An Gaius), den Therapeuen )
Das Dunkel ist dem Lichte nicht sichtbar, und dies um so mehr, je
stärker das Licht ist. Kenntnisse begreifen nicht das Unerkennbare, und
dies um so weniger, je mehr sie kennen.
Wenn Du aber das eben Gesagte nicht im Sinne des Alltagsverstandes
auffaßt, also Dunkel nicht als Lichtmangel und Unkenntnis oder Unwissen
nicht bloß als Mangel, dann kannst Du in einer alle Richtigkeit
übersteigenden Weise aussagen: Das wahre Licht bleibt denen verborgen,
die es zu besitzen wähnen. Sein all-überragendes Wesen ist Dunkel, das
sich jeglichem (irdischen oder menschenverstandgemäßen) Licht und
Erkennen entzieht. Und wenn Du meinst, Ihn geschaut zu haben, und zwar
so, daß Du begreifst, was Du geschaut hast, so wisse: Nicht hast Du Ihn
selbst geschaut, sondern nur etwas vom Seienden, das entsprechend
erkenn- und begreifbar ist. ) Er selbst aber ist erhaben über alles
Sein und Erkennen. Ihm ist es als dem All-Gemäßen (kathólou!)
eigentümlich, weder erkannt zu werden noch zu "sein" (wie die
geschöpflichen Dinge und Wesen). ) Die Weise Seines "Seins" ist
überseiend (oder auch: die Weise Seines Wesens ist überwesentlich), und
erkannt wird Er in einer Weise, die alles Vernunfthafte übersteigt. )
Verstehe mich, mein lieber Bruder: Vollkommenes Nicht-Wissen - im
höchsten Sinne - ist das wahre Wissen dessen, der alles Wissbare
überragt. )
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