgelegt, sondern meist nur von solchen, die für
bedeutendere und höhere Stellen im Orden in Frage kamen. Als Rektor des
Collegium Maximum trat Jungmann bei seinen Untergebenen immer für
unbedingten Gehorsam ein. Er selbst aber plante heimlich einen
Hauptschlag des Ungehorsams und der Auflehnung gegen alle Päpste, die
seit Pius V. die bisherige Form der heiligen Messe strengstens
vorgeschrieben hatten. Prof.Jungmann ist ein Beispiel dafür, wie die
Disziplin des Jesuitenordens schon mehr als zwanzig Jahre vor dem
Zweiten Vatikanischen Konzil bis ins Mark hinein ausgehöhlt und
zerfressen war.
Jungmann wollte nicht nur eine "Darstellung der Meßliturgie" geben, wie
er im Vorwort zur ersten Auflage seines Buches behauptet. Er wollte
viel mehr: Er wollte die bisherige Form der Meßfeier auf Schritt und
Tritt herabsetzen. Das läßt sich aus überaus zahlreichen Sätzen seines
Werkes beweisen:
Er sagt z.B. über das Werk des heiligen Papstes Pius V.: "So blieb im
Meßbuch und auch im Meßordo vieles unverändert und wohl auch ungeprüft
stehen, was sich in der fränkisch-deutschen Periode als kunstlose
Übermalung über die herben Formen der alten stadtrömischen Messe gelegt
hatte" ("Misserum Sollemnia", I. 174).
Prof.Jungmann macht Papst Pius V. somit den Vorwurf' "kunstlose
Übermalungen" (z.B. die Opferungsgebete!) aus späterer Zeit "ungeprüft"
in der hl.Messe stehen gelassen zu haben. Den Beweis dafür bleibt
Jungmann schuldig.
An anderer Stelle schreibt Jungmann: "Die größte und folgenschwerste
Neuerung des Meßbuches Pius' V. war die in der Einführungsbulle
ausgesprochene Verfügung, daß dieses Meßbuch von nun an in allen
Kirchen allein maßgebend sein sollte und daß daran nichts mehr geändert
werden dürfe" (I. 176).
Das von Jungmann gebrauchte Beiwort "folgenschwer" bezeichnet im
Sprachbuch des Herderverlages, bei dem Jungmann sein Werk drucken ließ,
"viele oder üble Folgen nach sich ziehend".
Überträgt man diese Worterklärung auf das Werk Piust V., dann sieht man
worauf Prof.Jungmann mit seinem Ausdruck "folgenschwerste Neuerung" den
Hauptton legen wollte, nämlich auf die "vielen oder üblen Folgen" des
römischen Meßbuches. Die segenereichen Folgen desselben kommen hier im
Urteil Jungmanns entschieden zu kurz.
Wie sich Prof.Jungmann die "üblen Folgen" des alten Meßbuches
vorstellt, beschreibt er in einem höchst sonderbaren und eigenartigen
Vergleich:
"Das Missale Pius' V. bedeutet nach den anderthalb Jahrtausenden
ununterbrochener Entwicklung des Ritus der römischen Messe, nach dem
Rauschen und Strömen von allen Höhen und aus allen Tälern) einen
gewaltigen Staudamm, von dem an die angesammelten Wassermassen nur mehr
in festen Leitungen und in wohlgebauten Kanälen ihren Weg fortsetzen
dürfen. Mit einem Schlag sind alle eigenwilligen Um- und Seitenwege
abgeschnitten, ist allen Überschwemmungen und Übermurungen gewehrt und
ist ein regelmäßiger und nutzbarer Fortgang gesichert. Aber es ist
damit auch in Kauf genommen, daß das blühende Flußtal nun öde liegt und
daß die Eigenkräfte der weiteren Entwicklung nur mehr in den
bescheidenen Rinnsalen eines oft dürftigen Andachtswesens abseits des
großen Laufes sich sammeln und zu neuen Ausdrucksformen gelangen
können" (I.,179).
Wenn man einmal von der Tatsache absieht, daß Prof.Jungmann einen ganz
unpassenden Vergleich gewählt und daß er sich über den Vergleichspunkt
nicht genügend Rechenschaft gegeben hat, muß man sich dennoch fragen,
was er mit dem ehemals "blühenden Flußtal" eigentlich meint. Denn er
behauptet, dieses blühende Flußtal liege nun, seit der Errichtung des
"Staudammes", d.h. seit dem Jahre 1570, verödet da. Meint Jungmann mit
dem verödeten Flußtal die ganze Kirche, in der - wie er sich ausdrückt
- nur noch "ein dürftiges Andachtswesen" gepflegt wird? Oder meint er
die sogenannte liturgische Bewegung?
Zuerst hatte Jungmann von "kunstlosen Übermalungen" gesprochen, die
während der fränkischen Zeit die "herben Formen der alten
stadtrömischen Liturgie" angeblich verdeckten. Danach müßte Jungmann
eigentlich bedauern, daß der sogenannte "Staudamm" erst von Pius V. und
nicht schon 1300 Jahre früher von Hippolyt errichtet wurde. Man wird
aus dem Vergleich des Professors Jungmann nicht klug. Sicher ist nur
das eine, daß er an dem großen Werk Papst Pius' V. herumnörgeln wollte.
Im Vorwort seines Buches teilt Professor Jungmann seine künftigen Leser
in zwei Gruppen ein: Erstens in die sogenannten "kritischen Benützer"
seines Werkes und zweitens in die sogenannten "unbefangen gläubigen
Leser"
Für beide der genannten Gruppen wird die Lesung des Buches zu einer
großen Enttäuschung. Denn die "kritischen Benützer" sehen unter anderem
bald, wie unbegründet die Vorliebe Jungmanns für die Schismatikermesse
Hippolyls ist, und der "unbefangen gläubige Leser" bekommt bei den
vielen unwissenschaftlichen Werturteilen Jungmanns gegenüber Papst Pius
V. eine kalte Dusche nach der anderen ins Gesicht.
Professor Jungmann hat keinen Blick für das, was wirklich als
Hauptsache in der katholischen Kirche vor sich ging und was bis heute
die Hauptsache sein sollte.
In der Geheimen Offenbarung des Apostels Johannes heißt es nach dem
Bericht von der Vernichtung der Babylonischen Hure, nämlich des
römischen Weltreiches: "Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine
Braut hat sich vorbereitet" (19,7).
Dies bezieht sich eindeutig darauf, daß die einst vom römischen
Weltreich verfolgte Kirche sich "vorbereitete", um in Freiheit die
"Hochzeit des Lammes" zu feiern. Es ist also selbstverständlich, daß
diese in Freiheit gefeierte Hochzeit des Lammes, das heißt das heilige
Meßopfer, dem zahllose Völker kommunizierend beiwohnen werden, einen
ganz anderen, viel schöneren Rahmen bekommen muß , als die unter
ständiger Lebensgefahr gefeierte heilige Messe in den engen Löchern und
Grüften der Katakomben.
Über diese Tatsache hat sich Professor Jungmann nicht die geringsten
Gedanken gemacht. Er bildet sich ein, es dürfe keinen Unterschied geben
zwischen der Meßfeier der Katakombenzeit und der Meßfeier nach den
Stürmen der Völkerwanderung. Prof.Jungmann behauptet ganz einfach ohne
jeden Beweis, daß die alte stadtrömische Messe so à la Hippolyt
ausgesehen haben müsse, und Papst Pius V. habe viel zu wenig geprüft,
was an "kunstlosen Übermalungen" aus dem Frankenreich später
darübergekleistert worden sei.
Ferner bildet sich Prof.Jungmann ohne jeden hinreichenden Grund ein,
die sogenannte Hippolyt-Messe, die keine Opferung kennt, sei gedanklich
klarer und zielstrebiger als die offiziellen Meßtexte der katholischen
Kirche seit dem vierten und fünften Jahrhundert. Er sagt: "Dem klar
dahinfließenden Dankgebet der Hippolytischen Eucharistia gegenüber
bedeutet der römische Meßkanon mit seinen verschiedenen Gliedern und
Stufen, mit seinen wiederholten Darbringungen und seinen Fürbitten,
nicht zuletzt mit seinen Heiligenreihen entschieden ein sehr komplexes
Gebilde" (I. 64).
Wer sieht nicht, daß hier die Zerstörung der heiligen Messe durch das Zweite Vatikanische Konzil schon vorweggenommen wurde?
Von seinen ganz und gar ungenügenden geschichtlichen Studien ist Prof.
Jungmann so sehr eingenommen, daß er behauptet: "So kann auch in der
Meßliturgie erst geschichtliche Betrachtung, der Nachvollzug der über
viele Jahrhunderte gehenden Genesis, ein genaueres Verständnis möglich
machen" (I. Einleitung).
Wenn es nur um jenes "genauere Verständnis" ginge, das Prof.Jungmann
meint, dann hätten Millionen und Millionen von demütigen Gläubigen sich
umsonst tagtäglich zur heiligen Messe begeben. Aber sie hatten
glücklicherweise auch ohne Prof.Jungmann ein völlig ausreichendes
"genaues Verständnis" der Meßliturgie. Denn sie besaßen einen
lebendigen Glauben an die Gegenwart des Heilands im heiligsten
Altarssakrament, und sie wußten, daß die Opferung deshalb ein Hauptteil
der heiligen Mess ist, weil die Kirche dies so bestimmt hat, um allen
Völkern zu zeigen, was auf dem Altare vor sich geht und was Jesus uns
gegeben hat und was wir mit Jesus tun sollen nämlich Ihn Seinem
himmlischen Vater aufopfern.
Mit ausdrücklicher Berufung auf seinen "Mitbruder" Karl Rahner
behauptet Prof.Jungmann, die tägliche Messe sei zwar ein Opfer, "aber
nicht ein solches mit selbständiger Heilsbedeutung, da es nur die
kultische Ausweitung des einmaligen, allein heilsbegründenden Opfers
auf Kalvaria ist, das im Blickfeld des Hebräerbriefes steht" (I. 235).
Prof.Jungmann und Karl Rahner irren sich ganz gewaltig. Denn das Opfer
des Neuen Bundes wurde durch den Propheten Malachias vorausgesagt
(1,11) als etwas, das an allen Orten vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem
Untergang dargebracht wird, und selbstverständlich hat jedes einzelne
dieser unzähligen Opfer auf der ganzen Erde "selbstverständlich
Heilsbedeutung" sowohl für die gesamte Kirche als auch für den
einzelnen Priester und Gläubigen.
Für den alten Propheten Malachias und vor allem für den Heiligen Geist
war es selbstverständlich, daß bei jedem einzelnen Opfer eine sichtbare
Gabendarbringung, ein wirkliches Opfer, stattfand und nicht nur eine
sogenannte "Gabenbereitung", von der jene Leute seit Jahrzehnten
faseln, die liturgisch hochgebildet sein wollen und die über das
hl.Meßopfer die Nase rümpfen.
Wer auch nur im geringsten den Opfercharakter der heiligen Messe
zuändern und zu schmälern sucht, der vergreift sich an solchen
göttlichen Dingen, die außerhalb seiner Zuständigkeit liegen, und er
begeht damit ein eigentliches Sakrileg, d.h. einen Tempelraub. Der alte
lateinische Ausdruck "sacra legere" bedeutet heilige Dinge stehlen
("sammeln").
Auf dem Eucharistischen Kongreß in München 1960 suchten die
Verantwortlichen das geplante Sakrileg an der heiligen Messe durch eine
sogenannte "Agape" ("Liebesmahl") im Hofbräuhaus zu vertuschen und
schmackhaft zu machen, wobei der Abgesandte Papst Johannes' XXIII. den
Oberkellner spielen mußte.
Auch ein Papst hat nicht das geringste Recht, den Opfercharakter der
heiligen Messe zu verändern. Und hierin liegt der geistliche Frevel
Montinis und jener 99,8% der Bischöfe, die beim Zweiten Vatikanischen
Konzil die Zerstörung der hl.Messe beschlossen hatten. Ein Priester,
der die wahren Hintergedanken der neuen Liturgie nicht durchschaut, und
der sie so, wie die heutigen Bischöfe es wollen, mitmacht, ist nicht
mehr "fromm" sondern im besten Falle gedankenlos und damit unbrauchbar.
Denn das erste, was ein Priester von seinen Dienstptlichten wissen muß,
ist dies, daß er Gott dem Allmächtigen ein vorgeschriebenes Opfer
darzubringen hat, und zwar ein Opfer mit voller, selbständiger
"Heilsbedeutung". Jede einzelne heilige Messe ist ein vollwertiges
Lob-, Dank-, Sühne- und Bittopfer. Im übrigen haben Karl Rahner und
Prof.Jungmann den Hebräerbrief, von dem sie reden, sehr vernachlässigt;
vgl. dazu den Aufsatz: "Die regelmäßige Feier des hl.Meßopfers im
Hebräerbrief des Apostels Paulus" (Zeichen Mariens, Juni 1970).
Der Unterschied zwischen Papst Pius V. und dem Montinipapst besteht
darin: Pius V. durfte und mußte den Opfercharakter der hl.Messe klar
hervorheben. Der Montinipapst dagegen hat kein Recht, den
Opfercharakter der heiligen Messe anzutasten. Dieses Recht hat er sich
unerlaubterweise angemaßt. Er ließ sich dazu von einem Jesuiten
verleiten, der gescheiter zu sein meinte als alle früheren Päpste.
Prof. Jungmann behauptete im Vorwort seines Buches, dieses habe sein
Entstehen den "bösen Zeiten" zu verdanken, die der Nationalsozialismus
Adolf Hitlers über die Klöster gebracht habe. Durch die
Klosteraufhebung habe Jungmann Zeit zum Schreiben des Buches bekommen.
Das Letztere mag wahr sein: Die Zeit zum Schreiben hat Jungmann auf
diese Weise bekommen. Aber das erste ist nicht wahr: Jungmanns Buoh
verdankt sein Entstehen nicht den "bösen Zeiten" sondern der bösen
Abneigung des Herrn Professors gegen die heilige Messe Papst Pius' V.
und dem Ungehorsam gegenüber Papst Pius XII., der zwei Jahre vor der
Veröffentlichung von Jungmanns Buch dessen Ideen klar und deutlich als Irrtum bezeichnet hatte (vgl. "Mediator Dei".)
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